Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-10-28 · 44 (28.10.1932) · p. Seite 444

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
44 (28.10.1932)
Date
1932-10-28
Page
Seite 444 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277983--07613-2288536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

444 Quellen in der Bibel und im jüdischen Schrifttum LI ISS SMÄA.Erk'? Das Haken- oder G a m m a k r e u z , im Sanskrit S w a st i k a , hatte schon eine mehrtausendjährige Geschichte erlebt, als es überraschenderweise 1910 durch Guido L i st zum Heilands- und Kennzeichen der sogenannte« Arier gemacht wurde. Im Altertum lagen sich drei Hauptgruppen seiner Verbreitung Nachweisen: die spätneolithische elamische Gruppe, deren Ursprung Nordsyrien ist, die bronzezeitliche trojanisch-donaulündische Gruppe und die nachmykenische Gruppe, in der das Hakenkreuz vor allem auf kyprifchem und philistüischen Töpferarbeiten erscheint. Von dieser Gruppe aus ist es erst nach Italien unö Indien gewandert. Im Abendlande erfdCjcint es dann aus Münzen, Glocken und Wappen des Mittelalters. Es ist wahrlich ein buntes Durcheinander, wenn es sich in Indien als Viehmarke, in China als Amulett, in Japan auf Phallussteinen, in Troja als Geschlechtszeichen einer Göttersigur, in Afrika als Gewichtszeichen bei den Aschanti vorfindet! Auffallend und irreführend ist die Bemerkung im 8. Bande des Großen Brockhaus (1931s S. 17 unter „Hakenkreuz": „Seine Verbreitung rst also universal und keineswegs auf die sogenannten Arier beschränkt: «nur bei den semitischen Völkern (Von uns gesperrt. D. Schristleitung.) und den Australiern ist es unbekannt."' Der Verfasser des Artikels weist also nicht, daß das Hakenkreuz ein wiederlehrendes Ornamenk der alten jüdischen S y n a g o g e z u K a p e r n a u in in Palästina ist, und daß es ebenso wiederholt in den Bildern der jüdischen Torlonia-Katakombe zu Rom erscheint, ganz abgesehen davon, daß die mhkcnische und die kyprische Kultur in engstem Zusammenhang und in sortlvährender Abhängigkeit von der semitischen anftritt. Mit der Herkunstssrage ist noch nicht der Sinn des Hakenkreuzes erklärt. Dast es aus dem germanischen Mythus nicht erklärt werden kann, beweisen schon die nichtgermanischen Gruppen, in denen es erscheint. Seine Erklärung als Linearbild eines Tieres, etwa des fliegenden Storches oder eines Menschen, klingt schon wahrscheinlicher. Aber gegen diese Deutung spricht das vielgestaltige Auftreten als Phallusbild, als Geschlechtszeichen, als Gewichtsmarke usw. Schon diese vielfache Verwendung laßt vermuten, dast sich hinter diesem Bilde ein Schristzeichen verbirgt. Tatsächlich ist es auch schon als solches in der rmttelmmoi schon kretischen Schrist erkannt worden. Daß das Hakenkreuz . ursprünglich ein Schriftzeichen, mtb zwar ein hebräisches, nämlich der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets gewesen, zeigt ein Blick auf das althebräische Mphabet, iu der das Thaw (gesprochen wie griechisches Theta oder englisches LH') ein liegendes Kreuz ist. Lenen' linker schenket hakenförmig gebrochen vt Das Thaw galt in der biblischen Zeit als EigenLumsmarke Gottes, als Malzeichen. Las in die Stirne oder in den Arm bzw. in die Hand eingeritzt wurde, um den Träger dadurch als Eigentum Gottes und als unverletzlich sakrosankt) zu kennzeichnen (Jesam 44, 5 und 49, 10). Vom Hauptworte Thaw bildete das Hebräische ein abgeleitetes Zeitwort thawah — in. Thaw-Fonn ritzen, tätowieren. Im Buche dos Propheten Ezechiel (Kap. 9, Vers 4) spricht Gott in einer Prophetenschau zu^dem Engel: „Gehe durch die Mitte der <-lladt, mitten durch Jerusalem, und ritze das Thaw in die Stirne der Menschen, die leiden und jammern wegen aller der Greuel, die in der Stadt verübt werden"; und Vers 6 heißt es daun weiter: „Greis, Jüngling und Jungfrau, Kind und Weiber tötet, aber an jeden Menschen, der das Thaw trägt, gehet nicht heran!" Im Hieb- Buche spricht Hiob (Kap. 31, Vers 35): „<reht mein Thaw,- der Allmächtige soll mir antworten, Hier ist das Buch (das Zeichen), das der Mann, der mit mir streitet, geschrieben." Das Zeitwort „thawah" im Sinne von ritzen und tätowieren kommt auch im ersten Samuel- Buche Kap. 21, Vers 14 vor, wo David sich narrisch stellt und in die Holztüren der Tore Kerben schneidet. Vom Einschneiden bestimmter Malzeichen besonders als Symbol der Trauer um einen Verstorbenen ist in der Bibel wiederholt (3. Buch Mose 19, 26: 21, 5: 5. Buch Mose 14, 1; ^echarja 12, 3) die Rede. Ten Ausdruck „das Malzeichen Gottes an sich tragen" kennt auch das Neue Testament, wo Paulus im Galater-Brief 6, 17 schreibt: „Ich trage die Malzeichen (Stigmate) Jesu an meinem Leibe", ein Ausdruck, den auch die Apokalypse des Johannes (13, 16, 17: 15, 2; 14. 9) verwendet: „Er nimmt das Malzeichen (Charagma) auf seine Stirn und auf seine seine Hand." Durch diese Deutung wird die dunkle Bibelstelle (1. Buch Mose Kap. 4, Bers 15) erklärt, wo Gott dem Kain ein Malzeichen (olh) gesetzt, „daß ihn keiner, der ihn trifft, töten darf". - Die talmudische Legende (babti Sabbath 55a) kennt noch die unheilabweudende Kraft des Malzeichens Thaw. Es darf in diesem.Zusammenhang an die alte Vermurung erinnert werden, dast die alten Hebräer an Stelle des späteren Thefillin oder Gebetriemens Tätowierungen des Gottesnamens aus der Stirn „zwischen den A'ugen" und auf der Hand getragen (3. Buch Mose 13, 16; 5. Buch Mose 6, 8, 11), und daß das rätselhafte Wort totakot an diesen Stellen als Tätowierung zu übersetzen ist. Daß das Hakenkreuz auch in nachbiblischer Zeit den Juden als Eigentumsmarke Gottes bekannt war, ist wiederholt belegt. In der Mischua (Menachoth VII, 74b) wird die Frage nach der Form der Delsalbung der Speiseopfer dahin beantwortet: „Man salbt sie in der Form des Chi', was Nab Kahana un Talmud erklärt: „... in der Form des griechischen Buchstaben X." Tie Baraitha (Keriboth 5b) berichtet: „Man goß das Salböl auf das Haupt der Könige In Krauzwrm. auf da- Haupt bcr Priester in Fenn des Chi", was -nab Menasch ja h bat GaDöa „tu der Form des griechischen Buchstaben X" erklärt, wo Gr Horajot!) 12a: „in der Form des griechischen Buchstaben X" liest. Tie Kenntnis dieser Form der Eigentum-marke Gottes war auch den Späteren noch gegenwärtig. Das bezeugt Raschi (1040 bis 1104) zu 2. Mose 29, 6 und zu 3. Bl ose 2, 4 und Maünonides (1135 bis 1204) in feiner Gefetzesfammtung „Geräte des Heiligtums" 1, 9. Das Hakenkreuz bedeutet also nach einer langen Reihe einwandfreier Duellen nicht mehr und nicht weniger als dein Gott der Juden zugehörig u n d i h m heilig. Dr. Paul Rieger (Stuttgart). Manfred Georg: „Theodor Herzt": Ralph 2l. Höger Verlag, Berlin— Wien-Leipzig 4932 Dieses vor kurzem erschienene Buch stellt eine ausführliche Würdigung des Menschen Theodor Herzl dar. Auf Grund eingehenden Studiums der Her zischen Tagebücher zeichnet Manfred Georg mit warmer Begeisterung und objektiv wägendem Sinn das Leben dieses Alarmes und ''einen Kampf um das Ziel. Tie Jugend Herzls ersteht vor uns, in der noch keine Anzeichen dafür gegeben sind, welche Rolle er einst in der Judenheit spielen sollte. Erst verhältnismäßig spat erwächst in dem jungen Herzl auf Grund eines antisemitischen Borkommnisies mit elementarer Gewalt der Wunsch, die Judenfrage einer Lösung nahezubringen. In einem Begeisterungsraufch entsteht der „Judenstaat". Von nun an spielt sich Herzls Leben im Lichte der Deffentlichkeit ab. Der innere Zwang, seine Ideen zu verwirklichen, läßt ihn mit bedeutenden Staatsmännern in Verbindung treten. Tie zionistische Bewegung, getragen von der starken Persönlichkeit Herzls. wird groß. Manfred Georg ist ein guter Beobachter: mit psychologistchem Scharfblick zergliedert er die Persönlichkeit, verheimlicht auch nicht Fehler und Schwächen. So entstehr ein eindrucksvolles Bild des idealistischen Fanatikers Theodor Herzl. Die Entwicklung der zionistischen Bewegung nach Herzls Tode wird in den letzten Kapiteln behandelt. Diese geben eine gedrängte liebersicht über die einzelnen Phasen des Zionismus, über die Entwicklung und Legenwartige Lage Palästina?, über die Arabersrage und die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. Ein wirklich gutes, unterrichtendes Buch. M. Holz. r M i i i-ä I ' §i w \ i 1 r~~~' I L I w 1 Lj / I I r~ m «F - V.-. . i LU Lid kk? ]□ \ 1 j ii Tf\ f? T-i r M ki KjJ Via y U VjU, h «s’n *7 «t ps W?? m « B '■ " 1 f") ” w n rj fj f t **-;**> fS A3; w) m m .. r. \w ui ü u v. J! w j y l. yj ii ei '-csä ü 1 V w l? Li r-J : G r* kJ j yy ll rs 2 □ li.y cj k-j nS \n S" '*'"1 ■]-!: Ifa! 19?5 ■u: i » 1 »y fc J ti? 4 k Vjf 3 m p.nr? ps ': 5-I--1 .■ isi toiä i'wi w i j -- '•* - TJl'J. * Jl Li.i | ti - j m .iOi c”o Ss! ::: :":n > 5 .;■; r £ r : ' 'G 51 FS R A ■ •> * i : : r - . ti tv L Pi! -h .V L.., : 1 \ / /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.