Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-01-05 · 1 (5.1.1933) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
1 (5.1.1933)
Date
1933-01-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2277379-2277993-2277994--07734-2288665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5, 'MsöWGüLWsMsN walörrrbuW Wir berichteten in?it. 30 der „E. V.-Zeihingvom 22. Juli vorigen Jahres von einem verlveaenen llctcrfaU auf den Kannnann Wollmaim'aiis Breslau. Gr war in WkAderllmrg in Schlepn'n von einein 18 jährigen ^A.'-Bcann gefährlich verlebt worden. Ter Uedermll fand inzwi;cheli ftune LÜhne. Tos Schöffengericht Waldenburg i. crchl. verurteilte am 16. August den Tiner zu drei Astonaten Gefängnis wegen gefährlicher ^orperverleüung ans politischen Elativen. Tie Berustnig des Angeklagten wurde verworfen, der Berufung des Staatsanwalts dagegen natrgegeben und der Täter demgemäß zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ter Vorsitzende gab ausdrücklich bekannt, das; das Strammst noch erhöht worden wäre, wenn nicht der Angeklagte verhältnismäßig jung und bisher unbestraft sei. Creptow a. ö. Kega In Treptow Q. d. Rega wurde im August 1931 ein achtbarer jüdischer Bürger in einem Restaurant von Nationalsozialisten ohne jeden An lag beleidigt und provoziert, und bei Rückkehr in seine Wohnung henntucki'ch ubersallen und schwer mihhandelt. Ter Goi-tralvercan gewährte dem ' Verletzten Rechtsschutz imb desteltte ihin, da er als Nebenkläger ^gelassen war, den Rechtsannealt Erwin e e g a l l (Greisenhagen) zum Vertreter. Tie Angeklagten wurden durch Urteil des Amtsgerichts Treptow c. d. Rega vom 19. November v. I. wegen Beleidigung und gemeinschaftlicher Körperverletzung mit je zwei Monaten Gefängnis bestraft; bei einem Teil von ihnen wurde _biefe Strafe in eine Geldstrafe von je 180,— Reichmnark umgewandelt. Tie Berufung der Angeklagten wurde jetzt vom Landgericht verworfen. Msnstem -Sechzehn SA.-Leute standen vor dem Svndcrgerichr in Al leustein wegen eines Bombenanschlags ans das Raufhaus Gebr. Abraham. Wenn aiicfj die Täter seNgeUellt und entsprechend bestraft werden konnten, so war es dem Gericht doch nicht möglich, die Hintermänner zu ermitteln. Tast der Befehl oder zumindest die Anregung zu dem Attentat von einer höheren cA.-Tieustsielle ausgegaugen sein must, ist fraglos. Man glaubt. Beziehungen rn dieser Richtung mit einer Besprechung der obersten Führer des Gaues Ostprcnstcn -der NSTAP. finden zu können, die wenige stunden nach der Attentatsserie in Königsberg am 1. August auf dem Gut eines Parteigenossen . in der Nähe Königsbergs stattsaud. „Am Tienstag ist Hitler Reichskanzler. Bestätigt ist er schon, es bedarf nur noch der Veröffentlichung. Wir erhalten den Befehl, den Kommunistensührer und Juden Abraham u mzu legen! Alle Ilnternehuumgen von uns ' geschehen mit Unterstützung der Reichswehr!" tOiit diesen 'Worten erteilt der Sturmbannführer Bethke aus Osterode (Ostpreusten) den; Sturminhrer Weist (Atlenstein) den Befehl, durch Angehörige seines Sturines zwei Haildgranateu in den Laden Abrahams zu werfen. Wie durch eilt Wunder versagte eine Handgranate. so dast nur die Ladeneinrichtung zerstört wurde, die dnruberliegende Wohnung jedoch unversehrt blicb. Tie Verteidiger der SA.-Leute, vor allem Frank II (sRünchen), verstanden es geschickt, die Aeusteruug „Abraham müsse umgelcgt werden". dahingehend zu beuten, dast mau seine G e s i n n u n g umlegen. ihn durch ben Schrecken bringen wollte, sich nicht mehr kvmrnusch zu betätigen. Tie erreichten auch, dast der Staatsanwalt die Anklage aus Mordversuch fallen liest. Tie Hauptbeteiligten erhielten je fünf Jahre Zuchthaus, einige Mitwisser und Helfer kürzere Zuchthaus- oder Gesängnisstmsen. ~ r' fsrrß1 y "' ' n.H: W ry C/ 8/ 18> *2?' jf v v; Berlin hat die Zeugnisse der G Schichte in seinem Stadtbild gründlich ansa.-ti'zt. Tenn cs kommt bei weitem nicht nur aus die kleine Zahl monumentaler Gebäude an. modern daraus, dast der Zusammenhang nun. der Gnftbi elfte sich i:n Stadtbild ausdrückt: der ge'chichiliche Reiz und Wert des Wiener Stadlbildes beruht vor allem darauf, dast fast überall, hier :nehr, dort minder deutlich, Bürgerhäuser aller Art dorr Zusammenhang mit den vorausgegangenen Ceschlechtem darüellen. An solchen Häusern ist das riesige Berlin ungemein arm.. Nun hört auch das Lessing- Mnsemn aus, zu bestehen: sein Reiz beruht vor allem darin, dast es in einein dieser wenigen alten Bürgerhäuser siedelt. Tas Haus Brüderstraste 13 stammt ans dem 18. Jahrhundert. Es wurde 1787 von dem Maurermeister Zelter, dem Freunde Goethes, umgebaut. und zwar sür den bekannten Buchhäiidler und Schriststeller Tl i c o I a i, der hier von 1757 bis zu seinem Tode, 1811, wohnte und seine Buchhandlung führte, die erst im Jahre 1897 auszog. ..Hier", wie eine Inschrift nniteilt, „weilte und dichww" Theodor Körner als Student und als Lützower 1813; sein Vater, der vor- Lreistiche Rat Ehrisiian Eostiried Körner, Schillers naher Freund, rvohnte hier mir seiner Familie von 1815 bis 1828. In der abgelegenen Brüderstraste der breite Torflur: Brunnen im gepflasterten Hof, dahinter der Garten; breite Trenne mit sorgfältig gearteiretem, barockem Geländer; die Flucht der stillen, alten Bürgerstuben und -kabinette; hinten eine Binneutreppe, die zu einem niedrigen Obergeschost führt. Ter Grund, warum gerade in diesen Blättern vorn Lessing-Museum gesprochen wird, ist deutlich: dies Lessing-Mnsenm ist ein Museum der A u f k l ä r u n g. Wie scharf immer man die Grenzen der Aufklärung sehen mag: es ist ihr zu danken, dast aus deutschsprechenden Inden jüdische Teursche wurden. Es ordnet sich am Lessing, den grosten Verkündiger der Tuldsamkcit. lieber dem Eingang steht denn auch lateinisch der Vorspruch zum „Nathan": „Tretet ein; denn auch, hier sind Götter." Allenthalben Erinnerungen an Lessing und seinen Kreis, darüber hinaus Zeugnisse aus der Berliner Geistes-, insbesondere Theater - geschichte: Porträts, Stiche, Büsten, Handschriften, Abbildungen von Gedenkstätten, alte Ausgaben, Rolleubilder und so fort. Vielfältig treffen wir ans Moses Mendelssohn, dem Lesung nahe befreundet war, und dem er den „Nathan" in. vielem Betracht nachgeformt hat: Büsten —, die zeigen, wie sein an sich häßliches Gesicht von Geist und Güte verschönt wurde —; ein Gruppenbild: Lessing und Lavater bei ihm; Bilder aus seiner Heimat Testat: und von seinem Grabe; ein Holzschnitt: sein Enkel, Felix Mendelssohn, spielt Goethe im Juno-Zimmer / Enm Llltzueö AA 'l A v 9 w v v > vor: unb eine Nathan-Statuette, als erhöhendes Abbild, gegenüber. Tas Berliner Judentum hat an der Berliner und nbwbanrt der deutschen Ceistesge'chichts Vielfalt:, en Anteil oenomnten. Sinn und Zweck dieses Reinen Anf'atzcs ist: auszufordern, dast jeder, der es vermag, Mitglied der L e s s i n g - G e f e!! s ch a f t werde, die für die Erhaltung des L e s s i n g - M u s e u m s gegründet ist. Man trägt damit bei. ein Tenkmal der Berliner Geistes- und Bürgergeschichte zu bewahren, und ehrt die Zeit, die uns in die deutsche schick 'alsaemeinfchast hinein führte. Mö MMmm Ein deutlcher Kater des Zmprefßom'smus Am 8. Januar vollendet Jakob Nustbaum in Frankfurt am Main fein 60. Lebensjahr. Tonen, die mit dem Kunstschaffen unserer Zeit und der letzten 30 Jahre vertraut sind, ist er der Schöpfer einer speziiischen Art impressionistischer Malerei, die mit dein gleichen 3»echt für den südwestdennchen Kreis als repräsentativ gelten kann wie der persönliche Stil Liebermanns iüv storddentichland. Ionen zahllosen anderen aber, die nicht mit den Einordnnna-begrirwn der Knnstgelehrten, sondern mit der Erlebnisb-ereitschaft und mit der Erschlosienneit der Knnstsnchenden an sein malerisches Werk herankommen, ist er viel mehr: er ist ein Genauer in dos Wortes tiefstem und -künstlerischem Sinn. Landschaft und Mensch -sind die Inhalte 'einer Bilder, und wie er die Landschaft um Leben und Temperament erfüllt, so erheb: er das Bildnis zu klaren Ausprägungen persönlicher Eigenart. Mit psychologischer Eindringlichkeit, die weit unter die Oberschicht des Sichtbaren dringt, gibt er mit dem Optischen zugleich das Wesenhafte. Er ist mit dem Raum, in dem er arbeitet und lebt, von Jugend an verwachsen, und die wurzelstarke Verbundenheit des Malers mit der Landschaft seines Umkreises hat iam den Weg vorgezeichnet. Mit der Au^geschlonenheit, die wahrem Künstlertum zu eigen ist. har Nustbaum die Erscheinungen gestaltet, so verschieden sie sich ihm boten. Eine Reift nach Palästina hat zu dem Reichtum seiner Motive von nah und fern eine Reihe neuer gefügt. Auch diese Eindrücke hat er in Formen gebracht, d:e seinen Rang unter den bedeutendsten deutschen Alaleru unserer Zeit erweisen. Wenn weite Kreise der Kunstwelt Jakob Nntzbauw.s sechzigsten Geburtstag mit frendiger Teilnahme begehen, so ist für uns besonderer Anlast, dem aufrechten und bcwnstten Juden unter herzlichsten Wünschen Zu danken. In ihm hat das Judentum einen Bekenner, dessen hohe Leistung das Ansehen jüdischer Künstlerstchaft mitaegründet hat. Nustbaum, zurzeit Präsident der Hermann-Cohen-Loge. ist eng und tätig mit der Frankfurter Gemeinde verwach'en. Mögen ihm noch viele Jahre fruchtbarer künstlerischer und jüdischer Arbeit beschieden sein! Dr. H. G. unübertroffen bei Rheume? Gicht Ko pf bq hmsrzen Ischias* Hexenschuß u. Erkältungskrankheiten. Stark harnsäurelösend bakterientötendl Absolut unschädlich!, Ein Versuch überzeugt!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.