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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 538

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 538 (sequence 6)
Language
German
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53$ rechterhültung der Ctbnung und eines, rur- -Qejiörten Lehrbetriebes für nicht tragbar/ Weil Profesior Cohn also zu einer „politisch umstrittenen Frage" Stellung genommen hat, hat er seine „pflichtgemäße" Zurückhaltung gebrechen und ist „nicht mehr tragbar". Wrr könnten der Breslauer Universität sehr zahlreiche Fälle nennen, in denen Breslauer Professoren ihre pflichtgemäße Zurückhaltung in politischen Fragen wirklich haben vermissen lasten, ohne daß die Universität dagegen eingeschritten wäre. Was hat Professor Cohn nun wirklich getan? Ter „Montag Morgen" erkundigt sich bei bekannten Persönlichkeiten über ihre Einstellung zu dem Problem Asylrecht für den von den Kommunisten aus Rußland ausgewiesenen Trotzki. Es antworten der rechtsstehende Politiker Hans Zehrer, der rechtsradikale Kapitänlentnant v. Ehrhardt, der frühere Nationalsozialist Dr. Otto Straffer, der Gesandte a. T. von H i n d e n b u r g. der Staatsminister Karl S e v er i n g, einige Künstler und Schriftsteller, und auch Professor Cohn äußert sich: „Die Frage gehört zu den sehr zahlreichen Fragen, die kein sachlich 'Denkender ohne orgfältigste Prüfung einer Reihe von Umtänden zu beantworten vermag. Jnswsondere dürfte es von Wichtigkeit ercheinen zu wigen, welche Erfahrungen die Länder, in denen sich Trotzki bisher-aufhielt, mit ihm und seiner Tätigkeit gemacht haben. Ein geistiger Arbeiter wird stets schutzwürdig erscheinen, an Agitatoren und Nurpolitikern haben wir wahrhaftig keinen Mangels Diese Aeußerung des Professors Cohn wird dem Blatt, das chn zur Stellungnahme auffordert und dessen Anfrage er nicht unhöflich beantworten will, telephonisch durchgegeben. Es schleichen sich zwei Hörfehler ein. Profesior Cohn hat nämlich nur erklärt, „ein geistiger Arbeiter kann schutzwürDig erscheinen; an Agitatoren rrrrD Nurporitikern haben wir dagegen wahrhaftig keinen Mangel". Diese Erklärung ist weder Politisch, noch ist sie überhaupt eine Stellungnahme. Sie kehrt lediglich in einer Gegenüberstellung die grundsätzlichen Voraussetzungen hervor, die eine objektive Entscheidung ermöglichen. Die Entscheidung selbst toird von Professor Cohn nicht getroffen.' # . Wie eine derartig harmlose Erklärung eine „Verschärfung der Lage an der Universität Breslau" herbeiführen soll, ist dem objektiven Betrachter unerfindlich. Diese Verschärfung ist auch gar nicht in Erscheinung getreten. Denn die Studenten haben gegen sie nicht randaliert, obwohl der „Dt. M." wohl auch in Breslau tagelang bekannt war, ehe die „Schlesische Zeitung" ihn zum Anlaß ihrer Polemik nahm. Dian wäre fast, weil sich wirklich objektive Gründe für eine derartige schiefe und scharfe Beurteilung der „M. M."-Aenßerung nicht finden lassen, zu öch-rupim geneigt: diele Bemerkung kam sehr gelegen. Sehr gelegen den Treibern,- die aus irgendwelchen Politischen oder anderen Motiven an der Bros-, lauer Universität Ruhe nicht auskommeu lassen wollen. Tics bedauerlich, daß sich Rektor und Senat zu einem derartig übereilten und grundlosen Beschluß haben bestimmen lassen. Sie werden ihn hosfemlich als Männer Per Wissenschaft, die ayivinnit sind, nach Ob- jeltivuät und Gerechtigkeit zu streben, nunmehr überprüfen und auch den Mut finden,, ihren Irrtum einzugestehen. Völlig unverständlich aber wäre es, wenn die Instanzen, in deren Hand die Wahrung der Sraatsautorität gelegt ist, ihre objektive Haltung durch die grundlose Behauptung einer „Pflichtverletzung" beein-- flunen lassen wollten. Wir können uns nicht denken, daß das Kultusministerium, das seine Entschlüsse in ruhiger Objektivität und nicht unter dem Eindruck, von FlaschenattentaLen zu treffen hat, die Autorität des Rechts und des Staates nicht auch . in diesem Falle durchsetzen wird. ■' Ter Fall Cohn steht für jeden, der objektiv .311 prüfen gewillt ist, eindeutig als künstliche Konstruktion fest. Jetzt geht es um mehr! Nämlich um die Frage, ob der Staat noch gewillt und in der Lage ist, sich durchzusetzen, er, dessen gegenwärtige Vertreter das autoritative Prinzip so besonders hoch werten. Ter Fall Cohn wird zum Prüfstein für die Festigkeit preußischer Staatsautorität gegenüber einer Bewegung, die wahrscheinlich in nicht zu ferner Zeit keine Bewegung mehr sein wird. 23 GÄ! £u3 te3 WL:L"Mz Ekelhafte Ausnutzung eines Moröss Zu politischer Hetze Sonderberichi für die „C. Ä.-Zeilun g" Rastcnburg, 2l. Dezember!932. „Rituatmord in Rastenburg?", so lautet die lieber schüft eines Artikels der in Königsberg i. Pr. erscheinenden Nationalsozialistischen „Preußischen Zeitung", Nr. 279, vom 20. Dezember 1932. In. diesem Artikel wird ein an einem Kinde begangenes scheußliches ' Verbrechen dazu benutzt, das „alte Märchen vom Nitualmord" aufzufrischen. Folgender Tatbestand gab Anlaß zu dem Gerücht: Als am Abend des 6. Dezember de: achtjährige Sohn des Schlossers H a f s k e aus der Ausburger Swaße in Rastenburg nicht nach Hause kam, alarmierten die besorgten Ettern die Polizei. Am Mittrooch morgen fand ein des Weges kommender Arbeiter in einer Ackerfurche nahe der Stadt den kleinen Benno Hasste mit durchschnittener Kehle. In christlichen wie in jüdischen Kreisen löste diese Tat nach ihrem Dekanntwerden einen selbstverständlichen Abscheu aus sowie tiefstes Mitgefühl mit den Eltern, insbesondere mit der Mutter, toelche einer Niederkunft entgegensieht. Fieberhaft arbeitet senden die hiesige Polizei unter Hinzuziehung einiger Spezialisten an der Aufklärung des Mordes. Doch bis jetzt leider vergebens. Es hatte in der 9dacht nach dem Verbrechen dauernd geschneit und gestürmt, daß die volizeilichen Ermittlungen sehr erschwert wurden. Wie die Obduttion der Leiche ergab, ist der Tod durch großen Blutverlust eingetreten. Kurz nach dem 'Dekanntwerden der Tat setzten Gerüchte ein, daß es sich wohl um einen „Rituatrnord" handeln müßte. Obwohl cs uns Rastenburger Juden klar war, von welcher Seile solche Gerüchte in das Volk getragen werden, fühlten wir uns nicht veranlaßt, hierzu Stellung zu nehmen, da wir zu der Wissenschaft: und Objektivität der Behörden das Vertrauen haben, daß sie wissen, daß es einen Ritual mord tatsächlich nicht gibt. Wir schwiegen auch noch, um die Ermittlungen der Polizei nicht zu stören, als der jüdische Händler eL von interessierter wC::e des Mordes verdächtigt und amtlich vernommen wurde. Es bandelt sich vier um einen Menschen, von dem selbst die „Preußische bll'itung" schreibt, daß er voegen seiner körverttchen schwäche als Täter nicht in. Frage kommt, den „sie* aber als eventuellen Irrtreiber betrachtet. <-eibsrverftändiich konnte 2i. sein Alibi einwandfrei Nachweisen.^ Er ist. wie gesagt, ein Mensch mit nicht nur schwachen. sendern man kann sagen kranken Nerven: seine (Geistesanlagen sind nicht höher als die des.achtjährigen Ermordeten zu bewerten. lLv nahm er sich die Verdächtigung mehr als jeder andere zu Herzen und meinte, die „Schande", als rvclcke die Vernehmung nun in seiner fuiutbauen Einbildung riesengroß vastand, nick: überleben zu können. So griff er unmittelbar nach seiner Berncbmuna zürn Gaßbahn. Ein Gtt'ck. daß er am Ecken b'ieb. Es ist gar nickt auszudenken, welche Phantasien die nmckualfozialistiscke Presse im Falle seines Todes entwickelt hätte. Alles, tvas die „Preußische Zeitung" sonst noch zur „Sacke* brockte, sind inebr oder v^ncker Vcrnnrtrttwen und der bei .solchen Anlässen' übliche Stadttlatsck. Nur nimmt es ' wunder, daß sie hierbeidie chauvtsäckttcküe Vermutung/ rck bewußt »der. orckecv.'n-ütt mösiga ick. dnbinae- - ftcltt sein lamm, verschweigt. Istes wirklich so, daß euf.cr den van der „Ärcußisichen Leitung* ange-- st'rhrlcn 9Nvtivcn. 'welche nicht in Frage.kommen sollen, nämlich: Finanzielle Vorteile, Racheakt und Lustmord, keine andere Motive vorhanden sind? Ich möchte an die „Preußische Zeitung" einige bescheidene Fragen stellen: Ist dem Berichterstatter der „Preußischen Zeitung" nicht bekannt, das; cs vor Der Ermordung des kleinen Hasste im Hause, wo feilte Eltern wohnen, in kurzer Zeit zweimal brannte, der Brand aber noch immer rechtzeitig entdeckt wurde? das; cs anr Sonnabend, den 13. Dezember d. 2daselbst; u m d r it L e n rn a l brannte und ein größeres Unglück nur durch das energische Eingreifen der Feuerwehr verhindert wurde? - das; sich in der Stadt Naftenburg hartnäckig das Gerücht erhält, der kleine Bruno Hasste habe einmal die A e u sz c r u n g fallen Lassen, daß er wüßte, wer die Brandstiftungen verübthabe? daß man sich also wohl fragen must, ob nicht jemand das Motiv hatte, einen unbequemen Mitwisser aus dem Wege zu schaffen? Ter C. D. hat sogleich nach Erscheinen des Artikels in der „Preußischen Zeitung" den christlichen Direktor des Königsberger Gerichtsmedizinischen Universiiäts - Instituts, Prof. Dr. Rippe, nwlcher die L-eichensektion im Falle Hasste ausgeführt hat, gebeten, sich zu dem Ritualmordverdacht zu äußern. Professor Nippe hat erklärt, das; ein jüdischer Nitnalmord in der gesamten Gerichtsmedizin der Welt niemals fcstgcsLellt worden ist. Ein dahingehendes Gutachten sei auch von seinem Lehrer und Vorgänger, Prof. Dr. Puppe, erstattet worden. Ter Landesverband Ostpreußen des C. V., der seine!: Syndikus Sabatzky sofort an Ort und Stelle gesandt hatte, und die Ortsgruppe Nastendurg des E. V. haben zusammen alles unternommen, was zur Aufklärung und Beruhigmig der Bevölkerung dienen kann. Ter ostpreußischun Presse, insbesondere aber der Rastenburger, wurde eine Erklärung abgegeben, in der nicht nur aus die wilwnschaftlichen Erklärungen der Professoren N i p p e und P u p p e Bezug genommen, sondern auch auf ein Gutachten des kürzlich verstorbenen, ordentlichen Proscsiors der evangelischen Theologie an der Königsberger Universität, IZ. Tr. Mar Löhr. Hingewiefeu wurde. Vorn christlichen theologischen Standpunkte aus betrachtet L ö h v das NiLualmordgerücht als einen nrittcLalterlichcn LLbcrglanbrn. Lüeitcrhrn hat vre I u st i z p r c s s e st c L L e der ostprcustisaßctt, insbesondere der N afrenbnrger Presse -eins Mitteilung zur Veröffent-' lichung 'zngehen lasten,--.in welcher die „DaLbcstandsausführungcn" vor „Preußischen Zeitung" durch diese amtliche Feststellung als unwahr erkannt rurddcr Verdacht eines Niiuattnordcs als. völlig uckhegründet bereich net worden ist. Tie „Preußische Zeitung" hat es natürlich nicht für nötig.gesunde^ diese Erklärung der Justiz- Pressestelle abzudruckm. ll. Vvaette.

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