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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-04 · 45 (4.11.1932) · p. Seite 456

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
45 (4.11.1932)
Date
1932-11-04
Page
Seite 456 (sequence 8)
Language
German
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45ö verpuffte {tarnte Liebe Weltbühne! Tu hast über ein Telephongesprach berichtet. Das der Eentralverein deutscher 'Staatsbürger jüdischen Glaubens mit dem Aechtsamoatt Haus Litten geführt hat, angeblich nur um ihm mitzuteilen, daß einer seiner Viandanten, der wegen Totschlags angeklagt war, nicht mehr Jude, sondern aus dem Judentum ausgetreten sei. Schreckliche Leute, diese C. L.er, wird mancher denken. Ta hat man's wieder: Lauter „Wendruwrsch die gar nicht genug „abrücken" können . . . Was hat der C.V. schon wieder verbrochen? Er erfährt, daß die Nationalsozialisten den Strafprozeß Calm und Genügen zu „einer großen Sache" machen wollen; der Wahlkampf ist vor der Tür, und ein Totschlagsprozeß, in den ein Jude verwickelt ist, könnte doch ein herrliches Propagandamittel geben. Gegen antisemitische Angriffe muß aber eine Organisation, die die Rechte der Juden wahrnimmt, gewappnet sein. Sie muß zumindest wissen, welches die sachlichen Grundlagen der wahrscheinlichen Polemik pmd. Also setzt sich ein Mitarbeiter des bentralvereins, der Rechtsanwalt Litten aus seiner noch gar nicht lange zurückliegenden Arbeit in der jüdischen Jugendbewegung kennt, mit ihm in Verbindung, um die notwendige!; Informationen über den Stand der Angelegenheit einzuholen. Es kam ihm dabei nicht, wie Litten es in seinem Brief darstellt, darauf an, dem Verteidiger mitzuteilen. daß sein Mandant nicht mehr Jude sei. Gr wollte überhaupt den Verteidiger nicht über irgend etwas unterrichten, sondern im Gegenteil von ihm erfahren, ob die Tatsache, daß Calm jüdischer Abstammung ist, in dem Prozeß schon in judenfemdlichem Sinne ausgeschlachtet worden sei. Ter Centralverein hat genügend Erfahrung im Abwehrkampf, um zu wißen, daß die antisemitische Propaganda sich gegen den Judeustammling ebenso richtet wie gegen den Juden, und daß man die antisemitischen Angriffe nicht damit abschneiden kann, indem man sagt, der Mann ist aus dem Judentum ausgelrereu. Herr Litten sucht eine Pointe, wo keine ist, und" brachte damit eine Zuschrift zustande, die unrichtig und um so bedenklicher ist, als Herr Litten ja erst selbst vor nicht langer Zeit in das Judentum e i n getreten — und dann allerdings später wieder aus getreten ist. KriedHsfsschändLmg in Mülhrim a» K. MPr Auf dem jüdischen Friedhof in Mülheim a. d. Ruhr wurden in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober sieben Grabsteine zerstört. Von den Tätern fehlt jede Spur. TKWMB- Md ' v w v ©er Sonntag der Landes« veröLnHsiagungsn In zahlreichen Landesverbünden des Gentralvereins fanden Sonntag außerordentlich gut besuche Larwesverbandsversammlungan statt. An sie schlofsen üch zahlreiche Or lsgru ppen- und Gemeindeverfammümgsn, die mit ihrem außergewöhnlich starken Besuch das lebhaste Interesse der deutschen Juden für die dringlichen Fragen der deutschen Politik bewiesen. Wir kommen am diese gut gelungenen Veraustattimgeu noch zurück. „Unermüdlich für öle DeLischsIuSsntzeii" Tie „Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" veröffentlicht einen ausstührlichen Bericht über einen Vortrag, den das Hauptvvrftandsmitglied des Centralvereins, Nit:ergutsbentzer S a n d e l o w s k y , in einer Versammlung der Ortsgruppe Stuttgart des Eentralvcreins am 2s. Oktober gehalten hat. Tie glänzend besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Tr. Manfred Sichel, geleitet. An den Vortragsbericht schließt die „Geureindezei:ung" folgenden in Fettdruck abgeststken Aufruf: „Wenn wir unsere Leser in Stadt und Land mm an dieser Stelle nochmals austordern, die Bestrebungen des Geutralvereins mit allen Kräften zu fördern, so tun wir cs ans der Erkenntnis heraus, daß besonders in heutiger Zeit der Ce Ukrainer einfür die deutsche - Jndenheit ein Fakwr ihrer persönlichen Selösterhaltung geworden ist. Wenn unsere Gemeinschaft sich irr den schweren politisch cu Stürmen Der Gegenwart Dehauptcn will, dann mn% jeder deutsche Jude, ins er immer nur rann, den (sxuiraiucrrfn ideell und vor allem anch materirll rrnterstüherr. Taft der Centralverein sich unermüdlich sirr die deutsche Judenhert cinsctzt, das; er in rnrendlrch schwerer; Girrzcltarnpfen für die Gleichberechtigung Der Deutschen Inden und dre Anertennng ihrer staatsbürgerlichen Leistung sich nrüht — das war der unauslöschliche Eindruck der Ausführungen von Rittergutsbesitzer Saudelmvsty, der stürmischen Beifall fand. Darüber hinaus aber fordern wir nochmals eindrücklich: Jeder Deutsche Jnde muß zu einem Träger Der OcdauiLrr Des btcdncrs werden? . Jeder rrruß tagtäglich für sie wirken! Wird diese felbcherüändliche Pflicht erfüllt, dann wird der Erfolg nicht aus bl eiben." Namsradschaft versöhnt Ter Reichsbund j ü d i i ch er Frontsoldaten veranstaltete am Montag. 21. Oktober rm Haus der Deutschen Presse, Berlin, einen unpolitischen Ausspracheabend. Etwa 1.Z9 geladene christliche Gäste, ehemalige Frontsoldaten, vielfach hohe Ostiziere, waren der Einladung gefolgt. Reichswehr und Schutzpolizei waren offiziell vertreten. Tr. Ludwig F r e u rr d brachte mit der Offenheit, die der kleine Kreis und die aus dem gemeinsamer: Frönterlcönis stammende Cenminschast ermöglichten, alle.Vrobteme, die die gegenrvärtige Lage der Juden in Tentschland berrenen, zur Sprache. Seine Ausführungen verfehlten ihren Eindruck nichr. insbesondere fand seine Forderung. Cenminschasrsgeist;md Kameradentrerre in die politisch verführte u::d nur von Haß bewegte Jugend hinernzutragen, ungetelltc Zustilnav.ciig. Es roar erfreulich zu beobachten, daß mehrere christliche Gäste erklärten, sie seien mit aller Skepsis zu diesem Abend gekommen. Er habe ihnen aber das kameradschaftliche Gefühl wiedergegeben, das auch an der Front bestanden hat: sie suhlten sich beschämt, daß sie dein Truck der judenseindlicherv Unuvclt teilweise nachgegeöen hätten, und versprachen:, von den Eckenntnisien, die dieser Abend ihnen brachte, auch ihren anderen ehemaligen Kameraden zu berichten. A. L. * Aus Anlaß des Erscheinens des Gesallenendenkbuches hatte der Verein j ü d i s ch e res scin Deutschland am 24. Oktober 1932 seine llllitglieder zu einem Presst.ee in das Hans der Deutschen Presje zu Berlin cingeladen. Hierdurch bot sich den Führern des Reichs-- b u n d e s jüdischer Frontsoldaten zum erstenmal die Gelegenheit, in diesem Kreis ausführliche Referate über die Arbeit ihrer Organisationen zu erstatten. Tie Ausführungen des Bundesoorsitzenden und Mitgliedes des hauptvorstandcs des E. V., Tr. Leo Löwenft ein, zeigte, daß der R. j. F. bei den Spitzen von Wehrverbänden und MiUtarbehorden Verständnis für seine Ziele findet. Ter Vundesgesthüstsstihrer Tr. Ludwig Freund ergänzte, diese Mitteilungen durch einen Bericht über die Ai:Närungstätigkeit des R. j. §. in den Kreisen der ehemaligen Fron Soldaten.

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