Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 48 (25.11.1932)
- Date
- 1932-11-25
- Page
- Seite 482 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Fioeckl - FCcndschuhe n v :i S~- s ,, 27 eigene* Filialen "1 in allen grosseren -' Städten, des Reiches Holländer, urrd Sywdkb.rs Dr. Alfred Wiener eine Unterredung im preußischen Kultusministerium über den Breslauer UnwersibätsskandaO Die inzwischen — wie aus den Tageszeitungen bekannt — erfolgte Berufung von Professor Co hn in die luristischePrüstmgZkommission beweist, daß^die Behörden den Kamps gegen die'versapungswidrigen ^Bestrebungen der nationalsozialistischen Studentenschaft durchzuhalren bereit sind. Boi der Wiedereröffnung der Universität amMittwoch, dem 23.Novernber, verteilte die D e u t s ch n a t i o n a I e I ugendfro n t (Teutschnationale Studentenschaft) ein Flugblatt, in dem sie die nationalsozialistischen Studenten warnt; es wäre „ruwrrantworMch, Vre Ksrirnrilitsnen jetzt zum weiteren tätlichen. Widerstand aufzufordern rrnv Damit ins Zuchthaus zu bringen". Weiter wird dom Nationalsozialistischen S t u d e n t e n b u n d zum Vorwurf gemacht, daß er, obschon er die absolute Mehrheit in Vorstand und Kammer der Freien Breslauer Studentenschaft hatte, den Protest ^gegen Prosepor Cohn nicht gleich bei dessen Berufung eingelegt habe; der n a t i o n a l s o z i a l i st i f ch e n Fraktion im Preußischen Landtag wird schließlich die Mitschuld an der Bemfung von Professor Cohn zur Last gelegt — weil die Nationalsozialisten im Preußischen Landtag trotz des Drängens der Teutschnationalen versäumt hätten, rechtzeitig den preußischen -Ministerprästdeuten zu wählen . . . Das Flugblatt ist also ein deutliches Abblasen des tätlichen Widerstandes gegen die Vorlesungen Professor Cohns, zugleich aber auch die laute Bekundung, in der — sagen wir — geistigen A b l e h n. u n g von Professor Cohn fortzufahren. ^Taß die Nationalsozialisten und deren Presseorgane nicht diese Bahn betreten, sondern weiters Drohungen ausstoßen und insbesondere ihre Hoffnung auf eine neue Regierung setzen, die ihren Wünschen gefügiger ist, war zu erwarten. Warum „aus§rrschnst -er Iuös €0^1" I Tie Nasim'.alchosiallftcn haben im Pr.u'".' ’en Landtag eine Anfrage gestellt^ warum^ ,,cuw-gerechnet de:n Juden Cedn" die Vrostssur in tz'rr-.- fau fiejcbcn worden sei. Nacbstebende^ (/rinne* runden geben die beste Antwort aus diese Frager Vielleicht ist als Epilog zu den Breslauer Vorgängen die Erinnerung angebracht, wieviel gerade "Breslau seinen jüdifichen^ Hoch sich ullehrern verdankst vorerst soll die philosophische Fakultät als markanter _Beweis angeführt werden, in der fünf j ü dt sehe Droinutieii jahrzehntelang gleichzeitig wirkten, die zeitlebens ihr Wissen der Ahun matar gonstdmet hatten. A w teua> kender Stern arn wiffeujchaftlichen Himnwl _ gilt Ferdinand C o h n in der gesamten Käst Urwelt, der Gelehrte tm Weltruf, der Begründer .der Bakteriologie, der Stolz der Univeru.ät und der ctaLr, die ibn zrr ihren Ehrenbürgern rvchlte.. — Der Vlathomatcker Jakob tta* Hcrn e U. dessen ^Wertschätzung inr Kreise des Lehrkörpers in seiner Wahl zum. Nestor 'tu:** druck fand und der später bei der Feier seines goldenen DottortubilamnZ durch ein Diplom ausgezeichnet wurde, aus dem sinnge mä ß die charakteristischer Schlußsätze hier wieder"- gegeben seien: «... Endlich haben Sie für das gesamte Leben unserer Universität, der Sie mir treuestem Heirnrrtsgefühl anhingen. stets die tätigste Teilnahme gezeigt. Gckchäftitcmitrris, ruhige Sachlichkeit und wohlwollende Gesinnung gegen stden ernzeknm, der Der Förderung bedurfte mrd würdig war, das waren die Grundzüge Ihrer akademischen Tätigkeit, die sich besonders glanzend bewährten, als >--ie mit Gluck ruch Würde unseres höchsten Amtes walteten. Tie Universität dankt für Jüre.Dienste unll> freut sich Ihrer Persöu lichte ii als eines B e s i tz t u m s von hohem Wert. Möge die lebendige Wechselwirkung des freundschastllchen und wipenschastlicherr Verkehrs, in dem Sie auch in-Ihrem wohlverdienten Ruhestände mit vielen, auch jüneexen Kollegen ge* blieben sind. Ihnen und uns noch lange erhalten bleiben." — Jakob Caro, der Erforscher der Polengeschichte, der Philosoph und Spinoza-Forscher Jakob Freudenthal, der Orientalist ^iegmund Fraeutel, der Lehrer des jetzt amtierenden Rektors. Der _ momentan als Kampfplatz dienenden ju r i ft i sch e 11 Fakultät gehörte Jakob F r i e d r i ch B e h r e n d an, der in Greifswald als erster Jude zum Rektor gewählt und, nachdem er an der Breslauer Universität einige Jahre gewirkt hatte, auch erstmalig als Jude au das Reichsgericht berufen wurde. Aus der Reil^ der jüdischen Mediziner, denen trotz anerkannter Bedeutung das Ordinariat vorenthalLmr blieb, sollen nur Zwei Männer genannt werden — der bekannte Hermann Cohn, der in eigener Klinik Hunderttausende von Angenkranken heilte, und der Ohrenarzt Jakob GotLstern, den ebenfalls m ferner auf eigene Kosten unterhaltenen Klinik unzählige Patienten behandelte. ^Liedaol Fraenkel (Breslau). Fosi'ocker SLu-sntsnschaft bricht öie ReichsssrfQjMt-§ Ter AuIsehuZ der Rostockor Studentenschaft hat vor mehreren Wochen mit neben Stimmen der Nationalsozialisten und zwei Stimmen der Korporationsvertreter gegen drei Stimmen der ^tahlholmstudenten eine neue Berstsiang für die Kostocker Studentenschaft angenommen. Die Satzung ist damit noch nicht in Kraft getreten, sic bedarf vielmehr noch der Genehmigung des akademischen Senats rmd des mecklenburgischen S t a a 12 m 1 n t ft er i um s. Diese Angelegenster!, die sich vorläustg nur auf die Universität Rostock bezieht, ist von besonderer Bedeustcng. Tie Deutsche Studentenschuft, jener national;oziastsw'sta Verein, der sich mrt diesem lltmnerr immer noch darr Anstrich einer allgemeinem siudensss'en Vertretung gibt, will hier in Rostock mir güniger Unterstetzcrng des ruccklen'eurai'fchen. Klinisterpräsideitten von Hitlers Gnaden den -Versuch machen, sein neues Studentenrrast, das er auf dem Könrgsberger ^tudentcntag. beschlossen hatte, in die Tat umzusetzen. Nach 1 dieses neuen Studontenrcchtes bilden an sich die Studenten d e u t f ch c A d - ftammnn jj die Studentenschaft: „sremdftämmige deutsche Skaaisangestörige" — ins Vulgärdoutscho übersetzt also dre Inden -^-müssen erst einen besonderen Anstag sstlstn, um sihrs Aufnahme za erreichen. Man versucht michdstser Formulierung, wie das der naLionalsozialiftische Vorsitzende der D. St., ein gewisior Gerhard Krüger, auch zugegeben hast Len Artikel 1C9 der Reichsversasiung bewußt zu umgehen. . Man hat hier einen neuen Weg gckuuden. . beu Juden, wem: man sie schon nicht cuuz ausschlieste-'. kaum doch z-n zeigen, da ft sic nur Löenfchcn. zweiter Klasse sind. Das Judenabzeick^n des L-tirtelalters soll hier für unsere studierende Jugend in neuer Foruv eingcführt werden. Wir nehmen nicht au, Last des tneef« lenburgi'chc SmatsminiÄrimn es wogen wird, diese Nutzung in^ Krcrst Zu setzen und so einen deutlichen Verstuumgsstcuch zu begeben. Sollte es aber krctzdem gescheb-cn, so werden wir gegen die Satzung mit aller Mackst anzukärnpsen wissen. — N63. „öd W v^IuZsn wgLn" Unter der Ueberschrisk „6b C. V. - Inden tagen" wartest ..Der Nationalsozialist^ in Weimar, wenn auch verspätet, in großer: Aufmachung mit einer ^ensatiolr auß. die also beginnt: „Am 23. 9. 1932 tagten in einem Mützlharrser Lokal Zirka 60 Juden, die sich einen Redner aus Berlin verschrieben hatten. Kennzeichnend für die Zusanuuenknnfr ist, daß die Inden ih-ren Raum nwst durch das 2vlat an fürchten, sondern, durch eine Tür, die direkt in ihr Jimmev führte, in dieses gelangten, so das; die im Lokal bcfrndlrchcn Gäste von der Tagung uichts mcrkcrr terrrctrrr. ' Trotzdem gelang es einem Nationalsozialisten, den Vovtrag Zun: Teil ürrzuhörLN." Der Referent des Abends, an dem sich fast die ganze Mühlhäufer Gemeinde ein Stelldichein gegeben batte, war der Syndikus des Landesverbandes Äittcldeutschlcmd/Artur Schweriner, der mit der demagogischen und lücenstaften Kampfcsweise der Nationalsozialisten abrechn.ete, so daß der Horcher an^der Wand, wie alle Horcher, seine ergene ^chand' hören muiste. Kein Wunder, daß er seinem Parteibllstt das Gegenteil von dem mitgeteilt hat, was Schweriner gesagt hat, um dann mit geradezu . „orientalischer Pb.amasiM ans den Fingern Gesogenes hinznznlügen. Während der unsichtbare „Berichcerstatter" ans seinem Vmsteck dem „Nationalsozialisten" vl a. meldete. Lchwermer hiebe gesagt: „Man müßte versuchen, sich dis SPortvcrbsindo, speziell die Deutsche erurneoschast, gefügig zu erhalten, denn wenn wir Juden wollen, find morgen diese Verbände pleite", hat der Referent des Abends in Wirklichkeit eindringlich daraus hingewiesen, daß svnge jüdische Menschen dort, wo sie in der Derrtscherr Turner schast rnrt ihrerr christlichen VoLksgcuosserr, unactrübt durch den politischen Tageskampf, zrrsanrvrcrr turnen können, nicht an die Gründung eines jüdischen Sportklubs gcherr dürften. Es verlohnte sich nicht, . auf das Sammetfirrlum von böswilliger Erfindung und hetzerischer Lüge ein.zngehen, wenn dieser Vorfall in Mühlhausen nicht Anlaß gäbe, nufere Freunde in Stadt und'Land vor den Horchern an der Wand der unseren Lcranstaltuugcn zu. warnen. Nickst deshalb, weil wir nicht belauscht werden wollen. Was wir sagen, hat die CcTienrliri'fcit nickst zir scheuen. Sondern weil wir die Ausstchrchrgen unserer Redner nicht nrulügen lassen wollen. Ilustro presigssch- Liche Berichügung kann das Unheil, das erlogene Lerichrerstattuna anrichtet. nur^zum geringen Teil wieder gurmachor!. Die National-' sozialisten sollten sich selbst Zn schade sein, chre ^einatwuen von solchen „Horchern" zu beziehoil l er. Jm Rümpf gegen die Löge Gewaltige Kundgebung des C. D. iit Leipzig In Leipzig fand am 21. November eine ungewöhnlich stark besuchte Protestversammlung der Ortsgruppe des C. V. geizen den naiional- 'fozialistischen Wahlf'ärgbka t tschwr nd el statt. Wir werden über diese Versammlung irr der nächsten Nummer berichten.