Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 502 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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502 und die Gewalt trennen und sondern möchten. Es ist ein tiefes Ringen in diesem Menschen um Ehrlichkeit, um eine Gerechtigkeit innerhalb der Dankbarkeit gegen das, was ec dem einen und dem andern Heimatelement im Dichterischen schuldet, und wo ein solcher Wille wirklich rein und mannhaft waltet, mutz er auf die Tauer fruchtbar werden. . Ein reiches und reichliches Werk steht hinter diesem Fünfzigjährigen: Gedichte, die znr Tauer bestimmt sind, Dramen hoher geistiger Fügung, kritische Meisterstücke starker, straffer Prosa; viel aber steht noch vor ihm, und wir, die wie ihn kennen, die wir ihn gesehen in der Heimsuchung seines zu plötzlichen Ruhms und der Bedrängnis des dann ebenso heftig gegen ihn anspringenden Hasses, wird sind überzeugt, daß erst die fommcnbcn Jahre sein ganzes und eigentliches Wert uns sichtbar machen werden. nimmt. - Es. genügt, wenn 25 Prozent des gezeichneten Kapitals eingezahlt werden. Tie Vorarbeiten iür Beschaffung weiterer Sicdlungsgüter sind im Gange und die Siedlungsbehörden verlangen den Nachweis, datz hinter der Jüdifcfjcu Landarbeit in Wirtlichkeit das gesamte d e u t s ch e I u d e n t u m steht. ■ Mein Appell geht dahin, bis zum 15. Dezember der I ü d i s ch e n Landarbeit G. nr. b. H., Berlin IV. 15, Kaiserdamm 200, zu erklären, datz man bereit ist, Anteile in angegebener Höhe zu zeichnen; die Einforderung der 25 Prozent wird alsdann von der Jüdischen Landarbeit erfolgen. Deutsche Juden zeigt, daß ihr gewillt seid, eine Tat zu vollbringen! Geschichte der Juden in Oberschlesien Mitten hinein in die wechselvolle Geschichte der Juden in der deutschen Heimat führt uns eine Abhandlung „Zur Geschichte der Juden in OberschlesierG von Justizrat Dr. Immer» wahr (Leuthen O.-L.), die im JO berj ch^l efischen Heimatkalender" 1933 (HerausgegeberL vom Presse-, Statistischen und Verkehrsamt der Provinzialverwaltung von Ober-- jd’lcftcn in Ratibor, Landeshaus) soeben erschienen ist. Wie in diesem durch Gaben der Natur ausgezeichneten, politisch heiß umkämpften Grenztand Juden lebten und schafften, das Land redeten, Acker bebauten — „lange vor der deutschen Besiedlung dieses Landes hu Mittelalter" —, Handwerk und 'Handel trieben und schließlich „an die Tradition der jüdischen Bergleute in der Standesherrschast Beuthen aus dem 12. und .17. Jahrhundert anknüpfend, sich mit Hammes und Schlegel bewasineten und selbst in die schachte stiegen, um das Erz der Unterwelt hinauszubringerG — das alles wird eingehend und dokumentarisch verbürgt geschildert. Freilich wurden in bca Zeiten der allgemeinen mittelalterlichen Judenverfolgungen auch den oberschlesischen Juden ihre Pionierdienste um die Erschließung des Landes mit Verfolgungen und Austreibungen gelohnt. Tech konnten dcese traurigen Ereignisie aus die Tauer die Linie der Enrwicklung, die in die Richtung eines besonders großen und fruchtbaren Anteils dev oberschlefischen Juden an der deutsch-oberschlesismen Kultur wies, nicht abschneiden. Sie hat in oen folgenden Sätzen aus einer Rede des Beuthener Arztes und rechtsparteilichen Abgeordneten Tr. Beiersdorf, die in den 0ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geten wurde, eine gerechte Würdigung erfahren: ,Ln Oberschlesien rechts der Oder ist die eigentliche städtische Kultur das Werk der Juden. Ms die ^teinsche Selbstverwaltung den Städten verliehen wurde, waren sie Ulster den Kleinbürgern die einzigen, die schon deutsch lesen und schreiben konnten. Gewöhnlich war es in diesen Orten ein Jude, der die erste Buchhandlung, die erste Truckerei und die erste Buchbinderei errichtetes Wir empfehlen die Lektüre dieses ausgeze'chneten Kalenders allen denen, die das deutsche ^berschtesten kennen und lieben, und ebenso denen, die es kennen lernen wollen. vr. E. R-J* Nationalsozialismus in Flandern. Wir haben in der „G. V.-Zeituug'' Nr. 15 vom 21. Oktober d. I. über die vergeblichen Anstrenguna.cn der Vlämifchen National--olidariften (Derdinalos) berichte!, in Flandern politische Erfolge Zu erreichen. Jnwlg'e eines Ucbcrtragungsfehlers aus dem Stenogramm ist in diesen: Aussatz aus der Bezeichnung „Ver Tinaso". die eine Abkürzung des Namens „Verdond van dietsche National- Solidaristen" darstellt. der Name des Führers konstruiert worden. Aus diesem Versehen will der nationalsozialistische „Westdeutsche Beobachter' den Schluß ziehen, daß der ganze Artikel unwahr und in seinen Folgerungen falsch sei. Tie Wahlen vom vorletzten Sonntag beweisen, daß unser Berichterstatter _;m übrigen recht hatte. Es ist den Rationol-cholidaristen nicht gelungen,, auch nur ein Mandat zu erlangen. und die Frontisten. aus denen die Rativnal-<ro!idaristen hervorgegangen sind, hadcn einen Verlust von zwei Mandaten -u betlagen. M§ Misst Die Sinai-Inschriften In den Jahren 1924 und 1925 hat die Entzifferung der sogenannten Sinai-Inschriften, die «us der Hochebene von Serrabit halbwegs zwischen Suez und dem Sinaigeüirge gesunden worden waren und um deren Entzifferung sich besonders der Münsterer Universitätsprosesior Tr. Hubert Grimme bemüht hatte, in der wisienschaftlichen und überhaupt in der gebildeten Welt Aussehen erregt. Einerseits waren dadurch Jnschrijten, und zwar anscheinend Buchstabeninschriften, an das Tageslicht gekommen, die in das zweite Jahrtausend vor Christi Geburt hineiuragten, anderseits ^glaubte man aus dem Text Hinweise auf bestimmte biblische Ereignisie und Persönlichkeiten herauslesen zu können. Tie „E. B.- Zeitung" hat sich seinerzeit (Nr. 14 vom 3. April 1924, Nr. 44 vom 30. Oktober und Nr. 51 vom 18. Tezembcr 1925) mit diesen für Die Erkenntnis des semitischen Alphabets und auch der jüdischen Frühgeschichte wichtigen Forschungen eingehend besaßt. Insbesondere hatte Professor Tr. Grimme auf einem Vortragsabend im Hause von Tr. Bruno Werl feine aufsehenerregenden Theorien entwickelt. Inzwischen sind die Inschriften, soweit ne sich Ln Serrabit noch befanden, und einige neue in das Kairoer Museum gebracht worden, und nunmehr ist auch eine weitere Expedition im Jahre 1930 nach der Fundstelle von der Harvard-Universität Ln Verbindung mit der katholischen Universität von Washington im Gebiet von Serrabit tätig gewesen, nur weitere Inschriften aufzufinden und umfangreiche Untersuchungen sonstiger Art an Ort und Stelle vorzunehmen. In der Tat hat die Expedition erfolgreich gearbeitet und konnte eine beträchtliche Anzahl von Inschriften nach Kairo dringen, so daß jetzt im ganzen etwa 30 dieser eigenartigen Denkmäler b e km n n L sind. Tarüber berichtet ein Artikel von Tr. S ch a u m ö e r g e r im „Bayerischen Kurier" (21. November 1932). Nun ist kürzlich in der theologischen „Harvard- Zeitschrift" eine gründliche Untersuchung der Funde der Expedition erschienen. Danach steht stst, daß die Inschriften in der Tat ein Alter von 35 bis 40 Jahrhunderten aufzu weisen haben. Auch eine Deutung der Inschriften ist erneut erfolgt. Tie Texte werden von den Forschern als W e i h L n s ch r i f t e n gelesen. Auch der Name Moses ist angeblich in Bestätigung der Grimmeschen Forschungen fichergcstellt, doch hält man die Gleichsetzung dieses Moses mit dem biblischen für ausgeschlogen. Tagegen scheint herausgesunden worden zu sein, daß die Inschriften von Serrabit die ä l L e st e n Buchstaben in der Welt sind. Tie Funde sind aus jeden Fall geeignet, alle Untersuchungen über die Geschichte der Buchstabenschrift und der Schrift überhaupt bahnbrechend zu unterstützen. Ihre Bedeutung für diese Arbeiten.. aber auch ihre geschichtliche Bedeutung, stellt eine Bereicherung der Kenntnis dieser Teile des Orients dar, deren Bedeutung noch keinesfalls erschöpft ist.. A. W. eins „gläumgs Fron»" Für Deutsch-jüdischer Arbeitskreis München Am.Mittwoch, dem 16. November d. I., sprach der katholische Stadtpfarrer und Stadtrat Tr. Emil Muhler von St. Andreas im Rahmen einer Veranstaltung des Teutschjüdrschen Arbeitskreises München vor einem im wesentlichen jugendlichen Publikum über das Thema „Tie katholische Soziallehre und die Problematik der Gegen war t". Ter Vortrag des ausgezeichneten Sachkenners bot dem Auditorium eine Fülle von Anregungen, die sich aus der besonderen, an den bekannten päpstlichen Enzykliken orientierten Einstellung der gläubigen Katholiken zu allen sozialen Fragen, vor allem von Sozialismus und Kapitalismus, ergeben. In der Aussprache wies Geheimrat Professor Tr. S i l b e r s ch m i d t, der Arbeitsrechtler der Münchener Universität, auf die Verbindung der katholischen Soziallehre mit der biblischen So^iallehre hin. Besonders erfreulich war die'Forderung, unter die Stadtpfarrer Tr. Muhler seine Ausführungen stellte: daß im gegenwärtigen Weltaugenblick eine „gläubige Front" über alles Trennende hinweg zu bilden sei. Tie jüdische Jugend dankt Stadtpfarrer Tr. Muhler an dieser Stelle herzlich für eine solche Gesinnung. Siedlung tut noi? Sott Moritz Noscnthol, Mitglied des Vorstandes der Berliner Gemeinde Das erste Liedlungsgut der Jüdischen Landarbeit G r o tz - G a g l o w bei Kottbus ist ausgeteilt. Bis zum Ende dieses Jahres werden dort besiedelt sein: 15 Gärtner sicdluugsst e l l e n, 10 K l e i n b a u e r n st e l l e n, 3 G r o ß b a u e r n st e l l e n und 1 § a n v m er* kerstelle. Die Erfahrungen, die die Siedler in dem ersten Jahr ihrer Tätigkeit gemacht haben, übersteigen unsere Erwartungen. Jetzt heißt es Weiterarbeiten. Pflicht aller deutschen Juden ist, die Siedlungsbcwegung zu unterstützen. In der letzten Repräsentantensitzung der Berliner Jüdischen Gemeinde waren sich alle Parteien mit der Verwaltung darüber einig, daß es ein Gebot der Stunde ist. nach den Erfahrungen, die man mit Groß Gaglow' gemacht hat, die Möglichkeit, mit staatlichen Geldern eine größere Anzahl jüdischer Familien wieder aus das Land zu Dringen und so in Berührung mit der eigenen schölle ihnen eine eigene Existenz zu gründen, auszunutzen. Um zu erreichen, daß in allen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes, in West und Ost, in Nord und Süd. jüdische Siedlungen errichtet werden können, muß die Indische L a n b a r b e i t ein Gesellschastskapita! in Höhe von minbe ft e n s Million M a r k habe n. Dieses aufzubringen, ist Pflicht aller Gemeinden. Es ums; verlangt werden, daß jede Gemeinde pro Kops ihrer Bevölkerung 50 Pf. für diesen Zweck als Gesellschastsanteil über¬