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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-04 · 45 (4.11.1932) · p. Seite 453

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
45 (4.11.1932)
Date
1932-11-04
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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4L3 // SesKZörckschr" örs SsWs§? In Nr. 35 der „C. V.-Zeitung“ .vom 26. August & J. nahmen Ludwig Holländer und Dr. Berthold W e i n b e r g zu einem Aufsatz des Wiener Germanisten Professor Josef Nadler über die Juden in der Literatur Stellung. Professor Nadler, der Verfasser der mehrbändigen „Literaturgeschichte nach Stämmen“ hatte im Augustheft der „Europäischen Revue6* die Auswüchse gegeisselt, die seiner Ansicht nach durch die Mitarbeit der Juden im deutschen Schrifttum verschuldet seien. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung46 hatte den Aufsatz von Professor Nadler abgedruckt. Trotz der ausführlichen Behandlung, die der ganze Fragenkomplex auch im Anschluss an die Aussprache mit Paul Fechter über den vermeintlichen Antigermanismus der Juden in diesen Blättern bereits erfahren hat, geben wir nachstehend Ernst L i s s a u e r zu einer Erwiderung an Professor Nadler das Wort, da gerade Lissauer, der Dichter grosser deutscher Stoffe, uns durch seine Person wie durch sein Wissen besonders geeignet scheint, die Anschuldigungen Professor Nadlers zu widerlegen. Die Schriftleitung. Am 17. August, in.Nr. 334, hat die „Deutsche Allgemeine Zeitungden Aussatz „Tie Juden und die Literatur' wiedergegeben, der in: Augustheft der „Europäischen Stcüue' erschienen war. Ter Aussatz kam mir erst später zu Gesicht, und dringendste Arbeiten verhinderten mich^ die damals sogleich geschriebene Antwort druckreif gu redigieren. Notgedrungen wach ich auch von meinen eigenen Arbeiten sprechen. Professor Nadler behauptet, daß im geistigen Betrieb die Juden überwiegen. Ist die Zahl der Schreibenden gemeint oder soll niün die Stimmen wägen? Ich nenne an einflußreiche!! jüdischen Theatertrttikern, die an^sogenannten jüDifd-en' Blättern wirken, vor allem Jtzeriug und Ticbold, einflußreiche nichtjüdische Theaterkritiker sind Fechter, Geck (wie- - herum an der „Frankfurter"). M e Uj* mann vom „Hamburger Fremdeuölattch Schmitz von der .Kölnischen', Düssel vom .Muen Stuttgarter Tageblatt". Ich habe diese Fragen nicht studiert, sondern bringe bei, was mir aus 25 Jahren schriftstellerischer und seit etwa 19 Jahren dramatischer Arbeit und also wohl allgemein bekannt ist. H e i l b o c n, seit Jahrzehnten Berliner Theaterkritiker der .frankfurter Zeitung' und der „Literatur', ist Halbjude und. wie aus seinen Büchern hervorgeht. überzeugter Protestant. Es ist aber-, ein Irrtum anzunehmen, daß der Erfolg und der Besuch eines Theaterstücks mir von der sogenannten großen Presse abhängt. Berlin hat seit Jahren seine Stellung als Borort der deutschen Bühne eingebüßt. im Reichs sind die mittleren Zeitungen, im Westen und ^üdcn die katholischen Zeitungen ungemein wichtig, überall in mittleren Städten besonders die Generalanzeiger. Bei diesen ist mir niemals ein jüdischer Name ausgefallen. Tie Herren des Nrmdfunks, von denen ich weiß — ich meine die Zeit vor dem großen Personenwechsel —, sind größtenteils feine Juden: Schubotz und Dürre von der Deutschen Welle, B i f ch o f f in Breslau, Hardt. IHtmann, Nieth in Köln, Habersbrunner in München, Bofinger in Stuttgart, N e u b e ck, Fischer, Jäger in Leipzig, Koppen an der' Berlar Funkstunde, Nüchtern, H e n z, R e i f d) c cf in Wien. Als Juden bekannt waren mir nur Karl M etzer in ^Stuttgart und Arnolt Bronnen in Berlin. Diese Vu.u.rpttmgeu beruhen lediglich auf meiner begründ sten Vermutung: denn ich habe nicht nach -er ulltamumng dieser Herren geforscht. Aber es wäre notwendig, endlich einmal dieses gesamte Bereich abpugrenw-u und statistisch zu erfassen. Selbstverständlich nur Statistik des Glaubensbekenntnisses oder der Abstammung: _ leineswwgs gebe ich zu. daß jüdische struiwr. Verleger, Rundßmkbeaurte nun auch Inden bevorzugen, Nichtjndcn benachteiligen. Auch tkl mäDe, nach 'Druckschriften, Vorträgen usw., statistisch festgestellt werden. Es dürfte schwer scm, einen grundsäblichen Unterschied Zwischen der ^Berliner Illüstrirten' und, der .Läünchcuer' oder ,KNniMu' Nachzuweiseu: oder zv. 's" en dem Ullsteinschen ^Uhu' nab dem Scherls.gen ^Magazin", lieber- Haupt steht dem Ullsteinschen der Scherlsche Konzern feit Jahrzehnten mit gleichem Einfluß gegenül^e^ Vollends die altbekannten, einflußreichen Zeitschriften sind im Besitz nichtjüdischer Verlage und wurden und werden von nichtjüdischen Redakteuren geleitet: ..Westermanns Monatshefte", die ..Velhagenschen', ..Universum', „Türmer", „Gartenlaube", „Kuustwarth Im Verlag Trederichs — auch schon zu Lebzeiten Errgen Diederichs' —, im Jnselverlag, in der Reclamscheu Universal-, in der Insel-Bücherei ist der Anteil auch lebender jüdischer Schriftsteller nachweislich ungemein gering. Aber ist es denn mm wahr, daß Juden stets Inden [oäen und fördern? -Dian untersuche daraufhin z. B. Baös Tücher über die moderne Dramatik. Ich für meine Person habe mich über die Abstammung niemals gehämmert, ob ich nun Leo Greiuer rühmte, Klabunds Unechrhoit auszeigte oder über Heine mit rveseuttichen Einschränkungen. schrieb, im Gegensatz etwa zu Storm. Die schärfste Schrift gegen Heine stammt von dem Juden Karl Kraus. Hauptmann ist von einem jüdischen Theawrdirektor, B r a h m. entdeckt, von dem Juden S. F i s ch e r verlegt, von dem Juden K e r r gefeiert worden. Der größte Erfolg der letzten Jahre war „Gneisenau' von Wolfgang Goetz, der einer alten mitteldeutschen Familie entstammt. Die bevorzugtesten Schriftsteller der „Frankfurter Zeitung" sind Unruh und B i n d i n g. All btCje Beispiele fallen mir von ungefähr ein: sie ließen sich weithin vermehren. Professor Nadler behauptet ferner, daß alles, lvas mit „Heimat und BodmständigkAt' zu tun hat, von Juden „peinlich gemieden, im ganzen lächerlich gemacht oder 'bezweifelt wird'. Es wäre gut, wenn er hierfür den Beweis anträte. Tn dieser stelle muß ich nun von mir sprechen. Seit über 2.5 Jahren führe ich an der ^Literatur', dem ehemaligen „Literarischen Echo', den Bericht ül>er die zeitgenössische Ltzrik. Hier habe ich auf heimatlich gefundene, insbesondere auch auf Dialektdichter mit besonderer Teilnahme hmgewiesen: z. V. auf Burtes alcrnannisches Gedichtbuch „Madleech. auf die plattdeutschen Gedichte von Herumim Claudius: auch sonst auf wenig bekannte, provinziell bestimmte Dichter, wie Hofer, Nhyrr, Willu Arndt: zum Teil da in auch in anderen Blättern, llluer Fried rill' Schnacks erstes Leines GNich.öuch „Herarü uralter Tag!' habe ich 1912 ata erster rühmer.d geschrieben. aus der Art der Gedichte seine sräukiche Abstammung erkannt und sie horvorgeeobeu. Mar Mells Gedichte habe ich mit herzlichster Liebe begrüßt; und sofort. Daß im in der Tiederichsschen „Tat" 1912 mir hörnst er Awtt.u z über H olbe n Hetzers „Amor bei" bocrchw.e. mag in der Höhenlage, auf der wir uns hier bewegen, nicht wichtig sein, da ja Spinoza ein Jude ist: aber der erste große Austatz, den ich über Kolbenhoyers „Paracelsus" las, etwa 1011 in der „Neuen Freien Presse', staumste von dem Juden Stefan Zweig. Tie angebliche Verjuduug des Theaters hat nicht gehindert, daß Kolbenhevers gewichtiges Drama „Die Brücke" au zahlreichem Bühnen mit großem Erfolge gespielt wurde, und ebenfalls nicht, daß sein dösig verfehltes Traum „Das Gesetz in dir" au überaus vielen Bühnen gleichzeitig zur Urmüführuüg angenommen ward. Wie sich jüdische Kritiker dazu gestellt haben, weiß ich nicht: aber daß Timm n. lein in den „Münchener Neuesten Nachrichten' es ab lehnte, das ist mir bebnan. lieber ch ö n h e r r hat die „Neue Freie Presse", und auch, soweit meine Kenntnis reiche, das „Neue Wiener Tagblatt' stets mir größter Hochschätzung berichtet, und ich habe in der Preist zahlreiche Beitrüge Schonherrs gelesen, z. B. erschienen hier zuerst Akte aus „-Frau Suitner", „Volk in Not", „Judas von Tirol". Rudoll Haus B a r t f djJ echteste Dichtung, der gewiß bodenständige „Steirische WeinstrhruMm', bar zuerst in einer Feimummer der ..Neuen Freien Presst' gestanden, 1911 oder 1912. Ist Wi'lheur Schäfer bodenständig? Nun, viele seiner Aufsätze Romane, Novellen standen in der „Frankfurter Zeitung' und der „Vossistchen': seine bedeutend: Arbeit über den „Schriftsteller' erschien in de: soziologischen Sammlung ,Die Gesellschaft', die der Zionist Martin Buber herausgab: es sei unlerftrichen: a:ü dieser repräsentativen Stelle ließ Buber nicht einen Juden, sondern einen Nttchrjuden. Wilhelm Schäfer, über die soziologische Bedeutung des Schriftstellers schreiben. In der Broschüre „Bekenntnis zu Wilhelm Schäfer', die 192Z zu seinem M. Geburtstag erschien, sind diese Juden vertreten: Bab, Felir Braun, Dr. Walter Cohen, Leo Stern l borg. Dr. Paul c c l i q m a n n, ich selbst Diese Ta buchen lassen wohl zumindest erkenne'.:, daß die Aussagen Professor Nadlers erst bewiesen lverdeu mimen. Vor allem aber ist es falsch, daß das Publikum nicht weiß, wer jüdischer Abstammung ist; denn die antisemitisch.: Presse betont es ja stets. Gerade 'wichtig: jüdische Schriftsteller haben ihr Judentum, niemals veröehlt. Stefan Z rv e i g, Arnold Zweig. Schnitzler, W a) f c x m a n n. Georg Hermann, Werfel, B a b; auch ich habe mein Judentum selbstverständlich niemals irgend versteckt. Heilborn gilt oft als Jude. y '■ys?üü @ Sie fordert von uns auch readh dem 6. November üig 0D3-ööC!00UUZ r\ ^>n n OS f* Deshalb £) [3 © €«¥. u d {**$ C’1 B SS LJiOP m :: v- ^s fei Dwck X

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