Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 3 (19.1.1933)
- Date
- 1933-01-19
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lö Judenpolitik ixetbi. .Lagen wir eS deutlicher, was sich schon allein aus dem Tatt-stande ergibt, daß das Judentum eine Minorität in Deutschland ist: daß der Staat in bezug auf die Juden Minorität enpolitik treibt, eine Forderung, die so wider» sinnig ist, daß sich jede Diskussion darüber erübrigt, <b ist vielleicht in diesem Zusammenhange darauf hinzuweisen, daß auch der Zionisums sie für Deutschland ablehnt, weil die Gegebenheiten der Lage der Inden in Deutschland nicht mit einer solchen Forderung in Einklang gebracht werden können. Karbach und die Kreise um Stapel werden sich sehr irren, wenn sie der Meinung sind, das; „einem positiven Plane des Staates gegenüber . . . das Verständnis und die Zustimmung eines nach hentigen Begriffen überaus vergrößerten Judentums sür die Notwendigkeiten der Gegenwart nicht fehlen föimcn". Hub wenn er vorschlägt „zuerst gilt es. Staat und Gesellschaft für ein positives Programm zu gewinnen, das von den jüdischen Führern unterstützt wird. Dann sollen die jüdischen Massen für diesen Kurs gewonnen werden"', so kann er sicher sein, daß, solange es jüdische Führer gibt, die das Judentum wollen, wie angeblich er selber, sie niemals einer solchen Forderung zustimrnen werden. And die Measien, die dafür gewonnen werden sollen, werden niemals Forderung und Führung nach dieser Richtung anerkennen, weil nicht gefordert werden kann, daß sie anerkennen sollten, daß sie zu ihrem eigenen Untergang geführt werden. Ganz zu schweigen davon, daß nicht dies die Voraussetzung des jüdischen Kampfes ist. sondern eben die des ewigen Bestandes der Idee der Gerechtigkeit, die freilich unabhängig ist von allem Wandel der politischen Formen, ist auch diese abwertende Meinung über den Wert der jüdischen Organisation uns nicht unbekannt. Es Liegt nahe, anzunehmen, daß Karbach in den Kreisen jener Verächter der Abwehrarbeit steht, die noch immer, auch im Augenblick höchster 'und tatsächlicher Lebensgefahr für das Judentum^ den traurigen Mut Haben, die Arbeit, die auch sür sie getan wird. Zubagatellisieren. Wir kennen gute Gründe für..eine solche Einstellung, aber wir anerkennen keinerlei Gründe, gute od-er schlechte, in dieser Frage, die jeden Juden vor die Forderung stellt: Leöensöestand und Freiheit seiner Gemeinschaft mit zu sichern. Die vortrefflichsten Gründe, sich dieser Forderung zu entziehen, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß man damit der Abwehr des Antisemitismus die Kraft entzieht. Karbach tut dies freilich auf eine eigentümliche Weise, indem er die Verantwortung dieser Forderung gegenüber dem Staat überträgt. Wie auch die Lösung der Judenfrage aussähe, meint Karbach. auf jeden Fall entstehe die Forderung, ,si>ie auch der einzelne Staat innerhalb seiner Grenzen in jedem Fall unvermeidlich vor sich sieht: die llebcrnahme der Verantwortung in der Judensrage. Die llebernahme dieser Aufgabe (ist) irnvermeidlich: für den autoritären Staat, da er keinen Bereich des öffentlichen Lebens willkürlich aus seiner Einflußsphäre ausschalten kann, aber auch für den denwkratischeu, der seinerseits seine Generallinie der Judenpolitik wird deklarieren müssen. - Das Judentum selbst muß daraus drängen, daß der Staat in der Judensrage die Verantwortung übernimmt, indem er ein von ihm aufgestelltes positives Programm verkündet. Es muß ferner die Einhaltung eines konsequenten Kurses der staatlichen Judenpolitik fordern: Assimilation oder deren Ablehnung als Endziel — je nach dem Inhaber -er Staatsgewalt. Miloftmirismns muß nicht idenlü'ch sein mit Asnmilationsbesördernng, Streben nach einer Reform des vom Liberalismus geschaffenen Antlitzes der Judensrage nicht mit Antisemitismus. Denn alle Wirrnis des Juden.problems geht davon aus. daß sich der Staat von dem Endziel der Aufsaugung des Judentumlöst: damit ist die Zersetzung des Judentums, difrüher ein erwünschter Vorgang war. uwerwünscht und bekämpfenswert geworden." Die Unmöglichkeit der politischen Forderungen Karbachs ergibt sich aus der Falschheit seines Ansatzes. Der Staat steht nicht vor der Frage, „Aufsaugung" oder ..Aussonderung" der Juden durchzuführen. Diese Frag-e ist vor anderthalb Jahrhunderten entschieden worden, und es gibt, das sei immer wieder gesagt, keine Rückläufigkeit der Geschichte. Der Staat steht allein vor der Forderung, den Ziüammcubestand des staatlichen Lebens seiner Bürger zu sichern und zu gewährleisten, und es kann grundsätzlich nicht anerkannt werden, daß er einer bestimmten Schicht seiner Bürger gegenüber Maßnahmen an wendet, dir gegen andere Schichten nicht angervandt werden sollen. Hierin eine Aenderung zu wollen, bedeutet nicht den Wandel der politischen Form des Staates anzuerlennen, sondern die Aushebung der Grundlagen jedes Staatsgesüges. Hierin wird der autoritäre Staat nicht anders sein können wie der liberalinische, cs sei denn, der Begriff des Staates wird aufgehoben. Ties allein ist die Forderung der Juden an den Staat; dies allein Sinn und Aufgabe der jüdischen Organisation im Rahmen des Staates; dies allein der letzte Sinn des Kampfes gegen den Antisemitismus. Es geht in diesem Kampfe nicht um Juden und jüdische Forderungen, nicht mn Machtpositionen, die das Judentum sich angeblich bewahren wolle: cs geht um Recht und Freiheit im deutschen Staate« es geht um Teutschland. VA bk §1 § ....vÄvItis., SS-CjÄ! In einigen Gegenden des Reiche« finden im Jaiimir 1933 die Erneue« rungrs wählen atu den Industriennd lla.ndelslca.mmcm statt* Vielfach treten die Nationalsozialisten als nationalsozialistische Gruppen für die Industrie bzw. den Handel mit eigenen Kandidaturen auf. Pflicht aller unserer Jlitsrliedcr ist es, diesen Versuchen, durch verstärkten nationalsozialistischen Einfluss die Gleich I) c recht i sru 11 des jüdischen Gewerbetreibenden zu untergraben, durch die Ausübungdes Wahlrechtes ent^e^cnzutreten. Die Mit?!icc3er des Cenlralvereins dürfen auch bei den Wahlen zu den Industriennd Handelskammern keine ^üdigdieit zeigen! Das Ergebnis der Erneuerungswahlen zur Industriennd Handelskammer München ist den Nationalsozialisten anscheinend sehr unangenehm gewesen. Trotz lebhafter Zeitung-r¬ und Einzelpropaganda sind kaum 10 Prozent der Wahlberechtigten und noch nicht ein. Drittel der Abstimmenden der nationalsozialistischen Wahlparole gefolgt. Eei einer gegen wüherr Wahlen vervierfachten Wahlbeteiligung sind in den Gruppen Industrie, Großhandel 'hr£ Einzelhandel sämtliche auf der offiziellen Liste der Wirtschaftsverbände stehenden Kandidaten, darunter auch einige angesehene jüdische Kaufleute, gewählt worden, während die nationalsozialistischen Souderkandidaturen nicht .zum Zag gekommen sind. Besonderen und wie wir zugeben müssen, berechtigten Verdruß har es hei den Nationalsozialisten erregt, daß die Ortsgruppe München des C. B. ihre Mitglieder in einem Rundschreiben eindringlich auf die Notwendigkeit der Wahl hingewiesen hatte. In dem Bericht über das Ergebnis der Industrie- und Handelskammer- Wahlen, der in der Ausgabe 11 des „Völkischen Beobachters" steht, ist davon die Rede, daß der Centralverein „feine ganze jüdische Wirtschafts-. garde mobil" gemacht habe und daß infolgedeuen „diesmal die Zahl der jüdischen Wähler besonders groß war". Wir haben allen Anlaß, dem „Völkischen Beobachter" für diesen Hinweis dankbar zu sein. Er stellt dm jüdischen Kausleuten Münchens das Zeugnis aus, daß sie in klarer Würdigung der Sachlage und nach pflichtmäßtgem Ermessen das G e s a m 11 n te x e f f e ihres Standes wahlgenommen nnd dem großen Selbstverwaltungskörper der Wirtschaft in Südbayern die Möglichkeit erhalten haben, auch in Zukunft wie bisher frei von parteipolitische Strömungen zu arbeiten. Alle unsere Freunde im Reich bitten wir. aus diesem Ergebnis die Folgerung zu ziehen, daß es sich lohnt, überall da tatkräftig ein zugreisen, wo die sachliche Tätigkeit wirtschaftlicher oder ständischer Vertretungen durch parteipolitische Sondrrbestrcüungen der Nationalsozialisten gestört werden soll. Ca. fö LAg tm irmm tMm AMraSe mit Anrdurger Lehrerinirrn Am 16. Januar veranstaltete die Frau* engruppe Hamburg-Altona des C. V. eine Aussprache mit Hamburger Lehre-' rinnen über die Frage, wie die Schuljugend nicht zum Kampf untereinander, sondern zur Derständigungsbercitschasr herangebildet werden könnte. - Nach Begrüßungsworten durch die Vorsitzende der Frauengruppe, Anni Lauer, hielt Syndikus Tr. Alfred Wiener einen Vortrag, der vor allem die Frage behandelte, ob die Juden zur Mitarbeit am Ausbau des inneren Friedens geeignet seien, oder ob sie ihn, wie die Antisemiten meinen, auf politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete sabotieren.. An das Referat schloß sich eine Aussprache an.' Wir-kommen auf dir Veranstaltung noch zurück. Ueberfall in Iutöa Im Anschluß an eine von mehreren jüdischen Bereinigungen einberuscne Verunstaltung in Fulda überfielen nationalsozialistische Trupps heimkehrende jüdische Passanten. Wie die „Fuldaer Zeitung" vom 8. d. M. berichtet, sollen die Nationalsozialisten sogar im Besitz von Gummiknüppeln gewesen sein. Unter den Geschlagenen befindet sich u. a. ein 70jähriger Rabbiner und der Vorsitzende der Fuldaer Ortsgruppe des E. V. Tie Ortsgruppe Fulda des E. B. hat sofort in engster Fühlungnahme mit der zuständigen Polizeibehörde die Ermittlung der Täter eingeleitet. Nundkunkvortrage. Das Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Karlsruhe des E. D., Stadlrabbiner Tr. Schiff, sprach anläßlich Spinozas Todestags über den Großsender Mühlacker (Stuttgart) des Südfunks. Ferner hielt Tr. Schiff im Rahmen einer Eerhart - Hcurpuncmn - Feierstunde zugunsten der Karlsruher Notgemeinschast, bei der namhafte Künstler Mitwirken, die Festrede über Hauptmanns Dichtung als Lebensöedeutung.