Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- Seite 450 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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450 die Begehrlichkeit der Besitzlosen abstellt, und flugs wechselt inan Trcnudch'chterl, Begrstw. Grundsätze. Man ü ~ m br wri'cker ll'ckwsvanmmg die genu. r.ne stchmo Be.r.rnon der Nationalsozial.st.u w'd der .iwmwuuiü.n — die man mm pl-. reicht mehr Bolsche-- wisten nennt — in nahe Ansicht, um neue, durch Not und Verzweiflung uriousloftre Wählerschichtm an Lrolle derjenigen zu erfassen, die den Nationalsozialismus zu verlassen beginnen. „Ter Nationalsozialismus läuft Amok", äußerte vor wenigen Tagen eine Persönlichkeit, der auf Grund ihrer Dienststellung nationalsozialistische Versannnlungsberichte aus allen Landesteilen zugeleiter werden. Als Richtlinie scheint ausgegeben zu sein: noch radikaler als jede andere Gruvpe, und so werden Giftstoffe auf Giftstoffe in den geschwächten deutschen Volkskörpor hinoingepmupk. Wir deutschen Juden konnten fast eingebildet werden aus die zentrale Bedeutung, die man uns auch bei diesem Wahlkamps wieder bei der Lösung aller Gegenwartsprobleme öeimißll Ter „Westdeutsche Beobachter" füllt die Titelseite einer Sonderausgabe, die im Rheinland in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet wird, mit einem Ausruf gegen die deutschen Juden, der so beginnt: . „Teulscher Volksgenosse! Einer trägt die schuld an Deinem und Deines Volkes Elend. Einer, den so viele ehrliche deutsche Wähler immer noch nicht erkannt haben. Gewiß, außer diesem Einen find andere mitschuldig. Aber dieser Eine trägt die Hauptschuld: der Jude! Der Jude ist der Totengräber Teutschlands und der Welt!" Alle Parteien von den Kommunisten bis zu den Teutschnationalen und Stahlhelm würden von Juden beherrscht, Presse, Hochschule, Bankwesen, alles sei unter jüdischer Herrschaft, alles diene der Vorbereitung für das jüdische Weltreich. Aber, heißt es weiter: „Deutscher Volksgenosse! Das darfst Tu nicht dulden. Tu mußt das Judentum als Deinen und Deines Volkes Feind bekämpfen. Tu mußte Antisemit wer- . den. nicht aus Haß, sondern aus Liebe zu Deinem Volke, weil Tu nicht willst, daß der Jude Tein Vaterland zerstört. Wähle keine Partei, in der Der Jude herrscht. Auch nicht die Negierung von PaKen, denn Papen wird vom Judentum gelobt!. Und damit ist die neue Walze angedreht, die in der nationalsozialistischen Agitation jetzt abläuft. - . In Ob e r f ra n k e n und im V o g t l a n b klebt an den Anschlagsäulen ein riesiges rotes Plakat. Darin wird zunächst sestgestellt, daß man früher der „Partei der sozialdemokratischen . Judenknechte Negicrungsbildungen" Zubilligte, daß man aber den „nationalsozialistischen Freiheitskämpfern" das gleiche Recht ver» . weigert habe. Und dann heißt es: .Warum hat mau internationalen Sozialdemokraten das gestattet, was mau der deutschen Freiheitsbewegung verweigert? Ter Jude steckt dahinter! Er weiß, daß er in einem Hitler-Teurschland nichts mehr Zn sagen hat. Er weiß, daß dann: die Inden uuwr Fremdengeütz gestellt werden. Er meist, l:ß dann Schieber, Wucherer, "uW'mer. Ra' rcha wer mit dem Tode scherst werden. Darum hat er die Reaktion, seine letzte Hilfetruppe, mobilisier!. F-rerrr; von will Z:n Juden ihre Vorrechte lallen, 'Adolf Hitler will den Juden die Vorrechte nehmen, er will dem deutschen Volke wieder zu allen ' feinen Rechten verhelfen. Darum argen Juden und Reaktion, wählt Hitler." Ein anderes Ptaka t stellt ein Rennen dar. Den weitaus größten Teil der Tribünen füllen begeistert jubelnde Nationalsozialisten. In einer Loge, die die Aufschrift „Herrenklub" tragt und in deren Hintergrund ein Tavidstern leuchtet, stützen karikierte Juden den schwach hnmnkenden Herrn von Papen. Tie übrigen Logen sind „reserviert für Bonzen". Auf der Rennbahn selbst geht mit vielen Längen sieg-' reich der nationalsozialistische Reiter durchs Ziel, die Halenkreuzfahne schwingend. Hinter ihm schnaubend und leuchend der kommnnistische, der Zentrums-, der sozia ldemotransche und der deutschnationale Renner. Sie kommen nicht von der Stelle, denn hinter den Parteireitern hockt dick, aufreizend, hemmend ein karikierter Jude und betastet die Partei. Ter „Illustrierte Beobachter" gruppiert um eine Festtafel Herrn von Papen und einen Kreis von Mitgliedern des Herrenklubs, von denen 80 vom Hundert „jüdisch" aussehen — an der Wand hängt als Patron des Ganzen das Bildnis Jakob Goldschimdts; eine Wandtafel tragt die Inschrift: „Nie darfst Tu im Kaftan aus schlichtem Flanell sein! Tein Nationalismus ist legitimiert. Wenn Tu im Frack kommst, dann kann es sehr schnell sein. Daß Tu für Vakanzen prädestiniert." (Darunter ein Tavidstern.) Tie berüchtigte, eine ganz gemeine antisemitische Fälschung darstellende angebliche „Jüdische Glaubensgemeinschaft Teutschlands", die vor den letzten Wahlen ein natürlich auch gefälschtes Flugblatt mit der Aufforderung an die deutschen Juden, kommunistisch zu wählen, verbreitet hat — wir haben diese elende Verleumdung als solche immer und immer wieder enthüllt —, tritt mit einem neuen Flugblatt aus den Plan, das der „Thüringer Nationalsozialist" „enthüllt". Diesmal empfiehlt sie aber Zeitgemäß nicht Stimmabgabe sür die KPD., sondern für die Teutschnationalen und Herrn von Papen. Tie jetzige Fälschung wird durch die Angabe eines Postscheckkontos für Berlin und Karlsruhe noch vergröbert. Ter C. V. hat auch dieses Mal die Angelegenheit dem Reichsminister dos Innern Zur Kenntnis überreicht mit dem Ersuchen, dieser verhetzenden Fälschung durch eine amtliche Auflageberichtiguug entgegenzutreten. - Ter Führer der nationalsozialistischen Preußensraktion, der All-geordnete K u b e, läßt durch die „Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" einen Artikel verbreiten mit der Ueberschrift „Judentum und Reaktion" und dem Untertitel „Hugenoerg, Judas letzte Hoffnung. — Schlagt die deutschnationalen Schiidualter der Judenkucchstchcf!". In nativna!sozio:iüischeu Wahlversammlungen wird der Inhalt eines vertrau! : c e u R u n d s ch r e r b e u s des Centralvereins ernstellt und versö.llchst vorgckragen und Wenn die Feststellung geknüpft, der Centraloerstn habe ein „Welitelearamm" an alle Juden gerichtet, sie mögen die Regierung Papen suchen. Sogar mit Barmat bringt man Pa een in Verbindung, weil er vor langen Jahren einanal angeblich im Amsichtsrat der Preußischen Hypothekenbank gcstschr habe, deren Majori tcin den -Händen der Barmats gewesen sei. * W i t praucken weder Herrn von Papen noch die Teutschnationalen noch irgendwelche anderen Parteien gegen die Gehässigkeiten und Verleumdungen der Nationalsozialisten zu verteidigen. Diese Gruppen sind auch ohne Hilfe sehr stark mib teilweise im Besitze der Macht. Wir haben genug und mehr allo genug damit zu tun, die Verleumdungen, die gegen unsere eigene Gemcimchast gerichtet werden, zu bekämpfe:! mib zu entkräften. Wir haben diesen stampf niemals unter dem engen Emch-skreis geführt, daß wir den Judenhaß nur um unserer selbst willen mir allen Kräften zurüudrängen wollen, sondern stets ans der größeren Erkenntnis, daß in ihm anarchische Elememe enthalten find, die zur Zersetzung jeder Gemeinschaft führen, in die ihr Bazillus einmal eindringt. Es wird Zeit, daß die ernsthaft „ansbanwilligen" Kräfte in Tem'chland das einsehen. Aber, solange man nur die Gleichsetzung: Teur'ckes Judentum deutsche Linke — Marxisten, Sozialisten. Kommunisten — iand, war der deutschen Rechten der Antisemitismus als Bundesgenosse im Kamps gegen die Linke gar nicht io unangenehm. Jetzt, ba auch die Rechte den Radikalen als.Ferjudet" gilt, jetzt wäre es wohl au der Zeit, daß alle deutschen Kreise — mit Ausnahme der NBimnalsoziatisten die Echährlichkeit des Annstmittsmus erkennen und den Schlußstrich umer diese traurige und kulturlose Epoche setzten. - Das ist nicht bis zum 6. November zu schaffen. Und auch das, was wir deutschen Juden, was der Eentralverein tun kann, um diese Entwicklung zu beschleunigen, kann erst nach dom 6. November in Angriff genommen werden. Bis dahin bestellt nach wie vor als vordringlichste Aufgabe die Verpflichtung, am 6. November zur Wahl zu gehen und richtig zu wühlen. Richtig wählen heißt, einer solchen Partei die stimme geben, sür die jeder Deutsche gleichwertig ist, den Hcimawerbundenheit, Pftichwcreitschast und Verantwortungsgefühl sür die gesamte Gemeinschaft wie sür seine Familie bei seinen Erwägungen leiten. Jede derartige Entscheidung ist eine deutsche Entscheidung, und darum soll der jüdische Wähler sich nicht verwirren lassen, wenn man ihn in die, wie die Erfahrungen der letzten sechs Wochen ja gelehrt haben, verhängnisvolle Spaltung von deutscher und undeutschor Entscheidung hineinziehen will. Ter 6. Noruuwer ist ein' Tag wor:loser Erklärung unserer politischen. Schicksalsrwröuudcn-! Li . T- S ■ ~- ,f;; J