Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-12-09 · 50 (9.12.1932) · p. Seite 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
50 (9.12.1932)
Date
1932-12-09
Page
Seite 498 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277989--07678-2288606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

49S zehn nationalsozialistische Studenten anwesend waren, nochmals die „Reden" behandelt, wofür ihm mit großem Beifallgetrampel gedankt wurde. Die Behauptung Professor Börnhausens zielt offensichtlich nurdaraus ab, die Lehrtätigkeit Professor Marcks in den Augen der „nationalen Studenten^ herabzufetzen. DieArt der Verteidigung der drei Professoren hat auch in weitesten Kreisen der Universitätslehrerschaft großes Befremden hervorgerufen. ' Es ist vielleicht nicht ganz uninteressant zu hören, daß derselbe Herr Professor Bornhausen, der heute in der Ablehnung eines jüdischen Professors durch die Studentenschaft nur nationale Begeisterung sieht, sich vor noch nicht allzu langer Zeit in einer öffentlichen Versammlung in Breslau m i t Begeisterung als Schüler des jüdischen Philosophen, Hermann Cohen in Marburg bekannte, dessen Größe „als Mensch und Universitätslehrer" er in lauten Worten.pries. Es entbehrt auch nicht einer leisen Pikanterie, daß Professor Dr. Wegener, der heute den Nationalsozialisten nicht ganz fern steht, m engsten verwandtschaftlichen Beziehungen zu einer hochangesehenen Breslauer j ü d i s ch e u Familie steht. Die Ruhe, die im Augenblick an der Breslaueu Universität herrscht, wird in eiugeweihten Kreisen leider nicht als Frieden sondern nur als kurzer Waffenstillstand" angesehen. Wenn die nationale „Schlesische Zeitung" im Anschluß an eine Besprechung des . Disziplinarurteus den Vorschlag macht,, „man möge endlich Profeffor Cohn beurlauben, indem man rhm einen geeigneten Forschungsaustrag erteilt", und dann die Behauptung aufstellt, „es könne der StaatsautoritäL nicht zugemutet werden, sich an diesem denkbar unglücklichen Fall auf die Dauer totzureiten", so glauben w i r allerdings, daß die Staatsautorität dann am besten gewahrt werden wird, wenn Professoren und Studenten in gleicher Weise die Forderung erfüllen, - die vor wenigen Tagen die Konferenz der deutschen Hochschulrektoren als Leitsatz aufgestellt hat: „Die Hochschulrektoren lehnen rrnter Hinweis auf ihre Verantwortung gegenüber Staat und Wissenschaft das .Hineiutragen Der Parterpsliti? irr die Hochschulen ' .grundsätzlich ab“ Dr. Emst Fraenkel (Breslau). dluflge JusfchrsztLmgen; ßegsK MSM. fit Dolen Mit tiefer Erschütterung lesen wir von den schwerer: juden feindlichen Ausschreitungen in Warschau, L e m h e z g, Wilna, St r a - faxt und E 3 e n st ocha u, die zu schweren Vcr- 'lchungcu, ja zürn Tode einzetzrier Angegriffener und Angreifer geführt haben. Ten Ausgang haben diese Unruhen an den Universitäten genommen; sie haben sich aber über das Gebiet der Hochschule chnaus in viele?? Stödten sortgepslanzt. Allen denen, die voll Abscheu von diescn_j.Koheitsakten lc*cn und hören,^ seien sie eine Warnung. rechtzeitig und energisch gegen die Unruheherde an dentsche'li Hochschulen emzufchreitem damit nicht aus den -Ltätten geistiger Freiheit die Quelle geistiger Unfreiheit mb roher Gewalt auch in Deutschland werde. Die vsrr Tiegenhof Kurz vor Rausch Haschonoh waren in die Synagoge in T i e g e n h o f bei Danzig mehrere Nationalsozialisten eingedruugen, die den Boden sowie eine Tuchdecke des Almemor besudelten. Sie versuchten heimiückischerweise, den Verdacht auf kommunistische Tater zu lenken, konnten aber doch ermittelt werden. Tie Hau Pt toter find flüchtig; ein Mittäter konnte jedoch gefaßt werden. Er wurde vom erweiterten Schöffengericht wegen Gotteslästerung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. KöuLgsberger "Rowdys In Königsberg wurden am 1. August drei große Schaufensterscheiben zweier jüdischer Firmen eingeschtagen. Durch Zeugenaussagen konnten als Tater der siebenundzwanzigjährige Gärtner Erwin Hardt und der achtzehnjährige Autoschlosser Waldemar S u l t einwandfrei sestgestellt werden. Diese hatten sich nun vor dem Sondergericht wegen Sachbeschädigung zu verantworten, vor dem sie die Tat leugneten. Auf Befragen des Vorsitzenden gab Hardt zu, SA.-Mann zu sein. Snlr dagegen gab an, aus der SNDAP. ausgetreten zu sein. Er habe der Eisernen Front vertreten wollen, was sein Vater jedoch nicht erlaubt hätte. Er habe bei der Tat ja auch das Abzeichen mit den drei Pfeilen getragen. Der Staatsanwalt wies insbesondere darauf hm, daß die Attentäter des 1. August mehrfach eine andere Partei als die NSDAP, vorgetäuscht hatten, um sich der Feststellung zu entziehen. — Hardt erhielt eine Gefängnisstrafe von fünf, Sult eine solche von vier Monaten. 4 „Echt jüölsih" Nationalsozialistische Blätter, so „Die Rote Erde" in Bochum und „Der Freiheitskamps", Dresden, meldeten vor einiger Zeit — unter« der Ueberschrist „Echt jüdisch" —, daß in Bochum ein „jüdischer" Arzt, der nachts zu einem schwerverletzten S-A.-Mann gerufen wurde, dessen Behandlung mit der Bemerkung abgelehnt habe: ,L>r kann ruhig liegsnbleiben." Obschon diese Meldung von vornherein den Stempel der Unwahrheit trug, sind wir der Angelegenheit sorgfältig nachgegangen. Das Ergebnis der Nachforschungen war folgendes: Bei einem nächtlichen Zusammenstoß zwischen einem Polizeiwachtmeister in Zivil und S Ast Leuten in Bochum wurde ein S A.-Mann durch einen Schuß, der durch Leber und Milz ging, schwer verletzt. Ter in der Nähe wohnende, übrigens n i ch t j ü d i s ch e D r. F e l d m a n n wurde herbeigerufen und erschien schon nach wenigen Minuten am Tatort. Während der Untersuchung versuchte der Schwerverletzte sich aufzurichten und wurde dabei von zwei Kameraden unterstützt. Der Arzt, der die schwere Schußverletzung schon sestgestellt hatte, begegnete diesem Versuch mit den Worten: „Lasten Sie den Mann liegen, er muß jetzt ruhig liegenbleiben; hier hilft doch nichts mehr." Tatsächlich starb der Verletzte noch auf dem Transport in einem herbeigerufeuen Sanitüisauto an innerer Verblutung. Der Gegensatz zwischen der Schamlosigkeit der nationalsozialistischen Darstellung und dem untadeligen Verhalten des Dr. Feldmann war selbst für nationalsozialistische Au.genzeirgen des Vorfalls so groß, daß sie in seiner Praxis erschienen und ihm gegen ihre eigene P a r t e i p r e s s e ihr Zeugn »anboten. klebrig bleibt auch in dieser Angelegenheit wieder nur bie Feststellung, daß mir von einem roirklichen Burgfrieden noch sehr weit entfernt sind, wenn in Deutschland mit derartiger Skrupellosigkeit Volksschichten gegen Volksschichten ausgehetzt werden. a. r. * &iC,i trm las „D a s Evangelische D e rr t s ch - landch Die kirchliche Rn nv schau für das GesamLgrbiet dcö Tcurstb-EvanaAischcn KLrchettbnnvcs, vcröffciulichL neun Thesen, die der kl ns s t) tt sz für S e \) x t und Bekenntnis bc3 O L D e n b u r g i s ch e n G c n c r a l p r e d i g e r v e r e i n s als kirchliches Schlußwort zu dem oldcnburgisthen Streit um LlUigio« und Plaste ausgestellt hat. Sie erUlzaLteu ci::e eindeutige scharfe Ablehnung jedes Versuches, ans Abstannuunzsunrerschiedcu, rrcwur n:a:r sie nun Blut, slnste oder Stamm, die Berechtigung zn Hast und Abwertung gegenüber dem Andersartigen herzulcitcn. Tie Thesen tragen die Ucbcr-- schrift „Christlicher Glaube und Nasseforschung" und lauten: 1. Unter dem Gebot Gottes, des Schöpfers, stehend, glaubt und bekennt der bl)rist, daß Gott ihm sein Leben gegeben hat als einem Zugehörigen eines bestimmten Volkes. 2. Der Christ glaubt und bekennt, daß das Wort Gottes sich richtet an alle Völker, und daß es von jeder Rasse und jeder Kultur nach ihrer besonderen Anlage und Lebenskraft Gehorsam verlangt, daß aber auch die einzelnen Rasten zum Dienst aneinander berufen sind. 3. Ter Christ glaubt und bekennt, daß durch das - versöhnende Spjer Jesu Christi alle Menschen aller Aasten im Glauben in gleicher Weise der Liebe Gottes teilhaftig sind. Er lehnt daher, obwohl er um die unaushebbare Verschiedenheit der Aasten weiß, jedes hochmütige Herabblicken der einen Nasse auf die andere als mit fernem Glauben unvereinbar ab. 4. Ter Chris: glaubt und bekennt, daß alle rassischen Unterschiede der Menschen zu der „Gestalt dieser Wetzt" gehören, die am Ende der Tage ausgehoben wird. Deshalb ist ihn: die Schwachheit feiner Raste kein Grund zur Verzlveislung, . die stärke seiner Rape kein Grund, sich als von Gott besonders erwählt zu fühlen. Sondern er glaubt in allen Dingen, ob stark oder schwach, an die alles verwandelnde, erlösende Kraft Gottes, und dankt es Gott, wenn ihm auf Erden verliehen ist, in einem gesunden und starken Volk zu leben. 5. Ter Christ hat in seiner christlichen Verantwortung gegenüber den: Schöpfer die guten Erbanlagen seines Volkes zu erhalten und zu starken. Die Kirche wird daher immer sorgfältig auf die Ergebniste der wissenschaftlichen Rasseforschung echten wüsten. Der Christ wehrt sich aber dagegen, daß die Wissenschaft der Rastesorschmrg ihres streng Wissenschaft' lichen Charakters beraubt und in eine Weltanschauung verwandelt wird. Rasieforschuug gehört zur Naturwissenschaft, und es entsprich: der Sache, daß sie sich dieser ihrer Begrenzung bewußt bleibt. 6. Ter Christ nimmt zur Kenntnis, daß die wisienschaftliche Raffeforschung eine sogenannte „Religion aus den: Blute" nicht kennt. Sowohl von seiner Glaubenshaltung aus, die nur den einen Gott kennt, der sich in Christus offenbart und der durch die Schrist bezeugt wird, als auch von seiner wiffenschaftlichen Einsicht aus lehnt er jeden Versuch, eine „Religion ans dem Blute" zu konstruieren, als Götzendienst und Hirngespinst ab. 7. Der Christ nimmt zur Kenntrus. daß die wissenschaftliche Rassesorschung es mit biologischen Zusammenhängen zrl tun bat, daß also die Rasse eines Menschen noch nichts über seinen sittlichen Wert ans sagt. Auch in bezug aus die Raste gilt, daß der Christ als eia guter Haus- Halter der ihm verliehenen Gaben erfunden werden mttß. 8. Der Christ mcüY daß Religion als c\n geistiges Gut nicht auf eine einzige Raffe mif eine einzige „Artung" beschränkt ist. Die Raff?' forschung bestätigt, daß cs eine „AdoptimE, ch h. eine Uebernühw.L und Aneignung geistiger Güter von einer Raste zur anderen, gibt. 9. Der Christ weiß schließlich, daß die um aushebbar rassische Anlage seines Voftes durch oas Walten des lebendigen Gottes in der Geschichte gesonnt und geprägt wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.