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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-02 · 49 (2.12.1932) · p. Seite 492

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
49 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
Seite 492 (sequence 4)
Language
German
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4Y2 Cg 99 /* V ^-4 »- | H 44 vVd v ^V *j Ssf v i? vV Zürn ersten Male in dcr^ Geschichte Amerikas find die deutschstämmigen Amerikaner zu einem Kongreß zusammengetreten, um das Problem der Erhaltung der deutschen Sprache und der Förderung deutscher Kultur in Amerika zu besprechen. Tie Notwendigkeit für diesen Kongreß, der Volte vier Tage dauerte, ergab sich aus der geringen Einwanderung, durch die ein Persiegen des Teutschtums zu befürchten ist, wenn nicht sichere Grundpfeiler gelegt werden, die eine Fortdauer deutschen JnteriiicS auch ohne neue Quellenzufuhr garantieren. Tie Erhaltung des Auslandsdeutschtums ist ein wesentlicher Faktor für die deutsche Außenpolitik. Auch die noch nicht eingebürgerten^ Deutschen, die im Laufe der letzten fünf oder sechs Jahre ins Land kamen, Habel« an dem Kongreß teilgenommen. Das eindrucksvollste Referat auf dein Kongreß wurde von Tr. Fritz Schlesinger gehalten, der sich mit den Problemen der Jungeinwanderer auscinandersetzte. Ter Kongreß repräsentierte also das gesamte Tenrschtum in Amerika. Pon den 51 Vortrügen, die auf dem Kongreß gehalten wurden, verriet ke'ms auch nur die Andeutung einer antisemitischen Einstellung. Nicht mit einem Wort wurde Hitler oder seine Ideologie erwähnt.' Eine Tatsache, die unzweideutig beweist, daß die Teutscheu in Amerika keinen Sinn für innerpolitische deutsche Parteifragen haben, sondern als Bürger Amerikas nur von dem Wunsch getragen sind, sich und ihren Kindern die Muttersprache zu erhalten und an der kulturellen Entwicklung der alten Heimat teilzu nehmen. Im Rahmen der Referate über deutsche , Kirchen sprach ich selbst über ,2Teutsiches Judentum in Amerika". Ich begann mit den Worten: Teutsch-Amerikanische Kongreß in New Port ist die beste' Widerlegung für unsere Gegner, die uns. zum Vorwurf machen, daß wir keine guten Teutschen sind,-weil wir uwer Judentum pflegen. Hier sind e:wa 500 TetegakwnewMus ganz Amerika vereinigt, die das gleiche tim, was wir seit Jahrtausenden getan haben. Tie, obwohl hineingewachsen in das amerikanische Volkstum, sich ihre deutsche Sonderheit, die in Sprache und Kultur verankert ist, zu erhalten streben." Mit Lllolz koimte ich auf die Treue Hinweisen, die deutsche Juden, die nach Amerika ausgewandert sind, ihrer Heimat bewahrt haben, wie die Verleihung der Medaillen des Münchener Museums an den kürzlich verstorbenen Julius Rosenwald und Felix Marburg, die sich um. das Museum große Verdienste erworben haben, beweisen. Hervorragend ist auch der Anteil der deutsch-amerikanischen Juden an dem Ausbau und der Erhaltung des „Deutschen Hauses der Columbia-Universität" in New York, einen: Wahrzeichen deutscher Kultur in der Metropole. Tie Bedeutung, die die deutsche Sprache für uns Juden hat, faßte ich in den Morten zusammen: „Was Luther für die Reformation des Christentums ist, wurde Moses Mendelssohn durch seine Bibelübersetzung für die Neuorientierung des Judentums. Seine Ideen, die vom Geiste deutscher Philosophie durchdrungen waren, erfaßten die Welt und schufen eine jüdische Wissenschaft, die in ihren Grundzügen auf deutsche Denker aufgebaut, in deutscher Sprache niedergeschrieben ist. Bis zur Gegenwart sind die wesentlichen wisienschaftlichen jüdischen Forschungen deutsch gedruckt. In den letzten Jahren ist der Chassidismus, der bis vor wenigen Jahren der westeuropäi''-chen Welt unbekannt gewesen ist, durch die Schriften Martin Bubers den in zivilisierten Ländern lebenden Juden zugänglich geworden, rt die Kabbalah, die nur durch sehr vage Verbsstntlichun.geu nichtjüdischer Gelehrter bekannt war, den nicht hebräisch und aramäisch vergebenden Inden durch Jne deutsch geschriebenen Arbeiten Gerhard rrcholems in logischer Klara Ar erschlossen worden." Von Einfluß auf die Volksstimnruug der Besucher deutscher Kirchen ist das Bestehen des „Interkonfessionellen Verbandes deutscher Geistlicher", dem die geistlichen Führer aller deutschen Kirchen angehören. Ter Gedankenaustausch der Geistlichen, die einmal im Monat Zusammenkommen, hat sich für alle Religionsgemeinschasteu ausgezeichnet ausgewirkt, und ich muß gestehen, daß ich bei keinem meiner Amtsbrüder, welchem Glauben sie auch angehören, irgendeine unfreundliche Haltung m B-eziehung auf Juden gefunden Habel Wenn es noch eines Beweises bedurfte, so hat der Kongreß untrüglich gezeigt, daß die Teutsehamerikaner sich von der Hitler-Bewegung, die einige halbwüchsige Jünglinge hier zu verbreiten versucht haben, frei zu halten wünschen. Vor kurzer Zeit ging durch die amerikanische Presie die Nachricht. Hitler beabsichtige einen besonderen Vertreter nach Amerika zu entsenden, um seine Gruppe hier aufzuziehen. Schade um das Reisegeld. Vielleicht wird es ihm so gehen wie Ahlwardt, der vor 30 Jahren nach Amerika kam, um den Antisemitismus hier zu verbreiten. Eine große Versammlung wurde in dem damals stark deutschen Vorort von New Jork, Hoboken, abgehalten. Am anderen Morgen aber fand man Ahlwardt stark allgeschlagen im Rinnstein einer Straße, und schon das nächste Schiss brachte ihn wieder zur Heimat zurück. Rabdr Max Malina (New York) IrmskMUhr MsHsrrsMsr Aue Aufführung öes „ßcröc" Tie deutschen Inden Haber: gegenwärtig wahrlich keinen Anlaß, durch innerjüdische Auseinandersetzungen die Geschlossenheit, die die augenblickliche Lage verlangt, zu gefährden. Es ist deshalb besonders frivol und unverantwortlich zu neunen, wenn gewisse Kreise durch Herabsetzung und Verächtlichmachung des innerjüdischen Gegners die Gegensätze aufs neue entfachen. - Tie zionistische Propagandatruppe „Barak", mit deren erstem Stück „Tie einzige Lösung" wir uns bereits in Nr. 15 der „C. V.-Zeitung" vom 8. April d. I. beschäftigen mußten, zeigt nunmehr chr zweites Stück „Einer von uns"; hier wird der Weg eines jungen jüdischen Menschen vom jüdisch-indifferenten Elternhaus über antisemitische Schule und Hochschule ins praktische Leben. zur endlichen Eingliederung in die zionistisch-sozialistische Front dargestellt. Leiden geht es auch diesmal nicht ohne heftige, ja sogar persönlich verletzende Polemik ab. Ein beträchtlicher Teil des Stückes besteht nämlich aus Angriffen auf den Eentralverein, feine Ideologie und seine Arbeit. Tie Methode, Anschauung und Betätigung des Gegners in ihrer wahren Bedeutung zu verkleinern, um damit ihre Sinnlosigkeit und Unfruchtbarkeit leichter ..beweisen" zu können, ist auch in diesem Stück beibehaltcu worden. Bereits am s. April d. I. schrieben wir in diesen Blättern: „Wir fühlen uns nicht getroffen. Biel zu weit sind wir von dieser oberflächlichen, phrasenhaften Beweisführung entfernt, und viel zu genau erkennen wir die Absicht, die darin liegt, die Cegenposition möglichst flach und entstellt darzustellen, damit man nachher um so siegreicher gegen sie zu Felde ziehen kann. Wogegen wir uns auflehnen, das ist die billige und verderbliche Art und Weise, in der hier Jugendliche und ihre Zuhörer verhetzt werden. Das ist nicht mehr positive Erziehungsarbeit für die geistigen Werte einer Idee, sonder:: die systematische Diffamierung des jüdischen Gegners." Was wir damals schrieben, gilt für das neue Stück nicht nur Wort für Wort, es gilt sogar in noch stärkerem Maße. Diese Agitationsweise zeigt nur allzu deutlich, wo die wirklich Schuldigen für die Störung des innerjüdischen ..Friedens zu suchen sind. Tem Stück gingen einleitende Worte eines jugendlichen Sprechers voran, die sich nicht etwa mit der Begründung und der Zielsetzung der zionistischen Idee beschäftigten, sondern fast ausschließlich gegen den C. V. gerichtet luaren. Nicht nur mit ironischen Auwür'en versuchte der Redner die Arbeit des Cenirawereins ve räch Aich zu machen, er scheute auch nicht vor Entstellungen zurück. ’ So behauptete er, daß die „C. V.-> Zeitung" zur Zeit des Abschlusses des Loearlw- Paktes für die friedliche 'Vcrstäudrgung der Völker eingetreten sei, in der Aera Papen aber die Ausrüstung propagiert habe. Tie „C. V.-Zeitung" hat weder das eine noch das andere getan, weil sie zu Fragen der Außenpolitik keine Stellung zu nehmen hat und auch keine Stellung nimmt. Um eine angebliche Zwicspältigleit in der Haltung des Eentralvereins zu beweisen, greift man skrupellos zu unwahren Behauptungen. Aehnlich ist die Beweisführung im Stück selbst. In einer Szene „Heimatland C. D." konnte man keine bessere Illustration finden als eine Karikatur des Direktors des Ceutralvereins. Geradezu widerlich war eine andere Szene, in der ein nationalsozialistischer Hetzredner, der vor einer Gruppe weißhemdiger Jünglinge mit Hakenkreuzen antisemitische -Reden halt, einem C. D.-Dertreter gegenübergeftellt wurde. Tiefes in Darstellung-weise, Inhalt und Tonart höchst würdelose Schauspiel endete mit dem Abmarsch der Hakenkreuzjünglinge unter Abstngung eines nationalsozialistischen Kampfliedes und unter Bezeugung der Verachtung gegenüber allen deurschbewußten Juden. Bei dieser und späterer Gelegenheit wurde versucht, namentlich die Aufklärungsarbeit und die Aufklärungsliteratur des Eentralvereins herabzusetzen. Tiefe wenigen, aber kennzeichnenden Beispiele mögen genügen! Es war nicht zu verwundern, daß sich bei solchen Szenen lebhafter Widerspruch im Publikum geltend machte. Fragen und Zwischenrufe, ob das „die jüdische Einheitsfront", der vielgenannte „Klal Jisroel" sei, und ob man keine anderen Sorgen habe, waren leider nur allzu berechtigt. Selbst die „I ü d i s ch e R u n d- {ch a u", das offizielle Organ der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. mißbilligt in der Besprechung der Berliner „Barak"-Aufführung derartige Auseinandersetzungen mit dem innerjüdischen Gegner, wie sie im „Barak" in diesem Stück gezeigt wurde; denn sie schreibt in.ihrer Nr. 93 vom 2*2. November u. a. folgendes: „Biele Zionisten sind nicht der Meinung, daß zur Erzielung einer entsprechenden Prvpagandawirkung erforderlich ist, die Gegner des Zionismus in allzu primitiver Weise zu karikieren . . . Es wäre u. E. zu wünschen, daß der „Barak" dieses sein zweites Stück einer Umarbeitung unterzieht, damit die zweifellos sehr guten und wirkungsvollen Ansätze, die auch in diesem ^rück vorhanden sind, zu uneingeschränkter Wirkung gelangen. Diesmal gab cs bei der Erstausführung . . . einige Zivischonfälle, da anwesende Nichtzionisten an manchen stellen laut protestierten." Unsere Stellung im innerjüdischen Level! kann llnd ivird durch solche herausfordernde!: Machenschaften niemals beinträchrigt werden. Jeder vernünftige. verantwortungsbewußte deutsche Jude aber ivird in der Ablehnung eines derartigen unsachlichen Kampfes mit uns einig sein.

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