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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-12 · 2 (12.1.1933) · p. Seite 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Der GoÄ öse Nache! — Em re'lgronsWWnfchLftlzcher vsrtcag Rabbiner vr. 0. Jacobs in Hamburg Jrn dichtgefüllten neuen Hamburger Tempel, dessen eigenartige Schönheit heute eine der Sehenswürdigkeiten der Hansestadt darstellt, behandelte Rabbiner Dr. B. Jacob (Hamburg), Hauptvorstandsmitglied des C. V., vor einer sehr großen Zahl von Nichtjuden das Thema „Der Gott der Rache?" Der Tempelverband hatte durch die Zeitungen auf den Dortrag hingewiesen und außerdem Einladungen an viele Hunderte von Nichtjuden ergehen lassen. Die Ortsgruppe Hamburg des Centralvereins hatte das Zustandekommen des Vortrages aüf jede Weise gefördert. So hatte sie ihr Adressenmaterial zur Verfügung gestellt und den Dortraa finanziell unterstützt. Der Tempelchor erösfnete die Veranstaltung mit dem Vortrage des Psalms „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir". Dann ging Dr. Jacob die wesentlichen Stellen durch, die in unserer Eibel von der Rache und ihrer Ausführung handeln. Er verweilte ausführlich bei der bekannten Stelle: „Auge um Äuge, Zahn um Zahn" und konnte Nachweisen, daß die Bibel und das Judentum im Gegensatz zu anderer altorientalischer Gesetzgebung niemals diesen Satz wörtlich verstanden wissen wollte. Die wörtliche Anwendung fei im mittelalterlichen und neuzeitlichen Gerichtsverfahren oft grausam geübt worden, nicht aber in dem des Judentums. Der Gott der Rache sei auch nichts charakteristisch Jüdisches. Jede Religion kenne einen Gott der Dreh", Revision einzulegen und bei den „Buchstabenjuristen" des Reichsgerichtes zu versuchen, den Spruch der „Männer aus dem Volk" umzustoßen. Und wirklich gelang es ihm. Ln allen 40 Fällen seine Freisprechung zu erzielen und in 40 Fällen grundlos angegriffene Männer um die Genugtuung für ihre schnöde verletzte Ehre zu prellen. Wirksamer Ehrenschutz! Co sieht wohl die auf der Tagung zu Leipzig vom Pg. Staatsrat Weber geforderte Unterscheidung zwischen „Formaljuristen und Juristen" aus, die sich „den Sinn für wirkliches Recht noch bewahrt haben". Nur mit aufrichtiger Besorgnis kann .man davon lesen, daß zu einer Tagung von solchem wissenschaftlichen Rang und mit solcher Verwirrung der Rechtsbegriffe Vertreter der Reichsanwaltschaft und' der Universität Leipzig erschienen, ebenso Präsidenten höherer Gerichte und Behörden, Vorsitzende von verschiedenen Richtervereinen. Vielleicht gebot es die Rücksicht aus diese Ehrengäste, daß die „Judenfrage" nicht in dem bei den Nationalsozialisten gewohnten Ton behandelt wurde, daß man vielmehr das Wort aus Gregor Straners Rundfunkrede als Motto wählte: „Wir wollen keine Judenverfolgung." Das macht freilich die Forderung kaum genießbar: „Ausschaltung des jüdischen Einflusies auf die Gestattung der deutschen Dinge auch im Recht." Also unbekümmerte Verleugnung der in allen Kulturstaaten anerkannten Rechtsgleichheit. Rechtsanwalt Leringer (München), Liebe und einen Gott der Vergeltung. Es sei aber ungerecht und unrichtig, gerade das Judentum als die Religion des rachsüchtigen Gottes hinzustellen. Der aufmerksame Beobachter konnte wahrnehmen, wie gut die wissenschaftlich abgewogenen, von hohem sittlichen Ernst getragenen Ausführungen des Redners von der christlichen wie jüdischen Zuhörerschaft aufgenonunen wurden. * In nächster Zeit findet vor den Hamburger christlichen Lehrerinnen ein Vortrag „Der Weg zum inneren Frieden" statt, den voraussichtlich Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) halten wird. Einladungen werden an etlva 1500 Lehrerinnen ergehen. In dem Kampf des Eentral- Vereins für den inneren Frieden reiht sich dieser Vortrag an den kürzlich in Berlin gehaltenen des Herrn Dr. E r n st Cohn- Wiener an, dem mehrere hundert Lehrer und Lehrerinnen beiwohnten, und über den in dieser Zeitung ausführlich berichtet wurde. Weitere Vorträge werden in dieser Reihe folgen. Lanseatteus. Wer ist öse StZMm? Jüdische Angestellte! lieber uns Angestellte ist verhältnismäßig sehr wenig geschrieben worden. Woran das lag. wißen wir nicht. Aber eins steht fest: Die meisten wißen nicht, wie viele Angestellte cs gibt. Zwei große Gruppen werben um uns: eine große radikal politische Kampfgemeinschaft und die Kampfgemeinschaft des C. V. Wer ist der Stärkere? Wer wird gewinnen? Mit dieser unbedingt wichtigen Frage befalle ich mich seit Monaten. Es ist nicht zu unterschätzen, daß es der radikal politischen Kampfgemeinschaft gelungen ist. viele, ja leider sehr viele Angestellte durch verschleierte Versprechungen für ihre nie durchführbaren Pläne zu gewinnen. Unser Angestelltenlreis im C.V. wurde auf einige Monate etwas geschwächt. Mit vereinter Kraft und Aufklärung der gemeinsten Lügen und Phrasen ist es uns gelungen, das Schiff Ende 1932 wieder richtig zu lenken. Die abgeschwenkten Kollegen lehrten zu uns Zurück. Zurück zur Vernunft; — auch sie erkannten, daß Politik und Geschäft sich auf kelncn Fall vertragen. Sehr viele jüdische Angestellte sind fern der Heimat. Sie alle suchen und brauchen einen Rückhalt. Das ist und bleibt für uns der C.V. Im neuen Jahr bekennen wir uns stärker, geschlosiener denn je zum C. V. Unsere große Kampfgemeinschaft aller jüdischen Angestellten wird im Jahre 1933 eine starke Schlagkraft ausüben. Unsere Parole lautet: Wir kämpfen für unser Judentum, wir lümpsen für unsere Existenz, wir kämpfen gegen den Airtistmitisnms, wir kämpfen für die Gleichberechtigung, wir kämpfen alle gemeinsam im G. V. für eine bessere Zukunft. . Unser Kampf beginnt nicht morgen, sondern schon heute. „Alle für einen — einer für alle!* Schließt euch im C.V. zusammen! - Hermann Insel. Ci W ö ^^*>4 In den ersten Tagen des Januar ist deA Schriftleiter des .Israelitischen Familienblattes*. Esrie! Ca r l e b a ch. meuchlings überfallen und angeschosien worden. Er liegt noch jetzt sä^ver verletzt darnieder. Sein Zustand ist {eit einigen Tagen hoffnungsvoll zu beurteilen. wird aber in jedem Falle ein langes KrankenlageA bedingen. Der oder die Täter sind noch nicht sestgsstellb, Gewisse Zusammenhänge lauen vermuten, daß eZ sich um jüdische Kommunisten handelt, die eins Aufsatzferie von Carlebach über die jüdische Lage in Sowjet-Rußland peinlich empfanden und sich rächen wollten. Für diese Vermutung sprichauch, daß bereits vor dem Attentat Flugblattes verbreitet worden waren, die -Carlebach aussi heftigste angrisien. Wir haben dem Kollegen unsere warme An* teilnahme ausgedrückt. Man sollte meinen, daß die Ablehnung des Verbrechens allgemein fei« Aber die .Deutsche Zeitung*, jenes Organ. das sowohl den Nationalsozia« lismus alsauchdievölkische Richb.mg der Teutschnationalen Volkspartei fördert, sichin dem Attentat nur den Anlaß zu einer höhnischen Glope. Es sei doch ein „schwarzer Tag suv die Linkspresse*. daß ein israelitischer Sd}rift* leütT durch einen der von der .Linkspresse fa liebevoll umhätschelten Kommumsten* niedergeschogen worden sei. Die .Deutsche Zeitung" verrät damit sehr viel aus ihrem eigenen Innenleben: Sie halt es also für verständlich, wenn aus Partei rücksichten ein Verbrechen beschönigt wird. Sie bestätigt damit, was seit langem über, die Stellungnahme der .Deutschen Zeitung* zu den scheußlichen Terrorakten der ihr nahesiehendLK Nationalsozialisten behauptet werden konnte« W i r haben niemals einer Verbrechens-"lutarkre innerhalb einzelner Gruppen das Wort geredet, sondern Verbrecher Verbrecher und Verleumder Verleumder genannt, gleichgültig in welchem Lager sie sich befinden und gegen wen sie ihre Veranlagung betätigen. Aber die „Deutsche Zeitung" will damit wohl nur die ihr peinliche Erkenntnis vertuschen, daß die von ihr und ihren Gesinnungsgenossen immer gepredigte „jüdische Solidarität* vor Partei- und Weltanschamingsuntexschieden nicht standhält. A. H. K4ik,iiL4: Wir berichteten in Nr. 53 vom 30. Tezembev über den Mord an dem achtjährigen Benno Hasste aus der Angerburger Straße in Rastenburg. weil die nationalsozialistische Zeiümg diess Untat zu einer Ritualmordhetze ausgenützt hatte. In diesen Tagen wurden der Fleischermeister Popp und der Kondrtoreigchllfe Fischer wegen des Verdachts der Taterschast verhütet. Beide sind weder Juden noch Mischer Abstamrwung. Tie gesamte ostpreußische Presse bringt die Notiz über die Festnahme der beiden DerDäch« Ligen — ausgenommen natürlich die nationalsozialistische „Preußische Zeitung*. vergLblichs SeMühMgsn öss „Völkischen Ssodüchters" Dem „Völkischen Beobachter* ist unsere Veröfsentlichung .Der ,Völkische Beobachter* verleumdet die ,E. V.-Ztg/*, sehr auf die Nerven gegangen. Ein zweites Mal widmet er uns eine große Uebcrschrist und versucht, indem er noch einen zweiten Satz dem ersten aus dem Zusammenhang gcrisicnen Satz nachsendet. seine Verleumdungen zu begründen. Auch diese Bemühung muß vergeblich sein, tveil die äußere und die innere Wahrheit gegen die Behauptung des „Völkischen Beobachters^

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