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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-16 · 51 (16.12.1932) · p. Seite 511

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
51 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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v’ v V V* V1 ■;y) yy~yyxyiV Hauses Kurhaus ,H;;ö§?j?;S/ K^ru Br. n^h. ArrwlS ZRnnrr, OWü:-Zchü:llsrf Sehr geehrter Herr Kollege! Sie veröffentlichen im Vertage Gebrüder Hoffmcmn, Charlottenöurg, Schillerstraße 44, einen Brief an den Vorsitzenden der Reichs- Lagung politisch „re ch t s st e h e u d e r" Hochs ch u l l e h r e r, in welchem Sie Ihre nationalsozialistische Weltanschauung darlegen und sich rnit dem von Professor Hoffmann auf der Reichs- Lagung gehaltenen Referat über „Konservative und nationalsozialistische StaaLsauffassung" auseinandersttzen. Bei der Prüfung der Frage, wie weit die Weltanschauung des Marxismus sich mit dem naturgegebenen Gefühlsleben der nordischen Nasse vereinigen laßt, gehen Sie auf den Seiten 15 vis 17 auf das W e s e n d e s I u d e n i u m § ein. Kritiklos und ohne jede Beweisführung beten Sie die abgedroschenen Wahlversammlungs- Phrasen nach, daß „der Jude die sittlichen Fundamente von Autorität, Familie, Stand, Staat und Religion untergräbt"; Sie bezeichnen ihn als „antikonservativ". Zwanzig Zeilen danach stößt Ihnen das Mißgeschick zu, den Juden als „sehr konservativ, viel konservativer" als den rechtsstehenden Herrn Professor Hosfmann zu bezeichnen. Sind Sie sich nicht bewußt, daß solche unbewiesenen Behauptungen und Widersprüche eines deutschen Hochschullehrers unwürdig sind und seine Stellung herabmindern? Woher in aller Welt haben Sie die Erfahrung, daß der Jude die freie Liebe predigt? Wlssen Sie nicht, daß ihm vorgeschrieben ist, keusch in die Ehe zu gehen, wie heilig ihm die Ehe ist? Wie können Sie, als deutscher Hochschullehrer, den Unstnn nachschwatzen. daß „die deutsche Frau dem Juden gerade gut genug ist, das Freiwild seiner Leidenschaften Zu sein"? Sie belegen dieses mit dem Beispiel eines Draufgängers, der Ihnen mitgeteilt hat, daß unter Hunderten von Frauen, welche ihm Zn Willen waren, nur einmal eine jüdische Frau war. Dieses Beispiel beweist höchstens die Hyperserualität oder die Renommiersucht dieses Gewährsmanns, der wohl in seinem Geschlechtsleben nicht über das Glaubensbekenntnis seiner Partnerinnen Buch führen wird. „Die Juden sind ein Parasitenvolk. das in einem Wirtskörper leben m u ß." Da Sie doch sachlich bleiben wollen, warum drücken Sie. deutscher Hochschullehrer. sich so herabsetzend aus? Gewiß, die Juden haben sich nach dem Untergang ihres Staates in Palästina über die ganze Erde verstreut. Sie fachen Ihren Satz damit zu beweisen. daß cs sonst den Zionisten gelungen rvare, in Palällina ein neues jüdisches Reich auszurichtcn. Ihnen scheint unbekannt geblieben zu sein, daß Palästina noch nicht für ein Zehntel der ganzen Weltjudonheit aufnahmefähig ist. Und so gut kennen Sie das Wesen des Judentums, daß Sie noch nicht einmal wissen, daß die überwältigende Mehrheit der deutschen Judenheit das Aufgaben der deutschen Heimat, mit der es sich Lurch Sprach?, Kultur und Geistesgemeinschasr cng verbunden fühlt, entschieden ablehn t! Und dieses Wirtsvolk „demoralisiert der Jude". Haben Sie sich eigentlich scheut mal klargemacht, wie die kaum dreihunderttausend jüdischen Reichstagswähler die zirka vierundvierzig Millionen deutschen Wähler nichtjüdischen Glaubens unmoralisch beeinflussen können? Ja, ich weiß, auf die Zahl konunt es nicht an. Das Gift der in jüdischem Einfluß stehenden Journaille, Theater, Kinos frißt den gesunden deutschen Volkskörper an und zersetzt ihn, so meinen Sie es doch im alten antisemitischen Jargon. „Gibt es im ,Berliner Tageblatt', der ,B. Z. cm Mittag' oder einem ähnlichen Blatt noch eine Novelle, die nicht ins Erotische geht, den Ehebruch als Selbswerständlichkeit behandelt und die, freie Liebe verherrlicht?" — Wenn Sie als Rheumaforfcher sich kritisch an die Forschungen einer anderen Schule heranmachen,;o werden Sie hoffentlich Zunächst die betreffenden Arbeiten im Original lesen, ehe Sie Ihr Urteil abgeden. Wenn Sie sich die Mühe nehmen würden und den literarischen Teil der von Ihnen so verabscheuten Presse verfolgen würden, ich glaube, auch Sie würden anderen Sinnes werden. Ich empfehle Ihnen zum Beispiel das Urtterhaltungsblart der „Dossischen Zeitung". ■ ■ Wenn Ihre Behauptung, mein lieber Kollege, richtig wäre. müßten Sie durch die auf Gr;mö des Schundmrd Schmutzgesttzcs bestehende PrüstrnMello Nachweisen können, daß die Jüdischen Autoren mehr als andere am den notwendigen Index gesetzt - werden. BiUe, Herr PrwatLozent, erkundigen Sie sich dort. Sollten ürie leinen stichhaltigen Beweis beibringen, dann '.nnß ich Ln Ihnen, dem deutschen Hochschullehrer, einen Menschen sehen, der sich in keiner Weift vom antisemitischen Schreier der Gosse unterscheidet. ..Dem Juden ist ge f ü h l s rn ä ß i a die natronalsozialistische W eltanschaunng nicht nnsympathifch." Bisher hörte ich aus Ihren Reihen — und Sie selbst sagen es ja wiederholt in Ihrer Abhandll.'ng , daß der Jude der Begründer und Hmwtverftchler marxistischer Weltanschauung ist! . Sie haben also die Vorstellung,. daß der innerlich nationalsozialistisch fühlte Jude nach außen Marxismus treibt. Ich glanbs, daß Sie selbst von diesen Widersprüchen weit abrücken werden, wenn man sie Ihnen aus Ihren eigenen Worten so gegrnüberstellr. ..Die Kraft des Judentums beruht in seiner im Grunde nationalsozialistischen W e l L a n s ch a u u n g." Warum befehden denn Ihre Gesinnungsfreunde den Talmud und die anderen jüdischen Gesetzbücher so sehr, in denen vor Jahrtausenden die jüdische Weltanschauung niedergelegt ist. tr-enn diese im Grunde naLionalsozialistisch ist? ..Wir fühlen uns verbunden mit unseren nordischen Vorfahren, der Jude mit seinen israelitischen Vorfahren. Der Kampf zwischen der nordischen und der jüdischen Rasse ist für beide Völkerschaften Vorbedingung, wenn sie sich krafwoll erhalten wollen." Mit seinen Vorfahren fühlt sich jeder Kulturmensch verbunden. Aber diese Verbundenheit macht uns nicht blind gegen unsere Umwelt. Wenn der deutsche Nationalsozialist Ln dem nordischen Volkstum das Höchste, das Vollkommenste dieser Erde sieht, so ist der Jude stolz darauf, der gesamten eines der großen Beispiele der Umnachtung, von denen die Menschheitsgeschichte weiß, daß die Deutschen in den Jahren, in denen sie diesen Kampf um ihre nationale Würde nach außen zu bestehen hatten, so leichtfertig mit dem Begriff der staatsbürgerlichen Freiheit und so unerhört mit der persönlichen Würde von Volksgenossen umaegangen sind, wie das im innerdeutschen Kampf in hysterischer Steigerung geschehen ist und geschieht. Als ob nicht beides das gleiche wäre, aus dem gleichen Grunde und den gleichen Sinn umschlösse! Es kann ruhig gesagt werden, daß alle Kultur eines Volkes tm letzten Grunde durch den Grad bestimmt ist, in dem diese persönlich? Würde gefühlt und respektiert wird. Bei unserer deutschen Mentalität tvar es und ist es möglich, daß wir die tiefsten Formulierungen über den fittlich-religiösen Sinn der Freiheit gefunden und zugleich die Freiheit in prax? am gröblichsten mißachtet und verleugnet haben. In diesen Vorgang gehört auch das Schlagwort vom ,.Awhal:uberalismus". Es vermischt — aus mangelnder Klarheit über den Doppelsinn der Freiheit — einen Psychologischen Tatbestand (oder auch nur eine Gefahr) der Großstadt nur einer Kraft aus einer ganz anderen Regien. Vermischt sie. weil sich beides bei den selben Menschen findet, die sich allerdings auch manchmal dieser Vermischung schuldig machen. Warum sollten sie klar bleiben in der allgemeinen Verwirrung? Asphaltliberalismus — damit meint man i-uitguuz bestimmt: Schicht der großstädtischen Intellektuellen, und man behauptet, daß der jüdische Einschlag bei ihr sehr maßgeblich sei. Mau meint einen negativen Liberalismus des Gelteulasseus und Gehenlasseus, der uugebunbcncit Romme des Lebensgenusses, der seichten und leichten rationalen Lebcnsdeutung und Lcbensausrichmng, der Relativierung aller Wahrheiten und aller Werte. Es gibt Scharen von Entwurzelten jeder Schicht, jeder Rasse, jeder weltanschaulichen Herkunft, die diesem Liberalismus ohne Ethos verfallen. Es gibt aber gerade in der Großstadt als dem Schauplatz, auf dem politische und soziale Problematik iu besonderer Weise bewußt wird, als eine sittfidje Kraft ganz anderer Ordnung den Liberalismus. der alle echten und notwendigen Emanzipmionen getragen hat. Dieser Liberalismus ist eine irrationale Macht tiefsten Ursprungs; denn er ist der Anspruch eines zentralen Wertgesichts im Menschen, daß die Lebensordnungen und das Verhalten in Staat und Gesellschaft diefern Gefühl von Menschenwürde entsprechen. IIui> wenn dieser Liberalismus erkrankte oder absturde — dafür sind einige Symptome vorhanden. zu denen der Antisemitismus gehört — so würde das deutsche Volk trotz aller völkischen Ueberheblichleit aushören, ein Volk „rassiger", das soll doch wohl heißen aufrechter und für Würde eritpmthfarner Menschen zu sein.

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