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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-23 · 52 (23.12.1932) · p. Seite 524

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
52 (23.12.1932)
Date
1932-12-23
Page
Seite 524 (sequence 4)
Language
German
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524 aussetz ung für die E r 5 f?u u g eines Geschäftes gcwrdcrL, überall dort, wo ihn die zuständigen Berufsorganickmionvn verlangen. Jeder Handel, der n i ch i : n der neuen Gewerbeordn n n g 'eine Berechtigung findet, soll a l Zi l l e g c: i m verboten und strafrechtlich verfolgt re erden. Der Hausierhandel soll ebenfalls „nim: nur wegen der damit verbundenen Unmoral, sondern auch wegen der Gefährdung der stllchnungsinhaber" untersagt bleiben. Für die Vcrsandgeschäste soll die Einschränkung gelten, doch „der Versand an Private aus nicht eigener Produktion nur in den Grenzen der bei Prrvateinkausen in Ladengeschäften üblichen Mengen erfolgen darf". Tie Organisation, deren Präsident Fickler erklärte: „Die Privatwirtschaft find wrrZ deren Geschäftsführer Matz betonte, man wolle den Staat nicht als melkende Kuh und die Negierung nicht als Rettungsstelle für die Folgen falscher Scschäftsmethoden betrachten, verlangte aber die stärksten Eingriffe des Staates in die wirtschaftliche Freiheit zugunsten ihrer eigenen Interessen. Ihre Forderungen haben für die jüdischen Gewerbetreibenden auch noch besondere Bedenken. Tenn sie lassen nicht nur jene falsche Mittelstands- Politik der Vorkriegszeit wieder aufleben, die sich gegen jede moderne wirtschaftliche Neubildung wandte, sondern die auch ausdrücklich antisemitisch eingestellt war. Tie Eimüstrung des Besähigungsuachweises, die Erteilung einer Erlaubnis zur Eröffnung eines Unternehmens ausschließlich durch die Berufsorganisationen würden die Existenz jüdischer Kausleute und Handwerker in den kleinen Städten und aus dem Lande aufs schwerste gefährden. Tenn wer wollte unter den heutigen Verhältnissen die Garantie dafür bieten,daß die Ein schränkung der Konkurrenz nur nach sachlichen Gesichtspunkten erfolgen würde? Die zünstlerischen Bestrebungen, die sichln: Handwerk so stark geltend gemacht haben, sind auch an dem Einzelhandel nicht vorüber gegangen. Man sollte annehmen, daß gerade der Einzelhandel Bannerträger der freien Wirtschaft sein sollte. Statt dessen machen sich auch in diesen Reihen mehrfach Bestrebungen geltend, den freien Wettbewerb zu beschränken. Man wird immer wieder an den bekannten Ausspruch der bayerischen Bauern erinnert: „0), heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zund' andere an!" Gilt nicht dasselbe für die deutsche Anwaltschaft? Muß nicht der Beschluß, den die Abgeordnetenversannnlung des deutschen. Anwattvereins am 4. Dezember gesagt hat, den gleichen Einwendungen begegnen? Tenn wenn auf jener Tagung eine Entschließung augeno-nmen wurde, deren Hauptsatz lautet: „Wir fordern eine sofort in Wirkung tretende grundsätzliche Zulassung--- sperre zur R e ch t s a n w a! r s ch a s t zunächst auf die Tauer von drei Jahren mir anschließender Regelung des Zugangs zur An- »valtschast (Numerus clausus)", stellt sich dann nicht auch der Amvaftssmnd auf den gleichen Boden uüe das Handwerk und der Einzelhandel? Verlangt nicht auch er die Errichtung einer Zunft, irr die hiueiuzugelangen nur unter den schneeigsten Umständen mogiich ist? Der Präsident des Deutschen Ämvattvereins, Rechtsanwalt Tr. Rudolf Dir, hat nach der Tagung in einem Artikel im „Berliner Lokalanzeiger" Nr. 563 vom 9. Dezember unter der Überschrift „Für die Freiheit der Advokatur" erklärt: „Weil nur diese sofortige Sperre und Numerus clausus das höchste buun der Anwackrscstnsr, nämlich ihre Er, noch retten tonnen, war dieser llmmckch des Reichspa rlamertts der Anwack'mack nier: nur berechugh sondern eine eisera.c llionveudigkeit."' Dir begründet den Beschluß ftims B.reine mtö feine eigene Stellungnahme mir der Tmst-che, daß ein verarmter Rechtsanwalr der za n längsfähigen Klienrel gegenüber nichr en.hr diejenige Widerstandskraft entgegensetzen könne, eie der Gesetzgeber von ihm verlange, itianaiib wird leugnen, daß auch unter den dem'chm Anwälten bittere Rot herrscht. Niemand kann an. der Tatsache Vorbeigehen, daß sich die Za ul der Anwälte von 12 544 am 1. Januar 1915 auf 16 791 au: 1. Oktober 1932, also um rund 50 v. H. vermehrt hat. Ebensowenig an dem Moment, daß im Jahre 1931 32,3 v. H. aller Anwäckr hinter dem für einen Anwalt unbedingt als notwendig an- .znsehenden Cristen,zminimnrn von 600) Mark zurückblieben. Llber gelten diese Argumente nicht ebenso für andere B e r u r s ft ä n b e?m Sieht es heute in Deutschland nmer den Aerzten, Zahnärzten, Cheunkern, Ingenieure:', Patentamvälten, Schriftstellern und Künstlern etwa besser aus? Müßte nicht das von Dir angeführte Moment der Korruptionsgefahr weck stärker den Beamten gegenüber geltend gemach: werden, die sich in der letzten Zeit einen Gehaltsabbau nach dem anderen haben gefallen lasten müssen? Es entbehrt nicht eines gewissen Reizes, daß der „Berliner Lolalanzeiger", unmittelbar im Anschluß an den Artikel von Tix eine Erklärung des Reichsbundes deutscher Referendare veröffentlicht, die aufs schärfste gegen die Schaffung des Nuruerus clausus protestiert. Tas deutsche Handwerk hat seine Bedeutung durch die Erstarrung verloren, die es dem Zunftzwang verdunste. Ten Gesellen blieb der Aufstieg verwehrt. Tie Zunft verhinderte es, daß er» neuer Meister den alten Konkurrenz bereitete. Tie Jugend mußte so versuchen, neue Wege zu gehen. Sollen diese Zeiten in Deutschland wiederkchren? Besteht nicht für einen Stand, der sich bisher voll Stolz zu den freien Berufen zählre, eine besondere Gefahr, wenn er uni seine Reihen eine chinesische Mauer errichtet? Es dürste ein Irrtum fein, wenn diejenigen, die sich für die Zulassungssperre — ganz gleich, ob bei den Handwerkern, denEinzelhändlern oder deuAnwälten— einsetzen, etwa glauben sollten, daß damit für jeden einzelnen das Eristcnzminimun: gesichert sei. In Bayern besteht schon seit langem das Amt der Staatsnotare. In der Hauptstadt München gibt es infolgedessen wie in den anderer! bayerischen Städten nur eine beschränkte Anzahl von Notaren, aber es ist kein Geheimnis, daß von den zugelassenen Notaren nur einte bestimmte Anzahl stark beschäftigt ist. Ein Argument sollte aber die jüdischen A n m alte besonders veranlassen, sich a egen de u Numerus clausus 311 wenden. Wer soll denn künftig die Zulassung zu den: Annoaltsberufe regeln? Tie Berufsorgmcksatwn oder der Staat? Muß irr a n n i ch t a u ch h i e r 5 ü r cht e n, d a ß d a n u die Aus w a hl na ch politischen und konfessionellen G e s i ch t s P u n k t e n erfolge n w ü r d e? Schrecken nicht die Spuren der Aera Schönstedt? . - Mit den Rezepten der Rückkehr zur Zunft- Verfassung kann man den: deutscher Bocke nicht Helsen. Nur Romantiker könne.: glauben, daß „die gute alte Zeit" wiedeckmnmw Wie es heute Utmwglich ist, die freie Wirllchaft wieder herzustellen, die in der liberalen Epoche unserer Gäter Tenrs.chlaud so reich und unabhämzig gcnmcht hat, genau so ist es unglaubhaft, daß sieh das deutsehe Volk erneut den Fesseln einer zentralistisch geleitewn Wirtüh.nt unterwerfen wird. Ans den Necken dieser Zeit kann nur eine S y n t h e s e De r v c r s ch iedene n S y st e :u c Hera umführen. Me sich aus den verschiedenen Ncklhoden das Becke auswähtt, nur ezu etwas völlig Neuem ui geckalten. So wie es Reichskanzler v 0 n S ch l e i ch e r am 15. Dezember in seiner prrgramrnatischen Rundfunkrede erklärte: „Ich bin ketzerisch genug, einzugestehen, daß ich w e d e r ein Anhänger des Kapital: s m u s 110 cck d e s Sozialismus bin, daß für mich Begriffe wie Privatöder Planwirtschaft ihre Schrecken verlöre:: haben, ganz einfach, weil es diese Begriffe in absoluter Rem beit in: Wirtschaftsleben gar nicht mehr gibt, auch gar nicht mehr geben kann Und deshalb vertrete ich der: Standpunkt, man soll in der Wirtschaft das tun, was in: gegebenen Moment vernünftig ist und aller Wahrscheinlichkeit nach zu den besten Resultaten kür Volk und Land führt, und sich nicht eines Dogmas wegen die Köpft emschlagenck Gel ins $mtt Aus Anlaß der Tagung der Schles i s ch e n M i s s i 0 n s f 0 11 {c r c ti 3 fand ein Vortrag des Missionsinspcktors v. Wei ch e r t in: Musilsaal der Universität Breslau statt. Zu diesem Vorträge waren die Studenten aller Fakultäten geladen. Im Verlaufe seiner Ausführungen erklärte der Vortragende, ,Haß nach seiner Ansicht ein Jude auf einem Mmistersegel, einem Lehrstuhl oder einem Hochschulposten undenkbar sei". Es ist bei der Stimmung, die.zurzeit unter den Breslauer Studenten herrscht, nicht verwunderlich, daß diesen Ausführungen des Vortragenden lautes. Beifallsgetrampel folgte. Nachdem die Presse von den: Vorfall Kenntnis genommen hatte, hat sich die Ortsgruppe Breslau des C. B., vertreten durch Rabbiner Dr. Vogel st ein und den Syndikus Tr. Fraenkel, mit einer maßgebenden kirchlichen Stelle in Verbindung gesetzt. An der betreffenden Stelle wurde den Herren das Bedauern über diese taktlosen und ungerechtfertigten Bemerkungen ausgesprochen. Sie seien um so bedauerlicher, als sie vor Studenten in der Universität seitens eines Vertreters eines Vereins in einen: Augenblick abgegeben wurde, der eher geeignet gewesen uxirtv für den Frieden unter den Konfessionen e i n z u t r e - Leu, als sich zu Bemerkungen hinreißen zu lassen, die die Maßnahmen.der Universitätsbehörde, deren Gast der Verein war, zu stören geeignet sind. In ihren schönen gmuämtt Räumen cuwfingrn Lr. Bruno W e i l und seine Gattin Gäste aus den Kreisen der Politik, der Wirtschaft und der Wisienstbaft. 9! eben vielen Freunden kannte Tr. Weil in feiner Ansprache, in der er den Sinn des Abends, der Not des Winters steuern zu bellen, kennzeichnete, den französischen Bollcha'fter undAngcbvrige der italienischen and der lumänickcken diplomatischen Vcrtre rangen begrüßen. Jtmcn dankte der Hausherr besonders, daß sie. vbschon auch in ihren eigenen Ländern Not herrsche, doch der'deutschen Not Verständnis entgegen!'rächten und Mitwirken wollten, sie ze: lindern. Der hervorragende Tenor Louis Graveure und die Vianisten Rcrwe und Arpad Sandor begeistertet: die Gesellschaft durch ihre hohe sinnst und enistsstlicr: bald eine festliche Stimmung, die die Gaste in angeregter llnterbaltuug lange zusa:nme:wie1t. M.E.

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