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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-05 · 1 (5.1.1933) · p. Seite 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
1 (5.1.1933)
Date
1933-01-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Oer neue Nomen von Jakoö Knerp Tor katholische Volksdichter Jakob Kneip hat in dieser von Feindlichkeit erfüllten Zeit den Mut. Versöhnung und Freundschaft zu predigen und Verstehen zwischen Jnden- und Ehristentum zu fördern. Daß dieses Wagnis und scichne Bekennnüs zum Judentum und seinen sittlichen Werren gerade von einem bewußt deutschen Dichter ausgeht, der als Sproß eines westdeutschen Vanerngesästechres fest im starken Volkstum seiner Heimen wurzelt, kann nur mit tiefer Freude und beglückter Dankbarkeit ausgesprochen werden. Jakob Kneip, der als Dichter Werke von starker und echter Religiosität geschaffen hat und rn wenigen, aber gehaltvollen Büchern eine Synthese^ von Sott und Rarur, von Frömmigkeit und Praller ErdüafLigkeit erstrebte, schreibt in seinem neuen Vornan: ,.P o r t a Nigra" die Geschichte eines jungen Gaftwirtswhues, der zum Priester bestimrnt wird und nun durch viele Prüft-ngen seinem. Ziel crugegenschreiret. Zunächst soll der jung? Martin nach Koblenz aufs Gymnasium. Ein jüdischer Cetreidehäudler aus Koblenz bietet Martins Vater sein Haus als Heim für den Jungen an. Als der Alte mit seiner Antwort zögert, errät der kluge Nathan Mendes, was ihn bewegt: „Nun, der Junge soll wohl Geistlicher werden", meint er, „und Ihr habt ein wenig Sorge, daß ein jüdisches Haus dafür nicht die rechte Luft und Umgebung wäre. Aber denkt das nicht. Ein ordentlicher Christ soll er bleiben und seinem Glauben nicht weniger treu sein, wie wir Juden." Mit liebevollen Worten wir^ dann Martins Aufenthalt in dem jüdischen Hause geschildert. Sein Gespräch mit einem katholischen Pfarrer ist besonders aufschlußreich stör die Absichten des Tichters. „Als Pfarrer G. vernahm, daß Martins . Kamerad ein evangelischer P'arrerswhn sei, und daß die grttcn Hausleute Juden seren, lachte er rmd sagte: ,Ltir scheint, du gehst da unten in eine gute Schule, und das Schicksal hat wohl Noch mancherlei mit dir vor, daß es dir die Welt gleich Von allen Seiten zeigt ..." und er erzäsilre - ihm die Geschichte von Nach au dem Weisen und mtizilc: „Tn wirst dies schöne SchauH-iel von Lessing freier einmal auf der Lüh ne scheu. Vorläufig aber spielt das Leben selber es dir vor. Tlnd ich denke, du kannst vieles dabei lernen. . Die wirklich guten Prottstanttn nehmen es sehr ernst mit ihrem Gewissen. Tie glauben-treuen Juden aber leben sehr streng nach dem. Gesetz und tun unter sich und auch unter Christen diel Sutes.' Wie Martin mit dem alten Vater seines jüdischen Heims lange und bewegte Gespräche führt über dis ehrwürdigen Gestalten jüdischer Stammvater, wie er bei einem Besuch der Synagoge ergriffen wird von der Not und Größe des jüdischen Voltes, das wird hier mit einer Wärme und Einfüttlsamleit dargestellt, wie sie bei nichtsüdisch.'n Autoren selten zu finden ist. Ta sind unzählige verständnisvolle Bemerkungen über jüdische Anschauungen und Bräuche eingestreut, tief schürfende Gedankeugänge über jüdisches Fühlen und Denken. „Nur die große Idee ergreift den Menschen", sagt der Samuel, „unser Volk bat seinen Gott und fernen Glauben, für den es kämpfen und leiden kann. Darin liegt seit mehr als 2000 Jahren das Geheimnis unseres Voltes — sein Leben und seine Macht." Ein andermal fragt Martin den alten Juden nach seinen Priestern. „Alle Juden sind Priester, alle können an der heiligen Handlung teilnehmen und im Namen der Gemeinde Dienst tun vor Gott. Die Würde, die bei uns den Gelehrten anszeichnct. ist lein Priestergrad. Daher fehlen bei uns gänzlich die bei euch so mächtigen Priester, welche das Volk die Psassen rannt, jene machlbesesscnen KirchenliianiKT, die sich mi: den kühnsten und erhabensten Titeln brüsten, wo sie doch als Priester allen in Demut vorangeben sollten.' Wundervoll und einfach sind die Worte, mit denen der alte Jude feinem jungen christlichen Schüler den Sinn der jüdischen Zeremonien erklärt: „Die Juden legen sebr viel Wert aus da? Aeußere, auf die Ai:en und Zeremonien, weil alle äußeren Handlungen dazu da sind, um das Jnnere auszudrücken und wieder auf das Innere zu wirken.' Tiefes Buch ist dazu berufen, manchen Schaden wiedergutzumachen, den beschränkter und übelwollender Antisemitismus ungerichtet 6a-* Gertrud Isolani. Ein Roman des Bürgertums Tiefer Roman von' Karl Jakob Hirsch (Verlag S. Fischer. Berlin) könnte eine Serie von Vorkriegsbüchern herausführen, nachdem die Zeit der Kriegs- und" Nachkriegsbücher vorüber zu sein scheint. Aber die Epigonen würden es sch.ver haben, denn dieses Buch porträtiert mit unheimlicher Schärfe das Bürgertum jener Zeit. Immer klarer dämmert aus den Seiten des Romans die Erkenntnis auf. daß aus dieser Atmosphäre der Sattheit und Zuftiiedenheit, der Oberflächlichkeit und Heuchelei, der scheinbaren Ruhe und Sicherheit^ das Unheil von 1914 hervorbrechen mußte. Ta stehen sie vor uns:!>er Briefträger Tolle und sein Sohn Berni. der Bahnhofsvorsteher Eohrs und der Fabrikant Ellebrecht, der Nechesauwalt de Vrics und der Makler Moritz Lhalec, die Wendelkens und Marahrcns, das Vergnügung-« etablissement „Klein Holland" und die Stadt Hannover, die Militärmusiken und Sedanselern, die Kaffeekränzchen und Wohltätigkeitsveranstal- Lungen. Das lebt alles so dahin, bis die Taten eines pathologischen Massenmörders dach Haus in seinen Grundfesten crsck-üLtern und das Hereinbrechen des Weltvrauds nur als Vollendung eines selbstgewählten Schicksals erscheint. Ein über das andere Mal wird der Leser rufen: So war es, genau fo! Den jüdischen Leser werden vor allem die Figuren des Anwalts S. de Pries, seines Sohnes Joe, des. alten Lewinsky und des Morin Thaler interessieren. In ihnen ist das jüdische Bürgertum mit seiner wankenden Tradition und seinen schwankenden Gestalten, in seinem Verhältnis zur Umwelt genau so treffend porträtiert und seziert wie diese Umwelt selbst. Aber der sterbende S. de Vries ahnt in seiner Todesstunde etwas vom Inhalt des Judentums, und diese Ahnung überträgt sich aus Joe, den Sohn der kommenden Generation, die innerlich haltlos den schlimmen Sturm über sich ergehen lagen muß und ihn bestehen wird, weil sie wieder zur Wurzel ihres Iudeseins zurückzufinden sucht. — Das erstaunlich lebendige Buch trifft mit seinem unaufdringlichen Humor die menschlichen Schwächen, in der Zartheit vieler Schilderungen und der Wahrheit feiner Situationen liegt seine mahnende Stärke und sein ethischer Gehalt. Laus Oppenheimer* Calsmon Reinach gestorben In Paris ist Profeffor Solomon Reinach, der bekannte Archäologe und Pbilologc, gestorben. Salomon Reinach. der Bruder des Politikers und Gelehrten Joseph Neinach und des Wissenschaftlers Theodor Reinach, stammte ans einer deutschjüdischen Familie. In Frankreich spielten die drei Brüder eine bedeutende Rolle, und wie Theodor war Salomon Reinach seit 1896 Mitglied der Academie francaise. Tie ungeheure Zahl seiner Werke behandelt vorwiegend arciräologrsch? und philologische Fragen — Reinach hat selbst an Ausgrabungen teilgenommen —. aber er schrieb auch über künsilerisü)e und philosophische. Themen und war auf alten Gebieten beschlagen. Besonders interessant ist sein Buch ..Orpheus. Hsttoiro xenerale de; rechivns", das eine Geschichte aller Religionen bis auf die allcrneueste Zeit (die letzte Auflage ist 11)23 erschienen) bringt, und in dem Reinach auch Stellung zur jüdischen Religion vom Standpunkt der vergleichenden Religivnsgeschichte einnimmt. F. Ar. Ntederlassungstnögltchkeiten. Sit. 447. In Giafct MstNId 7 MschIands (18 090 Einrvohner) für tüchtigen Arzt. — Nur schriftliche Anfragen von Dtt'.gliedern an das Büro des C. V., Berlin W15, Ernfer orraßc 42. o rr p P ,.., nirc-fi n f h E Einzige 'Bahn bis auf den üipfd 2966/ti Berghete! 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