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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 535

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 535 (sequence 3)
Language
German
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,sr% I / Kurzbericht über das Jahr 1932 Das Jahr 1932 mit feinen vielen Bahlen Wiib politischen Zuspitzungen hat naturgemäß an die Arbeit de-o Centralvereins anßevordent' liche Anforderungen gestellt. Jeder Za brachte neue Zwischenfälle. In ungeheuerer Le^eglichfcil . mußte die Methode der Aufklärung, der Berichtigung, derJAbwehr sich den Erfordernissen des Tages anpaj|en. Der Raum eines Zeitungsartikels reicht nicht mi*, um über alles im einzelnen Rechenschaft abzu legen, was der Verein in diesem Jahre geleistet hat. Rur in großen Zügen tonnen wir andeuten, wo er eingegriffen hat, wo neue Wege beschritten und alte gutbewährte Methoden wieder angewandt wurden. Die „C. V.-Zeitung" hat laufend aus vielen Arbeitsgebieten des Centralvoreins berichtet. Die ist, wenn man die Seiten des ganzen Jahrganges durchblättert, Spiegelbild der politischen Erregung, der wirtschaftlichen Räte, der sozialen Verelendung und ihrer Rückwirkungen aus das kulturelle Leben dieser Zeit. Fünfmal wurde im R e i ch und in Preußen gewählt. Dazu kamen die vielen Wahlen zu L a n d e s p a r l a rn e n t e n und G e m e i n d e k ö r P e r s ch a f t e n. Sie stellten naturgemäß große Anforderungen an den Centralverein, denn bei jeder Wahl fteigt die Kurve der judenfeindlichen Agitation sprunghaft in die Hohe. Ihr durch Schriften von dauerndem Wert entgegenzuwirken, durch Informationen, Gegenslugolätter, Vorträge. Saulenplakate und anderes mehr im einzelnen entgogenzutreten, war eine ungeheure Arbeit, DuT die HauptgeschLstsgeschästsstelle und die Landesverbände mit Unterstützung der Ortsgruppen in kürzester Frist bewältigen mußten. Terrorakte in Ostpreußen, Oberschlesien und Schleswig-Holstein machten Sonderdienste des Centralvereins erforderlich. Die Friedhofs- und Synagogenschändungen, U e b e r st l l e aus Inden oder jüdisch aussehcnde Personen verlangten die Wachsamkeit des Centralvereins. Die gegnerische Presse mußte beobachtet, gegebenenfalls die Beschlagnahme von Zeitungen .beantragt, die A u f n a h m c von Berichtigurigen durchsetzt werden. Tie Parlamente haben zwar zwischen den Wahlen nur kurze Zeit getagt, aber die kurzen Sitzungen wurden zu zahlreichen judenfeindlichen Anträgen benutzt. So sei an die Anträge gegen die Beschäftigung jüdischer Künstler im ^Theater und Rundfunk, au zahlreiche Versuche, Schächtverbote durchzu Atzen, an Anfragen, die sich' mit Terrorakten, Unruhen an Hochschulen und anderen Ausschreitungen befaßten, erinnert. Der Centralverein mußte in all diesen Fällen das notwendige Material für die verfaistmgsfreundlichen Abgeordneten beschaffen und darüber hinaus diesen Fragengebieten größte Aufmerksamkeit schenken. Der Boykott gegen die jüdischen Künstler ist ein Teilgebiet des großen Wirtschaftsboykott g e Q e n jüdis ch e Arbeitnehmer. All die mit bio'en Problemen im Zusammenhang stehenden Fragen wurden eingehend besprochen. Jedem Einzetsall wurde nachgegangen und in individueller Behandlung Abhilfe zu schaffen gesucht. Besonders betätigt hat sich der Centralverein nach dieser Richtung in einem Unterausschuß der bei dom Preußischen Landesverband jüdi'cher Gemeiuden gebildeten Arbeitsgemeinschaft f ü r Wirts ch a f t s f r a g e m Ter anhairische Schulerlaß, dessen UnhalE barfett in diesen Blättern eingehend dargelegt *wurde, wurde in engster Zusaunncnarbeit mit ben anhaltischen Freunden des Centralvereins bearbeitet. Das k il l t u r p o 111 i f a e T e - 3e r n a t des Centralvereins beobachtete ständig die lvichtigsten Neuerscheinungen an Büchern und Zeitschrisrcn und widmete anch den Schul« büchern besondere Beachtung, um zu verhindern, daß die Kinder mit judeufeindlichen Vorurteilen verseucht werden. Es gelang in zahlreichen Fällen, Autoren und Verleger von der Irrigkeit ihrerz Darstellungen zu überzeugen und sie zu Richtigstellungen zu veranlassen. Ungeheuerlich stieg die Arbeit der Rechtsschutz ft e I {e des Centralvereins. Reben der seit Jahren üblichen Arbeit, der Beratung unserer Mitglieder in Fällen antisemitischer Beleidigungen u. dgl., wurde besonders der A b w ehrk a m p f gegen die B v y - kottbcwegung gefördert. In mehr als 2 0 0 F ä l l e n konnten w i r k s a nt c Verurtctliuigcn gegen die Boykotthetze erzielt werden. Daß das wertvolle Boykottgutachten von C a l l m a n n und die Schrift von Wertheimer „Ter Hetzöoykott" aus Grund des vom Centralvereiu zusammengestellten Materials versaßt wurden, ist in diesen Blättern bereits erwähnt worden. Die Rechtsschutzstelle gibt in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Urteile und Entscheidungen bekannt; diese Sammlung hat sich als überaus wirksames Hilfsmittel bewährt. Die nationalsozialistische Welle veranlaßte den Centralverein, in diesem Jahre erstmalig die sogenannte Bäder liste nicht zu veröffentlichen. An ihre stelle trat der R e i s e d i e n st des C. B., der die Auskünfte über judenfeindliche Orte und Häuser stets nach dem neuesten Stand zu geben in der Lage ist. Er wurde sowohl im Sommer wie auch jetzt zu Beginn der Winterreisezeit stark in Anspruch genommen. So wichtig all diese Einzelarbeiten sind, die hier nur auszugsweise angedeutet werden können — hinter jeder Einzelwirkung steht das Bewußtsein von der- Notwendigkeit, daß wichtiger als die Widerlegung des Einzelfalles die rundsätzliche und vorbeugende usklärung über das wahre Wesen von Judentum und Iudenheit ist. Sie wurde deshalb mit besonderer Auswahl der Mittel in verstärktem Umfange voraenommen. Zahlreiche Besuche bei Führern des wirtschaftlichen, Politischen und kulturellen Lebens vermittelten in persönlicher Unterhaltung unter Ueberreichung schlagkräftigen judenfeindlichen und in unterem ^innc ausklärenden Materials Kenntnis des Gesamtproblems und besonders interessierender Einwlsragen. Daneben' schritt die dauernde Aufklärung durch die Verbreitung von Schriften und Materialien wie ' der M o n a t s a u § g a b c der ,.C. V. - Zeilun g", der Broschüren riedhofss ch ä n bunten in Dentschlau dch „W ir deutschen Juden 321—1932", „A nti-Antll (Tatsachen zur Judensrage), ,YDie Stellung der NSDAP, zur Judensrage, W e i ß b u ch" und dann die stattliche Reihe von Einzelschriften, die im Philo Verlag auch im Jahre 1932 erschienen sind. Der Inhal: der M o n a t s a u? gäbe, der nur für christliche Empfänger, für Lehrer, Geistliche, Richter, Bibliotheken, politische und kulturpolitische Organisationen und viele andere Einzelpersönlichkeiten und Körperschaften bestimmten Ausgabe der „C. V.-ZeitumF, änderte im Jahre 1932 ihr Gesicht insofern, als die meisten Nummern einer bestimmten politischen Frage gewidmet waren. So folgten einem Lest mit'einem Gesamtüberblick über die wesentlichstcn Fragen unseres deutsch-jüdischen Seins und der Begründung unserer Verbundenheit mit deutscher Erde und Heimat Nummern mit ganz bestimmtem Gepräge. Das Unheil drs Schlagworts in allen seinen Erscheinungsformen mürbe aufgedeckt; Werden, Wesen und Wert des Talmuds. der jo gern als politisches Agitativnsmitte! gebraucht wird, wurden von fachmännischer Seite in gründlichster Weise erläutert. Die sRonatsansgabe der „C. V.-Zeitung" hat, wenn man den Gesamtinhalt überblickt, ihrerr Zweck und ihre Aufgabe auch in diesem Jab re erfüllt und ihren Charakter als bestes, wesrnttickstes und weitverbreitetst-'- Auttläruugsmirrol erneut bewiesen. DE Auflage nahm ständig zu, die Anforderungen um Zusendung waren außerordentlich groß. Massenverbreitung fand anch die kleine, rocht volk-ttämlich gehaltene, mit sinnfälligen Jllustra neuen aur gestattete Bro'chüre ,.W i'r deutschen Juden 321—1932". Sie erntete in jädScheu und nichtjüdischeu Kreistn besonderen Bci''all. Die Landesverbände und Ortegruppen des Centralvoreins benutzten jede Gelegenheit, das wirkungsvolle Heft zu verbreiten, und die Tagespreise wie auch die jüdischen Zeitungen in Deutschland haben die Broschüre anerkennend besprochen. Die aus frülwreu Jahren bekannte Teukschrist ..Friedhofs s ch a n d n n g e n i u Deutschland" erlebte zwei Reuauslagom deren Inhalt jeweils aus den neuesten ctanb der Dinge gebracht wurde. Es ist nicht zu verwundern. daß dieses traurige und anscheinend ncL immer nicht beendete Kapitel politischer Leidensgeschichte der deutschen Juden nach wie vor tiefsten Eindruck ans ane^annändigen Mensche-: macht und sie zur Beunnnng über jene Men.lchen cuchveckt. die sich solcher politischen Kampfmittel bedienen. Eine Denkschrift ganz besonderer Prägung stellr das Weißbuch über „Die Stellung der NSDAP, zur Judensrage" dar. desien erstes Eremplar dem Herrn ReichsprZsidenten im August d. I. überreicht wurde. Hier sind judenfeindliche Erzene in Wort, Schritt und Tat in umfassender Weise zusammengestellt: jeder Emzettall ist mit genauen Daren und Quellenangaben versehen. Ans Kostengründen konnte das ^vornehm ausgestattete Weißbuch nicht in Bda^enauslage verbreitet werden. Aller es gelangte an einen gut ausgewählten Kreis nichtjädncher Persönlichkeiten und Organisationen des öffentlichen, insbesondere des politischen Lebens zur Versendung, bei denen die Gewähr bestand, daß sie diese einzigartige Dokumentensmmnllnng in ihrer Arbeits- und Einflußsphäre zweckentsprechend verwerten würden. Daß das Weißbuch geradezu den Charakter eines Standardwerkes auf dem Gebiete der antisemitischen Agitation der NSDAP, darstellr. haben zahtreime Bestätigungsschreiben gezeigt. l]l\i Hit so der Pressestelle des Centralvereine wurde die bekannte Antwort des Staats'ekrcrärs Dr. Meißner aus die Ueberreichung des Weißbuches an d'wt Herrn Reichspräsidenten üb-er 690 deutschen Taaeszei-ungen. den führenden Nachrichtenbüros und einer großen Zahl jüdisther Zeitungen mitgeteilt. Die sechste Auflage des A n t i - A n t i *, die viel Anerkennung bei Juden und Nichtsuden fand und die die Tages- und jüdische Presto in erfreulich zahlreichen Fällen besprach, war überraschend schnell vergriffen. Kurz vor den Reichstage wählen im NcvenGer erschien bereits die sicdmüe Auflage, wiederum in violln Teilen verändert umd vermehrt, ergän-r und verbessert. An bellen Auslagen haben zahlreiche Fachkenner mitaearbertct. Etwa 7(XD Eremplare dieses kleinen Lerikonä konnten in kaum mehr als einww halben Jahr vor allem in den Kreisen Verbreiter werden, die diewistt::fchastlrch fundierron Aufklärung zugäug^ch sind. Die nwstcnpsrchologische Auttlärnngsarrnt dee Ccntra'Vereins^ fand und sinder ihre wesentlichste Ergänzung und Unterstünung nach der webr wincuschaftlich literarischen Seite hin dur.p die Veröffentlichungen des P h i l o V e rlaues. Von den Erscheinungen des Jahres 1932 si:w vor allem die Schriften von Ell: ))l u n k. .. R icktj u den im jüdischen Re Mgi ous recht". I. Weigl,, ,.Das I u d e n t u m, eine vvlksLüm'v.che Darstellung^ und Werner ' C a h n m a n n , .. V ö l t i f dj e di a i ] c n i c h r e~ zu neunen: dazu lornnwn

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