Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 4 (26.1.1933)
- Date
- 1933-01-26
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»MM mr MW Ü U D n fl OQ n.-f3^ üilrsfeurg Vor völlig überfülltem Saale — die Zu- Hörerschaft ging an Zahl in die Hunderte — sprach am 16. Januar der Direktor des Central- Vereins. Tr. Ludwig Holländer, in Würzbürg. Sein Thema lautete: „T e r deutsche Jude und sein Zerrbild." Eine an-;e angesehener und bekannter nichtjüdischer Persönlichkeiten wohnte der Versammlung bei. Der Wert des Vortrages kann nicht besser anerkannt werden, als das der „Würzburger General-Anzeiger" und das „Volksblatt" (Bayerisch; Volkspartei), die beide den Vortrag ausführlich wiedergeben, schreiben: „Der Vortragende entledigte sich in vornehmer und sachlicher Weise seiner Aufgabe. das vom Antisemitismus verzerrte Bild der deutschen Juden ins helle Licht der Wahrheit, Wirklichkeit und GerechtigkcrL zu stellen" („General-Anzeiger", blr. 13, vom 17. Januar), und: „Das Thema wurde von einer stattlichen Zuhörerschaft tiefgründig und mit wohltuender Sachlichkeit behandelt" (..Dolksblattch 9ir. 14, vom 18. Januar). Die Veranstaltung stand unter der umsichtigen Leitung des Vorsitzenden der Ortsgruppe Würzburg des C. V., Justizrats Dr. Rosenthal. Am 18. Januar sprachen in einer ungewöhnlich stark besuchten, von Rechtsanwalt Bauch- Witz. geleiteten Versammlung in Halle die Herren A. Sand elowsky. Mitglied des Hauptvorstandes des C. D.. und Arthur Schweriner, Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland des C. D., über „Die politische Situation und die deutsche Judenfrage". Sowohl die „H attischen Nachrichten" (parteilos) Ime das ,p3ol sblatt" (SPD.) berichteten über die Ausführungen der beiden Redner, die bei den christlichen wie jüdischen Zuhörern aus lebhaftes Interesse stießen. In der Aussprache wurden besonders die landwirtschaftlichen Fragen, die der sachkunoige Herr Sandelowsky angesichts der großen Notlage der deutschen Landwirtschaft berührt harre, eingehend erörtert. Daran beteiligten sich der ehemalige Landrat Streicher und der Landtagsaögeordnete Drescher. Tie Zahl dgr christlichen Besucher wird auf 150 bis 200 geschützt. v&li L L tSy t&äa „Der Y/es zum inneren Frieden“ Don der Veranstaltung vor Hamburger Lehrerinnen der Frauengruppe des Centralvereins dort (Leitung Frau Anni Bauer) haben wir bereits in der letzten Nummer dieses Blattes kurz berichtet. Syndikus Dr. Alfred Wiener sprach über „D e r Weg Zum inneren Frieden". Tie Versammlung sollte der Entgiftung des Kampfes unter der schulpflichtigen Jugend dienen, die leider so oft mit Feindschaft und Haß gegen die, die nicht so sind, wie die Mehrzahl angeblich ist. erfüllt ist. lieber die Veranstaltung liegen bereits mehrere Prüfberichte vor, durch die Teile der Wienerschen Ausführungen Zehntausendsn nichtjüdischen Volksgenossen übermittelt worden sind, so in dem weitverbreiteten „Hamburger Fremde n b l a t t" (bürgerlich), dem „Hamburger Echo" (S.P. D.), dem „Hamburger Familienblatt", in dem eine besonders ansprechende, ausführliche Darstellung gegeben wurde. 15 AUikünmssabende In den letzten Monaten sprach im Aufträge der Hamburger Frauengruppe des C. D. Fräulein Senta Meyer vor verschiedenen christlichen Frauenkreisen. Fräulein Meyer sprach vl a. in einem Studentenheim „Zur Judensrage", in einem Erwerbslosenheim über „Menschenrecht — Judenhaß?", in Zwei Frauenkreisen über Spezialthemen wie „Günther unÄ Stapel in Theorie und Praxis" und.chüesen und Moral des Judentums" im WeltsriedensrunL für Mütter und Erzieherinnen über .L)re Psychologie und Soziologie des Antisemitismus" nr einem evangelischen Mädchenbund über Der Jude im deutschen Kulturkreise', in den Frauengruppen des Eewerkschaftsbundes der Angeßellten (GTA) über „Ter deutschen Zwietracht mitten ins Herz". Äußer diesen Vorträgen und Aussprachen innerhalb Hamburgs sprach sie an zwei Menden in Elmshorn (Holstein): ernmal im dortigen Bund für entschiedenes Christentum und einmal vor einem größeres Kreise geladener Christen; einen weiteren Ausklärungsvortrag hielt sie in Sasel vor m.chtjüdischem Kreise. Verschiedene über Judentum und Judenheit aufklärende Arbeitsgemernschaften, die jeweilig mehrere Abende umfaßten, wurden außerdem in Privathäusern in Hamburg, Altona, Bahrenfeld und Niendorf abaehalten. — Fürwahr, eine stattliche Leistung, die in aller Stille, aber mit Energie und Plan- Mäßigkeit vor sich ging. Auf die rorbildliche Arbeit in christlichen Jugendkreisen, die unsere Hamburger „Deutsch-Jüdische Jugend" leistet, kommen wir demnächst zurück. Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig) sprach am 24. Januar im überfüllten Rathaus'aak vor etwa 600 christlichen Besuchern über: „Gibt es eine jüdische Geheimlehre? Zur Moral des Judentums." Als Zuhörer und Z^chörerinnen waren Zahlreiche hohe Beamte der Verwaltung, Justiz, Geistliche beider Konfessionen und besonders viele Lehrer und Lehrerinnen der Hochschule, der höheren Schulen und der Volksschulen erschienen Die Versammlung folgte den hervorragenden Ausführungen des Redners mit größtem JntereffL ohne Widerspruch bis Zum Schluß. Ein nachhaltiger Erfolg steht heute schon außer Zweifel» Toriselzasg vor Seife 2§ Dadurch ließ sich jedoch Dr. Conti, der sich noch c\:' dem Podium befand, nicht hindern, nunmehr eine wüste antisemitische Rede zu halten, in der er das wahre Gesicht dieser Gruppe hemmmg-los enthüllte. Er faßte die bekannten Kam.psforderungen des nationalsozialistischen Aerstebundes zusammen und zeigte deutlich, daß all? bisherigen „unpolitischen" Reden, die er gehalten hatte, nur taktischen Erwägungen ihre Fammg verdankt hatten. Rach Schluß seiner Rede sangen die anwesenden nationalsozialistischen Aerzte das Hrmst-Wenel-Lied. Ter Verlaus der Versammlung dürfte all demm die bisher an die Möglichkeit, die natiormlwzialifrischen Aerzte zur verantwortlichen Arbeit in den Standesorganisationen heranzuzichen. g'.Lacht hatten, die Augen geöffnet haben. Es wird den Nationalsozialisten nach den Ausführungen Dr. Contis mcht mehr möglich sein, wie bisher ihren Kamps getarnt und mit Hilfe anderer Gruppen zu führen. Tie Auffassung von den wahren Zielen der Dr.-Conlischen Gruppe wird auch durch den Bericht des „Völkischen Beobachters" unterstützt, der sich zunächst in scheinheiligen Tönm darüber beklagt, die sachlich? Arbeit werde immer wieder durch die bösen jüdischen Aerzte gestört, ja er behauptet — indem er die Tatsachen aus den Kopf-stellt —, die „suchliehe" Aussprache sei dadurch gesc^digt worden, daß „ein junger Jude namens Dr. Brodnitz das Bedürfnis fühlte, mit den Allüren eines gefeierten Stierkampstnatadors den Nationalsozialismus in die politische Kampfarena zu fordern". Der .völkische Beobachter" feiert dann die Rede Contis als eine „leidenschaftliche Kampfansage an das Judentum, wo immer es sich herausfordernd breit mache". Es ist tief bedauerlich, daß bei der außerordentlich schwierigen Lage, in der sich die akademischen Berufe heute befinden, die Arbeit ihrer Standcsorgamsationen durch das Hineintragen politischer Gegensätze immer wieder empfindlich gestört wird. Zu begrüßen ist aber, daß durch die oben geschilderten unerfreulichen Vorgänge in der Berliner Aerzteschast eine klare Lage geschaffen worden ist. Die Berliner Anwaltschaft hat bei ihren kürzlich erfolgten Kamm erdnah ten den Nationalsozialisten eine klare Absage erteilt. Es ist zu hoffen, daß die Berliner Aerzteschaft mit gleicher Deutlichkeit erkennen wird, wo ihre Gegner sitzen. Tie jüdischen Aerzte werden sich, unabhängig von ihrer standespolitischen Einstellung, klargeworden sem, baß nur einmütige Geschlossenheit im Kampf gegen den Nationalsozialismus sie vor der Bedrohung ihrer Ehre und ihrer Existenz retten kann. Msöe§ Sreslau Als Professor Cohn am letzten Dienstag seine Vorlesung an der Breslauer Universität beginnen wollte, kam es erneut zu Zusammenrottungen und Ausschreitungen, insbesondere auf den Plätzen und Straßen vor der Unirersität. Vorher versuchten Studenten verschiedener Parteirichtungen unter Führung eines Universitätslehrers bei Prosesior Cohn zu erreichen, daß er den Beginn der Vorlesungen erneut verschiebe. Er lehnte dieses Ersuchen aber ab. Die Tumulte vor der Universität wurden erweislich zum größten Teil von N t ch t st u d e n t e n verübt. Damit steht fest, daß es sich um eine von bestimmter Stelle ausgehende bestellte Arbeit handelt. Ter radauantisemitische Csturakter brach denn auch überall eindeutig hervor. Möge die Polizei zum Schutze der Staatsautoritär energisch ihres Amtes walten? Ter Centralverein hatte bei dem scharf;uden« gegnerischen Mlauf der Zusammenrottungen, die den Verkehr in dieser lebhaften Gegend Breslaus stark behinderte, das Wtige getan, £. L.