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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 542

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 542 (sequence 10)
Language
German
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542 zeigt ihm i.m Traum den — ^djüujter. Voll gekränkter Eitelkeit sucht der Uabllr. am nächsten Morgen diesen Mann aus und erkundigt sich nach dessen gottgefälligen Werken. Ta erfährt er eine Geschichte von edler Selbstaufopferung und Selbsck'lberwindung, die in ben wesentlichen Zügen mit dem überein summt, was der Held des Gedichtes von Rudolf von Ems vollbracht hat. Auch bei Hans Sachs finden wir talmudische Motive, so die Geschichte von dem Manne mit den zwei Frauen, deren eine ihm die grauen und deren andere ihm die schwarzen Haare auszupst, so daß er der Ahnherr der Kahlköpfe wird. Ter Nürnberger ^chusterscheint allerdings die jüdische Quelle, aus er, wohl indirekt, geschöpft hat, nicht gekannt zu haben, denn er nennt eine andere. Eine bedeutmnre Rolle in der Entwicklung der Leutllhen Geisresgeschichte hat die das ganze Mittelalter hindurch anhaltende Beschäftigung mit dem H o l) e n i i e b c gespielt. Ilm' 1065 übersetzte, Paraphrasicrte und kommentierte cs der 'Abt W i l! i r a m; für das nächste, das zwölfte Jahrhundert, ist das „Trutberger Hohelied" charakteristisch, für das dreizehnte das „Hohelied" des Magdeburger Konstablers Bruno von 2 ch ö n e b e ck. Tie deutsche Auslegung dieses altjüdischen Liebeslieds als Sehnsuchtsgesang der „Minuenden ^eele" nach der Bereinigung mit Gott hat schließlich im vierzehnten Jahrhundert zur Mystik geführt, in der die Religiosität des Mittelalters auf deutschem Boden ihre tiefste Verinnerlichung und ihren vergeistigtsten Ausdruck gefunden hat. Julius Bah: Geschichte der Devrients NWMIttMMSKM W 0 K. ADÄ Wenn Julius Baö zum 100.' Todestage Ludwig Tevrients am 30. Dezember eine Gewart fort. Ein Abraham Tevrieut war eurft mit seiner Frau, einer Fran^cise Poisonnier aus Fran.zosisch-Belgieu als Tabakhändler in Mannheim im 17. Jahrhundert ansässig geworden. Seine Urenkel Tobias Philipp und Ludwig (.1764—1S32) wurden entweder — Tobias Philipp — der Stammvater der mit Ludwig als SchauspMer berühmten Earl (179-8—1872), E d u a r-d (1801 bis 1577) und Emil N6O3—1872) sowie durch seine Tochter Mathilde der Großvater Her berühmten 2 t a e g e m a n n s, ferner durch Earl der Friedrich (1827—1871) und Max Dev r i e n t (1858—1920), durch Eduard der Otto Devrient (1530—1894) oder das erste große Genie, das im Mimischen -wie Ekstatischen so außerordentlich rvar, daß Jrmuormänn Ludwig „den gröyteu Schauspieler aller Zeiten" -genannt hat. Tas Leben dieser im gebildeten Teurschland überall bekannten Künstler'sowie Ihre Leistungen werden eingehend geschildert und im Zusammenhang damit das Leben'der ersten Frau Earls, der W i l h e l m i n e ch r ö d e r - D e v r i e n t, der drei Frauen Ludwigs, der Familie Giesecke. Leipzig. Wir übersehen schließlich fünf Generationen mit mehr als 100 Menschen; nur das Genie, Ludwig, starb mit seiner Tochter Emilie und seinem Sohn Earl aus, alle anderen Tevrients blühten weiter: heute in sichen Familien. Ntan erkennt auch hier: das Genie braucht alle Lebenskraft auf. Man sieht aber auch: das Talent schafft Kultur. Diese Kultur dehnt sich bald über ganz Deutschland, dann nach Europa, Asien, Amerika, und überall ist sie deutsch geblieben. Ueberall bewähren die Tevrients sich überdurchschnittlich-, auch als Kaufleute, Techniker,^ Pädagogen, Physiologen — überall aber sind sie künstlerisch, schauspielerisch, musikalisch. Zeichnerisch bestimmt. Das Schauspielerische überwiegt und Zeigt sich noch in der fünften Generation bei Walde m nt Staegem an n fräftig; es offenbarte sich in allen Abwandlungen und Lebensweisen: die Kulturwerte der klassischromantischen Epoche blieben hier führend. Sicher ist, daß dies Devrientsche Blut, übrigens auch mehrmals durch Heirat mit jüdischem und portugiesischem vermischt, noch besondere Gaben der Menschheit schenken dürfte. Julius Bab breitet mit der stoffreichen Schilderung dieser bedeutend begabten, schicksalsbunten Familie — einer „armen Wandersamilie", die als „Saat über die Erde" verstreut wurde und nirgends (außer mit einem Zweig in Leipzig) Bstwurzelre — ein Kultur- und Menschenschauspiel Von höchster Bewegtheit und Bedeutsamkeit vor uns aus. Er tut dies so erschöpfend, unterhalrsam, anregend, daß die Lekrüre seines Buches zum Erleben der Kultur des bürgerlichsten Jahrhunderts, von der Kunst her gesehen, führt. Sein Buch ist vorbildlich für die Art, wie Familiengeschichte lwtrieben und gestaltet werden muß. Haas Martin Elster. Franz Joseph Schneider: „Der lange Tag". TAcxian einer Ehe zwischen Christ und Jüdin. Paderborn 1932, Vertag Ferdinand Schöningh. Verlag urw Autor haben dem Publikum in letzter Zeit eine Reihe von Werken übergeben, die Zeitprobleme vom Standpunkt des Katholizismus aus behandeln. Ein solches Unternehmen ist zu begrüßen, weil es den niveaulosen und in gewissem cinue richtungslosen reinen Anterhaltungsroman ersetzt und den Lesern mehr als nur literarische Werte vermittelt. Tie neueste Arbeit des Verfassers ist jedoch gegenüber dem großem Problem, das er sich .stellt, zurückgeblieben. Es ist gewiß erfreulich, wenn der Autor die Tagesfchlagrvörter der Rapentheoreiiker und der Parteiagitation seinem Buche fernhalr, und wir sind gesinmmgsmäßig mit ihm im wesentlichen einig, wenn er bie Mischehe im Sinne der Verbindung zweier Menschen, die verschiedenen Bekenntnissen angehören und bei diesen weiter verbleiben, cwkehnt. Aber wenn er die Begründung hierfür in einer so krauen, uupsychologischen und abschreckenden Weise führt, wie sie das Buch erkennen läßt, \o trit^ dadurch, sicherlich gegen den Willen von Berstuoer und Verlag, au Stelle klärenden Nachdenkens M i ß t r a u e n und Haß e r r e g u u g. Es ist eine sehr primitive Gerechtigkeit, und eine noch primitivere Lebensdarsrellung. wenn man jeder Romanfignr in gleichen To'en gute und schlechte Eigenschaften zuerkennt und meint. damit Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen. Schicksale sind'keine Prozentrechnungen, sind aber auch keine Kinderamgaben, die ohne Rest aufgehen. Test der Verfasser dies glauben machen will, indem er den Personen einmal den jüdischen uni) den katholischen Faktor addiert und dadurch die Ehe unglücklich, einmal subtrahiert und sie dadurch glücklich macht, um dies Verfahren so oft zu wiederholen, daß sowohl die Ehegatten voreinander wie der Leier vor den: Buche das Gefühl „Run endlich Schuß!" bekommt, so ist das ein Ergebnis, das der Verfasser nicht gewollt haben kann rmd das wir nur ungern feststellen, Jveil sehr viele unkritische Köpfe die Erkenntnipe, die das Buch vermittelt, mit absoluter Wahrheit glcichsetzen werden. Ä. H. Der Athcrraiorr - Kalender „Kultur und Natur" 1933, ein Avrcisstalcridcr (Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. £\ Pottdam), will mit schönen"Abbildungen, Essays. Anekdoten, Sprüchen und einem Preisausschreiben „einen Augenblick ruhigen Nachdenkens, stillen Beschallen», freundlicher Erheiterung" in den Werktag bringen. Er kann auch von uns empfohlen werden. r. Jüdisches Jahrbuch 1932. Vertag Jüdisches Jahrbuch, Berlin 1932. Tie mannigfachen Einrichtungen und Organisationen in der größten jüdischen Gemeinde Teutschjands sind so zahlreich, das Leben in ihr entsprechend rege, daß ein gut orientierender Führer in Form eines Handbuches dringendes Bedürfnis ist. Ter Wert des vorliegenden Jahrbuches besteht hauptsächlich darin, daß er brauchbare Nebernchten über die jüdischen Vereinigungen und Institutionen, soweit sie ihw-n Sitz in Berlin haben — weit mehr als 300 —, gibt, die Organe der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde verzeichnet und den Steuerzahlern ein Bild von der Verwendung der aufgebrachten Steuermittcl. d. h. von den bestehenden Einrichtungen, liejert. L. 6. L. r.bschieösfsrrr für Rabbiner Dr. Eamus! (€0en) Am 1. Januar 1933 tritt Rabbiner Tr. Sara u e I nach Erweichung des 6ö. Lebensiahres in den Ruhestand. Mit ihm scheidet der Begründer des Essener Rabbinats aus dem Amt. Fast vier Jahrzehnte hindurch hat er in unermüdlichem Eifer die Geschicke der Gemeinde betreut und sich besonders aus dem Gebiete der karitativen Tätigkeit bewährt. Tie innere Ausschmückung der besonders schönen Essener Synagoge geht vor allen Dingen auf seine Anregungen zurück. In wnscnschast'ächer Hinsicht sind feine „Geschichte der Essener Juden" und die an den Akademischen Kursen gehaltenen Kriegsvorlesungcn „Bibel und Heldentum" erwähnenswert. Außerdem hat Tr. Samuel in vielen Aufsätzen zu den entschiedensten Ereignissen des jüdischen Lebens Stellung genommen. Auch die „E. B.-Zcitung" hat seiner Feder manchen wertvollen Beitrag zu verdanken. Ter Tank der Gemeinde kam in einem am Z. Dezember abgehaltenen Festgottesdienst zum Ausdruck, bei dem der Amtsnachfolger. Rabbiner Tr. Oahn, die Ansprache hielt. Zu der gottesdienstlichen Feier sowie 311 dem sich anschließenden vstizietlen Empfang hatten sich Vertreter der christlichen Geistlichttii sowie Abgesandte der städtischen Behörden eingefunden. Sowohl in der Rede des Cemeindevorsitzenden. Tr. H i r s ch l a n d. wie in den 'Ansprachen d»w geladenen Gaste, kam die höbe Verehrung zum Ausdruck, deren sich Tr. Samuel weit über den Kreis der Jüdischen Gemeinde hinaus erfreuen durfte. Im Auftrag des Ecntralvereins dankte Tr. K r 0 m bach mit herzlichen Worten für die stets hilfsbereite Arbeit im Vorstand der Esiener Ortsgruppe. Wir wünschen Tr. Samuel einen gesegneten Lebensabend im Kreise seiner Familie und sind sicher, daß er seine frische Kraft auch fernerhin im Dienst des Judentums bewähren wird. Dr. h. c. Fakob Solüschmi-t l§rrlm) 50 Fahre alt Am ZI. Dezember begebt Tr. h. c. Jakob Goldfchmidt seinen 59. Geburtstag. Goldschmid! hat cs durch Energie und Zielstrebigkeit wie durch ungewöhnliche Fädigkeiten verstanden, _ sich vom kleinen Banklehrlirrg zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft der Nachkriegszeit empvrzuarbciteu. Trotz des „schwarzen" 13. Juli ist seine Arbeitskraft nicht gebrochen, seine Rolle nicht ausgespielt. Seine strengen Kritiker sollten nicht vergessen, welche Dienste er der deutschen Volkswirtschaft bei der Auflösung des Ssinnee scheu Nachlasses geleistet hat. Wie politisch rechtsstehende Streife ihn beurteilen, dafür ist das beste Zeugnis die deutschnationale „Schlesische Zeitung", die im Oktober 1928 schrieb: „Es stünde um Deutschland besser, wenn wir mehr solche Wirtschastssührcc hätten wie Jakob Goldschmidt." Aber gleichgültig, wie man Dr. Goldschrnädts wirtschastliche Tätigkeit beurteilt — die „E. V.- Zeitung" ist dafür nicht zuständig —, der großzügigen Unterstützung, die Goldschmidt wissenschaftlichen, kulturellen, wohltätigen Werken unterschiedslos har angedeihen lassen, muß an seinem 50. Geburtstag in großer Tanlbarkcit gedacht

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