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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-25 · 48 (25.11.1932) · p. Seite 483

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
48 (25.11.1932)
Date
1932-11-25
Page
Seite 483 (sequence 3)
Language
German
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MinDsFähmal/urdiegsfciIäeiitendszzüfcMenJmlsm 3n diesen Tagen ist das vom „Reichsbund jüdischer §ronisoldaken" hsrausgegebene Gedenkbuch „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen ITZötine und der deutschen Schuhtrupxe 1914—ISIS“ erschienen. ReichsWehrrninistsr c. D. Croencr, dem wir das Buch mit der Bitte um Besprechung übersandten, stellt uns nachstehendes Schreiben zur Veröffentlichung zur Verfügung: Berlin-Steglitz, 1. November 1932. Sedanstraße 16. Sehr geehrte Schriftleitung! Für die freundliche Uebersendung des Eedenlbuches sage ich meinen verbindlichsten Tank. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten hat damit den gefallenen Kameraden ein ehrendes und schönes Denkmal gesetzt. Ich begrüße das sehr, weil betn ganzen deutschen Volke in eindringlichster Weise gezeigt wird, daß auch unsere Mitbürger jüdischen Glaubens im Kriege ihre vaterländische Pflicht in vollstem Maße erfüllt und durch schwere Blutopfer ihre Volksverbundenheit besiegelt haben. Das Gedenkouch spricht für sich selbst und bedarf keines Kommentars. In einer Zeit irrsinniger politischer Zerrissenheit des deutschen Volkes sollte die Ehrfurcht vor den Gefallenen ein unzerreißbares Band bilden, das uns alle eint. Möge das Sedeukbuch in diesem Sinne wirken, das ist mein aufrichnger Wunsch. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener „Ta ich hier nun von Zahlen fprcdje"^ so führte er u. a. aus, „mochte ich auch die Zahl 12 000 vergleichen mit der Zahl der deutschen Sefamtzifser von 1 880 000 Gefallener überhaupt. Tiefe Zahl verteilte sick^ relativ verschieden auf die verschiedenen stände, Religionsgemeinschaften usw. Es lassen sich keine eindeutigen Zahlen geben. Auch die verschiedenen Religionsgemeinschaften haben sehr verschiedene Ziffern, ferner die verschiedenen Stande, ja, sogar bei den einzelnen deutschen Ländern, wo man es nicht erwarten sollte, da die Stände einigermaßen gleichmäßig vertreten sind, finden sich verschiedene Zahlen. Die jüdische Bevölkerung hat im allgemeinen die gleiche Gesallenenzisfcr wie die deutsche Volksgruppe, der sie angehört. Hierbei rt zu berücksichtigen, daß die jüdische Bevölkerung zürn größten Teil eine großstädtische Bevölkerung ist, seitdem sie in den Tagen der Kreuzzüge, wo sie auch hier in Deutschland als Ackerbauern lebte, in die Städte getrieben worden war. Ilm zahlenmäßig einen Vergleich zu geben, greifen wir heraus eine geschlossene großstädtische Bevölkerung, und zwar München. München hatte 1914 645 000 Einwohner. Tie Münchener Bevölkerung hatte einen Kriegs. Verlust von 13 725. Die Stadt München entspricht etwa im Durchschnitt der Größe der Städte, in denen die Juden hauptsächlich leben. Und wenn Sie die jüdische Ziffer von 12 000 Gefallenen bei 555 000 Juden insgesamt mit jener Münchener vergleichen, so werden Sie Ter Rerchsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete im dem großen Saal des Reichswirtschaftsrat eine würdige Feier, um das von ihm geschafsenL Eefallenengedrnköuch der Oeffentlichkeit zu übergeben. Vertreter der Reichsregierung uns der preußischen Staatsregierung, der Heeresmacht und der Kriegerverbände wie des Reichskriegerbundes „Kyffhäuser"/der republikanischen Kriegsteilnehmer, des Reichsbanners, des Stahlhelms, des Bundes ehemaliger Kriegsgefangener und der Kriegsteilnehmer-Akademiker, der Polizei sowie vieler anderer Verbände füllten den großen Saal bis auf den letzten Platz. Der Vorsitzende des R. j. F., Mitglied dos Hauptvorstandes des C. V., Tr. Leo Löwenstein, sprach kurz und fachlich über Entstehung und Bedeutung des Eedenkduches. Er wies nach, daß die Zahl von 12 000 jüdischen Gefallenen durch das Ergebnis des aufs sorgsamste gesiebten und bis zum Einzelfall belegten Sammelwerkes bewiesen sei. bemerken, daß das Verhältnis beider fas: identisch ist, nämlich 2,1 Prozent der Geiamtbevölkerung. Wir dürfen daher sagen, daß die jüOische Bevölkerung in diesem Kriege Opfer an Gut und Blut genau so wie die deutsche Bevölkerung, unter der und mit der sie lebte, gebracht hat/ Tr. L 5 w e n st e i n erläuterte in seinen weiteren Darlegungen den Sinn des Kriegsopfers für die heute lebenden deutschen Juden: „Vielleicht wird dieses Opfer der 12 000 dazu führen, daß wir es nicht mehr nötig haben, es als besonderes Opfer der Judenheck in Deutschland hervorzuheben, sondern daß die weitere Entwicklung der deutschen Verhältnisse eine solche sein wird, daß nur deutschen Juden aus unserer Eigenschaft als Juden nicht die mindeste Zurücksetzung erfahren von seiten unserer nichtjüdischen Mitbürger, weder in staatsbürgerlicher noch in gesellschastlicher oder in wirtschaftlicher Beziehung, noch in irgendeiner Beziehung, die im Verkehr zwischen den einzelnen Bürgern des Landes auftreten kann. Wir wollen hoffen, daß. nachdem sich zu mancher anderen Leistung der deutschen Jndenhcit für die Macht Deutschlands in der Vergangenheit und auch in der Zuknnft nun auch dieses Opfer der 12 000 zugesellt, derartige Zurücksetzungen aisrliorcu werden. Selbstverständlich kann solche Gleichberechtigung und ‘ Gleichachtung nur darauf beruhen — und sie wird auch nur dann von uns entgegengenommen —, wenn jeder einzelne von uns deutschen Inden in jeder Beziehung, frei und aufrecht sein Judentum vekennen und leben kann, wie er es auf Grund seiner inneren Ueberzeugung anffaßt, wobei es nichts ausmacht, daß diese Auffassungen unter uns auch recht verschieden sind. Ich glaube auch, daß es für unser ganzes deutsches Volk nur erwünscht sein kann, daß wir diese Forderung stellen. Das deutsche Volk kann in seiner 'Gemeinschaft, in seinen staatlichen Organisationen und in seinen freiwilligen Einrichtungen nur Männer gebrauchen, die aufrecht und frei den Wert eines viele Jahrhunderte alten ethi'chen und rcligiöfen rassischen Erbgutes Hochhalten. Das Opfer der 12 000 jüdischen Gesallenen gibt uns das Recht, das zu verlangen, und eZ gibt dem deutschen Volke die Gewähr, dem Varerlande damit keinen schlechten Dienst zu erweisen. Wenn dies einst die Wirkung dieses Opfers werden sollte, dann ist es für uns alle ein Segen gewesen. Das ist der Sinn des Buches, des Denkmals der gefallenen jüdischen Soldaten der deutschen Wehrmacht im Weltkrieg. Aber wir wollen uns heute schon bewußt sein, daß auch diese einst im Kriege gefallen sind Seite an Seite, in treuer Kameradschaft mit ihren nichtjüdischen Kameraden. In jenen Jahren höchster Slot, da war eigentlich schon eine Schicksalsgemeinschaft zwischen uns allen, die gezeigt hat, daß das, was ich hier als Wunsch für die Zukunft auSspreche, draußen und in jenen vergangenen Zeiten weitgehendst erfüllt worden war. Möge das damalige Erlebnis dahin führen, recht bald das zu bringen, was ich eben verlangte . . / Dr. Lowensiem übergab dann das Buch dem Vertreter des Reichswehr- Ministers, dem Chef der Dehrmachlablellung, Oberstleutnant Olk. Dieser nahm das Buch entgegen und führte aus: „Meine Herren! Ich habe die Ehre, Ihnen im Auftrag des Herrn ReichSwehrminnterS hier in dieser feierlichen Stunde zum Ausdruck zu bringen, daß wir dieses Gedenkbuch unserer jüdischen Kameraden, die im Weltkrieg gefallen sind, in hohen Ehren halten werden Zum Gedächtnis dieser treuen und echten Löhne unseres deutschen Volkes/ Tie sehr würdige Feier wurde durch einen Vortrag des BundcSgeschäftSsührers Tr. Ludwig Freund über den Sinn des Frontgeistes geschlossen. ,.Was ist Frontgeistsi so fragte er? ..Frontgeist ist der Geist des Zusammenstehens. Frontgeist ist der Geist, der alle, die dasselbe^ Schicksal trugen, eint. Frontgeist ist der Geist, der bereit ist. alles zu opfern; es ist der Geist, der im Angesicht des Todes zutiesit erlebte, daß wir alle Bruder und Schicksalsgefährten sind, so weit der Raum der Nation reicht, daß wir alle ein Schicksal erdulden werden bis in alle Zukunft, so lange wir aus diesem Raum Zusammenleben Und diese Erkenntnis und dieses Bewußtsein gaben dem Opfertod da draußen seine Weihe. Die neben uns gefallen sind, die wir neben uns haben sterben sehen, sind nicht gefallen für den Egoismus, der heute die Glieder eine? Bolle? auseinanderreißt. Die draußen gefallen sind, starben tn dein Glauben, daß ein einiges, ein großes. cm siegreiches Volk die Geschichte überdauern wird. Und wir haben ihr Vermächtnis übernommen, ein Vermächtnis der Volksgemeinschaft.;ür das Hetakomben von Blut geslofselt sind. Wir haben das Vermacht» nis tumtcr toten Kameraden übernommen, das Vermächtnis, das besagt, daß das Vaterland eine Idee ist, der man alles, aber auch jedes persönliche Interesse unterordnet. Wir sind infolgedessen als Frontsoldaten von rechts

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