Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 2 (12.1.1933)
- Date
- 1933-01-12
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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spricht. Wrr stellen al^r nnt Genugtuung fest. Laß ber „Völnsche Beobachter" aus die in vielen Blättern abgedruckte Erklärung der Presse, stelle des Centralvereins. in der der Sentralverein gegen die Verleumdungen des ^Völkischen Beobachters" Stellung nimmt, nicht eingeht, obschon das die Oefsentlichkeit besonders interessiert hätte. In der Erklärung heißt es ria.'nlich: ' .Die Nationalsozialisten pflegen in der Vertretung des deutschen Minderheiren.srandpunktes sonst durchaus nicht so konsequent zu sein, daß deutsche Minderheitenpolink und auslandsdeutsche NSDAP, gleichzusctzen wäre. Nkan hätte jedenfalls im Falle 8 ii b t i r c I ettvas Derartiges nicht bemerken können . . . . Warum hat der ./Völkische Beobachter" sich picht gegen die „C. V.-Zenung" gewandt, als sie einen Vortrag von Paul Schiemann, dem großen Vorkämpfer des Douttchrums im AusffsweWschs N ffU lütt JicS M\ Vas resHsdeulWe Vorhlld - Vohlott - Terror - Vor neuen WOlen Sonderbericht kür die „C. V.-Zeitung" . führende Blatt der natwnal'oz:al:Uischen Bewegung scheint sich vor einer sachlichen Auseinandersetzung über das Problem „Deutsche Minderheitenpolitik und NSDAP." zu scheuen. Es flüchtet sich 'in unsachliche Beschimpstmgen. die der Kenner der Berhälruiue nur als Ausfluß eines bösen Gewissens werten kann." Üitd wieder öis §öljchll6g von Lös Iüöifchött ^Hlauösnsßemsierfchaft DsuLfchlMrös^ Im Juli und im November 1932 haben wir Wiederholt auf gefälschte Flugblätter hingewiesen, in denen eine in Wahrheit gar nicht gestehende Organisation, die „Jüdische Glaubensgowe ui schuft Deutschlands", sich irn Hochsommer ^"rr die Wahl der KPD., im Herbst für die Wahl derjenigen 'Parteien einsetzte, die hinter der Papen-Regrerung standen. Allen Dementis zum Drotz hat der in Stuttgart erscheinende ^Nationalsozialistische Kurier" am 8. Dezember -feinen Lesern wiederum das Märchen von dieser Glaubensgemeinschaft ausgerischt. Ter Landesverband Württemberg des 'C. D. antwortete auf -diese Fälschung mit einem Inserat in den großen württembergischen Tageszeitungen, in dem festgestellt wurde, daß es eine Organisation „Jüdische GlaubensgLmeinschaft^ Deutschlands" nicht gibt, daß das Flugblatt also eine Erfindung sei. Ter. „Nationalsozialistische Kurier" fühlte sich darauf bemüßigt, in einer Notiz „Tor Centralverein annonciert" in feiner Nummer vom 29. Dezember 1932 das Inserat des Landesverbandes Württemberg des C. B. als „jüdische MetlMe" und die Darstellung des wahren Tatbestandes als eine .Kunstfertigkeit JiLas" zu bezeichnen. Wir verzichten darauf, dem „Nationalsozialistischen Kurier" sachlich zu antworten. Tenn Sachlichkeit verträgt offenbar weder er noch ferne Leserschaft. Wien. Anfang Januar. Oesterreich hat das Jahr 1932 leichten Herzens verabschiedet. Es war kern schönes Jahr, im Gegenteil, es brachte wirtschaftlich und politisch schwerste Erschütterungen. Die Wirtschaftskrise hat in diesem Jahre furchtbar gewütet und in allen Schichten der Bevölkerung Opfer gefordert. Namentlich die osterreichflch? Judenschaft, die — wie in ganz Mittel- und Westeuropa — vornehmlich dem Mittelstand angehört, hatte unter der Krise schwer zu leiden, und so manches seit vielen Jahrzehnten hochangesehene jüdische Geschastshaus ist im Jahre IE zahlungsunfähig geworden. Das Tragischste ist, daß ein Ende dieser Krise noch immer nicht abzusehen ist; selbst der allezeit optimistische Oesterreicher muß sich sagen, daß die Not anscheinend noch nicht den Höhepunkt erreicht hat. Daß unter solchen traurigen wirlschastlichen Derhälttusieu auch politische Zersetzungserscheinungen an der Tagesordnung sind, ist wohl selbstverständlich. Wenn auch das Jahr 1K2 für Oesterreich politisch verhältnismäßig ruhig war. so darf uns das nicht täuschen; cs ist sicherlich eine Ruhe vor dem Sturm, der nur im Fall? einer Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und damit einer Herabminderrmg der Parteileidenschaften verhindert werden kann. Gekennzeichnet ist dieses Jahr vor allem durch den Ausstieg der österreichischen Nationalsozialisten, die bis zum April 1932 außer in einigen kleineren Provinzorten in keiner österreichischen Gemeindelörperschast saßen. Das Emporkommen der Heimwehrbewegung und fortwährende Streitigkeiten rin eigenen Lager hatten eine Höherentwicklung der Hakenkreuz-Agitation in unserem Lande verhindert. Erst als die Heimwehrbewegung im Abstieg begrff-en war und selbst größtenteils ins antisemitische Fahrwasser geriet, und als die deutschen Siege zur Nachahmung aneiferten, gelang der große Wurf. Fünfzehn Nationalsozialisten unter Führung des österreichischen Gauleiters E. A. Frauenfeld zogen im April 1932 in den Wiener Gemeinderat ein. und auch' in anderen Gemeinden haben sie seit damals - Erfolge errungen, die sie immer kampflustiger machen. Es ist wohl überflüssig zu betonen, daß die neuen Gnnemderäte in ihrem Wirkungskreis keine fruchtbare Arbeit geleistet, vielmehr JtidiseSie Aisgesteüt© in Frankfurt a. fJL! Montag, den 23. Januar 1933, abends 8K Ehr, findet ein Ausspracheabend 'Über .♦Jüdische Angestellte und Wirtsehaffenot“ fdait. Es werden sprechen: * JL Dr. Ernst Plaut (Essen a. d. Ruhr): „Die geistige Krise des deutschen Juden*1. 8. Ernst Holzer (Frankfurt a. M.): ^iewirtscbaftlicbe Lage des jüdischen Angestellte n". .8. Dr. S. Ehrmann (Frankfurt a. M.): * „Der C. V. und der jüdische Ä nges te 111 e“. Den uns bekannten Angestellten gehen persönliche Einladungen rechtzeitig zu; diejenigen Angestellten, die bis zum 17. Januar keine Einladung erhalten haben, werden * gebeten, sie persönlich auf unserem Büro in Empfang zu nehmen. . Ortsgruppe Frankfurt a. M. des 0. V.,; Stelnweg 9, Zimmer 111. nur durch Radauszenen und Temonstrationsanträge. so neuestens durch einen Schächtverbotsantrag, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken gejucht haben. Neben dieser „offiziellen Belätigung" erscheint auch ihre Parteiarbeit sehr großzügig; sie ist wahrscheinlich nur durch das Hcreinströmen gewaltiger Geldmittel aus Deutschland möglich, denn in unserem verarmten Staate sind die llnstmmien, die diese umfangreiche Presse-, Versammlung?- und Plakatpropaganda verschlingt, sicherlich nicht aufzubringen. Auch der Ton dieser Propaganda, die Hetze, die da getrieben wird, entspricht der der deutschen NSDAP. Die Saat dieser Ernte trat augenfällig in Erscheinung bei den Ereignissen vor den vergangenen Weihnachtsfeiertagen. Die Sache begann mit der Verteilung von Flugzetteln. in denen zum entschiedenen Boykott jüdischer Geschäfte aufgefordert wurde. Das Einschreiten maßgebender Behörden gegen diesen Unfug hatte wohl Erfolg, die Zirkulare wurden beschlagnahmt, aber immer .wieder tauchten neue auf. die eine noch gefährlichere Sprache führten, ja direkt zu Gewalttaten auf. reizten. Kleine Hakenkreu.zzette! mit rüdestem antisemitischen Inhalt wurden vor jüdischen Geschäften ausgestreut, so daß sich ein Bewachung»- dienst als notwendig erwies, der unserem armen Staate außerordentliche Opfer auferlegte. lind als schließlich all dies nicht nützte, als die Halen-- kreuzler erkannten, daß die vernünftige Bevölkerung dort einkaufte. wo sie reell und verläßlich bedient wird, schritten sie in ihrer Wut zu direkter Zerstörung; sie machten die jüdischen Geschäfte durch unausmerzbare Beschreibung der Scheiben kenntlich, so daß die Scheiben für viel Geld ersetzt werden mußten. Am „Goldenen Sonntag" erfolgte dann das Tränengasattcntat in dem bekannten Großwarenhaus Gerngroß; die Firma gehört heute einer Aktiengesellschaft, aber ihre Begründer waren Juden; ihre Nachkommen sind bereits aus dem Judentum ausgetreten. Ruchlose Hakenkreuzbuben haben mitten in der stärksten Geschäftszeit, als vornehmlich Frauen und Kinder in dem Warenhause waren, an mehreren Stellen Glasphiolen ausgelegt. deren Träneugasinhalt beim Zertreten des Glases sosort ausströmte und eine scheußlich Wirkung auslöste. Es entstand.Ansbesondere infolge einer leicht erklärlichen Falschmeldung vom Ausbruche eines Feuers, eine furchtbare Panik. die' nur durch die Besonnenheit der Angestellten keine, nennenswerten Opfer forderte. Tie Em- Pörung über diese Schandtat war allgemein, die Polizei, der infolge des Leugnens der Verhafteten und des Protestes der Hakcnkreuzführer die Arbeit sehr erschwert war. mußte tagelang fieberhaft nachforschen, bis nunmehr mehrere Schuldige — Natioualfozialisteu — hinter Schloß und Riegel sitzen. Kein Mensch in Wien glaubte dem Ableugmmgsgestammel von Frauenfeld und Konsorten, und hoffentlich werden auch die gerichtlichen Behörden, die sich nun mit dem traurigen Fall zu beschäftigen haben werden, sich nicht mit der Bcl-andlung der Akten der Bombenwerfer selbst begnügen, sondern auch jene zu treffen wissen, die die Hand dieser Dombenwerser geführt haben. Der Träueugasangriff im Hause Gerngroß beweist, wessen die österreichischen Hakenkreuzlor