Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 53 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- Seite 536 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277939-2277992--07719-2288650- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
536 zahlreiche kleinere Broschüren und die beiden wissenschaftlichen Zeitschriften „Ter KM argen" und „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland Tie größeren Werke, die Broschüren und Zeitschriften fanden, zumal sie entweder zu aktuellen Politischen Erscheinungen in Beziehung standen oder bedeutsame grundsätzliche Fragen zum Gegenstand der Erörterung hatten, nach wie vor größte Beachtung., Das Buch von Eli Munk wurde vom Eentralverein vor allem Richtern und Gerichtsbibliotheken 3:1 r Verfügung gestellt, weil es wichtiges, für gewstw Prozesse unentbehrliches ausklarendes Material über den Talmud enthält. Mehrfach wurde in diesen Blättern auch die Tätigkeit der Presse st eile des Cenrralvereins erwähnt. Ueber 660 deutsche Tageszeitungen und der größte Teil der jüdischen Presse in Deutschland und im deutschsprechenden Atlsland werden von ihr erfaßt; die Pressestelle hat z. B. im Falle des „gefälschten C. B.-Briefes" und bei der Verbreitung anderer wichtiger C. V.-Nachrichten wirkungsvoll eingegriffen. Ter besonderen Information der jüdischen Presse dient eine Rrtikelkorrefpnndenz der „C. V.- P f e f f c b t e n st", der in regelmäßigen Abständen erscheint. Zur Unterrichtung über internere politische Vorgänge und Einzelheiten der C. B.-Arbeit wurden Pressekonferenzen veranstaltet. Tie Berliner Vertreter jüdischer Zeitungen des In- und Auslands wurden fast jeden Monat in der Hauptgeschäftsstelle zu Informationen und Aussprachen empfangen. Darüber hinaus fanden Empfänge für die große Tagespresse sowohl in Berlin als auch-,in Mittelpunkten anderer Laudcsteile, so in B e u L h e n , S t e L - t in und D ü s s? l d o r f, statt. So wichtig auch die Aufklärung durch das geschriebene Wort ist, niemals wird sie die persönliche Aussprache ganz ersetzen können. Deshalb hat der C. B. auch im verflossenen Jahre in allen Gegenden vor den Vertretern verschiedenster Berufskategorien, vor Männern und Frauen, auf klären de Vorträge veranstaltet; in ihnen referierten entweder '.naßgebende führende Persönlichkeiten des Centralvereins oder besonders bestellte Fachkenner über die wichtigen mit^ der C. V.-Arbeit verknüpften Fragen. Lie fanden starkes Echo bei den Zuhörern, in den Zeitungen und darüber hinaus regelmäßig auch in unzähligen Zuschriften an den Centralverein. Auch Synagogcnführungen und Vorträge fanden auf Initiative des Centralvereins statt. Daß neben der Fülle von Arbeit, die so jeder Tag bem ContraLverein brachte, die interne C. B.-Arbeit, Werbung von Mitgliedern, Erfassung der Jugend und der Frauen, Besprechungen und Beratungen mit den eigenen Landesverbänden wie mit befreundeten Verbänden, weckerging, sei hier nur erwähnt. Tiefer kurze Bericht will ja nur aus viele Anfragen stichwortartige Antwort geben — ein ausführlicher Rechenschaftsbericht wird in wenigen Wochen anläßlich der Hauptversammlung des Centralvereins erstattet werden. Zrankfurter Tagung öes „neutralen verdanöss" Londerberi cht der „C. V.-Zeit ung \ A. H. Frankfurt a. M., 27. Dezember. Ueber die neueste Delegierrenversammlung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der als „neutraler" Verband bekannt ist, muß Genaues noch berichtet werden. Zahl und Qualität der Teilnehmer, Wille und Kraft der einzelnen Bunde, Wert und Kritik der grundlegenden Referate von Eduard Strauß (Frankfurt a.M.) und Paul Eppstein Mannheim) über die geistige und wirtschaftliche Situation des Judentums wie des einzelnen jungen Juden erfordern grundsätzliche Wertung. Tenn die Ergebnisse der Tagung bedeuten eine Reaktivierung des Verbandes in personeller wie inhaltlicher Hinsicht. Tie neue Verbandsleitung stellt sozusagen ein Kabinett der Konzentration: dar; es vereinigt in sich Menschen, die sich vor kurzen: noch als sachliche Gegner bekämpften, die sich aber jetzt in Erkenntnis des Ernstes der allgemeinjüdischen Lage wie der des Verbandes zu gemeinsamer Arbeit bereit fanden. Verbandsvorsitzender wurde per Akklamation Julius H e r z s e l d (Essen), Stellvertreter: Joe Israel (Hannover) und Kurt London (Berlin), der Führer der JPD. (Jüdischer Pfad finde rbn nd Deutschlands). An die Spitze der neu errichteten A e m t e r s ü r Politik, K u l 1 u r, W i r t - s ch a f t treten Fritz S ch w a r z s ch i! d (Berlin), Herbert F e l s e n t h a l (Düsseldorf), Ernst Ho l z e r (Frankfurt a. M.). 'Deutsch-Jüdischer Jugendkress, Dresden. In: Auftrag der Ortsgruppe Dresden des E. V. ries Josef de Haas die leider wegen des Wegganges der Führer eiugeschlascue Jugcndgruppe des E. V. wieder ins Leben. Es handelt sich bisher erst um zwei Gruppen, die einmal Jugendliche im Alter von 14 bis 18 und weiterhin im Alter von 12 bis 14 Jahren umfaßt. Beide Gruppen, die sich Deutsch-Jüdischer I u Z e n d k r e i s genannt haben, arbeiten schon sehr intensiv. Tie Aellerengruppe wird sich in biefcm Winter hauptsächlich mit der Frage „Wie wehre ich den Antisemitismus in der schule ab?"' beschäftigen. Beide Gruppen betätigen sich pradsinveruch. Eine Chanukkafeier am 17. Dezember verlies bei sehr gutem Besuch ausgereichnet. Für den Januar ist ein größerer Elternabend geplant, bei dern die Ziele und die bisherige Arbeit der Gruppen gezeigt werden sollen § Ostsroös Vor dem Sondergericht Allenstein, das unter den: Vorsitz von Landgerichtsdirektor Wessel in Osterode (Ostpreußen) tagte, wurde eine Woche lang gegen die Osteroder SA.-Leute Glitza, Goerke^ ^chledz, Schwan, Schmidt, Dchroeter. I u s ch k a , G o t t s ch l i n g, Bujakowski, G n o e r i ch, Kemski, I u n g a , A rgukh unb See f eib verhandelt. Tie Angeklagten waren beschuldigt, vom Denkmal des Ehrenfriedhofs in Tröbnitz bei Osterode eine ausgeblasene Granate entwendet, diese mit Pulver gefüllt und in den Tagen des Monats August, in denen eine nationalsozialistische Terrorwelle über ganz Ostpreußen ging, vor dgs Geschäftshaus'des jüdischen Kaufmanns Lonky in Osterode gelegt zu haben. Die Angeklagten gaben zwar zu, daß bei einer ^A.-Führerbesprechung in Langeudorf (Ostpreußen) zum Ausdruck gebracht worden sei, man solle den Juden und Kommunisten „eins auswischen"; dieses „Answischen" sei jedoch nur so anfzufasscn gewesen, daß man den Juden lediglich einen Schreck habe einjagen wollen. Dem widerspricht die Kette der Terrorakte in ganz Ostpreußen, bei denen Bomben, Handgranaten und Schußwaffen verwendet wurden. Bedauerlicyerweise wurde auch in dieser Verhandlung genau so wenig wie bei den früheren die Frage nach den Zusammenhängen der einzelnen Attentate erörtert. Dabei steht fest, daß diese von einer bestimmten Terrorzentrale ansgegangen sind. Der Angeklagte Schmidt st5..:e die wahrheitswidrige Behauptung ans, drei Osteroder Juden hätten die Kommunisten mit Geld unb Schnaps bestochen, damit sie gegen die SA.-Leute Vorgehen. Leider trat das Gericht dieser Lüge nickst entgegen. Auch die Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalt Schiedet (Allenstein), die Angeklagten hätten in ganz „harmloser" Weise den Inden einmal ihre ganze Erbärmlichkeit vor Augen führen wollen, hörte das Gericht mit Ruhe an. Während der S t a a t s a n w a l t Zuchth a u s st r a s e n ans Grund des Sprengstoffgesetzes bis zu fünf Jahren :n:d sechs Monaten beantragt hacke, tarn das Gericht zu der Ansicht, daß cm Vergehen gegen das Sprengstvffgesetz nicht vorliege, sondern lediglich „g r obe r Uu f u g und Tiebstaht in Tateinheit n:it gemcinschadticher Sachbeschädigung eines öffentlichen Denkmals". Die Angeklagten I u s ch k a , K e m f f i, I u n g a und A r - gnth wurden freigesprochen. Dabei war Juschka von der Staatsanwaltschaft als der Hauptschuldige bezeichnet worden. Das Gericht legte im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft aus die Gutachten zweier als Sachverständige fungierender Oberfeuerwerker der Osteroder Reichswehr besonderen Wert, die erklärt hatten,^ die Füllung der Granate mit Pulver sei so schwach gewesen, daß eine ernsthafte Explosion nicht hätte in Frage kommen können. Es wurden verurteilt: Glitza zu zwei Jahren Gefängnis und sechs Wochen H^st, Goerke zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis und sechs Wochen Haft, Schledz zu zwei Jahren Gefängnis und sechs Wochen Haft, Schwan zu zwei Jahren Gefängnis und sechs Woche:: Haft, Schmidt zn sechs Wochen Haft, ^chroeter zn einem Monat Gefängnis, Gottschli n g zn sechs Wochen Haft, B u j a k o w s k i zn sechs Wochen Hast, Gnörich zu einem Monat Gefängnis Find R e h s e l d t zu drei Monaten Gefängnis. Königsberg Der jüdische Glasermeister Falken stein in Königsberg wurde im Januar d. I. von zwei Männern unter antisemitischen Schmährufen überfallen. Er wurde dabei so schwer verletzt, daß er sich in ärztliche Behandlung geben mußte. Zwei nichtjüdische Tarnen, die die Tater zurückhatten wollten, wurden ebenfalls geschlagen. Ter eine der Täter, der Kaufmann Balla, wurde jetzt wegen dieses Uebersalles zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten sowie zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. j Grsß-OügloW ' | An: 16. und 17. Dezember fand vor dem Schwurgericht in Kottbus die Verhandlung gegen zwei Nationalsozialisten statt, die beschuldigt waren, in der Nacht vom 16. zum 17. August d. I. ein Siedlungshaus^der jüdischen Siedlung in Groß-Gaglow durch Sprengstoffe in die Luft gesprengt zu haben. . Die zrveitägige, vom Vorsitzenden mit vorbildlicher Objektivität geführte Verhandlung endete mit der Freisprechung der Angeklagten mangels ausreichenden Beweises. Das Gericht betonte, daß der auf ihnen ruhende schwere Verdacht durch die Verhandlung jedoch nicht erschüttert sei. Tie I ü d i s ch e Landarbeit G. m. b. H. hatte sich den: Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Ihrem Vertreter, Rechtsanwalt Tr. Elkeles (Berlin), gelang es, die in der Verhandlung von interessierter Seite ausgestellte Behauptung, die jüdischen Siedler hätten höchstwahrscheinlich das Haus^selbst in die Lust gesprengt, in ihrer ganzen Sinnlosigkeit zu widerlegen,- so daß der eine der Angeklagten die Behauptung schließlich selbst als ein „Märchen" bezeichnest'. Sein Verteidiger erklärte in: Schlußwort wörtlich: „Es kann auch von uns nur begrüßt werden, wenn unsere jüdischen Volksgenossen Familien ans dem Lande siedeln und produktiver Tätigkeit Zufuhren."; Mosbach | Ende November d. I. wurde der Handelsmann Jakob Eise m a n n in Al es buch auf offener «traue von drei 'Nationalsozialisten überfallen und schwer mißhandelt. Wie das „Mosbacher Volksblatt" in seiner Nr. 282 berichtet, stürzten sich die Burschen; mit dem Rufe „Du gehörst schon lange nach Palästina'/ auf ihn. Ter Vorfall löste, wie dis» gesamte Ortspresse berichtet, in der Bevölkerung allgemein große Erregung aus.' Die Staatsanwaltschaft erhob sofort Anklage. Zwei Ucbeltäter wurden jetzt zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die strafe ist rechtskräftig geworden. Bedauerlicher-. weise war die Verletzung des in dürftigen Verhältnissen lebenden Handelsmannes Eisemann. der Vater von drei Kindern ist, so schwer. daß er schwer j krank danieder liegt. l