Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 503 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3m Verlag der Deutschen Buchgemeinschast ist ein großes Buch von mehr als 800 Seiten erschienen: „Dichtung d e r D e u L s ch e n. Eine Geschichte der Literatur unseres Volkes, von den Anfängen bis zur Gegenwart." Verfasser ist Paul Fechter. Zu diesem Buch habe ich ein wenig persönliche Beziehungen, und da diese nicht ganz ohne allgemeines Interesse sind, dars ich vielleicht zunächst davon sprechen, um zu begründen, daß ich trotzdem und gerade deswegen dieses Buch hier anzeigen will. Ich bin nämlich von Anbeginn der literarische Berater der Deutschen Buchgemeinschast", und es geschah auf meine Anregung, daß sie sich wor Jahr und Tag an Paul Fechter wandte, mit ihn für die Niederschrift einer neuen, umfassenden Literaturgeschichte zu gewinnen. Im Laufe der jahrelangen Arbeit habe ich dann das Fechtersche Manuskript ftücfmcife kennengelernt, auch cm den einzelnen Stellen, wo meine im ganzen weit geringere Sachkenntnis mich dazu überhaupt befähigte, ihn.zuweilen auf kleine sachliche Unstimmigkeiten oder Lücken hingewiesen, und der Autor hat in der Vorrede des Buches diesen meinen sehr bescheidenen Anteil auch mit freundlichem Tank vermerkt. 'Ich weiß nicht, ob dieses geringe Maß von persönlicher Beziehung ein Grund sein kann, meinen Worten Zu mißtrauen, wenn ich in der Oessentlichkeit zu diesen: Werk Stellung nehme. Ich möchte es aber jedenfalls tun. denn die Sache scheint mir im allgemeinen wichtig, und im besonderen gilt es vielleicht, das Staunen einiger Freunde über den Zusammenhang zwischen mir und diesem Werk zu beseitigen. Es ist nämlich ein völkisches Buch — zweifellos! Und ich brauche wohl also für alle, die irgend etwas von meiner Stellungnahme zu geistigen Dingen wisien, nicht erst zu versichern, daß es kein Buch ist, das meiner Weltanschauung entspricht. Es ist auch richtig, daß ich mir damals, als ich Paul Fechter für dieses schwere Werk empfahl, nicht völlig klar war, in welchem Sinne er schreiben würde. Bekennt er doch selbst, daß sich ihm erst während der Arbeit an diesem Buche seine Grnndanschauung so klar und bestimmt herausgebildet habe. Aber ich glaube nicht, obwohl ich den Verfasser während unserer vielen schriftlichen und mündlichen Gespräche bei seiner Arbeit niemals über meine abweichende Erundanschauung im Zweifel ließ, daß ich irgendeine Veranlasiung habe, meine ursprüngliche Empfehlung zu bereuen. Tenn ich halte diese völkische Literaturgeschichte für ein außerordentlich wertvolles und wichtiges Buck). Daß man in solcher Weise ein Werk schätzt, zu dessen Grundanschauung man im Widerspruch steht — ist in der heutigen Zeit allerdingsungewöhnlich —, aber ich glaube, unser Leben wäre bester und erträglicher, wenn es weniger ungewöhnlich wäre! Je!) halte Fechters deutsche Literaturgeschichte für ein wertvolles Buch: nicht im wesentlichen deshalb, weil es eine ungemein breite und gründliche Kenntnis des riesigen Stoffes vom Hildebrand-Lied über Luther und Goethe und .Hegel bis zu Döbliu und Hans Grimm beweist. So kenntnisreiche Literaturgeschichten besitzen wir schon eine ganze Zahl, und viele dieser Bücher sind trotzdem eigentlich nicht zu lesen, sondern nur als Nachschlagewerke in der Art der Lexika zu gebrauchen. Fechters 800 Seiten aber bringen ein durchaus geformtes Buch, eine Einheit, die man lesen kann und sogar lesen muß. Und das nicht nur. weil der Verfasser eme hohe Fähigkeit hat. ernen dichterischen Menschen in seinem Wesen und seinen Werken als / £sn Mus ms Einheit zu empfinden und darzustellen; sondern vor allen: deshalb, weil der ganze jahrtausendlange Zug der Menschen und Werke als Einheit gesehen und begriffen ist, weil eine zentrale Leidenschaft die Geschichte des deutschen Geistes, gespiegelt in seiner Dichtung, uns als ein großartiges Drama erleben läßt. Das W i ch t i g e aber an diesen: Luch in, daß die zusammenhaltende und formende Leidenschaft des Verfassers bte völkische ist, daß dicke Anschauung aber hier zuu: erstenmal eigentlich, zum mindesten aber zum erstcmnal an dststm Material, von einem so kultivierten Menschen, so in den Grenzen und mit der Sprache der Vermmft und zugleich im Zeichen eines so echten künstlerischen und deshalb menschlichen Gefühls vorgetrager: wird, daß hier endlich einmal eine Unterhaltung zwischen VöllischgesinnLen und Andersdenkenden möglich und sinnvoll erscheint! Wer an die bornierten Aa'ereien eines Adels Bartels und ähnlicher Schmähredner denkt, der wird die Wohltat zn schätzen wissen, daß hier eine ihm sreuide, aber heute mächtige Gesinnung einmal auf einem Niveau vorgeiragen wird, das ernsthafte Beschäftigung überhaupt erst ermöglicht. Wenn Fechters Standpunkt als der „völkische"' bezeichnet wird, so soll das heißen. Laß für ihn nicht nur, wie für jeden Vernünftigen, das votksmäßig Bedingte natürlicher Ausgangspunkt und Basis für ein Werk von meuschheit- Licher Bedeutung ist, sondern daß bei ihm allgemein Menschliches als Ziel und Wert überhaupt weit zurücktritt hinter der Ausprägung des volksmäßig umgrenzten Lebens, das ihm ein Höchstes an sich scheint. Die deutsche Geist es - geschichte besteht ja nun bekanntlich vom Anbeginn in einer Auseinandersetzung der ursprünglichen Volkskräste der germanischen Menschen mit den beiden mächtigen, von außen herankommenden Kulturgcwalten: der sogenannten Antike (Inbegriff der griechisch-römischen Welt) und des Christentums (letzter, feinster Auszug der großen östlichen Kulturen). Diese Auseinandersetzung, die unter immer neuen Stößen ton Nenaifsance und Ae forma rinn das Leben des ganzen Abendlandes, in ganz besonderer Stärke und Deutlichkeit aber das der Deutschen ausmacht, ist schon sehr oft geschildert worden, oft auch unter entschiedener Bstnteinahme für die deutschen Eigenkräfte, die sich gegen die großen, fremden Kulturmächte zur Wehr setzen. Fechter selbst erinnert daran, daß seit Herder und der Nomantik diese 'Idee immer wieder Vertreter gesunden hat. Daß auf der Höhe der deutschen Dichtung Goethe, und mit ihn: Schiller, von einen: viel eher national gefärbten Stil sich in den Kult der griechischen Form zurückzogen, ist schon oft beklagt worden. Aber Fechter hält nun nicht nur mit unvergleichlicher Energie diese Betonung als die in jedem Falle entscheidende fest. Das Bolksinäßige gewinnt in. der Ar:, wie er es im Gegensatz zur Bildungsdichtung, zur bloßen Literatur setzt, noch eine besondere Färbung von der „völkischen" Bewegung unserer Tage, es wird, wie mir scheint, und vielleicht viel mehr als Fechter selbst weist, auch rein von politischen Stellungnahmen der Gegemvart gezeichnet. Aus der Ueberwertung und aus der Unsicherheit dieses Bolksbegriffs erfolgen denn in: großartigen Zuge der Fechterschen Darstellung vielfach Urteile, die mir sehr fragwürdig scheinen und die viel Widerspruch herausfordern werden. Al>er immer stehen auch diese fragwürdigen Urteile in bezug zu einem geistigen Prinzip, und niemals steigt — was uns an dieser Stelle Schone weiße Zahne erhalten Sie bei rägllchsm Gebrauch von CüiToro» clont, der Zahnrch:» von höchster Onr.Ia’jf. Spatian: im Verbrauch. Tube 50 Pf. uns 5J V'. Verlangen Sie nur Chlorodont und wellen Sir jeden Ersatz dafür zurück. besonders intcrchsieren muß — der Autor aus' das alberne eacecu herab, wo mit einem Einblick in das Geburtsregister (Rubrik Konfession)^ zugleich das Urteil über einen Mann und ''eine ' Leistung gefunden ist. Das ominöse Worr. „Aasie" kommt bei Fechter kaum vor. And obwohl seine Vorstellung vom Volk ohne dm Glauben au eine blutsmästig vererbte SrunllaulagL. kaum möglich ist. so ist für ihn „Volk"' doch eim viel reicherer Begriff, als ihn bloße Abstamn mung ergibt, ein. Begriff, au dem vor allem düm Mächte der Tradition, die unbewußte und be» wußte Ausnahme geschichtlichei: Erbgmteil--' haben. Es ist nicht nur für das besondere Interesse, das in diesen Blättern vorausgesetzt wer- - den must, es ist auch an sich wesentlich zu whem wie solch ein sillr hochgetriebener, aber aus öedeutender Lebenstiese gewonnener Voltsbegriff.': sich zum jüdischen Anteil an der Geschichte deutscher Dichtung verhält. Um es kurz zu sagen: die Stellung? nähme d i e s e s v ö l k i s ch e nH r st o r i s e r i ft in keinem Augenblick an t i »e mi * t r s ch. Das Judentum kommt ziemlich natur-- gemäß zuerst in Fechters Gesichtspunkt. a'.s es '- sich um den Eintritt des sogenannten „juugenm Deutschland" in die deutsche - Literatnrgeschichtece handelt. Und da heißt es: ,HTer Instinkt, aus dem sich dic'e zum, großen Teil jüdische Literatur gegen des Halde.- Volkstum in der bürgerlichen Bildnnasdich-:- tuna wandte, war getragen vom unbewußtem: Wissen um die Macht wirklichen Volkstums-- Nicht umsonst hat ein Mann wie Ludwige Börne sich zornig gegen Goethe, den Baterm der bürgerlichen Verdünnung im Blldungsbetrieö. gewendet und Jean Paul georresen: . er spürte dort die stärkere Verwanllt'chaft von Volk zu Volk und bejahte sie. Der jüdische Anteil an der deutschen Literatur - des 19. Jahrhunderts bekommt von hier ausll einen positiven Sinn: die Entwicklung auftl eine Dichtung aus dem Volkhasten wär-?ohnem die positive wie die negative Mitwirkung-' der deutschen Juden in der kurzen Srannew eines Jahrhunderte kaum soweit voraetrie---^ ben, die Erkeu.utuis des Zukunftsziels "obnem die induzierende Einwirkung des starken.^ durch Not und Elend vieler Jahrhunderten ßs.jMAr des L M. Wintcrhalbjah: 1902;33. Politischer Kursus.». Sechs Abende freier Aussprache über e!:*acüe rrn.tUc)#' Vorgänge unter LÜgcnremerr zusammen»'-?;, rrrdcr«' Sonchtspunkten. Satin^: Ir. Mauritius Kahrr. 1. Parteien. Belegungen, Bünde und die zlhität.-? Gemeinschaft . b . . Dienstag, 13. 2. Indioidualisrnus und Kolloktirisrnus und Lcrrr jüdische Mensch.Dienstag, 10. Ja nur rar. 3. Demokratie und Diktatur und der jüdische Siaots^ bürger.Dienstag, 31. Ianuar;.'- 4. Der deutsche üearionalisrnus urrd das Judentum.Dienstag, 21. jcl-tium' 5. Sozialismus, Kommunismus und „Rstr laf.an" Dienstag, 14. 6. Politik und Weltanschauung: ,ch>üdüche Dotitiki'D" Dienstag, 4_ Aprilat Ort und Stunde u?erden durch besondere Liaiadung^g in Hannover bekanntgegcben. Teilnahme nur acgen Teilnehmerkarte, ddurchs das Syndikat des <5. V., Sophienstraße la, Zern». ruf 27371, zu beziehen ist. Frei für Mitglieder des Centralvereins und Lcrear. Angehörige soroic für Jugendliche. Für Ricktmitglicder gegen eine TeilnahrreaebühL-r von 1,50 Mart für den gesamten Kursus.