Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- Seite 455 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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455 uf'C~ ■ Zz£j' >1(} die Zahnpaste, die von mehr ais 6 Millionen Menschen — allein in Deutschland —täglich gebraucht wird. VorzucKcr». in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 Pf. ur.d £0 PL Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. die Entwicklung des deutschen Volkes in den letzten sechzig Jahren mit innerster Sorge betrachtet, ist darum ein schlechter Deutscher. Profepor Nadler sagt, wir sollten „zwischen zwei Wünschen" wählen. Das steht völlig in der Lust. Wählt einer das Deutschtum, so wirft man ihm Mimikry und Verhehlen des Judentums vor, wie Pro sonor Nadler; verhehlt eres nicht, so kann er sich nicht „zwischen zwei Wünschen" entscheidem Zwischen dem allen kann man nur wie durch einen Kugelregen hindurch gehn. Zum Schluß: die jüdischen Deutschen haben, in dieser Beziehung Aehnlichkeit mit den Grenzdeutschen. G r e n z d e u t s ch e. Dies erklärt, daß sie sich in manchem Betracht von den anderen Deutschen abheben und daß sie oft ihr Deutschtum mit besonderer Leidenschaft erleben und verteidigen, wie andere Ereuzdeutsche auch, weil cs eben bestritten und umstritten wird. Ernst Lissauer. Der Auseinandersetzung des Literaturkenners über geistigscb'.pfe rische Grenzprobleme des Deutschtums lassen wir die kritische Beurteilung folgen, die der Soziologe Professor Dr. Gottfried S a 1 o - mon, Frankfurt a. M., einem grundlegenden wissenschaftlichen, die Frage volklicher Grenzziehung behandelnden Werke Max Kildeberi Bo eh ms widmet. Mit großer Sachkenntnis und Besonnenheit gibt Mar Hildebert Boehm in seinem Werke „Das eigenständigL Volk. Bolkstheoretische Grundlagen der Ethnopolitik und EeistcZwissenschasten" (Göttingen 1932,Verlag Vandenhoeck und Ruprecht) einen Gegenentwurs dcr^ Staatslehre, in dem das Volk als Bundesgenone wie Gegenspieler der politischen wie religiösen Mächte in seiner Eigenständigkeit untersucht wird. Damit hat sich aus der praktischen Nationalitäten- und Minderheitenpolitik und im Speziellen vom Gesichtspunkt des Grenz- und Auslandsdeutschtums eine eigentümliche „Wissen-- schuft in der Krise'" ergeben, die daß frühere Buch des Versagers: „Europa Ir redenta“ systematisch erweitert. Im Abstand von der Romantik wird das Volk als Lebewesen und als Ceistgebilde untersucht, die Spannung zwischen der Lubstauzialität, der ursprünglichen und wesenhaften Ganzheit, und der individuellen Zusammensetzung oder Kollektivität erklärt. Das Ringen der nationalen Minderheiten vor dem Völkerbund zeigt, wie bedeutsam die Frage nach dem Sinn der V o l k s p e r s ö n I i dj f e i t ist. Die Lebensfragen, die sich aus der Nachbarschaft und Durchdringung von Völkern, aus ihrer Größenordnung, aus Vorherrschaft und Abhängigkeit ergeben, das Volk unter Völkern sollen in einer weiteren Arbeit behandelt werden. Die vorliegende Volkstheorie steht unter dem Gesetz der Grenze, insofern der'Grenzkamps begriMalso kische"?", antwortet der Versager, daß der Do-lslörper als eine ziemlich verwickelte Hilssvorstellung von einem bestimmten Gesichtspunkt keineswegs wie in der Rassenlehre durch einen Blutmythos und Naturdetermin.ismus bestimmt werden dürfe. Sehr viel wichtiger erscheint das Die Schriitleitung. Volk als G e s ell s chafts g es üg e, das sogenannte „Volkhaste P wobei die Mastewerdung und die Abhebung von der „Gesellschaft" hervorgehoben werden. Da jede Nation ihrem Wesen nach als Staatsnation erklärt wird, die Machtbildung als Staat und im Staat aber von dem eigentlich volkli-chen Wesen getrennt wird, erscheint der Nationalismus als Üeberstergerung und Verfälschung. Gegenüber der von Frankreich bestimmten Idee des Dolksstaates, der Einheit von Maat und Volk, taucht gerade für den Deutschen die Problematik der Trennung von Volk und Staat auf. Die gemeinschaftliche Aussonderung, das „Dolkstumch wird zunächst in einem Bild erfaßt, das das geschichtlich werdende Volk aus sich herausstellt. Dieser „Mythos" kann durch die Erinnerung von Vergangenem und das Bekenntnis zur Geschichte „erweckt" werden, wie bei den slawischen Völkern, wo allerdings das Nationalitätenprinzip der staatlichen Selbstberrlichkeit seit dem Kriege die ursprüngliche Eigenständigkeit des Volkes verdeckt. Tie ’ staärmlichen, landschaftlichen und gruppenartigen Gebilde der Volksgliederung bilden einen unchegten Bereich der Gesittung und Bildung. Dieses Mutterland des Menschen, das Heimatliche und Erdhafte, wird von dem Vaterland, dem raumgewordenen Staat, unterschieden. Als das konservative Prinzip erscheint überhaupt die Räumlichkeit, der Volksboden. ' Als einziges Volk, das für die Möglichkeit raumtosen UeberdaueruZ Zu sprechen "scheint, werden die Juden angeführt, wobei die langdauernde Staatenlosigkeit nicht als eigentliche Un-Raumlichkeit infolge des Zusammenhalts im Ghetto hczeich.net wird. Tie Erfassung des reinen Volksbegrifss sei bei den Juden infolge des gleichzeitigen Zusammenbruchs der räumlichen Aussonderung 'und der religiösen Traditionssicherheit besonders erschwert, zumal diese Gemeinschaft nie mit Staat und Land eins gesetzt werden konnte und dem „Volk des Landes" das „Volk^ der Idee"- gegenübergestellt wird. Wie bei ^ubnationalität von Völkern, die zerländert und zerstaatlicht und, und Stämmen als staatsöezogene Teilvolksgruppen, so ist auch bei den Juden das Verhältnis zur „verrscha'tsnütte", die eigentümliche Einordnung oder vielfach Unterordnung unter Stände und Schichten, welche als führende Volksgruppe den Staat beherrschen, bestimmend. Im Gegensatz zu dein nationaldemokratischen Denken des 19. Jahrhunderts, das heut^als „Liberalismus" verleumdet wird und die ^ubstanzialität des Volkes völlig in der des Staates als Nationalstaat aufgehen ließ, steht der vorliegende Versuch "einer Volkstheorie, dm diesen ganzen Nationalismus bestreitet. Nationalismus erscheint als Kon- Lraftertebuis gegenüber Ueberfremdung und in völliger Abhängigkeit von dem Gegner, so daß die außerordentliche Familienähnlichkeit der europäischen Nationalismen offenbar wird. „Tie Ueberspanmmg ' des Geltungsbereichs", die Ablehnung der antik-christlichen Gemeinsamkeiten, das Uedersehen der maßgebenden Schichten übernationaler Haltung und Prägung lAdel, Priesterschaft, Gelehrte, Techniker, Industrielle, Proletariat, Künstler und c^portsleute) ergibt nicht nur „das Volksganze spaltende Fronten st sondern eine geistige Borniertheit und Barbarei. „In den letzten zwei bis drei Jahrtausenden unterer Völkergeschichte ist die Volksindividualikast im Absoluten immer höchst fragwürdig gewesen." Wenn der Verfaster, norddeutsch oder bester baltisch und durchaus lutherisch, das Volkstum als ein „GlauöeusguG ansieht, so hat er üch doch klar von dem Fichte-Schüler Stapel getrennt, der die Völker als Ideen Cotws erklärt und eine Art Voltsgott predigt. Daoorliegende Buch ist durch seine Wirklichkeitsnahe und Eegenwartsbezogenheit sowie durch seinen urnsapenden Ileberblick für jede Tiskusston auch \n Mischen Kreisen nur zu empfehlen/ Gottfried Salomo n. ß.V.e? Grass-DsiHb! Eltern, ssIiisSiS Eure Elteiter ia die O. B tJ £d*J Ljoyuö^s)vIsiLjijy Ä ■ Meldungen und Programm erhalten Sie im Büro: Emser Strasse 42IV i □ □r.] nn ir? jf