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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-18 · 47 (18.11.1932) · p. Seite 476

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
47 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
Seite 476 (sequence 4)
Language
German
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ß2lel':)3l vvvis/ VV In der „Täglichen Rundschau" vom 23. Oktober d. I., die in ihrem Kops ausdrücklich den Vermerk „Für christliche Kultur und deutsches Volkstum" trägt und jetzt von dem bekannten Herausgeber der „Tat", Hans Zehrer, herausgegeben wird, finden wir einen Bericht über die Tagung des Verbandes der deutschen Volksgruppen, bei der Paul Schiemann einen großanzelogten Vortrag über die Gefährdung der Volksdeutschen Arbeit durch die nationalistische Welle gehalten hatte. Ter Aussatz, der „Nationalsozialismus und Auslaudsdeurühtum" überschrieben ist, scheint uns in seinem zweiten Teil auch für unsere Arbeit m wichtig nachstehend wiedergeben. zu sein, daß wir ihn teilweise „Leider hat sich gerade hier (bei der nationalsozialistischen Bewegung im Auslande. Tie Schrifileitung) gezeigt, wie verhängnisvoll gewisse Grundlehren der Bewegung sür das Auslandsdeutschtum sind, wie sehr das national st a a t l i ch e und vor allem das rassische Prinzip die Wirklichkeiten des,Minderheitenkampfes verkennt. Erinnert sei an die naLwnalsyziatistische Attacke gegen Senator Brandsch, der ja als rumänischer Unterstaatssekretär für die Minderheiten einen sür die ganze Nationalitätenbewegung wichtigen Posten ausfüllt. Einer der wichtigsten VorwürG gegen Rudolf Brandsch war der, daß er eine Verbindung mit den Juden nicht ablehne. Tie nationalsozialistischen Kritiker wollen affo ihren Rassegedanken in der praktischen Nationalitätenpolitik durchsetzen. Ta aber die Juden .in den meisten Staaten des Ostens und Südostens anerkannte Minderheiten im Sinne der völkerrechtlichen Lchuhverträge sind, wird von Brandsch etwas verlangt, was er rechtlich gar nicht Lun kann. Ueberdies gefährdet die von der Rasse her bestimmte Stellungnahme der NSDAP, gegen die Juden natürlich die Grundsätze und Grundlagen der bisherigen Minderheitenbewegung ... Eine Ausschließung der Inden kann also von einem verantwortungsbewußten Minderheitenpolitiker nicht verlangt werden. Diese Erkenntnis muß auch von den Antisemiten übernommen werden, weil sie sür die Arbeit Ln den einzelnen Ländern wesentlich ist: oft sind es die Juden, die durch ihr Hinzukommen erst ein wirksames Vorgehen gegen den Nationalismus des Mehrheirsvolkes ermöglichen. Vorläufig scheint die NSDAP, jedoch auch für diese Probleme an ihrer rassischen Konzeption sestzuhalten, denn der Leiter der Rechtsabteilrmg vom Bezirk Ofrtand-Wierr der NSDAP., ein Tr. Norbert Gurke, betont im neuesten Hest von ,Nation und Staat4 ausdrücklich, daß die Regelung des Verhältnisses der Juden zum deutschen Gesamtvolk auf einer anderen Ebene liege als die Regelung des Verhältnisses zu anderen europäischen Völkern. Im übrigen aber bemüht sich gerade die Darstellung Gurtes, eine Festlegung auf die nationalstaatliche Ideologie zu vermeiden. Der Wiener Nationalsozialist weist offenbar aus eigener Erfahrung, das; das nntionalstaatlickw Prinzip im ganzen Osten gegen das Deutschtum angewandt wird: ,Teu:schtaud den Den-- scheu4 heißt hier ,Polen den Polen4, heißt Vertreibung der Deutsche:; aus dem Korridor, Zerschlagung des Minderheitenschutwesens. Sabotage der evangelischen Kirche. Mit dem nationalstaatlichen Kämpfern?, Lettland den Letten4 geht der letttändisch? Bildungsminister gegen die deutschen Uuterrrckgsausialten vor. Alles das weiß Tr. Gürte. Er lehnt die Germanisierung Fremdnationaler ab und vertritt den Gedanken einer kulturellen Autonomie: ,Ter Fre'.ndnationale wird als Staatsangehöriger an den seiner Leistung entsprechenden Staatsaufgaben teilhaben und feine kulturellen Aufgaben, in besonder Selbstverwaltung erfüllen können.4 So sehr sich jedoch dieser Nationalsozialist den gültigen Forderungen der deutschen Minderheiten anpaßt und angleicht, so sehr muß doch betont werden, daß aus unzähligen. Aoußerungen der Parteiredner und aus der Grundtendenz der Bewegung der NationalsianlZgedanke sichtbar geworden ist. Das ,Tritte Reich4 Hitlers ist kein Reich, das verschiedene Völker in einem föderativen Aufbau zusammenfassen könnte, keine .hündische Ordnung, sondernein zentralistischer Nationalstaat, der die Lösung der deutschen Minderheitenfrage unabhängig von ' dem europäischen Nationalitätenproblem und in einem Anschluß an eine zentrale Macht und ihre Außenpolitik sieht. Diese Lösung könnte möglicherweise die Sudetendeutschen, Nordschleswiger und Tanziger befriedigen, sür die Balten, Siebenbüraer Sachsen und alle fernen Volksdeutschen Inseln bedeutet sie Preisgabe des Deutschtums. Man kann jedoch nicht das Schicksal von Millionen Volksgenossen an die Erfolge und Mißerfolge einer Partei ketten, muß an eine Ordnung von Tauer denken, die das Recht der Nationalitäten sicherstellt .. ch Tie Ausführungen der „Täglichen Rundschau" werden durch nachstehenden aktuellen Bencht noch unterstrichen: MnderhütenpoM imf) NÄoMWMmW m Mmam'en ' ' Von Otto Schick (Bukarest) 'Anläßlich der vor kurzem, erfolgten Umbildung der rumänischen Regierung wurde zur allgemeinen Ueberraschuag das von der Regierung Jorga geschaffene Unterstaatssekreiariat für die Minderheiten, an Lessen Spitze von seiner Gründung an der siebenbürgische Deutsche Rudolf Brandsch stand, nicht mehr neu besetzt. Tie Ursache dafür dürste zu einem wesentlichen Teil in der politischen Entwicklung zu suchen sein, die die deutsche Minderheit Rumäniens in letzter Zeit genommen hat. lieber Len Sachsen Transsylvaniens, den Schwaben des Banats und seit neuestem auch über den Deutschen der Bukowina schwebt heute — Adolf Hitlers Geist. Eine befremdende, in dem tausende Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Rumänien weniger bedrohlich als grotesk wirkende Erscheinung. Mehr als anderswo zeigt es sich in diesem Lande, daß die Ausbreitung riationalfoZialift i s ch e r Gedankengange als eine Art Psychose aufzufassen ist. unvereinbar mit nüchtern realpolinschon Erwägungen und jener Vergötterung des „Irrationaler^ entsprechend, die von den politischen Mstin köpfen im Reich immer wieder emphatisch verkündet wird. Denn welchen Sinn könnte nationalsozialistische Politik —^ die in Deutschland immerhin noch den schein objektiver Begründung snvecken mag — in einem Lande haben, in dem die Deutschen als Minderheit in "ähren wahren Interessen an das Schicksal der übriger; Minderheiten und an ein verständnisvolles Zusammenwirken mit der Mehrheirs-. narion geknüpft sind? Die außenpolitischen Ziele des Nationalsozialismus stehen in diametralem Gegensatz zu den 'Staatsinteressen Rumäniens. Alle auf eine Revision der Friedensverrrage abzielenden Bestrebungen lösen hier stärkste Beuuruhig'ung und offtue Feindschaft gegen ihre Träger ans. Ties ist nicht unverständlich angesichts der ungarischen Propaganda sür Aeudernng der durch den Vertrag von Trianou fellgelegten ungarisch-rumänischen Grenze, eine Greuzänderuug, * die der deutschen Minderheit Siebenbürgens kaum Vorteil bringen würde. Völlig fehl am Ort sind auch die innerpolitischen Bestrebungen der den: scheu Nationalsozialisten Rumäniens. Denn die Gestaltung des inneren Staatsgesüges kann sich keinesfalls nach den Plänen einer -- wenn auch starken — Minderheit, sie muß sich vielmehr auf Grund der Bedürfnisse der Mehrveitsnation unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse aller Minderheiten vollziehen. Tie politisch reisen Kreise der rumänischen Deutschen verschließen sich denn auch solchen Erwägungen keineswegs. Aber eine von irrationaler Romantik erfaßte Jugend, mißleitet von politischen Abenteurern und von nationalsozialistischen Phrasen berauscht, setzt sich über sie hinweg. In den deutschen Städten TranssylvaniLns und des Banats strömt sie in Scharen den nationalsozialistischen Hetzaposteln zu, prägt denn Leben und Treiben in Straßen und öffentlichen Lokalen ihre Note auf und wetteifert in wüster Inden- Hetze mit den extremen Nationalisten des Mehrhellsvolkcs, Cuzisten' und „Eiserner Garde". Das Soldateuspiel der nach reichsdeutschem Muster gebildeten SA.-Abteilungen tragt das seine dazu bei, die Gegensätze zwischen den Bevölkerungsschichten zu vertiefen und Mißtrauen zwischen rumänischer Mehrheit und deutscher Minderheit zu säen. Vor kurzem wurde das nauonalsozialistische Gift auch in die Bukowina getragen. Ter Führer der transsytvanischcn Hitler-Anbeter, Rittrneister a° D. § a ö r i c i u s, konnte in einer Massenversammlung unter dem Beifall der Zuhörer unflätige Beschimpfungen gegen die Juden Vorbringen, und dies in Czernowitz, einer Stadt, in der- Inden uith Deutsche seit alters her in besten Beziehungen nebeneinander rebten die ihren Aufschwung zu einem bedeutenden Teil der Arbeit ihrer deutschsprachigen Jrrdcuhert verdankt... Bon den Folgen der nationalsozialistischen 'Politik in Rumänien ftnb die rumänischen Deutschen selbst m erster Linie betroffen. Ter Nationalsiizlalisintts macht die bisher als ausgezeichnete Staatsbürger geschätzten Deutschen in den Augen der Mchrtzeitsnatiorr und der vcranrworilichcn Leiter des Staates verdächtig; er stößt die jüdische Bevölkerung, die überall, auch in den uichtdcutschcn Sprachgebieten, starte Beziehungen zur deutschen Kultur hat, ab; er erschwert ein Zusammenarbeiren der Deutschen mit allen Minderheiten, die keinen Zweifel an ihrer Loyalität gegenüber dem Staate aufkommen lasten wollen: er hat jene Stimmung geschaffen, die es heute untunlich erscheinen läßt, ein so wichtiges Amt wie das für die Minderheiten, bis auf weiteres — und wohl auch ssx'iterhiu — mit einem Deutschen zu besetzen.

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