Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 52 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- Seite 528 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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gegeben, eie hebt besonders die Tatsache anerkennend hervor, das; Tr. Eschelbachers Aussührunaon historisch belegt waren. Auch im Kreise der Mitglieder des Eentralveroins haben die Bortrüge gerade durch den Nachweis, daß die Besinnung auf jüdische Art fcie Kraft zur Abwehr aller Angriffe stärke, besonders eindrucksvoll gewirkt. RU!lö§LdNK§SN öss Leipziger R.-C. Ter ^Kartell-Konvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens" (K.-G.) feierte Anfang Dezember das zwanzigjährige Bestehen seiner Leipziger Verbandskorvoration „Saro-Bavaria". Dies war dor Anlaß, ein entschlonenes, weithin hörbares Bekenntnis zu den Zielen des K.-E., der seit Jahrzehnten aus akademischem Boden in gleicher Front mit dem Centraloerein steht, abzulegen. Gerade in einer Zeit schwerer Bedrängnis des jüdischen Studenteutums sollte mit Nachdruck betont werden, welche Notwendigkeit der K.-G. als Kämpfer um das L^bensrecht des deutsch-jüdischen Akademikers bedeutet. Nus diesem Empfinden heraus waren über 100 K.-G.er, von den ältesten bis zu den jüngsten Semestern, aus allen Teilen des Reiches zum Leipziger Treffen zusammengeströmt. Auf dem Festkornmers im Hotel Sachsenhof charakterisierte Gemeinderabbiner Tr. Feur G o (d m a n n, ein Führer des G.-B. wie des^K.-C., in einer eindrucksstarken Rede die Stellung des deutschen Juden in der Umwelt. Die Politik der Gegenwart sei vom Triebhaften beherrscht. Beweis: Ter Nationalsozialisnms. Gr habe den Kadavergehorsam in die Politik eingesührt. Tas gerade sei etwas Undeutsches, denn von jeher sei es der Stolz des Teutschen gewesen, eine Individualität zu sein. Mit dem wirklichen Geiste von Weimar habe der neue politische Gorst wenig zu tun; das gelte insbesondere auch für die heutige Studentenschaft. Der K.-C. kämpfe für das Deutschland des Geistes und er kämpfe in doppelter >ront, denn er wehre sich auch innerhalb des entums gegen die, die uns das deutsche psiuden rauben wollen. Auf deutschem Boden wolle er das Judentum zu neuen Zielen führen. Die öffentliche Kundgebung am Vormittag des folgenden Tages war von etwa 200 Personen besucht. Vertreter der Behörden, der Presse, der Israelitischen Neligionsgemeinde, des Eentralvererns. des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der Leipzig-Loge und anderer Organisationen waren anwesend. Von der Universität war der bekannte Historiker Professor G o etz erschienen. In seiner Begrüßungsansprache gedachte Nechtsamvalt Tr. M e n d e r s h a u f e n (Köthen) der dahingegangenen Saro-Bavaren, insbesondere der Kriegsgesallenen. Aus der Vielzahl der Ansprachen sei die Rede des Vorsitzenden der Leipziger G. V.-Ortsgruppe, des. Stadtrats Mar Krause, erwähnt, der die besonders enge Verbmrdenheit des K.-G. mit dem SB. betonte und seststellte, daß die K.-G.-Arbeit eine Vorstuw für eure ersprießliche Mitarbeit im G.B. sei. Den Höhepunkt der Tagung bildete das Referat des" Vorsitzenden des Geschäftsführenden Ausschusses des K.-G., D r. Ludwig Holländer. Er warf vor allein die „Frage nach der Wahrheit" aus, die Frage, was mau erstrebt und was mail erreicht habe. Ausstieg sowohl wie Abstieg und wiederum beginnender Aufstieg kennzeichnen die Entwicklung im deutschen Vaterlande. Wie alle übrigen Teile des deutschen Volkes hätten auch wir Juden diese Entwicklung miigemacht. Das Wesen der Schwierigkeiten des K.-G. ließe fidj. in folgenden Worten genauer kennfichnen: Als Deutsche Hütten w i x De n redergang unseres Vaterlandes, als Juden die Verfolgung unseres ul e n s ch e n t u m s u n d a (s A lade m i k e r die Minderung des U u sehe n § u n d d e r rv t r t f fl) a f t li ä] c n Stellung d n r ch rn a ch e n m ü s s e n. Zur Ileberwindung dieser ^Umstände sei die Form der Gemeinschaft notwendig. Infolgedessen seien gerade in dieser Zeit die akademischen Verbünde im höchsten Grade aktuell. Wenn auch den Verbänden manche Unebenheiten anhafteten, so wirkten sie gerade daraus hin, daß die jungen Leute nicht krähe Materialisten, sondern Männer im besten Sinne des Wortes würden, die alles andere als „Philister" seien. Der K. - C. suche, indem er zunächst den jungen Menschen einen ideellen und manchmal auch materiellen Halt gäbe, das neue Vaterland, dasneueJudentum,die neue Gesellschaft und die neue Wirtschaft. Im einzelnen wurde gerade der Zusammenhang zwischen den vier sich neu erhebenden Forderungen bewiesen und der Inhalt dieser vier Forderungen aufgezeigt. Dr. Holländer führte dabei aus: Gerade weil die Gemeinschaft uns bindet, verbindet sie uns; indem sie uns Zeit wegnimmt, gibt sie uns Zeit. Sinn der Gemeinschaft ist es, daß die Menschen sich aneinander bildeten und aneinander die Persönlichkeiten äbschliffen. Diesem Bestreben geben narr durch unser Dasein als korporativer Verband sinnfälligen Ausdruck. Tie vaterländische Aufgabe des Akademikers muß es sein, den Nndik.rlillnns zu überwinden. Als Juden sollen wir der biblischen Frage eingedenk sein: „Wächter, wie steht es-nur "die Nacht?" „Es kommt der Morgen" —' war die biblische Antwort, und der Morgen kam, der uns aus dem Ghetto befreite. stach dem Morgen kam wieder die Nacht, und abermals wird der Morgen kommen. Wir wollen ihm die Wege bahnen. Nach den Tagen der Glückseligkeit wollen wir nicht erschlaffen! Die eindrucksvolle Feier und vor allem ihr starker Besuch haben gezeigt, daß in Leipzig deutsch-jüdisches Selbstbewußtsein noch kräftige Impulse hat. Sie haben auch ferner gezeigt, daß der Leipziger K.-G. ein festes Bollwerk dos deutschen Judentums im Kampf gegen alle seine Feinde und Hasser ist. Luäolt EL He i mann soll n. Im §oMßsr MN C Bon Dr. Immanuel Bernfeld Das Jahr der Jubiläen soll nicht vorübergehen, ohne daß wir eines Mannes gedenken, der sich auch außerhalb seines Fachgebietes in weiteren Kreisen eines großen Ansehens erfreute. Am 16. Dezember waren hundert Jahre verflossen, daß Wilhelm Foerster in Grünberg l Schloß das Licht der Webt erblickte. Sein Leben verlief in der typischen Weise eines deutschen Gelehrten. Nachdem er seit 1850 in Berlin und Bonn Astronomie studiert hatte, wurde er nach Zurücklegung der üblichen wigenschaftlichen Laufbahn 1665 Direktor der Berliner Sternwarte: diesen Posten bekleidete er bis 1903. Daneben entfaltete er eine rege schrisb stellerische und Lehrtätigkeit an der Berliner Universität, wo es dem Versasser dieser Zeiten noch vergönnt war, seine geistvollen Vorlesungen über die Geschichte der Astronomie zu hören. Seine wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet hätten genügt, ihm in der Gelehrtenwelt einen geachteten Namen zu verschaffen. Darüber hinaus verbreitete sich sein Ruf als Förderer und Anreger wahrer volkstümlicher Bildung. So veröffentlichte er eine ganze Reihe populärer Abhandlungen und Vorträge, gründete 1891 die .Bereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik", deren Mitteilungen^ er berausgab. und bereits im Jahre 1888 dre Berliner „Uranrach die leider vor einigen Jahren geschlossen werden mußte, aber vielen Berlinern, besonders den Freunden der Naturwisienschash in bestem Gedächtnis bleiben wird. Foersters Interesse galt auch einem volkstümlichen Theater, wie es durch die Gründung Raphael Loewenfelds geschaffen wurde; er war lange Zeit Vorsitzender des Aufsichtsrats der SchlllerLheater-Geftllschaft in Berlin. Eine andere Seite seines Wesens wird gekennzeichnet durch seine Bemühungen um die Zusammenarbeit der Völker. Auf seinem engeren Fachgebiet war er in diesem Sinne lange Jahre als Vorsitzender dertz Internationalen Blaß- und Gewichtskommission und als Mitglied des Permanenten Komitees der internationalen Gradmessung tätig. Aber auch der praktischen Arbeit der Dölkerversöhnung widmete cr seine Kräfte und betätigte sich in den Jahren vor dem Krieg und während des Krieges eifrig in der Berliner Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschast, als deren Vorsitzender er noch manchem Mitglied aus der damaligen Zeit erinnerlich sein wird. Den Friedensgcdanlen wollte Foerster auch auf dem Gebiet des sozialen und religiösen Lebens fördern, wie seine Schriften „Geistcsfreiheit und Gesittrmg" (1878 anläßlich des Sozialistengeschos), ,chlle Anfänge eines neuen sozialen Geistes" (1804) und seine foZial-etlllchen Betrachtungen .Lebensfragen und' LobensbiLder'ch(1902—1904), vor allem aber bereits 1892 die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultus beweisen. Diese Gründung ist in mehr als einer Beziehung interessant, auch für uns Juden. Die Gesellschaft entstand in der Zeit vor der Gründung des Eentralvereins, als man in jüdischen und auch wechmeinenden christlichen Kreisen verschiedene Versuche machte, des überhandnehmenden Antisemitismus Herr zu werden,- ohne sich noch der rechten Mittel und Wege -bewußt zu fein, die dann erst bei der Gründung des Cent rakrere ins gesunden wurden. Foersrev ging von dem Gedanken aus, durch Schaffung einer Art Ueberreligion die Gegensätze zwischen Judentum und Christentum zu beseitigen und so dem Antisemitismus den Boden zu entziehen. Natürlich wurden durch ein solches Beginnen die Stveitprmkll nicht beseitigt, wie denn auch der Judenhaß aus diese Weise nicht wirksam bekämpft werden konnte. Es ist für die geistige Haltung der Juden jener Zeit 'charakteristisch, daß sie sich von Anfang an zahlreich, an der Arbeit der Gesellschaft beteiligten, die sich auch anfänglich der Protektion hoher Kreise erfreute und ans nVnchr-m anderen Gebiet Segensreiches geleistet hat. Aber auch au der unmittelbaren Bekämpfung des AnLisemrrismus nahm Foerster regen Anteil. Als im Jahre 1890 der „Verein zur Abwehr des Anststmitismus" gegründet werden sollte, unterzeickmete Foerster den Gründungsausrus und gehörte dann dem Verein seit seiner Gründung an: vom Jahre 1905 ab bekleidete er das Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden. Zu verschiedenen Malen trat er gegen die gehässige Bekämpfung der Juden und des Judentums aus, so z. B. 19)1 gegen den sich immer mehr ausbrertonden Antisemitismus an den deutschen Nniversttälln. Zu der 1907 von Dr. Julius Moses herausgegebenen Sammelschrift ,Lösung der Jttdensrage' lieferte er einen interessanten Beitrag. Auch sonst trat er in Vorträgen und Aussätzen (z>B. in der Zeitschrift ^Ethische Kultur" und irchdcn Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus") wiederholt für gerechte Beurteilung der Inden ein und bekämpfte tatkräftig die Irrlehren des Antisemitismus, insbesondere den „Basic na Oe r c; a üben". In diesem Zusammenhang sei auch erinnert an Foersters Schrill „Tie internationale Wirksamkeit des Judentums in der Vergangenheit und in der Zukunft", die 1018 erschien und in der Foerster die Verdientste des Judentums für die Weltkultur würdigte. In seinen im Jahre 1911 erschienenen ,Levenserinnernngen und Lebens- Hoffnungen" schildert er selbst alle seine Bemühungen und Bestrebungen auf den verschiedenen Gebieten seiner Tätigkeit. — Foerster starb, hoch betagt, am 18. Januar 192! in Barnim bei Botsoam. Er gehört zu den „Gerechten der Böller der Welt-, deren Andenken stets zun; Segen sein wird.