Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 497 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dnzeigenprelle: 0M &*& für Ute Tgefpaltens Frrls naq s-.uöi.r;?3 üzeilsuKiesser Rr. 4, FarnUienarrzsigsn und Skllengrfuchr (nicht SLelleaangebste) für -auglirüer des Len trn ine re ins 0,13 &JZ.. die 62 mm breite NsttLmezeilr 33D -AJZ* E\ hi de?. Mmnrmf <bm ©er' Eueskme L USniveisU&i w&Merf- Während noch hie letzte Nummer dieser Zeitung im Druck war, hat der Kamps der NationalsozialistischLU Studenten und ihres mehr oder weniger anonymen Anhangs gegen Professor Tr. Cohn seinen Fortgang genommen. Am Donnerstag, dem 1. Dezember, kam es in der Universität zu neuen lärmenden Kundgebungen gegen Professor Cohn. Mchrere hundert Studenten harten sich in den Cangen gesammelt und störten durch Absingen von vaterländischen und studentischen Liedern die stattfindenden Vorlesungen. Auf Aufforderung des Rektors Professor Dr. Brockelmann erschien sofort in den Räumen der Universität ein großes Polizeiaufgebot, das. die Sänge absperrte und sämtlichen anwesenden Studenten -- fünfhundert — die Studentenausweise abnahm. Der N.-S.-Studentenbund quittierte die Maßnahmen des Rektors mit einem in der. Presse veröffentlichten . „Aufruf", in dem er erklärte, „daß der Kampf gegen Cohn nun auch gegen die maßgebenden Universitätsbehörden ausgedehnt wird". Kommilitonen! Wehrt Euch gegen den Terror, der um' eines Juden w i l l e n a u s e i n e r d e u t s ch e n Hochschule ein Zuchthaus gemachi hat. Burschen heraus!" Es wird im allgemeinen als mehr als ein Zufall angesehen, daß sich diese Demonstrationen um 11 Uhr abgespielt haben, nachdem von 10 b i s 11 Uhr der nationalsozialistische „Pg." B o r n h a u f c n, ordentlicher Professor der evangelischen Theologie, in einem Kolleg über „Ethik" sein volles Verständnis für die Studenten, „die in ihrem nationalen Empfinden über die Stränge schlügen", ausgesprochen und sich bereit erklärt hatte, jeden Studenten, der deswegen vor den Senat käme, zu verteidigen. Am Sonnabend, dem 3. Dezember, fand dann das Disziplinarverfahren gegen die dreizehn Studenten statt, denen die Teilnahme bei den Unruhen am 10. und 17. November nachgewiesen worden war. Neun Studenten, darunter auch der jüdische Student Goldschmidt, dem bei den Tumulten das Nasenbein zerschlagen worden war, wurden mit Androhung der Relogierung bestraft. Drei Angeklagte erhielten einen Verweis und einer wurde mit Nichtanrechnung des lausenden Semesters bestraft. Die Verhandlungen selbst dauerten zehn Stunden. Was von seiten der drei Verteidiger der „nationalen" Studenten", den Professoren Helfritz, Wegener und Bornhausen, zur Entlastung der Angeklagten angeführt wurde, verdient in aller Oefsent- Uchkert feftgeftellt zu werden. Nicht nur daß Professor H e l f r i tz in demagogischer Weise den Namen von Professor Theodor L e s - sing (-Hannover) in Lazarus Leasing" umzuändern beliebte, er glaubte mich, die maßlose Verbitterung der Studentenschaft aus der vieljährigen kulturellen Mißwirtschaft AUS DEM INHALT: Goebbels „Sturm auf England“ Seite 499 Stefan Zweig: Emst Lissauer zum 50. Geburtstag, Seite 501 Julius Bab: Völkisch für Kulturmenschen - Seite 503 Neue Bücher . . . . Seite 504 ff in Preußen erLären zu müssen. Im Anschluß an eine Ironisierung der polizeilichen Schutzmaßnahmen . meinte Helfritz, „man hätte .Professor Cohn liebereinenNaumindenKasernen der Schutzpolizei zur Verfügung stellen sollen". 'Als besonders befremdend muß aber die Art der Verteidigung, die Professor Börnhausen anwendete, angesehen werden. Er erllärte nämlich, daß „n i ch t n u r d i e B e a m t e tt des Ministeriums, sondern auch die Universitätsbehörden dem heu ti genstudentischen Empfinden fremd gegenüberständen". Im Verlauf seiner Verteidigungsrede stellte Professor Börnhausen die Behauptung auf: „Ein Unding ist cs, wenn heute der * Lehrer einer deutschen Grenzlandhochfchule Vorlesungen über Fichte hält und dessen alles aufwühlende .Reden an die deutsche Nation" erst auf Verlangen der bei ihm hörenden Studentenschaft erwähnen muß." Bornhaufen versuchte damit, nunmehr auch gegen den jüdischen Professor Tr. Marck, Ordinarius der Philosophie, zu Hetzen. Wir sind in Der Lage festzustellen. Das; Die Behauptung von Professor Born- Hausen über Professor Marck eine Unwahrheit ist. Professor Marck har im Sommersemester d. I. nicht eine Dorlesimg über Fichte, sondern ein Kolleg über „Geschichte der Philosophie im 19. Jahrhundert" gelesen. I m L a u f t dieses Kollegs kam Professor Marck bei der Be-- h a n d l u n g F i ch t e s auch auf die „Reden an die deutsche Nation" zu sprechen. In dem darauffolgenden Kolleg wurde Professor Marck in einer Eingabe, die ihm von einem uatiAurlsozialistischen Studenten der evangelischen theologischen Fakultät überreicht wurde, gebeten. Fichtes Reden näher zu behandeln. Professor Marck hat daun wunschgeinäß in der nächsten Stunde, in der fünf-