Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-10-28 · 44 (28.10.1932) · p. Seite 442

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
44 (28.10.1932)
Date
1932-10-28
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277983--07611-2288534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

442 dieser Beziehung zum Werkzeug seiner Partei gemacht hat, ist ihm zum ernsten Vorwurf zu machen und stellt in der Auswirkung, die sich in der Begründung des Ablehnungsgesuches gegen die Handelsrichter gezeigt hat, eine strafbare Verfehlung dar. Ter Ehrengerichtshof fügt hinzu: Auch vom Standpunkt der Partei aus lag kein Grund zur Besorgnis der Befangenheit vor. Insbesondere durste der Angeklagte das Ablehnungsgesuch nicht auf die bloße Vermutung stützen, daß die Handelsrichter Demokraten seien und daß sie einen Auftraggeber als früheren Offizier und Adligen für einen Antisemiten halten könnten imö deshalb befangen seien. Tie angebrachten Ablchnungsgründe sind haltlos. Ter Angeklagte als älterer, erfahrener Anwalt hätte erkennen können, daß das Verfahren der Kammer für Handelssachen vollkommen in Ordnung war. Ter Angeklagte hätte gut daran getan zu prüfen, ob sein Auftraggeber das Ablehnungsgesuch nicht lediglich zu dem Zwecke geltend machen wollte, um die Entscheidung in den anhängigen Klagesachen hinauszuziehen." Mmslen von Hakenkreuzen grober Unfug W. L. Das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. hat mit dem Urteil vom 30. August d. I. (abgepruckt in der „Juristischen Wochenschrift" Nr. 42, £. 3122) ausgesprochen, daß das Anmalen porr Wahlaufrufen und Parteilichen an öffentlichen oder privaten Gebäuden und sonstigen Gegenständen des öffentlichen Gebrauchs eine Störung der öffentlichen Ordnung und Belästigung des Publikums darstellt und deshalb als grober Unfug strafbar ist. An Hand dieser Entscheidung kann also auch gegen das Anmalen von Hakenkreuzen ringeschritten werden. Der Deutsche baZerverbanö gegen politische ^ehe In Bad Kreuznach hielt kürzlich der Allgemeine deutsche Bäderverband seine Generalyersammlung ab, an der u. a. auch Vertreter!es Reichsverkehrsmrnisteriums, des Auswarigen Amtes, der Reichsbahn, der Länderregie- ^ungen und verschiedener Weltfirmen leiluahmen. Neben mehreren Fachvorträgen verdient der Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Legationsrat Tr. T a v i d s e n (Berlin) über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs besondere Pachtung. Er forderte Maßnahmen gegen hie von jedem Gesichtspunkt aus verwerfliche antisemitische Hetze, die eines großen Kulturvolkes unwürdig sei. Viele amerikanisch Juden aus vermögenden Kreisen seien «n letzten Sommer wegen des Antisemitismus «icht nach Deutschland zur Erholung gekommen, wie die Statistik des amerikanischen Fremdenverkehrs beweise. Aehnliche Ausführungen machte auch der Derbandssyudikus Hauptmann a. D. Schmidt (Berlin). In den Bädern müge vor allen Dingen für Ruhe und Ordnung gesorgt werden. Das Publikum sei dazu zu erziehen, im Kurbezirk der Smdte unbedingt den Burgfrieden zu wahren. Mit Stolz könnte von den deutschen Badern behauptet werden, daß trotz der politisch unruhigen Zeit und trotz der wiederholten Wahlen kein Kurgast auch nur die geringste Belästigung erfahren habe. Kurorte müßten Friedensinseln sein. Dieser Herr Hitler! In der Zeitung „The New York Herold*, der Europa - Ausgabe von New York Herald Tribüne-, vom 29. September d. I., finden wir den Brief eines Berliner A'sirs. den wir ohne Kommentar in deutscher Uebcri'etzung nachstehend wiedergeben: Air den Herausgeber des „New York Herald!*' Ich möchte meiner Empörung über einen Artikel, den ich vor kurzem in Ihrem Blatte las, Ausdruck geben. In ihm wagte cs ein gewisser Ernest Häufstauger, ein Student der Harvard-Universität, der in Berlin vor einer Versammlung von amerikanischen Studenten sprach. Hitler, den radikalen Führer, mit unserem verstorbenen geliebten Präsidenten Theodor Roosevclt zu vergleichen. Es wäre schwer, zwei Menschen zu finden, die in ihren Gedanken und Idealen verschiedener sind als diese beiden. Theodor Roosevelt war ein Vertreter der Humanität. Er war der Vorkämpfer für alle verfolgten und unterdrückten Minoritäten. Es muß einen amerikanischen Bürger empören, wenn er sieht, wie dieser große Geist Roosevelt mit einem Menschen wie Hitler verglichen wird — zumal wenn dies von jemand geschieht, der Anspruch darauf erhebt, etwas von jenem Seist der inneren Anständigkeit verspürt zu haben, der an unseren Universitäten gepflegt wird. Dieser Herr Hitler, der nichts als giftigen Haß gegen die Juden in seinen: Herzen hat, dessen Absicht es ist, das Eigentum der Juden zu kLnfiszieren und sie aus einem Land zu vertreiben, in dem sie in Frieden Seite an Seite mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern seit Jahrhunderten leben, für das sie gekämpft und geblutet haben, damit Deutschland leben kann, dieser Herr Hitler ist selbst aus einem andern Land erst nach Deutschland gekommen, wo er die Unzufriedenen sammelt und der großen Armee von Arbeitslosen ein goldenes Ziel am Ende eines Weges von Fanatismus vorgaukelt. Edmund Burke sagte: „Ihr könnt nicht ein ganzes Volk verantwortlich machen." ckaw68 G. Conelly. Asm Grtsssupsen 3m Landesverband Mitteldeutschland Tie Organisation des Landesverbandes Mitteldeutschland, mit dessen > Betreuung der stellvertretende Syndikus des Centralvereins, Artur Schweriner, beauftragt wurde, hat zu einer erfreulichen Wiederbelebung der Arbeit in den Ortsgruppen geführt. Im Monat Oktober wurden fünfzehn Ortsgruppenversammlungen abgehalten, in denen mit dem Syndikus teilweise auch der Vorsitzende des Landesverbandes, Rabbiner Tr. Felix Goldman n. sprach. In Magdeburgs war es möglich, eine Reihe neuer Mitglieder zu werben, ebenso in Gotha, Suhl, Mülhausen und Jena. Auch die Versammlungen in Bleicherode, Nord hausen und Zerbst waren ausgezeichnet besucht, nur der Besuch der Veranstaltung in Eisenach litt unter einem orkanartigen sturm, der über ganz Mitteldeutschland tobte. In I e n a wurde eine neue Ortsgruppe Jena — Apolda gegründet, in der Arthur F r i e d m a n n als erster Vorsitzender. Alfred Rosewitz als Schriftführer und Kassierer und Mar Friedman n (Jena) und S t o r s ch (Apolda) zu Beisitzenden gewählt wurden. In der nächsten Zeit werden an allen Sonntagen Bezirkstagungen stattfinden. An: 13. November spricht in einer großenmitteldeutschen Kundgebung in Weißenfels Justizrar Tr. Brod-. nitz, am 16. November (Buß- und Bettag) wird in M a g d e b u r g eine Veranstaltung größeren Stils vor sich gehen. Weitere Bezirkstagungen sind in V a ch a i. Thür., Falkenst e i n im Freistaat Sachsen, Stendal in der Altmark usw. in Aussicht genommen. Um das Jnterepe für den Mitteldeutschen Landesverband zu fördern, ist allen Mitgliedern des Landesverbandes ein Exemplar der Broschüre ,Lllir deutschen Juden* mit der Bitte zugegangen, sich für die Verbreitung dieser ausgezeichneten Aufklärungsschrift besonders einzusetzen. C. v.-§rauengruppe Stettin Ter Vorstand der Ortsgruppe Stettin des Centralvereins hatte kürzlich die Frauen der C. D.-Mitglieber zu einem Vortrag von Frau Herta sabatzki, Königsberg i. Pr., über ,L) e r C. D. und die Frauen* eingeladen. Tre Rednerin' schilderte die gedanklichen Grundlagen des Centralvereins und forderte die Frauen auf, ihm mehr Gefolgschaft zu leisten; dazu sei die Gründung einer Frauengruppe erwünscht. Tie Versammlungsleiterin, Frau Ella Rieß, forderte dann zur Gründung einer Frauengrupps auf; sie wurde einstimmig beschlossen. Etwa 50 Damen traten sofort der Gruppe bei.Zur Vorsitzenden wurd-eFrauDr. med. Deen gewählt, zur stellvertretenden Vorsitzenden Frau M a n s b a ch e r, zur Schriftführerin Ilse L e w i n. Wir wünschen der Gruppe segensreiche Arbeit. O LJ U U* LJ U* U ©; •/ \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.