Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 46 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- Seite 466 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die politischen Aussprachen wurden mit Ernst und Leidenschaftlichkeit geführt, und allenthalben machte sich das Bestreben geltend, über den nahen Entscheidungstag des 6. Noven-.ber hinaus zu denken, zu klären und 31t planen. Daneben ging — umeinen nationalsozialistischen Agitationsbegriff zu gebrauchen — eine „Verfammlungslawine" durch die Ortsgruppen des C. V. Fast ausnahmslos überfüllte Ver'anuulungen, fast überall die jüdische Bevölkerung über den Kreis der E. B.-Mitglieder hinaus als Zuhörer, in selbstverständlicher Anerkennung der politischen Führerrolle des Centralvereins für das deutsche Judentum und voller Vertrauen in die polilchche Einsicht der Führung. Aufgerüttelt durch die Versammlungen und zur aktiven Tätigkeit gezwungen durch die notwendigen Allswirtungen des Wahlergebnisses, gehen C. B. und C. V.er in einen schweren arbeitsreichen Winter hinein, dem ein Politischer Frühling des deutschen Volkes und seiner jüdischen Bürger folgen möge. Brandenburg Wirtschastsnot und politische. Bedrängnis lasten besonders auf vielen jüdischen K(eingemeinden der Mark Brandenburg. Aber trotz dieser schwierigen Lage: unentwegte Treue zum C. B., uneingeschränktes Vertrauen zu-seiner Führung und aktive Mitarbeit! Diesen Eindruck bestätigten die gut besuchte brandenburgische Landesverbandstagung, die am 30. Cftober in Berlin stattfand, das Interesse, an den Referaten und die rege, eingehende Aussprache, die sich daran anschloß. Ter Landesverbandsvorsitzende, Rabbiner Tr. Martin Sal 0 m 0 nski, nannte den C. V, den einzigen Rettungsanker, der das Recht der jüdischen Gesamtheit wie das des einzelnen deutschen Juden wirksam schützt, umriß nochmals kurz seine Ziele und richtete an die Anwesenden den eindringlichen Appell, für diese Ziele einzutreten und den Centralverein in den Stand zu sehen, seine großen Aufgaben zu erfüllen. Dr. Hans R e i ch m a n n, stellvertretender Syndikus des C. V., gab einen umfassenden lleberblick über die politische Lage und die politische Entwicklung, ging aus die Fragen ein, die die deutschen Juden angesichts der Reichs- Lagswahl besonders beschästigten, und berichtete eingehend über die Tätigkeit des C. V. Wichtige Mitteilungen organisatorischer Natur machte Lr. Ernst G. Lowenthal. Bayern Es sprachen: Else D 0 r m i h e r (Nürnberg), Mitglied des Hauptvorstandes Berlin,^in Erlangen und Memmingen, stellv. ^rmdikus Dr. Hans Reich mann (Berlin) in München, Landesverbandssyndikus Tr. Werner C a h n - mann (München) in Arrgöburg. Außerdem fand eine Generalversammlung der Trtsgrnppe Nürnberg statt. Hannover Es sprachen: Rechtsanwalt Tr. Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des C.V., in Hannover, Rechtsanwalt Lichtenberg. Vorsitzender des Landesverbandes Hannover, in Herford, Lehrer Israels (Weener) in Papenburg, Landesverbandssyndikus Dr. Kahn (Hannover) in Hoya, Verdorr, Osnabrück, Einbeck, Hildesheim, Braurrschwcig, Holzmindcn, GöLLrrrgcrr sowie in einer Bezirkstagung in Rinteln. Hessen-Nassau und Hessen Die sehr gut besuchte Tagung des Landesverbandes Hessen-Nassau und Hessen, die diesmal in dem bekannten Eisenbahnknotenpunkt Bebra stattfand, war dadurch bemerkenswert, daß zahlreiche Vertreter aus kleinen und kleinsten Orten, in denen zum Teil nur einige jüdische Familien wohnen, anwesend waren. So waren u. a. Abgesandte aus Alsfeld, B a u m b a ch, Burghaun. Düdelsheim, G münden - Werra, M e i m b r e f f e n, M i - ch ei st adt -Odenwald, Niederau la, Rhina, Rothenburg- Fulda, Schenklengsfeld, Witzenhausen usw. da. Ter Syndikus des Landesverbandes, Tr. Martin Marx (FrankfurtM.), erstattete einen Geschäftsbericht, in dem er besonders aus die finanziellen Verhältnisse einging. Während eine Reihe von Ortsgruppen und Vertrauensleuten pünktlich ihre ideellen und finanziellen Pflichten dem Verein gegenüber erfüllen, nehmen eine andere Reihe von Ortsgruppen und Vertrauensleuten die übernommenen Verpflichtungen nicht ernft genug. Dies geschehe, obwohl die Arbeit des Landesverbandes immer mündlich und schriftlich als unbedingt notwendig anerkannt .werde. Ter Syndikus des Centralvereins, Dr.Mred Wiener (Berlin), gab sodann einen lieberblick über die politische Lage, die Reichstagswahl und die Ausgaben des Centralvereins für Gegenwart und Zukunft. Er warnte vor jedem überschwenglichen Optimismus wie vor jedem übertriebenen Pessimismus. Er wies nach, in wie zahlreichen Fällen der Centralverein dem deutschen Judentum die nützlichsten Dienste erwiesen habe und wie schon die einfachste Solidarität mit den vom Antisemitismus schwer bedrängten Slaubensbrüdern im Lande es gebiete, sich mutig und kampfesfreudig in die Reihen des Centralvereins zu stellen. Im Anschluß an den Vortrag fand eine ausiebige und wertvolle Aussprache statt, an der esonders bekannte Vertreter der jüdischen Lehrerschast, deren Arbeit für den Centralverein gerade im Hessischen hoch anzuschlagen ist, das Wort ergriffen. Es wurden verschiedene Aufklärungsarbeiten mit gedrucktem Material und Aufklärungsversammlungen vor Nichtjuden gewünscht und besprochen. Die Neuwahl des Landesverbandsvorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl des Vorsitzenden Dr. med. Mar M a i n z e r (Frankfurt/M.) und im wesentlichen auch der übrigen Vorstandsmitglieder. Eine gewisse Auswechslung wurde vorgeuommen, der Wunsch nach mehr Vertretern vom flachen Lande berücksichtigt. 4 Im Anschluß an die Tagung in Bebra hielt Tr. Wiener in Fulda unter Vorsitz von Tr. med. Herz, in Eschwege unter Vorsitz von Dr. med. Mainzer außerordentlich stark besuchte Gemeindeversammlungen ab. Tie Versammlung in Eschwege war mit die stärkste, die ie am Orte stattgefunden hat. Auch in Frankfurt war die Mitgliederversammlung derart überfüllt, daß kurz vor Anfang die Versammlung in einen größeren Saal mnziehen mußte. In Fulda konnten nach Schluss der Verssmnrlrrng rnrd an den darauffolgenden Tagen 35 ucrrr Mitglieder gewonnen werden. Ein Zeichen des besonderen Gelingens dieser Veranstaltung, der Werbekraft der C. V.- Jdee und der opferwilligen Mitarbeit unserer Freunde am Orte, besonders unseres Freundes Theo Stern. * Im Bezirk des Landesvcrbandcs Hessen-Nassau sprachen ferner: Tr. Mar Mainzer, Vorsitzender des Landesverbandes, in Frankfurt M., Rechtsanwalt G u t h - mann (Wiesbaden) in Offcnbach und Bingen vor der Jugend, Lothar Bauer in einem politischen Schulungskurs in Frankfurt/M., Volizeivizepräsident Tr. Weiß (Berlin) in Wiesbaden, Tr. Katzen st ein (Frankfurt) in Rothenburg a. d. Fulda, Ernft Holzer (Frankfurt/M.) in Bad Nauheim, Rabbiner Tr. Levi (Mainz) in Tarmsiadt, Lehrer Cohn (Marburg) in Frielendorf, Borken und Bad Wildlingen, Tr. Martin Marx, Syndikus des Landesverbandes, in Hanau,.Frankfurt-M. und in einem politischen Schulungskurs in Frankfurt, M. Cinförf/Stn Es sprachen Polizeivizepräsident Tr. Weiß in München-Gladbach und Trier, Rabbiner Dr. L e v i (Mainz), Hauptvorstündsmitglied des C. D., in Krefeld, Syndikus Tr. P l a u t (Essen) in Aachen* Mitteldeutschland Am 1. Juni 1932 trat der Landesverband Mitteldeutschland ins Leben. Wen wird es wundern, daß für ein so junges, kaum fünf Monate altes Gebilde zwei Reichstagswahlcn eine gewaltige Belastungsprobe bedeuteten. Für die so wichtige OrgarrisationÄwbeit blieb uns im wesentlichen nur die Zeit vom 3!. Juli bis zum 12. September. A m 13. September, also am Tage nachder letzten Reichst a g s a u s l ö s u n g, konnte der Syndikus des Landesverbandes in einer O r t s g r u p p e n v e r s a m m l u n g i n Chemnitz deuWahlkampr bereits für eröffnet erklären. Mitteldeutschland ist für die Nationalsozialisten von jeher Aufmarschgebiet geweftu. Bon Halle, Erfurt und Plauen her würd? die Verhetzung der. mitteldeutschen Bevölkerung im großen betrieben. Man denke nur an den Hitler-Tag in Gera zur Einleitung des letzten Wahlkampfes. Solch Anschauungsmtter r icl-t macht unsere Mitglieder aktiv, schasst feste Fronten. Tie Ortsgruppeuversammftmg in Gera bewies denn auch aufs neue die vorbildliche Opfersrcudigkeit unserer Freunde für die Sache des E. B. Wie geschlossen die Anteilnahme an unserer Wahlarbeit auch im benachbarten Zeitz war, zeigte sich aus der beiläufigen Bemerkung des umsichtigen Vorsitzenden vor der Eröffnung der Versammlung: „ wir müssen noch einen Augenblick paarten, es fehlt noch eine FamilieT In Eisenach und Bleicherode, sowie in Nordhauser: und Jcna- Apolda wurden im Anschluß an Wahwerfnmm.