Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 499 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mö U; gsrsch'L MssHr Herr Dr. Goebbels hat es für richtig gehalten, in dem bekannten englischen Blatt „The Daily Express*4 einen Artikel Zu schreiben: „Unser Kampf gegen die Juden". Die Nationalsozialisten, die Zwar sonst so viel von „nationaler Autarkie" reden und so tun, als ob die Meinung des Auslandes ihnen völlig gleichgültig sei, suhlen sich plötzlich veranlaßt, dem Ausland Zu erklären, warum sie judenfeindlich sind. Vielleicht ist inzwischen auch Herrn Goebbels ausgefallen, daß man im Ausland und insbesondere in einer Kulturnation wie England dem blindwütigen Treiben der Judenfeinde in Deutschland völlig verständnislos und ablehnend gegenübersteht. GZ ist ganz bezeichnend, was „The Daily Express" in einer Vorbemerkung zu dem Artikel von Dr. Goebbels sagt: „The Daily Express“ hat immer unzweideutig die Verfolgungen der Juden verurteilt. An dieser Stellungnahme hat sich nichts geändert. Aber seine Spalten stehen mit größerer Freizügigkeit als in irgendeiner anderen Zeitung für die Meinungsäußerungen von beiden Seiten offen, wenn es sich urn eine wichtige soziale oder politische Frage handelt. Im Einklang mit diesen Grundsätzen geben wir heute einer leidenschaftlichen Anklage gegen die Juden Raum, die von einem prominenten Führer der NSDAP, in Deutschland, Dr. Jos-f Goebbels. dem Berliner Führer dieser Be- und der rechten Hand Mols Hitlers, ,The Daily Express* identifiziert sich in keiner Weise mit den hier vertretenen Ansichten von Dr. Goebbels." Die Redaktion hat Goebbels' Artikel mit vier Bildern bedeutender jüdischer Männer illustriert, deren Leistungen in der ganzen Welt bekannt find und die nicht wenig zum Ansehen Deutschlands beigetragen haben, Rat Henau. Einstein, Emil Ludwig, Albert Ballin. Herrn Goebbels aber stellt das Blatt seinen Lesern mit sehr weit geöffnetem Munde vor einem Lautsprecher stehend vor. . Was hatte Dr. Goebbels den Engländern nun zu sagen? Man ist von ihm gewohnt, daß er seine Reden auf die Psychologie seiner jeweiligen Zuhörerkreise einstellt.' Dasselbe versucht er auch bei den Engländern. Er weiß, daß sür die Mehrzahl der englischen Bürger der Klassenkampf-Gedanke nichts Erfreuliches hat. Deshalb schreibt Goeööels: . . . ,Jn her ganzen Welt find die Juden die Väter der^tzdee vom Klassenlampf. Unter trügerischer Maske haben sie sim die soziale Zerrissenheit der Völker. für ihre eigenen Zwecke nutzbar gemacht. Sie haben Deutschlands innere Uneinigkeit dazu benutzt, um auf ihr die politischen Parteien der Zwwtramt, der Mißgunst und des Neides aufzubauen. Es war ein Jude, der den Marxismus erfunden hat — Mardochar Marx. — Es war der Jude Marx, der in frevelhafter Weise den Ideali-mus der Deutschen in undeutschen Materialismus ^verwandelte; die große historische Entwicklmig unserer Nation schob er auf das Nebengleise der reinen Berstandesherrschast. indem er sich weigerte, auch weiterhin bcn Wert der großen moralischen und geistigen Kräfte anzuerkennen, die bis dahin Deutschlands Größe ausgemacht haben. Hier liegt die Ursache und die Quelle des deutschen Zusammenbruchs." Und dann fährt er zur Rechtfertigung seines rücksichtslosen Kampfes gegen die Juden fort: „Je tiefer wir im Kot versinken unter dem Einfluß der inneren Uneinigkeit, um so mehr wachst ihr (der Juden) wirtschaftlicher und politischer Einfluß. Tenn er ist ausgebaut auf dieser Uneinigkeit. Unverantwortliche Journalisten der Gosse, die in der jüdischen Presse Deutschlands tonangebend sind, juih zum großen Teil dafür verantwortlich. Wir kennen nur zu gut die geheimen Fäden, die zwischen den Herausgebern dieser liberalen Presse und denen der bolschewistischen Blätter laufen. Wenn ein nationalsozialistischer Sturmtruppsoldat ermordet wird, nimmt die kommunistische Presse offen für die Mörder Partei. Die liberale Presse leistet ihnen dabei Vorschub, indem sie versucht, die schreckliche Natur dieses Verbrechens abzumildern und die Angelegenheit mit einer Zeile abzutun. Für uns steht fest, daß die öffentliche Meinung, die von der liberalen und kommunisti- 'chen Presse gemacht wird, nur noch im Ton ich unterscheidet, nicht in der Hauptsache. Wir laben f e st g e ft 1111, daß für diese Vergiftungen der öffentlichen Meinung einzig und allein die Juden veranwörtlich sind'). .Dr. Goebbels hat in einer späteren Nummer des „Daily Express"* eine Abfuhr erlitten, aus der er die stolze Selbstsicherheit ersehen kann, in der in anderen hochstehenden Ländern überzeugte Juden in selbstverständlicher Verbundenheit mit ihrem Vaterlande, anerkannt von ihrem Volke und ihrer Nation, leben. In seinem Artikel: „Meine Antwort an unsere Feinde: An Finna Hitler, GssSSels & Co., Zudenverfolger, Deutschland" schreibt L. A, Eesierman: - „Es ist gut, daß Sie eine große englische Zeitung als Mittel benutzt haben, Ihre Beschränkung auf Deutschland aufzugeöen, um sich der ganzen Welt in'Ihrer wilden Nacktheit als die Verleumder, Verfolger und Verunglimpfer einer großen Rasse zu enthüllen. Wir, die stolzen und ewigen Sohne Israels, kennen Sie gut. Wir trafen Sie Ln den brennenden Städten Aegyptens, wo Sie uns in barbarischer Sklaverei hielten und mit bestialischer Wild.hoit quälten. Wir trafen Sie wieder in den Arenen von Rom, wo Sie uns mit den christlichen Märtyrern gemeinsam den wilden Bestien zum heidnischen Festschmaus vorwarfen. - - Tann sahen wir Sie wieder in den engen Gaßchen von Mitteleuropa, den Namen Christi *) Von uns gesperrt. Die Schrifrleittrng. lästernd und mißachtend, als Sie Ihren Mob entfesselten zu Greueltaten, bis die Straßen von jüdischem Blut troffen. Und dann trafen wir uns wieder in den Folterkammern der spanischen Inquisition, wo Ihre Ahnherren Torquemada und seine fanatischen Anhänger die Juden auf die Folterbank schlugen. Und vor nicht allzu langer Zeit trafen wir Sie in den Pogromen des finstersten zaristischen Rußlands, wo wir blutend unter den erbarmungslosen Schwertern und Knuten der Kosaken lagen. # Im # selben Atemzuge behaupten Sie, wir seien die Erfinder des Bolschewismus und die Vorkämpfer des Kapitalismus. Wissen Sie nicht, daß Heinrich Karl (niemals Mardochai, wie Sie. Goebbels, behaupten) Bbarx, der Begründer des modernen Kommunismus, ein abtrünniger Jude war, der schon im Alter von sechs Jahren getauft wurde, eine christliche Frau heiratete und während seines ganzen Löbens ein erbitterter Feind seiner Stammesgemeinschaft war, die er als die ewigen Feinde des Sozialismus bezeichnet? Trotzki, Radek und alle die anderen find nicht mehr jüdisch als ^ie. sind ebenso große Judengegner. Wenn^Sie die Juden mit den negativen ^Lehren des Morrismus belasten,-sind Sie bereit, ihnen die edlen - Lehren Jesu Christi auf ihrem Konto gutzusch reiben? Und wenn die Herkunft der Maßstab sein soll, dann schreiben Lne auch, bitte, den Juden ihre Großtaten in Wipenschaft. Medizin, Kunst, Politik, Musik, Literatur und Staatsführung zu Wollen Sie es wagen, das Andenken eines Spinoza aus Holland, des Maimonidos aus Spanien und Disraeli aus England herauszrlbeschmören. wenn Sie mit heiserem Geschrei die Juden beschuldigen, „sie seien die brutale Verkörperung einer rücksichtslosen Geisteshaltung, die nur ans Geld denkt", um den Mob zu^ seinen Rachetaten gegen die Juden aufzu- . Sie beschuldigen die Juden in Deutschland, sie wollten den politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen. Und im gleichen Atemzug behaupten Laie, sie seien ausgekochte Materialisten, die nur nach iyrem eigenen Vorteil streben. Kein vernünftiger Mensch wird auch nur einen Moment auf Ihre phantastische Behauptung hereinfallen, daß praktische Menschen den Zusammenbruch herbeijühren, um ihren Vorteil zu sichern. Llber darüber hinaus ist diese Behauptung eine Verdrehung, die in gewissenloser Weise die Wahrheit auf den Kopf stellt. Es ist ein ungeheuerlicher Vorwurf zu sagen, die Juden in~ Deutschland hätten es fertig gebracht, ohne Schaden zu nehmen, den nationalen Zusammenbrnch zu überdauern. Im Segenleil, die überwiegende Mehrheit der deutschen Inden hat außerordentlich schwer unter dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der deutschen Juden gelitten. Tausende sind völlig ruiniert, ihre Geschäfte geschlossen. Pr. Ludwig KoISümcfer D’irekfor des Centralvereins spricht Sonntag, den 11, Dezember, vorm. 11 Vs Uhr, in der Synagoge Berlin-Wilmersdorf, Prinzregenfsnsfr. 69/70 Wssrym sind und bleib©!* wir Jyd©n