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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-28 · 44 (28.10.1932) · p. Seite 443

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
44 (28.10.1932)
Date
1932-10-28
Page
Seite 443 (sequence 7)
Language
German
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443 N/ d» V- NX &"•*? V 'V Sir Zu dem kürzlich im Verlag Leopold Klotz, Gotha, erschienenen zweibändigen Werke „Tie Kirche und das Tritte Reich, Fragen und Forderungen deutscher Theologen", stcllr uns ein bekannter Superintendent nachstehende Besprechung zur Verfügung: Leopold Klotz, der Herausgeber und Verleger dieser beiden Sammelbändchen, hat mit der Sammlung der Urteile über den Nationalsozialismus das Beste gewollt. Mit Recht kann man ihn als einen bewußt bibelchristlichen Buchhändler ansprechen. Er stammt aus dem schwäbischen Pietismus, hat viel Verbindung mit Theologieprofessoren und Pfarrern und hat selbst in kirchlichen Parlamenten mitgearbeitet; gerade sein Verlag ist es, der allen großen religiösen und geistigen Bewegungen stets Verständnis und Forderung entgegengebracht hat. . IN an darf darum überzeugt sein, daß es ihm heiliger Ernst damit ist — wie er sagt: eine Plattform zu schaffen zur Auseinandersetzung über das Verhältnis zwischen Kirche — gemeint ist die evangelische Kirche — und Nationalsozialismus. 43 Männer und Frauen: führende^ Theologieprofessoren, Politiker, Gemeindepfarrer, Studenten — Parteigenogen und Gegner der Nationalsozialisten —, Männer und Frauen aller theologischen und kirchlichen Richtungen und Schattierungen sind von ihm befragt worden und haben sich freimütig darüber geäußert, in welchem Derhättnis Kirche und Trittes Reich zueinander ständen oder stehen müßten; und immer wieder spürt man das Streben, sachlich zu bleiben, spürt man den guten Willen, der Kirche und dem Nationalsozialismus zu helfen, sich gegenseitig zu verstehen, ihre Kompetenzen gegeneinander abzuwägen, im anderen eine Aufgabe zu sehen. Wo die Kritik am Nationalsozialismus zu Worte kommt, da ist's nicht Parteigegnerschaft, die diese Kritik übt, sondern das klare, entschiedene „Sich-unter-die-Bibel-Stellen" — also in Wahrheit ein „positives Christentum". Tie Nationalsozialistische U e b e r Wertung der Rasse, des Blutes; ihre Aushebung der schöpfungsgemäßen, also gottgeordneten Einheit des Menschengeschlechts; ihre, man mochte sagen, mehr wie nationalistische Stellung zur Bibel, ihre Ablehnung der Missionsarbeit der Kirche — das alles wird in das Licht des Bibelwortes gestellt — mit der Wirkung, daß man erkennen muß: die Menschen des Dritten Reichs, soweit sie mit Leib, <aeele und Geist überzeugte Nationalsozialisten sind, können nicht Träger und Vorkämpfer „positiven Christentums" sein, sondern nur seine Missionsobjekte. Damit wird natürlich nicht allen Parteigenossen ihr Christentum abgesprochen; manch einer hat sich aus Nationalrdealismus der Bewegung angeschlossen und sieht als christliche Persönlichkeit nun seine Aufgabe darin, religiöser Sauerteig innerhalb der Partei zu sein. Tie Anerkennung dieses gewiß löblichen Vorsatzes ändert aber nichts an bziii biblisch begründeten Urteil über den Nationalsozialismus, wie es uns immer wieder in den beiden Bändchen begegnet. Wiederholt wird darauf hingewiesen, daß die Frage „die (ev.) Kirche und das Tritte Reich" gerade in diesem Jahre für die evangelische Kirche von besonderer Bedeutung sei, weil im Herbst d. I. — am 12. oder 13. oder 14. November — in Preußen die Neuwahlen zu den kirchlichen Körperschaften, zum Gemeindekirchenrat und zur Gemeindevertretung, stattfinden und die Nationalsozialisten sich an diesen Wahlen beteiligen wollen. Aus den kirchlichen Körperschaften der einzelnen Gemeinden wachsen heraus die Synoden und endlich der Kirchenstaat, also die gesetzgeberischen Körperschaften der Kirche; gelingt es den Nationalsozialisten die Majorität in den Gemeindekörperschasten zu erobern, so bedL? DoL'Ä LstÄO kommen sie über kurz oder lang die evangelische Kirche in ihre Hand. Wird das Tritte Reich Wirklichkeit, so würde die evangelische Kirche also in ihm Staatskirche werden — nach dem im Nationalsozialismus herrschenden Geist: sein völlig willenloses Instrument, seine Politik und seine Moral religiös zu sanktionieren. War die evangelische Kirche schon früher als Ztaatskirche in ihrem freien Wirken eingeschränkt — so sehr, daß jeder, der die evangelische Kirche in Wahrheit als K m ch e wollte, die in der Weimarer Versagung ausgesprochene Trennung von Kirche und Staat mitFreude begrüßte —, im Tritten Reich mit seiner Turchsetzung des „totalen Staates" wäre die Kirche als wirkliche Kirche unmöglich. Mag der Nationalsozialismus der Kirche auch immer wieder Eristenzsicherheit im Tritten Reich zusichern, das, was der Nationalsozialismus dann K i r ch e n e n n t, i ft nach evangelischer Auffassung nie und n i m - mer in Wirklichkeit Kirche. Darüber muß sich die evangelische Kirche gerade jetzt vor den Kirchenwahlen völlig klar werden. Eine Auslieferung der evangelischen Kirche an den N a t i o n a l - sozialismus bedeutet für die evangelische Kirche Untergang. Es ist wohl das erstemal, daß eine politische Partei, also ein nicht einhurkim koummonoms Gebilde — eine Partei, tri seien Leitungmehr Katholiken als Trotouautm nrun, die auch eine stattliche Anzahl Tn'Dmtcn zu ihren Anhängern zähl: — vei'u-durch Wahlbeteiligung an rein kiiäuichen Wahlen bestimmenden Einfluß am die evanarli'che Kirche zu gewinnen! Worin das süb.rr, zeigt die Tatsache, daß auch b.ockus die rckigiö'en ^oziaLiüen, also Sozialdemokraten, an fangen, ihre Parteigenossen für die Wahlen mobil zu machen. Was einem reche in, in dem andern billig. Paktiert die eranaelim'e Kirche mit den Nationalsozialisten, kann üe es nicht ablehnen, wenn sich auch die anderen politischen Parteien mit besonderen Linen an den Wahlen beteiligen wollen. Tie Kirche, die über allen Parteien neben soll, für die politische Parteibindung ihrer Glieder deren Privatiache sein und bleiben muß, ne wird Arena parteipolitischer Kämme, in dann aber nicht mehr Kirche, weil außeonnnde, ihre rein religiöse Aufgabe am Volk m erfüllen. Tie evangelische Kirche steht alw im Augenblick vor ganz schweren, weitwirkenden Entscheidungen — leider hat man nicht immer den Eindruck, daß der Ernn der Lage allckitig erkannt wird. Klotz hat sich darum durch die Herausgabe seiner Urteile gerade in diesem Augenblick ein großes Berdieaü um die evangelische Kirche erworben: und man kann nur wünschen, daß recht viele uvanaelnche, vor allem evangelische Pfarrer, sein Büchlein in die Hand nehmen und darin stadieren. "1) r*Üä CI £j &r\ ) H 'M n ach /^\ gZ ü jt J U Vor den Wahlen linden in allen Landesverbänden des Centxalvereins Versammlungen statt. Wir geben nachstehend die bei Redaktionßchluss vorliegen: Ankündigungen soweit sie uns Brcss-Esriia Dienstag, den 1. November 1932, abends 8% Uhr: Lehrervereinshaus, Alexanderstrasse 41. Dr. Friedrich Brodnitz, Mitglied des Hauptvorstandes, Arnold Stein. Mitglied des Hauptvorstandes, Dr. Altred Wiener, Syndikus des Centralvereins. Mittwoch, den 2. November 1932, abends 8% Uhr: Logenhaus,- Kleiststrasse 10. Dr. Bruno W eil, Stellvertreter des Vorsitzenden des C. V-, Dr. Karl Rosenthal. Mittwoch, 2. November, nachmittags 5 Uhr: in Breslau, Gemeindehaus. Wallstrasse. Tagung der Vorsitzenden der Ortsgruppen des Landesverbandes. Syndikus Dr. Fraenkel: ..Die Reichstagswahlen uni der €. V.“ Mittwoch. 2. November, abends S Uhr: in Breslau. Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Breslau Lessing-Loge. :3 Eiri-isr ISif^ luüiui miikmüüu* Sonntag, 30. Oktober, vormittags 1\% Uhr: Landesverbandstagung in Berlin, Logenhaus, Berlin-Wilmersdorf, Emser Strasse 12/13. Rabbiner Dr. Martin Salomonski (Berlin) und Dr. Hans Reielimaun (Berlin), stellv. Syndikus des C. V. Iß&BftSJ (E0SK31 Sonnabend, 29. Oktober: in Königsberg. Gemeindeversammlung im Löbenicht-Realgymnasium. Dr. Friedrich Brodnits (Berlin). Sonntag, 30. Oktober, vormittags 10 Uhr: in Königsberg. Ausserordentliche Landesverhandstaguug in den Räumen Steindamm 144/145, II. Dr. Friedrich Brodnitz (Berlin) und Syndikus Michelsohn (Stettin). teiassfc Sonntag, 30. Oktober, nachmittags h-3 Uhr: Bezirkstagnng in Einbeck. Dr. Mauritius Kahn. Dienstag, 1. November, abends M9 Uhr: in Hannover. Dr. Bruno Weil (Berlin). Stellvertreter des Vorsitzenden des C. V. RLmckMTnn-llnu rA E:::sa Sonntag, 30. Oktober, mittags 21/ Uhr: Landesverbandslagung in Bebra. Dr. Alfred Wiener, Berits. Auserdem spricht Dr. Alfred Wiener in Fulda, Esekwege, Frankfurt su 1L Weitere Ve rsanmi 1 u ngen: Samstag, 29. Oktober, abends 9 Uhr: in Wiesbaden- Sonntag,* 30. Oktober: in Rothenburg a. d. Fulda. Gemeindeversammlung. Vortrag: Rechtsanwalt Dr. S. Katzeustein (Frankfurt a. Main),

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