Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 53 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- Seite 540 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Seifet, der bayerische General von L o s - fvw, der bayerische Innenminister Tr. Schweyer. Aber sie werden nicht eingehakten. Aehnlich geht es Hu genberg. Brüning und dem Reich-Präsidenten von Hirrden bürg. „So nr bei Hitlers unbeherrschter Natur der Schluß gestattet: Hitler weiß gar nicht, was er verspricht, und seine Zusagen können nicht als Zusagen eines voll geschäftsfähigen' Partners gelten. Er wird sie brechen, sobald es ihm paßt, und er wird sich dabei noch für - einen ehrlichen Mann halten." Ein besessener Neurastheniker! Immerhin ein großer Redner! „Von allen Rednern, die sich zurzeit vor deutschen Mafien produzieren, ist Hitler wohl der rasendste Kampier. Ein, zw'ei Stunden lang steht auf dem Podium ein gesalbter Prediger, gelegentlich einen Essigtropfen Witz in das Del mischend. Ein Mann mit Gedanken, dem man gut zuhören, bei dem man aber auch — Verzeihung — schlafen kann. Aber dann fährt es in ihn. Tann schießt die mittelgroße Gestalt hinter dem Podium auf und nieder: dann gehen die Hände durch die Lust mit Gesten, die zwar bilderarm find, das Ge- ' sprochene nicht nachmalen, aber vorzüglich den Seelenzustand des Redners airsdrücken und in die Hörer hineintreiben. Wenn in einer Anklagerede der Zeigefinger raubvogelartig auf die Hörer niederstößt, fühlt jeder einzelne sich für die Sünden der deutschen Nation verantwortlich." Tiefes Buch ist nicht aus Haß, sondern mit Einsicht geschrieben. (Es gibt ja auch wohl kein.beperes Mittel, sich das Verständnis der nationalsozialistischen Bewegung zu verbauen, als sie als eine radauantisemitische zu betrachten.) Es ist daher und auch wegen seiner umfangreichen Quellenforschung unentbehrlich für jeden, der sich mit dem Nationalsozialismus ernsthaft auseinandersetzen will. Ter Ursprung der Partei, ihre Entwicklung, ihre Struktur und die Gegensätzlichkeiten sind klar dargestellt und analysiert. Diese Analyse ist durch die Ereignifie der letzten Wochen, insbesondere durch den Konflikt Straffer—Hitler, überraschend bestätigt worden. Dabei kommt der Verfasser zu einer nicht nur negativen Bewertung des Nationalsozialismus. Mit und seit dem Weltkrieg fei ein neues Nationalgefüht in Deutschland entstanden, das sich von der Anhänglichkeit an die siegreiche Herrfchaftsordnung des Vismarckschen Reiches schon durch das überall vorwaltende Gefühl des Unglücks. der Empörung und der Zwietracht von Vollster! Zu Volksteil unterschieden habe. Auf Leiden Seiten der inneren Front sei dabei die gemeinsame Ahnung, daß die Weltanschauung des individuellen Kampfes ums Tastsin zu Ende gehe, daß vielmehr unter dem natürlichen Wetteifer um die Sachgüter und um die Anerkennung des Mitmenschen als tiefster Wert ja doch die Lust an diesem Mitmenschen ruhe, vielleicht auch zuweilen die Lust an feiner Vernichtung ohne „vernünftigen" Zweck. „Bon dieser bösen Seite des neuen Lebensgefüb.ls hat der Nationalsozialismus mindestens ebensoviel, wie von seiner guten, wenn nicht mehr." Das Buch schließt mit einem Nachruf, in welchem festgestellt wird, daß seit dem 14. Septemb-m 1930 die Geschichte der NSDAP. zu Ende fei. Was folge, sei ein verhältnismäßig kurzer Abschnitt der deutschen Geschichte, in welchem Hitlers Partei die Hauptrolle spiele. Der Berfasser begründet diese Ansicht damit, daß Hitler im Grunde nichts voo dem erreicht habe, was er sich zum Ziele setzte. „Tie NSDAP, war keine Partei der Auserlesenen geworden, sondern des »großen Haufens*. Sie kam nicht im Spiel der \ ' . ' >. bewaffneten Kräfte zur Macht, sondern musste sie sich durch Wahlen zu erkämpfen suchen. Sie schuf nicht aus Bayern ein revolutionäres Territorium, sondern ihr Schwerpunkt wurde nach Norden gezogen. Sic eroberte nicht die Herzen der Arbeiter, sondern fand ihre Anhänger beim Bürgertum und namentlich bei der ursprünglich gar nicht so beachteten Landwirtschaft. Hitler wurde Führer der größten Partei Teut'chlarws. aber nicht der Partei, die er haben wollte." Für den Nationalsozialismus' gäbe es nur zwei Möglichkeiten, die Nückbildung zu einer den bürgerlichen und bäuerlicken Mittelstand zusammenfafienden gewaltigen Jnterestenpartei oder aber den Untergang. — Man hak das Gefühl, als ob cs nicht mehr allzu lange Zeit dauern werde, bis wir auf diese Frage eine Antwort haben. MN M WM 8 v-i '4 v </ V $ %i4 4 jf 4^ y v w Sfea V?. MWf Rmhi Ein im Deutschen Reiche lebender Ausländer hat hnung Gelegenheit zu der etwas betrüblichen Feststellung, daß selbst gebildete und wohlunterrichtete Leute doch nur sehr vage Vorstellungen von der Größe und der sonstigen geographischen und politischen Besessenheit eines fremden Landes besitze;». Auch von den an Deutschland angrenzenden Nachbarländern weiß der Turchschnittsdeutsche ziemlich wenig und es ist ein etwas versöhnender Trost, das; auch der Engländer oder Franzose gewöhnlich noch viel weniger Interesse für das Ausland ausbringt. Bei den kleineren Ländern und Nationen ist es in dieser Hinsicht meistens besser bestellt, aber im großen und ganzen bedeuten die Grenzen der Länder eine unsichtbare chinesische Mauer, die nur selten überstiegen wird. Man müßte die junge Wissenschaft der Geopolitik in den Lehrplan der Schulen der Kulturmenschheit allgemein eiuführen, damit die gegenseitige Kenntnis der Völker etwas gründlicher wird. Wenn aber schon die Bekanntschaft mit den außerdeutschen Städten, Flüffen und Gebirgen sehr mangelhaft zu sein pflegt, so wird es ganz schlimm, wenn es sich um staatliche Eunuchtun gm und Parteien handelt. Freilich liegt hier die Entschuldigung nahe. Denn jede politische Partei eines Landes kann eigentlich nur aus ihrem historischen Werden begriffen werden. . Wenn ich daher hier in Berlin immer wieder gefragt werde, ob sich die tschechische Na zi onal s oZi a l i stische Partei mit der deutschen nationalsozialistischen Bewegung decke und eine Partei bilde, die von denselben antiparlammtarischen Diktatur gelüsten und die andern vergewaltigenden antisemitischen Tendenzen erfüllt ist wie die deutschen Hakenkreuzler, so beginne ich uni einem verzeihenden Lächeln meine politischer; Ausführungen über den himmelweiten Unterschied, der znnscheu dieser; Parteien trotz ihrer gleichen Benennung obwaltet. Die Partei der t s ch e ch i s ch e n N ationalfozialistcu, wie sie zum Unterschied von der internationaler: tschechischen S o 3 t a I b c m v t r o t i f d) e n P a r - tei genannt ist, ist schon im Jahre 1897 von Vaclav Klofäc gegründet worden, ist also dreimal so alt wie die vor: Adolf Hitler ms Leben gerufene Bewegung. Wer nur diese eine Tatsache weiß, wird nicht mehr auf den Gedanken kommen können, daß die Bedeutung und die rasche Ausbreitung der deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei,auch über die Grenzen Deutschlands und des deutschen Volkes gewirkt und auf dem Boden der tschechoslowakischen Republik eine analoge tschechische nationalsozialistische Bewegung hervorgerusen hätte. Tie tschechische Nationalsozialistische Partei ist als eine nationale Arbeiterpartei gegründet worden, und zwar im bewußten Gegensatz zu dem internationalen Programm der Sozialdemokratie, mit der man namentlich vor dem Weltkriege ständig im Kampfe war. Der Gründer und jetzige Vizepräsident bc» tschechischen Senate, Kloiäc, war im eilten österreichischen Reichsrat neben dem jetzigen Präsidenten der Republik, Majaryk, und dem Heutigei: Führer der tschechischen Nationaldemolraiischen Partei, Dr. Kr a mär, ein hervorragender Kenner der auswärtigen Politik und spann seine Fäden nach dem Auslande, besonders nach Rußland und Serbien. Ta er schon damals überzeugt war, daß die Wiedererlangung der nationalen Unabhängigkeit und Selbständigkeit für bic Tschechen nur durch aktive Energie zu erreichen war, gründete er eine nationale Arbeiterpartei. Er halte die immer mächtiger werdende Strömung des Nationalismus richtig eingeschätzt, mw der Gang der Ereignisse gab ihm und seiner Partei recht. Die Nation, die im Jahre 1629 in der Schlacht am Weißen Berge ihre Selbständigkeit verloren hatte und deren Länder Provinzen des Habsburger Reiches geivorden waren, besaß wieder ihren eigenen Staat, die Tschechostmvakische Republik. Dieser in die Augen springende Erfolg der nationalen Bestrebungen bewirkte naturgemäß, daß von der internationalen pazifistischen und fast nur an den wirtschaftlichen Fragen interefiierten Sozialdemokratie viele Tausende Arbeiter zu den Nationalsozialisten abschwenlten. Daher sah sich die Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei genötigt, viel nationalistischer aufzutreten, als dies ihrem Programm eigentlich entsprochen härte, Nach dem Kriege, als mau sich in dem eigenen Staatsgebäude wohnlich einrichtete, entwickelte sich der tschechische Nationalsozialismus zu einer kulturellen, fortschrittlichen, sozialistischen Reformpartei, die an der Seite der Sozialdemokratie für sozialistische Reformen kämpfte. Die gleichmäßig ansteigende Anzahl ihrer Wählerschaft beweist, daß die Partei gut geführt ist und frei von allen Illusionen eines Dritten Reiches, ohne antisemitische n n d andere verhetzende Ra f f c u paxclc n, oh n e chiliatische Verheißu n g e u ihre A u h ä n g e r u i ch t en t t ä u s ch t und aus ein gedeihliches Wachstum ' für die Tauer rechnen kamt. Wenn im Jahre 1920 rund 5üu0O0 Stimmen für die tschechischen Nationalsozialisten abgegeben wurden, so waren es bei den 1925er November wählen €09 000, und bei den letzten Wahlen für das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus im Jahre 1929 waren es gar schon 768000 Stimmen. Während sich die deutschen Hakcnkrenzler in ihrer offiziellen Bezeichnung Nationalsozialiüische Deutsche Arbeiterpartei nennen, haben sie nur einen kleinen Bruchteil von wirklichen Arbeitern in ihren Reihen und würden richtiger A r b e i t s l o s e n p a r t c i als Arbeiterpartei heißen. Tagegen strömten der tschechischen