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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 541

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 541 (sequence 9)
Language
German
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541 Nationalsozialistischen Partei tatsächlich große Massen den Arbeitern zu, welche die Partei veranlaßten, den sozialistischen Kurs' scharf ein.znhalten. Anderseits sorgen die zahlreichen kleinen Cewerb erreiberrdon, unteren Beamten und niederen Schichten des Mi ttelstaudes, die den ursprünglichen Kern der Partei bilden, dafür, daß nicht alles sich nur um die Interessen der industriellen Arbeiterschaft dreht. Wahrend die deutsche nationalsozialistische Bewegung zu einen: militanten Seelsorger tum immer bessere Beziehungen aufrechterhält und sich neueftens schon Sturmabteilungs-Pfarrer zugclegt hat, treten die tschechischen Nationalsozialisten entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Völlig aber fehlt bei den tschechischen Nationalsozialisten die Verhimmelung der Uniform und die Kriegsspielerei von Hitlers Privatarmee. Dafür sind eben in der Tschechoslowakei fast gar keine Vorbedingungen ^vorhanden; das tschechische Volk hat demokratischen Grundcharakter und hat Militarismus und Besehlshaberei stets verachtet oder belächelt. Dabei gibt die Partei dem Staate, was des Staates ist, und unterstützt in der auswärtigen Politik unbedingt die offizielle Richtung; gehört doch Tr. Benasch, der einzige europäische Außenminister, der seit dem Kriegsende ununterbrochen die auswärtige Politik seines Landes leitet, der tschechischen Nmionalsozialistischen Partei seit dem Jahre 1922 als Mitglied an. Tie Leser der „E. V.-Zeituug" wird es besorQers interessieren, daß Antisemitismus der tschechischen Nationalsozialistischen Partei durchaus fremd ist. Leider ist aber die Tschechoslowakei darum noch keineswegs eine herzerquickende Oase. Auch in der Tschechoslowakei gibt es eine tschechische Faschistische Partei, in der der bekannte degradierte Eeneralstabschef G a j d a eine Hauptrolle spielt urrd die sich veralteten judenseindlichen Ideen hingibt. Tie Partei, die gleich der Hitler- Partei lärmenden Radau liebt, ist aber ziemlich bedeutungslos; nur die in der Tschechoslowakei ebenfalls um sich greifende wirtschaftliche Depression führt ihr in der letzten Zeit Anhänger zu. Außerdem aber gibt es in der Tschechoslowakei tatsächlich einen getreuen Abklatsch der Kämpfer für das Tritte Reich, und zwar bei der deutsche n Minorität, nämlich, die Deutsche n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Partei. Tiefe hat unter den Deutschen in der Tschechoslowakei, in Anlehnung an den stürmisch wachsenden Nationalsozialismus in Deutschland, starke Verbreitung gesunden. Aber diese Verbreitung geschah zumeist auf Kosten der gesinnungsverwandten antisemitischen Teutschnationalen, die von der radikaleren Partei völlig an die Wand gedrückt werden. Schon im Jahre 1929 brachte:; diese Hitler- Fanatiker 204 090 Stimmen aus und besitzen 7 Abgeordnete, darunter die auch in Deutschland bekannten Führer Jung und Knirsch, die seit Jahren mit den reichsdeutscheu Gesinnungsgenossen in freundschaftlichem Verkehr stehen. Wenn es heute Wahlen gäbe, würden sie vielleicht die doppelte Anzahl erringen, also 15 Mandate von 000. Aber ihre Bäume können in der Tschechoslowakei nicht in den Himmel wachsen. Gerade gegenwärtig verhandelt der Immunität saus schuß des tschechischen Abgeordnetenhauses wegen Auslieferung von nicht weniger als fünf ihrer Abgeordneten an das Strafgericht. Die Tschcchosloivakische Republik hat keine Neigung, sich eine zentrifugale, antiparlamentarische, antidemokratische und antisemitische Bewegung über den Kops wachsen zu lasten. ‘ ... . 4 * * f ^llr' > W Vf ."T j 2 3 / Von Dr. Hugo Spiegl-r C:.' So einfach, wie sich der naive Antisemitismus die Sache vorsimck: daß erst die Indem emanzipation des 19. Jabrbnnderls eine Invasion jüdischen Geistes in die deutsche Literatur ermöglicht iu:D eine „Berjuduug" der deutschen Kultur verschuldet hat, ist der Zm snmmenhang denn doch nicm/ Die literarischen Wechselbeziehungen zwischen jüdischen: und christlichen.: Deutschtum sind vielmehr uralt, und wenn davon nur wenig Aufhebens gemacht wurde, so ist dies nur ein Beweis, daß die von modernen Chauvinisten in beiden Lauern immer wieder betonten Gegensätze früher gar nicht als solche empfunden worden sind. Besonders auffallend tritt in Erscheinung, daß die sittliche Kluft, die sich nach Auffassung helltiger Hetzapostel zwischen dem Alten lind den: Neuen Testament auftun soll, irr den Zeiten, in denen das religiöse Gefühl in den Menschen viel machtvoller und entschiedener als jetzt in die innere und äußere Lebeusgesialtnug eiugrnf, gar nicht bemerkt worden ist. Charakteristisch in dieser Hinsicht ist es zlim Beispiel, daß derselbe A ltsachse. der in: neunten Jahrhundert den „Heliand" lHeitaud) dichtete, nur im Auftrag der Karolinger die christliche Gesinnung bei den Sachsen zu vertiefen, auch das e r ft c B u ch iüi o s e s in altsächstsche Verse übertragen hat. Neben dieser „Alts ä ch s i s ch e n (3 e a e | i s" sind aus den: Mittelalter noch drei andere deutsche Bearbeitungen desselben grosses erhalten: die Wiener, die Millstätter und die V o r a u e r Genesis. An die erstgenannte schließt sich auch ein Exodus-Fragment in deutschen Versen an, das aber, wie man ans der stilistischen Verschiedenheit schließt, von einem anderen Autor stammt. Die Wiener Genesis verrat viel epische K'un st (am charakteristischsten in der Darstellung des Schwankens und endlichen Entschließens der Eva. als sie den verbotenen Apfel pflückt), aber auch lyrische Scho n - Herten: so in der ergreifenden Klage über Rachels Tod und bei der ganz im mittelalterlich deutschen Geilte gehaltenen Ausmalung der Liebesverhältnisse zwischen Isaak und seiner Braut, zwischen Jakob und Rachel, Sichern und Tina. Ueberall steht der Dichter, wie alle altdeutschen Schriftsteller, unter dem Einflüsse heimischer Anschauung und Sitte. So wird das Gastmahl zu Ehren der Boten Isaaks ganz nach deutscher Art geschildert. Sogar politische T a g e s s r a g e n spielen in das Epos hinein, z. B. die Laieninvcstitur der Bischöfe durch 'den Ring. Da diese durch den Papst Gregor VII. im Jahre 1078 verboten wurde, muß das Werk früh e r entstanden sein. Das ist das einzige, was wir über sein Alter mit Sicherheit sagen können. Nicht viel mehr wissen wir über die Oer t licht eit seiner Entstehung. Die Sprache weist ans bayerischösterreichisches Gebiet hin. Die von manchen vertretene Anschauung, daß das Epos ans Kärnten stamme, bedarf noch des überzeugenden Beweises. Sicher in bisher nur, daß die Handschrift, die sich jetzt in Wien befindet, in Kärnten gefunden und dort schon in: zwölfter: Jahrhundert bearbeitet worden ist. Diese Bearbeitung ist die sogenannte Millstätter Genesis und Exodus. Sie erreicht das Wiener Original in dichterischer Beziehung nicht, übertrifft es aber durch Sachlichkeit und engere Anlehnung an die Bibel. Das Verhältnis der 'Wiener ur:d der Millstätter Genesis zur „V o r a u e r" ist noch nicht ganz geklärt. Für diese dritte Genesis, die wi'r aus der Uebergaugszcit vom Althochdeutschen znm Mitteltzochdeutsthen besitzen, ist das Hervorst reteu theologischen Interesses chavalteristisch. Der Verfasser erzählt nicht bloß, sondern er deute? die Erzählung auch. So legt er die drei Enaelschöre als.die drei geistigen Kräfte Gedächtnis. Beruuust und Liebe aus. bst diewr Gene' s er: hält Die Vorauer cgrift nee 'Di1:] e: ::.ve De: 'von dem st: nst. : a.n n nw a; Geben Aoflgcbret e des Alten m'mm-n As angeeiner: , ,Josi:s :) in Aegbtpteu 'A e-nen s", aus Dem; ciuige Germa:: istcn ein ruir.D* Die. re, dem s hören: „Rieses besonderes Stück: „Jo'ua" aussehoiden wollen, einen „Bileam", die „drei Jünglinge im Feuerofen", eine ältere ifräunstbe) und eine jüngere ldialektisch unbestimmbare) „Judith" und ein „Lob Salomos". Mit dieser: biblis ch e u sind aber die j ü d i s ch e u Moüve Der durch die Vorauer Handsichrift verewigten Dichtungen noch nichts erschöpft'. Wir stehen vielmehr vor der höchst morlrvürdigen Tatsache, daß sogar t a l rn u d i s ch e Motive verarbeitet sind. Gerade das berühmteste Gedicht der ganzen Sammlung, des fränkischen Priesters Lamprecht „A i e r a uöc v l t e d", verwertet eine Lege::de ans dem Talmud: die Erzählung von dem Vordringen Ateranders des Großen zu den P forte n d e s V n r n - dieses, wo er über die Nichtigkeit aller irdischen Macht und Größe aufgeklärt wird. Auch in das schon erwähnte „Lob Salomos", ein sräulirches Gedicht, das Salomous Hofhaltung, fein Ansehen und seinen Ruhm im Spielmaunstoue preist, ist eine r a b b i - n i f cf) c Sage eingeschaltet: „Solouw und der Drache". Diese Befruchtung der alldeutschen Literatur durch den Talmud ist besonders merkwürdig. Das Alte Testament ist schließlieh, trotz der Kränkung, die Herr Dinier nnD seinesgleichen hierüber empfinden, auch von der christlichen Kirche kanonisiert. Seine poetische Ausschrotung durch christliche Dichter muß also nicht unbedingt ein Zeugnis jüdnchch ri st (iche r Wech se l bezi eh u uge n a u s li te r a r i sch e m Gebiete sein. Um so unbestreitbarer aber stellt die Benutzung des Talmuds ein solches Zeugnis dar. Denn der Talmud ist rein jüdisches Besitztum, und Anleihen ans diesem konnten nur unter Mitwirkung der Besitzer erfolgen. Tie Juden, die auch den Aristoteles, den wichtigsten geistigen Kultursehatz des Mittelalters, dem Abendland erst vermittelten, indem sie ihn aus dem — Arabischen ins Lateinische übersetzten, haben, wie man sieht, auch mit ihren ureigensten Geistesschätzen nicht hinterm Berg gehalten, wo es Befruchtung des deutschen Kulturlevems aalt. Und ebensowenig hat man sich auf der anderen Seite gescheut, dieses Gilt, dem heutige Pseudokulturlämpfer so viel Anrüchiges andichten, mit offenen Händen auzunehmen. Wir finden talmudische Motive auch außerhalb der Vorauer Handschrift. So in dem Gedicht „Der gute Gerhard" von Rudolf v o n E m s, einem Schweizer Ritter aus dem dreizehnten Jahrhundert. Das genannte Gedicht ist eine in das deutsche Kaisermilieu verlegte Variante der rabbinischeu Erzählung von dem gelehrten Rabbi, der im überheblichen Gefühl seiner Gottgefälligkeit seinen künftigen Genossen im Paradies kennen lernen will. Gott vor öen alten AameraZen Ltufklt'irttugHarbcit des R. j. F. Ter Reichsbund indischer Frontsoldaten hat im -'iUcMmt November und Dezember seine AusNärungsarbect vor den christliche;: Kameraden von einst dankenswerterweise fortgesetzt. Tie Kundgebungen waren rast überall stark besucht und fände:: in Der Ortspresse einen crweulicb.en Widerhall. Gut geluugen sind vor allein die Veranstaltungen in S t u r t a a r l und F r a n k s n r t a. M. In der Atchrzahl der Versammlungen bewährte sich wiederum der Bundesgcsch.ästsst'chrer des llt. j. F., Tr. ststidwig Freund, als wirkstuner Redner. Ter Eeutralverein, dessen örtlich leitende Persönlichkeiten oft gleichzeitig den: Frrmbrmd in führerrder Stellung' anaehören. und der es auch weiter als Pflicht umsteht, diese anerkennenswerte Auskkärm:a.sarbest uaa; Möglichkeit zu sörd.rn. ist »r.vernchstich, von den: Fortschritt dieser iau\eradlchastli%ixn Beranstalinngcn bald Ivieder hier berichten zu türmen.

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