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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-23 · 52 (23.12.1932) · p. Seite 527

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
52 (23.12.1932)
Date
1932-12-23
Page
Seite 527 (sequence 7)
Language
German
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527 I.U.*- ’ H irüd L ’j L» ESI . . i HBCäQig Hamburg ist für die C. D.-ArLeit kein leichter Boden. Nicht als ob die über 20 000 Seelen starke Hamburger Judenheit die Grundlagen des C. V. nicht anerkennten. Im Gegenteil: gerade Hamburgs deutsche Juden roin> Zeln unerschütterlich im deutschen Heimat« boden. Der Centralverein hat hier seit -langen Jahren, treue Freunde und Helfer. Aber Hamburg, selbst spürt nicht viel vom Sturm gegen die Juden, der anderswo so daherbrüllt. Zwar.find, die Nationalsozialisten in Hamburg selbst und im benachbarten Altona zu Zehntausenden aufmarschiert, ihre Zeitungen schreiben auch hier die gewohnte heftige Sprache, in „Sagebiels" größtem Saal reizen die Goebbels und Ley und in anderen Zweiter und dritter Größe die unteren Götter die Masten gegen uns auf. Dem ruhigen Sinn des Hamburgers widersteht aber das Toben der 5Anifreunde aus Preußen. Sie verspüren wenig Lust, der antisemitischen Radaupropaganda nachzueifern. Tann ist der Hamburger der bürgerlichen Schicht kein Vereins- und kein.Versammlungsmensch. Das Haus ist immer noch, ähnlich wie in England, sein liebster Aufenthalt. Seine Behaglichkeit abends Zu verlassen und dafür eine Versammlung einzutauschen — das lockt nicht sonderlich. Go steht es in christlichen Kreisen, und in jüdischen steht es kaum anders aus. . # In der Organisation des CerrLrawereins ist Hamburg Vorort des Norddeutschen Landesverbandes, zu dem. die Hansestädte, die Provinz Schleswig-Holstein, das Gebiet der Unterweser und Teile von Hannover gehören. Ter Landesverband unterhält ein eigenes Büro.- Vorsitzender des Landesverbandes und der Ortsgruppe Hamburg-Altona ist Justizrat F. Wald st ein, der frühere Reichs- und Landtagsabgeordnete, dem Direktor Jacques Meyer und Rechtsanwalt Tr. S. Urias als Stellvertreter Zur Seite stehen. Der C. V. in Hamburg Zeichnet sich durch die Arbeit der unter Anni Bauer stehenden Frauengruppen und durch die weit über 600 Mitglieder Zählende ,L)eutsch-.Jüdische Jugend" aus, die Tr.'Max Plaut mit gleichgesinnten Freunden und Freundinnen trefflich lecket. Tie politische Führung liegt bei der Ortsgruppe. Frauen und Jugend sehen neben dem Zusammenhalt ihrer Mitglieder einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit darin, Aufklärung über Juden und Judentum in christliche Kreise zu tragen. In zahlreichen Veranstaltungen, in Privathäusern, in kleineren Vereinen aller Art, in evangelischen und anderen Jugcndbünden halten sie mir unseren rrichtjüdischen VESgerrssjen Ausspracheabende ab und ersas-err so planmäßig zahlreiche Nichtjuderr, denen sie ein wandfrei in der Form, unangreifbar im Inhalt, das Wesen des Judentums nasterbrrngen. Tie Vorkämpfer und Vorkarnpftrinuen aus der Deutsch-Jüdischen Jugend besuchen politische Versammlungen und treten als Aussprachercdner dort auf, wo eine Erörterung unserer Frage ratsam erscheint. * Der Vorsitzende des Centralvererns, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der Vorsitzende des Verwaltungsausschufles I. Baruch, der Direktor des Eentralvereins Dr. Ludwig Holländer und der Syndikus Dr. Alfred Wiener weilten vom Sonntag, dem 1!., bis Mittwoch, dem 14, Dezember, in Hamburgs Im engen Zusammenwirken mit den leitenden Männern der Ortsgruppe wurde eine Reihe wichtiger organisatorischer und finanzieller Fragen geklärt und vorwärts gebracht. Gleichzeing hatten die Berliner Herren Unterredungen mrt führenden jüdischen Persönlichkeiten Hamburgs, aber auch mit nichtjüdischen Hamburger Theologen und Schulmännern, dis neben anderen auch die Verstärkung der Aufklärungsarbeit durch kleine Veranstaltungen, Fachgruppen usro. behandelten. Um die weiteren Auswirkungen dieser Unterhaltungen ficherzustellen, find alle Vorbereitungen gerrossen. Tie Reihe Oer Hamburger Veranstaltungen eröffnete ein von den führenden jüdischen Kreisen Hamburgs stark besuchter Teerrachmittag im gastlichen Hause des Direktors Jacques M e y e r und seiner Gattin Dr. med. Lilly Meyer- Wedel!. Justizrat Dr. Brodnitz Zeichnete in großen Zügen die Lage der deutschen Juden und die daraus abzuleitenden Aufgaben. Dr. Alsred Wiener ließ die Anwesenden genauen Einblick in die Werkstatt des C. V. tun, umriß scharf die politischen Zustände und Zeigte, was der Centralverern geleistet habe, was er leiste und was er Plane. Am Sonntagabend gab die D e u t s ch - I ü d i s ch e I u g e n d zu Ehren des Vereinsvorsitzenden einen Empfangsabcnd, der alle Getreuen aus der Jugend auf den Plan gerufen hatte. Ansprachen des Vorsitzenden der TeMsch-Jüdischen Jugend Dr. Max Plaut, von Dr-.- Brodnitz, Direktor Dieser, Tr. Wiener, Dr. Urias. Dr. Butten wie ser, ein lustiges Theaterstück, Fylophonvortrag und. die Jugend Zum Tanz lockende Musik lösten sich ab. Am Dienstag, dem 13. Dezember, waren annähernd 700 Mitglieder und Freunds Zur grosietr Versammlung bei Sagebrel erschienen, die unter Leitung unseres verdienten Juftizrats W a l d ft e i n stand. Das seltene Ereignis, den Vorsitzenden, Direktor und Syndikus des Centralvereins an einem Abend sprechen zu hören, hatte nicht Zuletzt den überaus starken Besuch der Versammlung herbeioeführt. Justizrat Brodnrtz' beleuchtete in grundsätzlichen Ausführungen die Lage. Tr. Holländer warnte vor „FassadenpolitikR zergliederte die mit dem Begriff Boykott zusammenhängenden wichtigen Fragen und zeigte die Lebeurungsvolle Tätigkeit des C. V. auf diesem Gebiete auf, Dr. Wiener zeichnete den Nationalsozialismus als weltanschauliche Bewegung und gab ein umfassendes Bild von der gedruckten und gesprochenen Aufklärungsarbeit des Centralvereins gegen den Judenhaß nach der christlichen Seite hin. Das bekannte, viel gelesene „Hamburger Fremdenblatt" vermittels "in einem kurzen Bericht Len wesentlichen Inhalt der Vorträge Zehntausenden von Familien. . Hansesticus. In Norden, Papenburg und Emden sprach der stellvertretende Syndikus Dr. Hans Reichmann über: „ICO Jahre Judencmanzivation, Fortschritt oder Rückgang?" Die van den Herren Weinberg (Norden), Israels (Weener), Heß (Papenburg) und S e l i g m a n n (Emden) geleiteten Mitgliederversammlungen zeigten ein starkes Zntcresw an der C. D.-Arbeit, das sich in intensiver Aufllarungsardeih auswirken soll. Die in ' manchen Teilen Ostsrieslands besonders drückende Wirtschaftslage lähmt das Interesse manckcr Freunde an der politischen und organisatorischen Arbeit. Trotzdem ließen oie Aussprachen einhellig den Wunsch erkennen, die C. V.-Tätigfeit in Osttti'sland stärker noch als bisher wirksam werden zu lassen. .*8 Unter traditionell guter Beteiligung fand am 4. Derember unter Leitung des Vorsitzenden Tr. Rudolf Call mann (Köln) die/Tagung des Landesverbandes Linlsrbeiu in Köln statt. Während bei den LcndesverbünLZjagungen, die vor Len entscheidenden Wahlen . in diesem Jahre stattenden, naturgemäß die Betrachtung der politischen Lage im Vordergrund stand, war für die Tagung in Köln eine eingehende Aussprache über die Praktische Arbeit der nächsten Zeit das Bestimmende. Fast alle DersammmngstLilnechmer, die OrtZgruppc'.r'oorsitzenden, die anwesenden Hauptvorstandsmitglieder, die Delegierten der- Jugend und der Frauen, kamen Zu Worte und besprachen die Erfordernisse, die unter der neuen Konstellation im Reiche und in Preußen an die Vereinsarbeit Zu stellen sind. Auch die Referats der Tagung, dis von dem Syndikus der Zentrale, Dr. Alsred Wiener (Berlin), von dem Mitglied des Hauptvorstandes, Dr. Kurt Alexander (Krefeld), vom Syndikus des Landesverbandes Rheinland links, Eugen Jacobi in Köln, gehalten wurden, behandelten fast ausschließlich die Ausgaben des Vereins für die nächste Zeit. Man stimmte darin überein, daß die bisher geleistete ansehnliche Aufklärungsarbeit erheblich verstärkt werden müffe. Durch Wort und Schrift müsie mit Einsatz aller ideellen und 'inanziellen Kräfte dem deutschen Volke das deutsche Judentum in seiner wahren Gestalt nahegeöracht werden. Es wurde beschlosien, die Arbeit durch eine größere Verbreitung der Monatsausgabe des C. V. und anderer für nichtjüdische Leser geeigneter Schriften zu erweitern, - die bisher schon stattliche Zahl der?lusklaruna?versamnrlungen vor Christen beträchtlich zu vermehren, Synagoaenvortrüze und Synagogensührungen für Christen anzuregen und durchzusühren und daneben noch lveirere Maßnahmen zu ergrenen, dis geeignet sind, in immer weiteren Schichten des deutschen Volkes Wissen über Juden und Judentums zu verbreiten. * In Verbindung mit dieser Tagung fand eine Anzahl Dlitgliederversammlungen innerhalb des. Landesverbandes statt. Rach einer Versammlung am 29. November in Grevenbroich mit Landesverbandssyndikus E. I a - c o b i (Köln) als Redner sprach am 3. Dezember Tr. Alfred Wiener in K o b l e n Z. LandeZverdandssyndikus Tr. Mauritius Kahn sprach 'am 3. Dezember in Neu. mied, am 4. Dezember in K r e u z u a cij, cm 6. Dezember in Moers und am -7. Dezember in München-Gladbach. Beide Redner wirkten am 5. Dezember in einer Versammlung in Köln. -Allen Versammlungen lag ein einheitliches Thema zugrunde. Tie Veranstaltungen, die überall ein lebhaftes Jnteresie 'erregt haben, gaben der Sesamtattion den Charakter einer Rheinischen Woche und haben dem Eedanken der inneren Verbundenheit'innerhalb des C.D. mit Erfolg gedient. Vöries voi nsäfner' Ol EssSaDasIior in Bayern Vom 5. bis 8. Dezember sprach Rabbiner Tr. Mar Elchelbacher (Düsieldorf) in außerordentlich gut besuchten Semeindcrerfamminngen ' in Würzburg, Bamberg, Nürnberg und München, die von den Ortsgruppen des Eentrawereins einberusen waren, über „Judentum, Senat und Menschheiisi Zu der Versammlung in München waren auch interessierte nichtjüdische Kreise eingeladen und erschienen. Einzelne Eingeladene entschuldigten sich durch dienstliche Verhinderung und benutzten die Gelegenheit, dem Centralvcrein ihr innerstes Verständnis und ihre Sympathie für sein Ringen um Gerechtigkeit und Liebe sowie für seine „tultursörderndM Betätigung brieflich auszusprechen. - Rabbiner Dr. Eschelbacher führte etwa ans: In allen Epochen der jüdischen Geschichte sei die staats- und gemeinschaswiDerrde Kraft der Juden, die'auf der Heuig:eit der Familie gegründet ist, erweisbar. In der Gegenwart seit der Emanzipation seien die dcmscken Juden, die in das deutsche Volksleben schon 'seit Jahrhunderten eingegliedert waren, auch in das deutsche Staatsicbe:i eingetreten. Sie müßten im Rahmen dieses Staatswbens um so f euch 7 da rer wirken tonnen, je mehr sie sich von den gemein schonst bildenden Grundkräften des jüdischen Wesens und der jüdischen Geschichte getragen suhlen. Jede andere Einstellung sei uunatlwlich und das Verlangen nach chr deshalb unsinlicku Die Münchener Presse hat über die Veranstaltung einen objektiv würdigenden Bericht

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