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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-16 · 51 (16.12.1932) · p. Seite 512

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
51 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 ...ömMÄWLmköchm unö ömNmuim ziehm lüffm; so schMÄerjsöemgut... fiSM§ ifegfe. Menschheit die Titteuregetn vermittelt zu fjnben, und gerade der deutsche Jude ist von dem Wahn entfernt, daß -jemals wieder eine nationale jüdische Gemeinschaft richtunggebend in der Welt sein könnte. Er lebt vielmehr im deutschen Volk, mit dem er sich in jeder Beziehung verbunden fühlt, als Gleichberechtigter, ohne irgendwie, irgendwann, irgendwo einen Kampf gegen 'seine Mitmenschen in Tzene sehen zu wollen. Im Kampf mit den deutschen Mit- Während der völkische Terror an der Breslauer Universität nach Tagen scheinbarer Buhe immer von neuem ansjtackert — am vergangenen Montag mußte die Polizei wiederum im Universitätsgebäude aus Ersuchen des Rektors erscheinen und 60 bis 80 Sistierungen vornehmen — hat. ein, neuer „Gedanke" Gestalt gewonnen, mit dessen Hilfe man den entscheidenden Torpedo loszusenern gedenkt. Im Kampfs gegen Prosenor Cohn hat nämlich nunmehr der „natwullle" Teil der Studentenschaft beschlossen, die ja in ähnlichen Fällen, schon so oft mit Erfolg gemißbrauchte „Ttatistik" zur Unterstützung der Brachialargumente heranzuziehen. Tie jungen Herren haben sich vermutlich der Jndcnzählung im Weltkriege erinnert, durch die seinerzeit die veränderte antijüdische Situation in Teutschlaud grell und blitzartig zum ersten Male beleuchtet wurde. Man Hai demgemäß im geheimen Gremium geschloffen, durch „statistisches Material" zu belegen, bis zu welchem Grade insbesondere die rechtswisseuschaflUche Fakultät der Universität Breslau durch Inden und Iudcnstümmlingc in den letzten Jahrzehnten „vermanscht" worden ist. Eine solche Untersuchung ist freilich ein weites Feld? Und so werden vermutlich die Herren, die sich dieser fragwürdigen Ausgabe zu unterziehen haben, mit ihr nicht all zu schnell zu Rande kommen können. Ganz besonders dann nicht, wenn sich die Untersuchung auch aus die unbequeme Frage erstrecken sollte, was alles die Breslauer Fakultät bieieu ihren nachträglich diffamierten Tozenten an deutschem und europäischem Ansehen zu verdanken hat. Wer noch in der nach jeder Richtung hin fernen Zeit vor 1914 in dem altehrwürdigen Gebäude der Breslauer Universität als Rechtsbefliffener au* und ein gehen durfte, wird sich in Dankbarkeit z a h l r e i ch e r Lehrer erinnern muffen, die als Zierde der Universität dem juristischen Nachwuchs den persönlichen Ttempel ihrer eigenen wiffenschastlichen Ideen ausgeprägt haben, ohne daß sie in der Lage gewesen wären, vor dem Forum eines rassewütigen Nationalsozialismus ihre Approbation 31! erlangen. Tiefer Nachwuchs, der heute im Richterstande, Auwatisberuse und in hohen und höchmenschen-würde unsere jüdische G'tanöen.sgemeinjchaft wohl Vinnen kurzer Zeit untergehen. Womit wollen Tie beweisen, daß ein solcher Kamps die „jüdische Nasse" kraftvoll erhält G Ich hoffe, daß Tie durch diese Hinweise gezwungen sind, sich etwas eingehender mir den Problemen zu beschäftigen, ehe Tie darüber als Hochschullehrer Werturteile abgeben. Allein aus Ihren Unterhaltungen mit Ihrer jüdischen Praxis werden Tie die Probleme nicht meistern. Tenn die jüdischen Kranken, welche Ihre Hilfe in Anspruch nehmen, werden ja mehr auf Ihre medizinischen Kenntnisse Wert legen als aus die hoffentlich nur ganz nebenbei geführten, unverbindlichen religiös-politischen Ge spräche. Ich habe Ihnen somit mit der ehrlichen Waffe der Offenheit geantwortet, welche Tie am Tchlufsc Ihrer Ausführungen über das Judentum verlängert. Ihrer öffentlichen Antwort sicht gern entgegen Dr. Bruno (Hlascrscld, Arzt und Vorsitzender des Landesverbandes Grotz-Derlin des G. B. ften Ttaatsstellungen an dem Geschick des Vaterlandes führend mitwirkt, ist über ganz Tentschland verteilt. Und so wird die Zahl derer nicht gering sein, die mit Empörung anfhorchen werden, wenn ihnen unantastbare Namen von jungen Menschen aus mißgeleitetem Ttreben heraus respektlos verunglimpft werden. Zwei Ordinarien sind es insbesondere, die vor dem Kriege neben anderen der Fakultät ihr Gepräge gegeben haben: Brie und Heilborn. Tiegfried Brie hat als TLaars- und Botkerrechtslehrer von 1878 bis 1981, da er mit 94 Jahren starb, der Breslauer Universität am gehört. Bis zu seinem 85. Lebensjahre war er noch als akademischer Lehrer in ungebrochener geistiger Irische tätig'. Hand in Hand hiermit ging seine Tätigkeit für die evangelische Kirche Tchtesiens. Als es im Jahre 1915 galt, den unseligetr Lusitania-Fall in seiner rechtlichen Besonderheit dem Verständnis der Welt nä herzu, bringen, erging der Ruf zur wisiern'chaftlichen Mitarbeit selbsti^rständlich auch an den bereits hochbetagt eil Brie. Und es muß in diesem Zusammenhänge besonders darauf hingewiestu werden, daß sich an dieser Arbeit unter den deutschen Rechtsgelehrten außer Brie iuxf) zivei weitere führende Gelehrte beteiligten, die ebenfalls angesehenen jüdischen Familien Breslaus entstammten. Ter eine ist der noch heute als Ordinarius in H alle wirkende Mar F t e i s chnt a n n. Ter andere von ihnen ist kein Geringerer als der weltberühmte, inzwischen verstorbene Ordinarius der Universität T t r a ß b u r a. Paul L a b a n d, der als der älteste und unübertroffen gebliebene Ttaatsrechtslehrer des deutschen .Kaiserreiches sortleben wird. Ter ebenfalls aus dem Jndentuni hervorgegangene Paul Heilborn, der bis in die letzten Jahre in Breslau gewirkt hat, ist Ordinarius für Ttaats-, Ttraf- und Völkerrecht gewesen. Heilborn warLehrer" im besten Tinue des Wortes. Er verband wiffensct)asr!iche Gründlichkeit mit der eralten Korrektheit des alten Ojfiziers. Tein Kolleg über Ttrafrecht begann im Tvunner imi 7 Uhr, im Winter um 8 Uhr morgens. Trotz dieser den jungen Studenten recht unbeauenwn Zeit war das »ü!gemeine Interesse an dieser Vorlesung so gron.. daß ein Fernbleiben nur in den seltensten Füllen in Frage kam. Als die Fakultät dem alten, hochverdienten Gelehrten eine Festschrift widniete, feierte der Liep m a n n - Tchü! ee n n ö der jetzige Ordinarius Professor Weguer, der bekanntlich der A a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e u Partei n q h efteyt, i n c t n e m Beitrag H eil - vorn a i ä c i n e n „M c i ft c r" feine» G e - b i e t e s in g e r a d ezu übe rschw cn gl i ch e n Töne n. Noch gemeinsam mit Heilborn wirkte als Ordinarius für bürgerliches und römisiches Recht der ebenfalls aus jüdischer Familie stammende Eberhard B r:i cf, zurzeit ordentlicher Professor an der Universität Bonn. Er gilt als führende Persönlichkeit aus dem Gebiete der römischen Rechtsgeschichte. Teste Arbeiten genießen im Auslände hohes Ansehen. Bruck ist Mitglied der griechischen Akademie der Mffenschasten in Athen. Auch der zurzeit in Breslau wirkende Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte, bürgerliches Recht und Handelsrecht, Prorefior Eugen R os e n fto ck - Hü s s y , ist jüdischer Abstammung. Teine ausgezeichneten Arbeiten behandeln insbesondere Fragen aus der Rechtsgeschichte des deutschen Mittelalters sowie Probleme der Toziotogie und der zurzeit im Mittelpunkte des Jntereffes stehenden Arbcitsdiensrp flicht. Unter den Privatdozenten muß in diesem Zusammenhänge Otto P r a u s n i tz genannt werden. Teine Ttudien beschäftigen sich mit deutscher Rechtsgeschichle, bürgerlichem Recht und Handelsrecht. Tie Anerkennung seiner Leistungen folgt aus der wiederholten Betrauung mit der Vertretung vakanter Ordinariate. iFranksurt a. Main und Bonn.) Groß ist der Kreis derjenigen jüdischen bzw. aus dem Judentum hervorgegangcnen Hochschullehrer, die, in Tchlenen gebürtig, jedoch immer außerhalb Tchlesiens an Hochschnlen gewirkt haben und zum Teil noch tätig sind. Lab and und Fleischmann find schon erwähnt. Genannt seien noch P r i n g sheim, der zurzeit das Ordinariat für bürgerliches Recht in F r e i b u r g bekleidet, Heinrich H ö n i g e r , der als Ordinarius für Handelsrecht in Kiel lehrt, ferner Georg E o h u . früher ordentlicher Prosefior in Zürich, Mar Cohn (— Gon rat), ordentlicher Professor in A m ft e r d a m . Bcrthold Freudenthal u. a. Tolche Betrachtung führt zu dem Ergebnis, daß die „nationale" Ttudcnteuschaft ihren völkischen Belangen mit der famosen „Ttatistit" nur einen recht zweifelhaften Tienst bereiten dürste. Aber das ist ihre Tache! Jedoch sei eine Reminiszenz in diesem Zusammenhänge gestartet. Als die Breslauer Ilniversität im Jahre 1911 zu ihrem hundertjährigen Jubiläum die Vertreter des ganzen Erdkreises in ihren alten, ehrwürdigen Räumen zu Gaste sah. da war in diesem erlauchten Kreise für keinen anderen Breslauer Gelehrten das allgemeine Interesse so groß wie für Albert N e i f f c r , der durch seine Entdeckungen allen als edelswc Wohltäter der Mcnsthhm dil Gegenstand der Verehrung war. Tie Kulturwelt, von der Teutschlaud nur ein Teil ist, mißt eben nach anderen Maßstäben als denen, die im „Mzthvs des 29. Jahrhunderts" als allen maßgebend hingestellt und verherrlicht 'werden. Tie jungen Väter der neuen „3hit:frir knüpfen recht unglücklich an jenes verschollen geglaubte Teutschlaud an, von dem Bornard Thaw vor .'ll) Jahren bereits ironisch bemerkt iy\iK es überlaffe .in falscher Bescheidenheit die Ehrung seiner wahrhaft großen Töhne dem Auslande! AechlZMMlt N. Fmnz A4. Borjitzendrm des LLndrsserdündes NiedeüÄUien uns der SrrZgmype Breslau des S. N.

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