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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-11 · 46 (11.11.1932) · p. Seite 468

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
46 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
Seite 468 (sequence 8)
Language
German
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46$ ,0I Beim jüdischen Arbeitgeber wie beim jüdischen Arbeitnehmer in Deutschland begegnet man auch heute noch vielfach der Frage: „Wozu jüdische Arbeitsnachweise?" Tie allgemeinen Arbeitsnachweise in allen Städten tun ihr Bestes, um bei den ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen einem jeden seinen Arbeitsplatz 31t besclzafsen, und führt nicht jedes Nebeneinander nur zu einem schädlichen Gegeneinander? Tie Erfolge, die die bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise in den letzten Jahren und namentlich auch in der Notzeit der Jahre 1931/32 anfweisen können, zeigen ohne weiteres die Berechtigung der Erhaltung dieser Selbsthilfeinstitution. Aber es ist notwendig, das Gewissen der Oefsenttichkeit der deutschen Juden wie der deutschen Nichtjuden auf die Notwendigkeit der Forderung der Arbeitsnachweise hinzulenken. damit ein jeder nicht nur die Berechtigung der Erhaltung dieser stellen anerkennt, sondern auch seine Persönliche Verpflichtung, sie nach besten Kräften zu fördern. Es genügt nicht nur, daß die vorhandenen Arbeitsplätze geeigneten Personen nachgewiesen werden, sondern in erster Linie wenden nur uns an unsere Freunde im ganzen Reich, die Arbeit der jüdischen Arbeitsnachweise dadurch jit unterstützen, daß sie jede frei werdende stelle, jede Niederlannngsmöglichkeit sür einen Kaufmann oder Akademiker, jedes sich bietende Tätigkeitsfeld für einen jüngeren oder alteren Menschen den maßgebenden Stellen bekanntmachen. Tie Sorge um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit lastet aus unserem ganzen deutschen Volk und aus uns deutschen Juden im besonderen. Mit der bisherigen Arbeit der Arbeitsnachweise ist es nicht getan. Jeder von ihnen hat unsagbar viel des Guten geleistet, und die vorbiwlichen Arbeitsmethoden geben die Gewähr dafür, daß auch für die Zukunft diese Arbeit sich segensreich auswirken wird. Aber nur ein Bruchteil deffen, was hätte geleistet werden können, konnte erreicht werden, weil allzu viele noch abseits stehen und die Wichtigkeit der Frage, aber auch die Möglichkeiten, die sich für diese Arbeit bietet, unterschätzen und verkennen. Ungeachtet des außerordentlichen Umfanges der deutschen Arbeitslostgkeit gibt es auch heute, noch in nicht zu unterschätzendem Umfange lebensfähige und mit Beschäftigung versehene Betriebe und Unternehmungen. Innerhalb dieser gesunden Teile der Wirtschaft vollzieht sich ein steter- Personalwechsel, werden Stellen neu besetzt oder neu geschaffen, wird immer wieder ein großer Teil von Arbeitskräften neu ein- Hesetzt. Tie jüdischen Arbeitsuchenden haben ledoch an diesen auch jetzt noch vorhandenen Arbeitsmöglichteiten vielfach nicht teil/weil sie, verloren in dem Millionenheer der Arbeitslosen, fast gänzlich isoliert sind. Tie Zahl der Betriebe, die den jüdischen Erwerbslosen den Zutritt zur Arbeitsstelle nur deshalb verweigern, weil sie dem Judentum angehören, wird von Tag zu Tag größer. Wirtschaftszweige, in denen die Juden früher vorherrschend waren, lehne»! es immer mehr ab, jüdische Angestellte oder Arbeiter anzustellen. Ter jüdische Arbeitsuchende verliert damit die Möglichkeit der Bewerbung auch bei vorurteilsfreien Arbeitgebern, er ist vielfachen Gehässigkeiten und Demütigungen ausgesetzt, wenn er den Versuch macht, sich im Rahmen der allgemeinen Wirtschaft um eine freie Arbeitsstelle zu bewerben. So geht es nicht weiter. Wir haben das Recht auf Arbeit, und dieses Recht durchzusetzen iß gerade die erste Pflicht derer, die den Kamps für die Gleichberechtigung weiterführen wollen. Helfen kann hier nur der jüdische Arbeitsu ach weis. Was kann der einzelne in diesem Kampf tunk Es geht nicht darum, eine Hilfsaktion im üblichen Sinne einzuleiten, es geht nicht um eine „Winterhilfe", um hieraus Erwerbslosen zu helfen, sondern es geht darum, durch eine Z u s a m m enfa s s u n g aller K r ä s r e den B e r s u ch z u machen, jedem die Verwirklichung seine s R e ch t s auf Arbeit z u e r m ö g l i ch e n. Nichts liegt uns hierbei ferner, als etwa. Bopkotrbestrebungen der anderen die Aufforderung aegenüberzuslellen: jüdische Arbeitgeber, beschäftigt nur jüdische Angestellte!" Aber was Nur gerade in der Gegenwart von einem jeden verlangen müssen, ist, daß er sich bei seinen nichtjüdischen Freunden dafür verwendet, damit auch sie jüdische Angestellte beschäftigen, daß er sich, wo immer es möglich ist. sür die Unterbringung jüdischer junger und älterer 'Menschen einsetzt, und daß er vor allen Dingen in dem Arbeüssetd, das ihm selbst gegeben und zugewiesen ist, dazu beiträgt, jüdischen Arbeitslosen-wieder Platz im Wirtschaftsleben zu verschärfen. Mau kann nicht verkennen, daß die Unterbringung der jüdischen Arbeitslosen und die Ueberwindung der vemmnifte, die ihrer Unterbringung entgegenstehen, nicht nur eine Verpflichtung gegenüber den notleidenden Glaubensgenossen. sondern eine Verpflichtung gegenüber unserer jüdischen Zukunft in Deutschland ist. Mimen wir uns doch leider offen eingestehen, daß vielleicht nicht wenige der Austritte au? den jüdischen Gemeinden, die wir beklagen, nicht irgendwelcher feigen Gesinnung, sondern allzuoft auch dem Motiv entspringen, wie man beim Gang zum Personalchef auf dem Fragebogen die Eretcheu-Frage: Wie hältst du's mit der Religion? vermeidet. Wer darum die Verpflichtung in sich spürt, für die Zukunft des deutschen Judentums 311 sorg'n, der tue seine Pflicht auch auf diesem Gebiet und prüfe sich, ob er alles getan bat, was in seinen Kräften sieht, einem jeden deutschen Juden fein Recht auf Arbeit zu verschaffen. vr. Hermann Berhik, Bum MrOerger TülrrmdAroZeß Rabbiner Tr. Eschclbacher bittet uns um Aufnahme nachstehender Erklärung: In den Urteilsgründen des Nürnberger Talmudprvzeües findet sich der Satz: „Dem Zeugen Tr. Efchetdacher ist nur eine jüdische orthvdvre Mittelschule bekannt, in welcher unter besonverem Zeitaufwand auch Talmud und Schulchan aruch gelesen werden, im übrigen sind sie keine Lehrbücher für den Religionsunterricht." Veranlaß: durch eine deshalb an micf) gerichtete Anfrage stelle ich stst. daß dieser ^atz meine Aussage unzutrefstnd wiedergibt. Jch^war zunächst gefragt worden, ob Talmud und schulchan aruch fdoer cU . Lehrbücher im Religiansunterricht gebraucht werden. Nach meiner sofort nach der Vernehmung now im Gerichusfaat gefertigten stenogravhisch.en 'Niederschrill Hobe ich dazu erklärt: „Unmiuelbar als Lehrbück-er können Talmud und Swulwan aruch nur in wenigen schulen studiert werden. Sie zu verstehen, ja auch nur zu lesen, ist fo schwierig und verlangt so unablässige Hebung, daß unsere schulen im allgemeinen^die dazu nötige Zeit nicht aufbringen können, sie werden atw nnunittelbar nur dort gelehrt werden können, roo NW Die schwer womöglich täglich längere Zeit dämm che ich ich i gen können, und das sind bei dem heutigen Stande der Tinge die Schulen der Gestch.estrcuen." Als Beispiel Tür diesen Sckmürwus. nicht aber als einziaen Fall, nannte ich sodann Dis _ Real schall der Israelitischen Reliaiousyestllfchall in Frankfurt a. M., weil diese Gemeinde in anberem 3u»antinentmng in der Verhandlung Don dem Sachverständigen Tr. Bischofs genannt worden war. Jin übrigen stellen die Ilrteillaründe als Quintessenz meiner Anssage fest: „Eine prinzi Welle Abkehr von den mündlichen Neb-erlleserungen erifticrf allerdings nicht, und mittelbar wirken sie noch überall." prsssekonfsrenZ im C. V. Kurz vor den Wahlen fanden sich in der Hauptgeschäftsstelle des E. V. zahlreiche jüdische Journalisten du, mn wichtige Jnsormatronen über die politische Lage, und die Arbeit des C. D. entgegenzunehmen. Tr. Alfred Wiener behandelte eine Reihe aktueller Fragen allgemeinpolitischer Natur, die im Zusammenhang mit dem Wahlkampf standen. Sodann berichtete Tr. Hans Reich m a n n über die Politik und die wieder stark judenfeinolich gewordene Agitation der Nationalsozialisten und betonte die Notwendigkeit der Verstärkung unserer an sich schon intensiven Aufklärungsarbeit. Zum Schluß referierte Tr. Alfred Hirschberg über den Stand der Prozesse wegen der Attentate auf jüdische Bürger nach den Reichstagswahlen vom 31. Juli. In der Alis spräche wurde noch manche Frage geklart. In der Strasionbahn fiel sie mir cuf: eine scharmante Brünette mit schönen Augen und beneidenswert blüchenwcm Gesicht. Ich beobachtete dies schöne Menschenkind, konnte mich nicht fast scheu. Sie trug weder einen Trauring, noch einen Berlobungsring: sie mar also ledig. . Die entzückende SUrine stieg, nus. Schade! Leider fehlte mir die Möglichkeit., ihr zu folgen, ich mußte eilig wcirer. . Ob ich dies holde Fräulein wohl jemals wiedersah? Iw fuhr jeden Morgen mit derselben Strasiendahn, beobachtete oll Haltestellen, immer in der Löschung, die Ersehnte wiLderzutresfeu. Vergebens! Aber ich konnte dies blühende Fräulein mein versessen. VekannLlich spielt der Zufall eine große Nolle im Leben! . Kurz: auch mir half ein Zufall: ich traf meine Schone beim Bummel durch eine belebte Geschäftsstrafe. Sie besah sich, besonders die Auslugen der Geschäfte, die kosmetische Artikel führten.. lln.auffällig folgte ich ihr. — schließlich betrat sie ein. grözeres Geschäft, und ich tat cs ebenfalls, um auch zum Schein eine Älcruigkert zu kaufen. Da sah ich denn. daß sie eine Dose 'Marylan-Greme erstand. lim es abzutürzen: die Schöne und ich wurden, gute Kameraden, und nun sind wir verlobt. 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