Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 52 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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n 7} \&+ij 'Wfiij 0^ Ci i>j>u0 Von Dr* Kurt Zielemziger In seinem letzten Werk „Die soziale Frage" bemerkt Gustav Schmoller: . ' ,Mas ursprünglich natürlich gewesen war, die Erblichkeit der Berufe, wurde nach und nach durch Sitte und Recht, durch Privilegium und Exklusivität em Unrecht und eine unerträgliche Harte; sie hielt Leute in Berufen fest, zu denen sie nicht vaßten. sie ließ in übertriebener enger Arbeitsteilung die Familien und Individuen verknöchern. Die ständische erbliche Rechtsordnung gab Leuten Klassenvorrechte, welche weder die Eigenschaften hatten, noch den Berus mehr übten, wegen dessen die Vorrechte einst erteilt worden waren." Muß man sich nicht in das Mittelalter zurückversetzt glauben.wenn man in unseren Tagen so oft dieselben Forderungen vernimmt, die vor Jahrhunderten das Kennzeichen jener Epoche waren? Nicht nur aus wirtschaftlichem, sondern auch auf geistigen Gebieten scheint es, als ob die F r e i h e i t des einzelnen aufs schwerste bedroht sei. Der Fanatismus, mit dem sich heute die verschiedensten Schichten des Volkes bekämpfen, gemahnt an die schlimmsten Zeiten jener Jahrhunderte, die wir die finsteren nennen, weil in ihnen das Volk in dumpfer Abhängigkeit lebte und zum Spielball der politischen und religiösen Auseinandersetzungen wurde. Hat nicht die nationalsozialistische Bewegung das Ziel, die Juden, die sie am liebsten sämtlich aus Deutschland ausweisen mochte, in ähnlicher Weise aus der Gemeinschaft des deutschen Volkes auszuschließen wie einst im Mittelalter? Wir wissen, daß diese Wünsche unserer Gegner stets Illusion bleiben werden. Aber mtr mfiHptt rm2 niirfi immp-r funYiii&fr 5»;», vmo gefährlich diese Gedankengänge sind, weil sie die Errungenschaften des liberalen Zeitalters wieder rückgängig machen können. Wir erleben ähnliches im Lager der Wirtschaft. Dm 10. Dezember tagte zum ersten Male in der Technischen Hochschule in Berlin der Bund für organischen Staats¬ und Wirtschaftsaufbau. Auf dieser Tagung gab Prosesior Dr. Gerhard Albrecht (Jena) eine geschichtliche und Begründung her. berusZstänbischen Sozialordnung. Er behauptete, durch die gewerkschaftliche Bewegung habe sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bisherige Sozialordnung zu dem Klassengegensatz der Wirtschaftskräfte gewandelt. Als Gegenströmung sei dann in der Nachkriegszeit die Forderung nach Verwirklichung der berufsständischen Sozialordnung ausgetreten. Der zweite Redner, 5>x. Karl Vorwerk, gab ein Bild über den berufsständischen Aufbau der deutschen Wirtschaft, wie er von diesem Bund verlangt wird. Danach müsse jeder Berufsstand in sich die ihm angehörenden Unternehmer, Angestellten und Arbeiter zufammensassen. Der Einbau der Gewerkschaften in eine derartige berussstäudische Ordnung der Wirtschaft sei unmöglich. Gedanken, wie sie hier mit solcher Schärfe vertreten worden find, klangen auch in der Rede an, die Reichskanzler von Papen am 24. Oktober vor den Obermeistern der Berliner und Märkischen Handwerker gehalten hat. Er erklärte dort: „Das Volk muß befähigt werden, seinen Willen nicht nur durch den Reichstag, sondern auch durch seine anderen Vertretungen geltend' zu machen: zu ihnen gehören die Berufsvertretungen, die von ihm selbst geschaffenen Organisationen der wirtschaftlichen Selbstverwaltung." Ju allen diesen Äußerungen, die auf politischem Gebiete zu der Forderung des Einbaus einer berufsständischen Kammer in die Dousvertretung führen — so in der Rede des früheren Reichsinnenministers Freiherrn von Gayl vor dem Verein Berliner Presse am 28. Oktober — kehrt stets der^ Gedanke des Stände st aates wieder. Ten' Befürwortern dieser Idee mag dabei weniger das Vorbild des italienischen Korporationssystems vorschweben als die alte deutsche Zunftversassurig, die jedem Berusszweig ein ganz bestimmtes Arbeitsgebiet sicherte und ihm damit auch seine Existenz garantierte. Man verlangt die Gewerbesreiheit für sich selbst, möchte sie aber überall dort einengen, wo die eigenen Interessen nm dem Spiel stehen. So muß man sich in unlösliche Widersprüche verwickeln. Denn mittelalterliche Berufsordnung und neuzeitliche freie Wirtschaf t P a s s e n s ch! e ch t z u s a m m e n. Der Gedanke der Autarkie, den die Landwirtschaft stärker denn je in Deutschland propagiert, kann den Forderungen gleichgestellt werden, die andere Jntereffenteugruppen erheben. Wenn man zum Schutze der deutschen landwirtschaftlichen Produktion die Grenzen durch Zölle und Kontingente hermetisch abschließen und den Binnenmarkt aus Kosten des Außenhandels bevorzugen will, wenn also auf diesem Wege die Landwirtschaft Subventionen von allen anderen Volksschichten empfangen soll, treibt sie dieselbe berufsständtscye Politik, die auch anderen Wirtschaftszweigen als Ideal vorschwebt. Der Wunsch nach einer Einschränkung des freien Wettbewerbes, den die deutschen Landwirte so laut erheben, wird auch in den Reihen des Handels und des Handwerks' in neuester Zeit immer nachdrücklicher vertreten.. Tie beiden Spitzender tretungen des Handwerks, der Deutsche Handwerks- und Gewerbekam mertag und der Reichst» erv ano oes beuischen Handwerks haben vor längerer Zeit einen Ausschuß eingesetzt, der jetzt einen Gesetzentwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung fertiggestellt hat. In diesem Entwurf wird, um es kurz zu sagen, die Aushebung der Gewerbefreiheit gefordert. Denn wie es in der Geschäftsi n ft r u k t i o n für die K v n i g l. Preußischen Regierungen vom 26. Dezember 1508 hieß: „Es ist dem Staat und seinen einzelnen Gliedern am zuträglichsten, die Gewerbe jedesmal ihrem natürlichen Gangezu überlasten, d. b. es ist keines derselben durch besondere Un ter stütz u ng zu begünstigen und zu heben, aber auch k e i n e s i n i h r e m E n t st e h e n, ihrem Betriebe und Ausbreiten zu beschränken, insofern das Rechtsprinzip dabei nidit verletzt wird oder sie nicht gegen Religion, gute Sitten und Staats-Verfassung verstoßen", so hat dann auch das preußische Gewerbe st e u e r e d i! t vom 2. November 1510 jedem in Preußen die Ausübung jeden Gewerbes gestattet. Diese Erlasse der Minister S t e i n und Hardenberg erschienen in der gleichen Zeit, die auch die Gleichberechtigung der Juden herbeigesührt hat. Es ist nötig, an diese Tatsache gerade heute zu erinnern. Dean die Spitzenverbände des deutschen Handwerks verlangen die Einführung eines allg e m e i n e n B e sä h i g u n g s n a ch w e i s e s. damit würde auch der Artikel 111 der Reichs- Verfassung geändert werden muffen. Sie fordern ferner, daß die Ausübung des Gewerbes von dem Besitze einer Handwerkerkarte abhängig gemacht werden soll, die nur auf Grund der Eintragung in die Handwerksrolle ausgestellt wird. Die Ausnahme in diese Handroerksrolle und damit die Ausübung des Gewerbes wird aber von dem Bestehen der Meisterprüfung abhängig gemacht. Durch die Einführung dieser Meisterprüfung versucht das Handwerk also einen Xume-ru? ctosns auszustellen, der die Zulassung zu dem betressenden Gewerbe den schwersten Sperrmaßnahmen unterwirft. Die programmatischen Forderungen, die das deutsche Handwerk in. diesem Gesetzentwurf niederaeleat hat. wurden in ähnlicher Weise von dem Reichskartell des selbsränd i g e n M i t t e l st a n d e s bei seiner Tagung am 16. Oktober im preußischen Herrenhaus in Berlin vertreten. Bei den Leitsätzen, die diese MitteLstanLsorganisation ausstellte, heißt es: „Grundsätzlich halten wir an der Gewerbesreiheit fest, ziehen jedoch eine Grenzlinie zwischen Gewerbesreiheit und Gewerbe- Zügellosigkeit. Deshalb fordern wir als wesentlichen Bestandteil der dringendsten gesetzgeberischen Maßnahmen viellnierv!«duiig aller die Gewerbesreiheit mißbrauchenden Ucbergriffe gegen die unter dem Schutze der Gewerbesreiheit in den letzten Jahren entstandene Entartung großkapitalistischer und kollektivistischer Einzelhandelsbetriebe auch mit handwerklichen Nebenbetrieben, fordern wir eine den Begriff Gewerbesreiheit im früheren Sinn genau abgrenzende Gewerbeordnung." In diesem Geiste wird von dem Reichskartell der Befähiguugs^^chmeis als L or- Oröss-Esrlla Ortsgruppen N, Nö, Oste», Zentrum» Weissensee, Pankow lbuMMMLÄNbLUOMMsW Donnerstag, 29. Dezember, 8,15 Uhr pünktlich, im Hanliettsaa! des „Lohrervereinshaus“, Alexandersirass-e 41. Zünden der Chanukka-Lichter Kkmfor ILeo Weissmaou und Chor. Rezitation: Sleinhari 353aur. „Chanukka-Lichter“ von Morris Roscnfeld. Ansprache: f£al>biner Dr. Max Wey!. Mein hart Ma-sir spricht: a) Bibel Jcsais, deutsch ond hebräisch. b) Aus „Die Makkabäer'4 von Otto Ludwig. Ansprache: Syndikus Dr. Alfred 'Wiener. Meinliart ülaur: Richard Beer-Hofmann. Szene des „Roten Itzig“ aus dem Drama: „Der Graf von Charoiais“. Chor: Psalm 150. Karten za 40 Pf. sind im Vorverkauf an den Theaterkassen des Warenhauses Tietz sowie Im C. Y.-Büro, Emser Strasse 42, za haben.