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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-16 · 51 (16.12.1932) · p. Seite 513

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
51 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
Seite 513 (sequence 5)
Language
German
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Ein Synagogenvorirag von Dt, Zudndg Holländer M U* & Im Nahmen der von der Berliner Jüdischen Gemeinde veranstalteten religiösen Vorträge sprach Direktor Tr. £ udwi g Holländer am Sonntag in der Synagoge Berlin - Wilmersdorf, Prinzregen ton st raße über die für jeden jüdischen Menscheil unserer Zeit brennen" e Frage: „Warum sind und warum bleiben wir JudenV Folgende Gedaukengänge wurden vorgetragen: Die materialistische Geisrcshaltung l>edroht, wenn sie in so starkem Ausmaße herrscht wie vor wenigen Jahrzehnten, den Bestand des Jüdischen. Jndesein ist nie bequem gewcfen, am wenigsten aber in einer rohmaterialistischen Zeit wie der Vorkriegsepoche. Damals empfanden viele das Judentum als einzige Schranke, die dem jüdischen Menschen den Weg in die Wetr versperrte. Deshalb meinten viele Eltern, ihren Kindern die Wege ebnen zu müssen, rudern sie diese sofort nach ihrer Geburt der herrschenden Religion zuführten. Die Wohltat, die die Eltern ihren Kindern damit erweisen loollten, ist meist zum Verhängnis geworden, denn die Kinder wuchsen nicht zu innerlich glücklichen, ruhigen, sondern zu in sich zerfallenen, zerrisse n e u MenfLen heran. Aber auch den Menschen, die nicht zum Verlassen des Judentums schritten, war vielfach der Sinn für die Bedeutung innerer Bindungen und für den besonderen Wert des Jadeseins abhanden gekommen. Die Zeit der Entwertung der ä u ß e *- * ren Güter hat einen Wandel hervorgerufen. Den Menschen, die, wie Fritz M ar: th - ner einmal sagte, die Frage nach Gott weder für lebenswichtig noch für interessant hielten, wurde aus denn Verhängnis der Jetztzeit eine Gnade. Denn für den inneren Reichtum der Menschen ist es eine Gnade, wenn sich LHrn L nt Augenblick des Versagens der ä u st e r e n Güter t m religiösen Ge - f u [} l eine neue Kraftquelle erschließ t. Dieses religiöse Gefühl ist verstaudesmäßig nicht zu ergründen. Es wirkt auf unser Gernüt wie die Harmonie schöner Töne als eine Empfindung, die aus den Erscheinungen und mi$ der Welt des Alltags lst.ua usraat. Wenn mim nun dos Vorhandensein einer neuen religiösen Bereitschaft zugibt, so erhebt sich die weitere Frage, warum sich daraus für uns gerade eine Hinwendung zum Jü di sche ri ergeben must. Zu ihrer Beantwortung m es notwendig, das Wesen der jüdischere Gemein fchrft zu betrachten. D a s Judentum i ft mehr als ein grandioses R el Lg io u sgebä u bc. Es t ft eine Erschei n u n g, zusauuner:gesttzt auf der Grundlage der religiösen Erkenntnis nnt Wesenheiten, die auf dem Gebiete der Schicksalsgemei n schaft, der Ab na m nrungsgeme i nscha f t rrnd der alten nationalen Zusannueuaehörigkeit Herrchen. Die große geistige Kraft dieser soziologischen Gruppe wird mitbestimmt durch all das. was man heute im biologischen Sinne MN6MO nennt. Wörtlich übersetzt heißt muemo Gedächtnis. In jedem Menschen lebt verdeckt die Gesaurthoit der Erinnerungen und des Gewachsene eins seiner Vorfahren. Der jüdische Mensch hat zur Grundlage seines Lebens die lange Geschichte der Judenheit. die Erlebnisse und Schicksale der großen Generationsreihe, deren Endglied er jeweils ist. Diese Entwicklung wurde getragen und bestimmt vor; best jüdischen Religion und von ben Besonderheiten des Schicksals, das gerade der jüdische Mensch im Laufe der Jahrhunderte erleiden mußte, blnemo ist es, die z. B. die seit Jahrhunderten dem Judentrnn zwangsweise entfremdeten Marrancn jetzt dem Judentum in Scharen wieder Zuströmen läßt. Uno dieses Gedächtnis ist es auch, das die durch den Materialismus entfremdeten deutschen Juden heute gerade dem Jüdisch-Religiösen wieder znsührt. Nicht der Zufall des jüdisch Geborenseins zieht den Menschen zum Judentum hin, sondern die Tatsache seiner lebenswichtigen Verwurzelung rm Jüdischen, in der jüdischen Vergangenheit. Aber es wäre falsch, aus dieser Tatsache irgendwelche abwertenden politischen Folgerungen in bezug auf die Stellung der Juden im Staate zu ziehen. Mannigfaltigkeit ist das Wesen eines modernen Volkes und je selbst-getreuer die einzelnen Stämme, die einzelnen Gemeinschaften innerhalb des deutschen Volkes sich zu ihrer Eigenheit bekennen, desto wertvolleres Material stellen sie für das Gefüge des Ganzen dar. So wurde das Jndesein erklärt: nicht als ein blinder Zufall, sondern als das Ergebnis zahlreick^r als besondere Werte innerlich empsuirdener Faktoren. Sic erklären auch, warurn wir Juden bleiben müssen, um nicht innerlich zerrissen zu werden. Vor allem erklärt dies neben der historischen Verbruidenhcir die »vahre Erkenntnis der jüdischen Religion und des jüdischen Idealismus. Wir finden rm Judentum die großen Grundforderungen unseres Lebens verwirklicht, das Persönlichkeitsideal, das Religionsideal, .das Familienideal. das sozial-ethische Ideal, das Wissens- und Bildungsideal und das Friedensideal. Diese Ideale, die uns das Leben lobenswert machen, haben Judengegnern starke Nahrung gegeben. In einer Zeit, die wie Altertum und Nuttelalter nur auf Karnpf eingestellt war, mußten Menschen, die ben Frieden als Ideal hinstellren, unzeitgemäß und bekämpseuswert erscheinen. Ebenso hat der Feudalismus, der den Menschen als Leibeigenen und Sklaven braucht, kein Verständnis für eine Gruppe, die in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sieht und deshalb die frei c P c r s 5 n --- lichkeit als Ideal anstrebt. Ich wage zu behaupten. fuhr Dr. Holländer fort, es wäre niemals zu einem solchen überwiegenden Materialisrnus und nie zu einer solchen Wirtschaftskrise gekommen, wenn die Grundforderuugen der jüdischen Sozialethik, das Verbot der Bodenspekulation, das Verbot des Zinsnehmens miD andere soziale Forderuugc.: sich in der Welk schon durchgesttzt hätten. Es ist so oft gesagt worden, rvie schlecht muß das jüdische Voir gewesen sein, wenn seine Propheten cs mit sa heftigen Worten zur Rechenschaft gezogen l allen. Das jüdische Volt war nicht schlechter eilt aue anderen. Es roäre für jedes Volk gut gewsten. wenn es zur rechten Zeit seinen Jeremias gobabt harre. Es ist falsch, wenn man dein Judentum vorrvirft, das; es mit seinen scharfen rituellen Vorschriften Formalismus getrieben hätte. Es hat diese scharfen Formeln ausgestellt, um d e n M c n s ch e rr die sozialen P f l i ch t e n z w angsweise a n f 3 ir c r l e 9 c n; Die Verwirklichung aller sozialen Forderungen des Judentums in der ganzen Welt ist es, was wir als messiauischcs Zeitalter ersehnen. In seiner Geschichte-voll Leiden und Tränen Hai die Judenheit immer ihre Ideale gegen eine Wllt verteidigt. Wir loaren und sind eine Genwinde von Menschen, deren Ideal erst die Wahrheit dann das Recht und endlich der Frieden ist. Der Kampf der deutschen Juden, die Hoffnung aller Juden ist in dieser Zeit, dast Wahrheit, R echt und Frieden schon bald die Grundlage gedeihlicher Zusammenarbeit aller Teile des deutschen Volkes für eine bessere Zukunft sein werden. Die mit gespanntester Ammerksauckeit von einem sehr großen und sichtbar tiefbewegten Zuhörerkreise mstgcnommenen dlusführ nagen wurden von musikalischen Borträgen umrahmt. Der Vortrag einer -Handel-Arie durch Tilln de Garmo von der Staaksoper Berlin, Ehoruü§ Orgelvorträge erhöhten die Bereitschaft der Hörer, die Gedanken des Vortragenden auftunehnien und zu verarbeiten. «W S» Nr»? MMmksM ALA-LrrUn rn 4C9 LÄMÜ Seit munnehr 13 Jahren wendet der E. B. die Vlethode der „AusklärnngsversammluugenG systematisch an, um christlichen Vo!ksae:wsselr. cm Bild vom wahren Wesen des Judentums und der deutschen Juden zu geben. Mau hat diese Methode aus sachlichen Gründen bekämpft, man hat sie gelegentlich als würdelose Anbiederung bespöttelt. und man hat sie auch in letzter Zeit dankenswerterweise nachgeahmt. Wir haben aus der sachlichen Kritik gelernt, Svott mir Gleichmut lstugeuommeu und lvareu den Freunden dankbar, die ebenso rrie wir vor bestimmten Berufttreiftn gelegentlich einmal uustrer Parole ..Scllustr Äuillärung!" folgten. Allerdings ist die Durchführung derartiger Aussprachen uckr nickst jüdischen Vott-gcaosstu ciuw rrfsrlA fP-'PrJtosßJ/r*7 Deshalb sollten Sie ernsthaft probieren in 22 Sorten, darunter auch die richtige für Sie!

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