Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 501 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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501 klar unb eindeutig Ficrait^ufteüen, errcici;« c der Schulungskurs gcraOc durch t:o Aü.ckeinandersotznng mit zionistischen Ordnern, daß sch jüdische Jueoo.d. die sich vorher ars irgend aeelchen Gründen nicht offiziell zn:n E. G. bekannte, nunmehr den freien 'Blick und die innere Entscheidung für unsere, ^ache gewann. So wurde der Lande? jugendausschuh wiederholt aus dem^Teilneh'.uerkreis um die Fortsetzung d des Schulungskurses und um die Heranziehung jugendlicher Menschen zur Praktischen Arbeit des E. V. gebeten. Zahlreiche Reuan:neldungen Jugendlicher bezeugen Miseren Erfolg. Ten schlüssigsten Beweis für das Aussehen, das der Schulungskurs in den weitesten Kreisen der jüdischen Jugend Frankfurts erregte, war die Tatsache, daß die I u n $ 3 i 0 n i ft ische A r be i t s g e m e i n s chas t, in der sämtliche zionistischen Jugendorganisationen Frankfurts (mit Ausnahme der revisionistischen) zusammengeschlossen sind, es für notwendig hielt, nach Beend'.gung unseres Schulungskurses, unter ausdrücklicher Bezugnahme ans ihn, einen eigenen Abend zu veranstalten; Professor Tr. Walter Snlzbach sprach über: „Das Wesen des Antisemitismus" und 'Tr. Haus Pvnueranz über: „Der Antisemitismus und seine UeberwindungA Zu diesem Abend hat der Landesjugendausschuß ans Bitte der Jung- Fa.cbin£er Versands teile, Berlin SW II Sebunebereer Strasse 16a. Telefon: Lfttzovr: 826-) öl Iisliiviinsnä! ^LsT-ia zionistischen Arbeitsgemeinschast sämtliche Teilnehmer seines Schulungskurses in loyalster Weise eingeladen. An der zionistischen Versammlung nahmen daher etwa ^ur Halste junge C.D.er und zur Halste Zionisten steil. Auch oieser Abend wurde zu einem ausgesprochenen Erfolg für den E. D. Tie theoretischen Ausführungen Professor Dr. Sulzbach's deckten sich im wesentlichen mit der auch von unseren Rednern gegebenen Analyse des Antisemitismus; im übrigen war es ein Leichtes, die Zionistischen Redner dort zurückzuweisen, wo sie die' bekannten, der Wirklichkeit deutsch-jüdischen Lebens widersprechenden Cedankengängc verkündeten. Daß sie keinerlei praktische Vorschläge zur lleberwindung des Antisemitismus machen konnten außer denen, die der E. V. seit langer Zeit durchführt, hat die Stellung der Zionisten an diesem Abend ebenfalls nicht gestärkt. Unsere Diskussionsredner, nämlich die Referenten unseres Schulungskurses, haben in dieser Versammlung bei der überwiegenden Mehrzahl der Versammelten starken Beifall geerntet'. Tas in seinen Grundlagen völlig erschütterte Schlußwort, das die beiden zionistischen Redner zu halten versuchten, konnte diesen Eindruck nicht verwischen. 'Die Arbeit des Landesjugeudausschnsse? des C. V. in Frankfurt a. Bll, die weiter'gesteigert werden wird, hat durch den polirischen Schulungskurs somit nicht nur orgmiifaiornuic Erfolge durch Reuheranziehung Jugendlicher erzielt, sondern hat auch dem C.'B. in der Frankfurter Jugend die starke Stellung verschafft, die er in der älteren Generation' in Frautiurt. selbst nach dem Zeugnis eines offiziellen Redners der letzten zionistischen Delegiertenlaguug, feit langem cinniminf. Tie Darstellung in Rr. 90 der .Jüdischen Rundschau", die in schärfster Agrcssivität gegen die Gedemkenführnug des E. B. gegenteilige Beodachtungen feststeuen zu müssen glaubt, kann getrost dem Urteil aller derer überlassen bleiben, die sachliche Arbeit unvoreingenommen zu würdigen wissen. Dr. M. M. -A.'A J\, A .?• , , ,G''V IJ, , *'"V> '• v / f j ♦ . * •-*' V V T - ' ' J y -ri;10 r--‘/ »;*> : - ~r >? -■/ .7 if —& ' :" zz st ’■ -V. ' ■"* 'R :f -J . J- "ch -/ j V •/~ '<■ Tie Gestalt Gruft Litauers ist, abgesehen von seiner außerordentlichen dichterischen Kraft, zeilbe-deutend in ihrer eigenartigen Grscheinungsform. denn sein Schicksal spielt, hell ins Oesseniliche gewandt, das tragisch Geheime unzähliger deutscher Juden wider. . Lissauer, Zur Schule gegangen, und ausgewachsen im Vorkriegsdeutschland, dem mächtigen, gefcftioicii und geistig-großartigen Reich, liebt/ nein vergöttert mit der ganzen ekstatischen Kraft seiner Jugend das deutsche Wesen, er liebt es dort am meisten, wo es am deutschesten, am preußischesten, am protestantischesten ist, in seiner historisch ausgesprochensten Form. Die Heroen der deutschen Geschichte sind die Helden des Knaben, Luther, Goethe, Bach, die Männer der Freiheitskriege; mit gläubiger Inbrunst gibt er sich ihren? Wracks ihren Taten hin und hämmert seine Sprache an ihrer Härte. Obwohl Jude, formt er sein menschliches, sein sittliches, sein kulturelles Ideal ausschließlich an den deutschen Formen, und einszuwerden mit dem geistigen Deutschtum ist die Leidenschaft seiner Jugeudjahre. So kommt es, daß er auf ehrlichste Weise ein nationaler, ein beinahe nationalistischer Dichter wird; Deutschlands Größe zu feiern in Hymnus und Choral, seine Gestalten aufzuzeigen, reckenhaft erhöht im Gedicht, empfindet er als seine wesentliche Aufgabe, und so entstehen jene lyrischen Bildnisse Bachs und Bruckners, jener Zyklus von 181s. und da? Drama Vorck in beinahe notwendiger Aufeinanderfolge. Lange ehe diese Stoffe, diese Mythen ans politischen,^cnrs nationalistischen Gmunden auf das Theater, aus die Bühne, in den Film, in die Romane gezogen werden, schafft sie bereits dieser junge jüdische Dichter als Symbole deutscher Welt zu Gedichten um, denen eine eingeborene balladische Kraft, eine knapp zusammendrängende und gehärtete Sprache besonders plastische Wirkung gibt. Diese Zyklen, an Vach, an Bruckner, die Bardengesänge von 1813. greifen tatsächlich weit hinein in das deutsche Volk, sie werden gelesen, sie werden rezitiert, sie stehen in den Lesebüchern und Schulbüchern als Vorbilder zeitgenössischer deutscher Dichtung, und Lissauer darf sich, damals noch uneingeschränkt und berechtigt, unter den Besten und Bodenständigsten der deutschen Dichtung empfinden. In dieser seiner Liebe ist nichts künstlich, keine versteckte Flucht, keine Absichtlichkeit; er dichtet für Deutschland, weil ihm die deutsche Sprache, das deutsche Gedicht Heimat ist, und tatsächlich besitzen wir keinen besseren Kenner und kritischeren Richter deutscher Lyrik als ihn, der hiuabgedrunaen ist bis zu den untersten historischen Geheimnissen des deutschen Gedichts. Die leidenschaftliche Liebe, dieser tiefe, ehrliche Zusammenhang, dieservollkommene Sich-identisch-Empfinden mit der Ration entzündet in diesem impetuosen Menschen darum besondere Leidenschaft, wie der Krieg ausbricht über Deutschland, wie er „sein" Deutschland bedroh: erkennt. Weil er sich als Dichter, als Verwalter deutschen Wortes fühlt, schreibt er damals Krftgsgedächch, und ein:?, der Haßwmng gegen England, sprichrn.it einer furchtbaren Prägnanz' das ZeMmpstuden der ersten Kriegsmouate ans. Tausende, Zehntansende schreiben damals Kriegsgedichte, die' im Donner der Kanonen "verhallen, dieses eine aber hat die Tragik, ganz Deutschland und die Welt zu überdröhnen. Zehn', zwanzig, fünfzig Millionen vielleicht willen es auswendig, es wird abgedruckt in den Armeebefehlen, der Kaiser verleiht dem Dichter einen Orden als Zeichen seiner Zustimmung, ein Erfolg braust Lissauer zu, so wild und spontan wie kaum jemals durch zwanzig Zeilen ein Dichter ihn sich errungen. Tarn; aber wendet sich das Blatt, der Haß gegen England verlischt, der „Haßgesangch bleibt, und weil alle die Unzähligen, die seiest dieses Gedicht begeistert gelesen und gesungen, sich dieses Halles schämen, wendet sich der Haß gegen den, der ihn dom Volke gleichsam von der Zunge genommen. Die revolutionäre Welle nach dem Kriege stößt Lissauer zurück, wie die kriegerische ihn hochgehoben, und zum zweitenmal wirft ihn nun die nationalistische zurück, die das ' Deutsche in den Gedichten Litauers nicht anerkennen will, weil es von einem Juden ftanmck. In ungeheurer Verstärkung erfährt hier also ein einzelner Mensch das Schicksal von rrnzähligen deutschen Juden, die mit aller ehrlichen Leidenschaft ihres Herzens rnre ein Ziel hatten, sich völlig einzudeutschou, ganz airszugehen mit dem Geiste/de:n Gefühl und der Tradition des Volkes, in dessen Sprache sie schassen, denken und leben. Mit einer Harte ohnegleichen wird ihm, der das Bildnis Bachs, Bruckners und der deutschen Landschaft vorbildlich geschaffen und gestaltet, das Recht verwehrt, in deutscher Sprache D-eurschlaud zu feiern, und zum Verbrechen gerechnet, daß er ihm dienen trollte. Und so ist es ganz natürlich —- auch diese Wandlung.spiegelt sich bei Unzähligen wider, mir in i'chtoächerer und verschatteterer Form —, daß durch diesen Rückstoß auch das andere Urelement seines Wesens, das Jüdische, stärker zutage tritt. Reben seinen Balladen, deren Techullk gleichsam von den deutschen Holzschneidern stammt, treten Gedichte hervor, in deneil die dunkelhymrrische Melodie der Psalmen wogt. Rüben feinem „Ljorck'll neben seinem chGckerma;uck erscheinen zwei jüdische Dramen, der „Jeplsta" und der „Moses", die mit ihrer choraiischen Kraft, nüt ihrer Sprachplastit hundertfach rnehr Anrecht hätten auf der deutschen Bühne zu erscheinen als die Zeitmodischen Erperi-- meutierstücke. Eine zlveite Ader ist damit in seinen: Schaffen angeschlageln und während die eine lwch offen weiterströmt — sein Luiher-Stück verleugnet nicht die alte Liebe zu Deutschland —, wogt von der andern her das Blut der alten Olwllen. So würd Lissauer in Geschick und Gestalt gleichsanr eln Symbol jener Gespaltenh-eit zroischen Judentum und Teutschtu-u, das iuuner wieder sich eine neue und fruchtbare Synthese 'sucht, immer wieder or:rch Leidenschaft ^and Geist zu verbinden strebt, war heute der Haß