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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-09 · 50 (9.12.1932) · p. Seite 500

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
50 (9.12.1932)
Date
1932-12-09
Page
Seite 500 (sequence 4)
Language
German
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500 ihre Wohnungen weggenommen. Diele sind dem Hungertod nahe.- Tie jüdischen Hilssorganisationen sind seit ihrem Bestehen noch nicht in diesem Ausmaße in Anspruch genommen worden wie jetzt, um nur die bitterste Not ihrer Glaubensgenossen zu mildern. Biele früher einflußreiche Juden sind heute gezwungen, mit dein Hut in der Hand das Notwendigste zur Fristnng ihres Lebensunterhaltes zu erbitten. Cs läßt sich kein unverschämterer und gemeinerer Borwurf denken als die nationalsozialistischen Angriffe auf das Baterlandsgefühl der Juden gegenüber der: Landern, in denen sie lÄien. Hunderttausende von Juden dienten im Weltkriege ihren Vaterländern und vergossen ihr Blut auf den Schlachtfeldern ... Im deutschen Heere kämpften hunderttausend Juden für ihr Vaterland. 12 MO von diesen deutschen Juden ließen ihr Leben aus dem Schlachtfeld, und Schulter an Schulter mit Ihnen. Feldwebel Hitler, zogen Tausende österreichischer Juden mit ihnen an die Front. Aber nicht alle find wie Sie in die Heimat zurückgekehrt. Sie sagen, wir predigten den Klassenkampf, und mit dem gleichen Worte behaupten Sie, wir predigten den Pazifismus. Beides gibt es doch nicht zugleich. In der Tat, wir sind ein Dolk des Friedens. Es ist die Grundlage und der Kernpunkt unseres Glaubens, uns von unseren Weisen überliefert, die Zu einer Zeit schrieben und lehrten, als Ihre direkten Vorfahren, die Hunnen Attilas, Europa überschwemmten, Mord und Brand mit barbarischer Wildheit verbreitend. In den Ländern, in denen wir leben, gehören wir nicht nur zu einer Partei, sondern zu allen Parteien. Tenn wir erblicken unsere Pflicht darin, lediglich für die Interessen des Landes zu wirken, dem cmzugehoren wir stolz find. Unter uns gibt es Konservative und Liberale, Sozialisten und Kommunisten. Im stolzen England gab es einen Beaconsfreld, gibt es heute Männer wie Reading und Samuel. Irr Ihrer ganzen Schmähschrift vom Antisemitismus der Nationalsozialisten, hi der Sie Zeile rrm Zeile Den Juden ihre Schlechtigkeit Ln Politik, Handel, Journalismus vorgeworferr haben, haben Sie vergessen, auch nur einen jüdischen Namen zu nennen, um Ihre Bchauptungen zu beweisen. Ich fordere Sie auf, auch nur rin konkretes Beispiel zu nennen für Ihre verschwommenen Anträgen gegen die Inden, sie seien jchädlich für Die deutschen Interessen. Ich will nicht Ihre politische Ueberzeugung einer Kritik unterziehen, aber es ist ofsensichtlich, daß Ihre Methoden nicht die des Anstandes, sondern die einer zügellose, i Demagogie ■b . . Herr Easterman hat' viel Wahres und Schönes in seiner Antwort an Goebbels geschrieben; auf die groben Verleumdungen des Herrn Tr. Goebbels, der behauptet, die Juden seien die Drahtzieher der Morde m Nationalsozialisten oder deckten diese Untaten Lurch die ihnen nahestehende Presse — wobei er ..jüdische", „kommunistische"' und „liberale" Presse in einen Topf wirst —, ist Herr Easterman nicht ausführlich eiugegangen. Mit Recht, denn die iSnwahrhaftigfdL solcher Behauptungen Lst so offensichtlich, das; ihre Widerlegung nicht lohnt. Auch Lst, trotz wiederholter öffentlicher Auffsrdcruugenvon den Nationalsozialisten noch nicht L« ei rr em einzigen Falle der Beweis für diese verbrecherische, volksverhetzende Behauptung erbracht worden — ja, noch nicht einmal der Versuch eines solchen Beweises wurde gemacht! Tie englische Teffercklichkeit hat für solche Haßfanfarcn jedenfalls ebensowenig Verständnis wie alle anständigen Ten.Lüchen. Und Kwrr Tr. Goebbels hätte sich und Deutschland diese Riesenblamage ersparen können, wenn er sich vorher über die nüchtern-sachliche geistige Haltung der Engländer und ihre Meinung über den Antisemitismus besser unterrichtet hätte. Aus den: Buch des kenntnisreichen Hermann K a n t o r o w i c; „Ter Geist der englischen Politik" hätte er lernen können: „Es trägt in den Augen des ritterlichen englischen Sportvolles nicht zmn Ansehen des kontinentalen Europa bei, das; dort so kleine Minderheiten gefürchtet und von so großen Mehrheiten verfolgt werden. Am unverständlichsten erscheint der englischen Sachlichkeit die deutsche Abart des Rasteantise^.ütismus im biologischen Sinne . ..." A. L. V J Ü Ü / i*y}/ ßy 'Oy w v v v V V V“v •& Jr 1^? W iMIml I. Tie politische Hochspannung des Jahres 1932 hatte bereits zweimal die jüdische Jugend Frankfurts ohne Unterschied der religiösen und innerjüdischen Richtung zu Veranstalrnngen unseres Landesjugendausschusses in außergewöhnlich großer Zahl zusammengeführt. In den beiden Ausspracheabenden mit den Themen: „Hat der C. V. versagt?" und ,WaZ fordert die politische Lage von der jüdischen Jugend?" war der Wunsch laut geworden, einmal im Zusammenhänge das Material zur Diskussion zu stellen, das für den selbstbewußten Juden in; polirischen Taaeskampse unentbehrlich sei. So ließ der Landesjugendausschuß den jüdischeil Jugendbünden und den einzelnen Teilnehmern der früheren Veranstaltungen Einladungen zu fünf im Abstand von einer Woche vorgesehenen Abenden zugehen; sie fanden solches Jnterepe, daß nach Eingang von 400 Anmeldungen eine Sperre ciurreten mußte. ll. Tas einleitende Referat des politischen Schulungskurses hatte der Syndikus des Landesverbandes, Tr. Martin Al a rx, übernommen. Zu dem Thema: ,Lllas antworte ich meinem politischen Gegner?" zeigte er an Hand von politischen Fällen, welches.Verhalten im allgemeinen und rm einzelnen den gewünschten besten Erfolg verspreche. Im Anschluß daran behandelte er aus der Fülle der immer wiederkehrenden unberechtigten Vorwürfe und Fälschungen das Kapitel von den .ßWeisen von Zion", den Ostjuden, vom „Abrückeu" und der „jüdischen Preqe". Ter Referent des zweiten Abends, Handelsredaktcur Lothar Bauer von der „Frankfurter Zeitung", behandelte das --chlagwort „Schaffendes und raffendes Kapital" und beschäftigte sich mit de:; antisemitischen Vorwürfen. die auf dem Gebiete der Wirtschaft gegen das Judentum und die Juden erhoben werden. Am dritten Abend sprach Rechtsanwalt Tr. Richard Mainzer, der Vorstände des Landesjugendausschusies, über „P o! i t i s ch e s u n d unpolitisches N e ch t". Er erörterte die Einflüsse der-Politik auf das Recht, die Funktion des Staatsgerichtshoses sowie die Bedeutung seiner Entscheidungen, berichtete an Hau) besonderer Beispiele über den politischen Prozeß als politische Institution und forderte einen intensiven Kamps um das Recht als Gebot der Stunde. Ter vierte Abend war einer Aussprache über „K u l t u r b o l s ch e w i s tu u s" gewidmet. Ter Referent Tr. Hermann G u nd e r s h e im er vom Kunstgewerbemuseum Frankfurt cr. Main zeigte, daß die mit dieser Phrase belegten Ericheinungen meist weder nur Juden und Judentum noch mit Bolschewismus etwas zu tun haben. Ter Beitrag der Juden zur Kultur und zur. Zivilisation in Geschichte und Gegenwart widerlegt die Anwürfe der Judengegner. In der bildenden Kunst, der Musik, im Schrifttum und in der Philosophie ist die Mitwirkung der Judenheit als rezeptiver, reproduktiver und *♦ schöpferischer Faktor von nachhaltiger, aufbauender Bedeutung. Von einem spezifisch jüdischen Einschlag in den Werken jüdischer Künstler und Denker kann im gegenwärtigen Augenblick kaum gesprochen werden. Ihre Schöpfungen reihen sich in die allgemeine Entwicklung ein. Aus der Forderung nach Autarkie des deutschen Geisteslebens sprich: Verkennung aller kulturellen Leöensnotwendigkeiten. Zu diesen Notwendigkeiten gehört auch die kritische Begabung der Juden. Es ist eine Verkennung des Wertes der Kritik, wenn man Liese Seite jüdischer Geistigkeit schlechthin als destruktiv bezeichnet. Ter Schulungskurs wurde vorläufig mit einer Auseinandersetzung über „I üdischer Marxismus" beschlossen, zu der Ernst H o lzer.^Frankfurt a. Main, den Auftakt durch eine Reihe von Leitsätzen gab. Ter Redner zeigte^die wipenschastliche Grundlage der Manschen Theorien und die politischen Konsequenzen, die von ihm selbst und von seinen politischen Freunden daraus gezogen wurden. Anschließend daran verfolgte er die Zusammenhänge zwischen Juden und Judentum einerseits und Marxismus bzw. Sozialismus und Kommunismus anderseits. Von „jüdischen Marxisten" könne nur in dem Sinne die Rede sein/daß es auch Juden gäbe, die sich zu der wissenschaftlichen Erkenntnis und dem politischen Programm des Marxismus bekennen; überall dortz wo von antisemitischer Seite von jüdischen Marxisten geredet werde, handle es sich um eine Vorächtlichmachung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorgänge und um die Austragung von ökonomischen und politischen Kämpfen mit unfairen Mitteln. III. Die Teilnahme an dem Schulungskurs war, wie eingangs bemerkt, so außergewöhnlich zahlreich, daß trotz strengster Kontrolle und Zulassung nur der vorher eingeschriebenen Teilnehmer. sämtliche Abende überfüllt waren. Daß bei einer so stattlichen Teilnehmerzahl ein Schulungskurs. int Sinne einer Arbeitsgemeinschaft nicht durchführbar war, ließ sich vorauslehen. Ties war eigentlich auch seitens des Laudesjugendausschufses nicht beabsichtigt, sondern den Teilnehmern des Kurses sollte an Hand eingehender nüchterner Erkenntnisse^ der rnt Mittelpunkt des allgemeinen Jnterepes stehenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vorgänge Waffen für den Abwehrkamps in die Hand gegeben werden, die sie in der Auseinandersetzung mit antisemitischen Gegnern praktisch vertuenden können. Auf die Fragen des praktischen Abwehrkampsi's bezogen, bauten' die Redner des Schulungskurses ihre Referate auf und beantworteten die non TcilnehmerseiLe zahlreich eingehenden Fragen in der Aussprache. Ta der Schulungskurs jedem Jugendlichen zugänglich war, fanden nch auch 311 jedem Abend etwa Zehn bis zwanzig Zionisten^ eiii, die die Auseinandersetzungen in ihrem ^inne zu beeinflussen versuchten. Einzelne der Abende bekamen dadurch zeitweise das Bild einer politi'chen Versammlung. Taunsere Freunde es jedoch verstanden. den Standpunkt des C. V. auch im Grundsätzlichen, nicht nur im Praktischen

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