Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-10-21 · 43 (21.10.1932) · p. Seite 433

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
43 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277982--07601-2288523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

433 ÜSer 25 Fahre «tt&e»-2}rfeÄ - tJi5Ö Sinxctvin*tvlil ( «Rheuma. 5ä^ü3T Sir Pf*, ' Rerven «.ErrärrLUgäschrLer-^sa ErruLsung» eircpcjv’3, LpsrL. Äannelitetcd*: Clmst ta allen Vpochrlen ur.b Drogerien. W ein ttUWZ LrsA von Professor Leopolö Jessnsr Im Lkwberhsft des „Berliner Gemeindeblattes" nimmt Professor Leopold Jeßnet, der ehemalige Gensralintendant der staatlichen Schmiedieihäuser, im Anschluß an die naiionalsoziLlrftifchen LandtagsLnträge xegcn die Beschäftigung „nicht reich-deutscher rder nicht deutschstämmiger Bühnenkünstler"' Oas Dort- Aus seinen beachtenswerten Ausführungen bringen wir nachstehend einig- Absätze. „Bis jetzt haben Theater, wo sie sich als ausschließliche Parteiunternehmen etablierten, nicht nur künstlerisch elend Fiasko erlitten. Ausschlußreich ist die Gegenüberstellung des Spielplans des Rationalthcaters in Weimar für das erste Vierteljahr 1929 und I960, also unter nationalsozialistischem Regime. D-er vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten so stark propagierte Kwlturausfchwung hat — nach dieser gewissenhaften Gegmüberstellung — nicht irn geringsten das Versprochene gehalten, zumal bei prozentualer Berechnung 1930 nur 14 Prozent der Ausführungen von Schauspielen gedeckt werden, wobei die Autorenschaft sich aus 10 Prozent Deutschen und 23 Prozent Ausländern zusammensetzt. In dieser Zeit verzichtete man im Jahre 1930 auch ans bis Uraufführung eines deutschen Autors, während 1929 unrer nicht parteimäßiger Leitung des Theaters drei Uraufführungen deutscher Verfasser herausgebracht wurden. Qb aber die Mehraussührung von Schwänken, deren Prozentsatz von 7 aus 30 stieg, einen kulturellen Aufschwung erweist, sei dem Hrlichen Urteil des jeweiligen Betrachters überladen. Tarum haben sie — die seit Jahren den Kampf gegen das Ausländertum führten — cs verstanden! die Kampsidee in destruktive Tendenzen labilsten Charakters umzuformeu, uni nun doch aus der fremdlandi'chen Literatur Nutzen ziehen zu können! ... Es ist traurig, daß das Kontingent des jüdischen K ü n stle rnachwuchses unter dieser Boykottbewegung leidet. Mer darum geht es nicht. Es ist traurig, daß auch einzelne große Künstler unter diesem Boykott leiden. Doch spielt der einzelne hier keine Rolle. Auch um ihn geht es nicht. Selbst nicht um die Belange deutscher Staats. Lürger jüdischen Glaubens. Es geht um die Belange des deutschen Theaters! der deutschen Kultur!" Die Kadrscha GrsZ-Derlis Scia drrsss Tagen jassrig I^'zre. Las sie irr Lie'cn zansi Jahrzehnten in tzrn Ehrendienst cn den Ea'strnc'ssiedkuen, m Wobitrnrreirsarbsit, irn Abhalten von IahrzeiLerr und anderen rrU-Mfen LreLrsdrsnsten ge'.an hat, ist jedes Lobes r«:t. Es ist besonders anzncrlsrnnen, daß in der Äleken gemeinde EraZ-L-erlvr der religiös. rhrWÜrdiar Osbrnkr der „heiligen BErrlchast" — me erste" Eründnnq fallt in Las Jahr 1672 — un« aeschmälrrr ansrecksterhalten ist, und deß noch heule m Grc'.L^r.'in Lausendvon Lstaanern bereit sind, das Lieoosn-sr^ der Lhewrn Ksdifcha ou-rrchtzuerha!. ten. W.ö^e die Chemra Kadifcsta Errß.Berlin weiterhin so seosnsrekH im religiösen und wohltätigen Sinne wirten rrie bisher. Veröea, Veftn, MZrt öss Calmuös Felix Goldmanns rrnrests Schrift Ein Gespräch satt vor Jahresfrist: Felix Goldmann, Rabbiner in Leipssa, Vorsitzender des Landesverbandes Mitteldeutschland des C.D., erzählt von seinen Surm gvgenvorträgen, die auch zahlreiche christliche Zuhörerschaft finden. Ter nächste Zyklus gilt dem Talmud. Goldmann, dieser genaue Kenner der Apologetik, hatte sestgestellt, daß en-.e auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende, dem modernen Sprach- und Tenkgefühl cnckgeaonkommende, das Talmudproölem in den Zusienunenhang gleichartiger autzerjüdischer Borüellungskreise einordnende Gesamtdarstellung die'er viel beredeten und wenig bekannten Fragen bisher nicht vorhanden sei. Verwunderlich, aber wahr. Tiefe Lücke will er ausfüllen. Und ein halbes Jahr später liegt das Manuskript nach den Vorträgen vor.^ Eine Broschüre soll die Referate zusammenfassen und einer weiteren Leffentlichfeit ihren Inhalt vermitteln. Wie erhält man jedoch gegenwärtig die weite st e Publizität einer jüdischen Veröffentlichung in christlichen Kreisen? Man läßt sie in der „M onatsausgabe der C. B. - Z e i t u n g" erscheinen! Zwei Sondernummern dieses wichtigsten Massenaufklarungsmittels des deutschen Judentums sind in diesem Jahre bereits in dielen hunderttausend Eremplaren in die aufklärungs-'ähigen Kreise des deutschen Volkes hinausgegangen: die erste war der kulturellen, politischen, historischen Herrn a t b e r e ch t i g u n g der deutschen Juden aus deutschem Boden gewidmet, die andere dem Kampfe gegen das Schläg - wort. Nun gab Goldmanns Arbeit die erwünschte Möglichkeit, die wichtigen Talmudfr a g en vielen zehntausend Menschen verständlich zu machen. Als dritte Sondernummer (August-September) der Mcuatsausgabe wurde die Vortragsreihe über den Talmud in ansprechender Aufmachung versandt, und der Widerhall im Leserkreise zeigte, daß damit ein geistiges Bedürfnis interessierter nichtjüdischer Kreise befriedigt worden ist. stoch jetzt werden täglich Abdrucke angefordert, die christliche Leser an christliche Bekannte weitergeben wollen. Auch außerhalb der jüdischen Seffenttichkeit hat Goldmanns Arbeit, die inzwischen (im Verlage von W. I. Kaufmann, Leipzig) in einer der Monatsausgabe-Fayung gegenüber ergänzten Form als Broschüre erschienen ist, lebhafte Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden. Im „Neuen sächsischen Kirchenblatt" (Rr. 89 vom 25. September) würdigt sie der bekannte protestantssche Talmudsoricher Professor D. Fieöig (Winzig) an leitender Stelle in einem drei volle Truckseiten umfassenden Referate, das außerordentlich instruktiv Inhalt und Aufriß der Studie angibt. Mehr als Referat ist eine Auseinondersttzung Fieoigs am Schlüsse seiner Betrachtung, die den Untertitel „Der Christ und der Talmud" führt. Fiebig entwickelt hier den tiefen Wesensunterschwd, der zwischen P r o r e st a n t i 3 m u s auf der einen Seite, Judentum und Kat h o l i z r § m u s auf der anderen Seite besteht. Manches, was der protestantische Theologe Fiebig über das Judentum als ein „mit Bewußtsein völkisches Volk" und die jüdische Religion als eine „nationale Religion" aussagt, wird man nicht ohne Widerspruch ausnehmen. Unabhängig davon gebührt Ficbiz angeregt durch Alwgprotestantischen Leserschasr wesentliche Ausschlüsse über manche, den meisten sicherlich nur verzerrt bekannte Gebiete des Judentums gegeben zu haben. A. H. ß iiu-x-aijW U'y Philo-Verlag, Berti n 15 Das neueste Heft des „Morgen", das nüt einer schönen, von Max Tienemann verfaßten Uebertragung aus der Neujabrsliturgie einzrleitet wird, enthalt eine Reihe von Abhandlungen, die wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung besondere Beachtung verdienen. Mit der Soziologie des Judenhasses setzt sich Gottfried Salonton auseinander. Ter Judenhaß wird, in Anlehnung an die Lehren Bernsteins und 52 pp e n h e i m e r s, als eine Art des menschlichen Gruppenhasies gekennzeichnet. An geschichtlichen Beispielen zeige <ralomon auf, welche Grscheinungssormen der Judenhaß tn den einzelnen Zeitabschnitten gehabt hat, aus welchen Zusammenhängen dies zu erklären ist, und welche Fragen und Aufgaben in der Gegenwart bestehen. Auf die geistigen Grundlagen dieses Antisemitismus unserer Zeit geben die Aufsätze von Volkmar F r o b e n i u s und Ludwig Holländer wichtige Hinweise. F r o b e n i u s sucht den Antisemitismus aus dem verschiedenartigen „Rhythmus" der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerungsgruppe zu erklären, der in den verschiedenen historischen Enttricklungsprozeyen der beiden Gruppen begründet fei. Frobenius kommt zu deni tRestrltat, daß wohl heute bereits Dtichtjuden und Juden gemeinsam am deutschen Staate Mitarbeiten könnten, daß die Juden aber am deutschen Volke erst Mitarbeiten könnten, wenn sie sich scharf und eindeutig von allen nicht in Deutschland lebenden Juden distanzierten. Demgegenüber weist Holländer darauf hin, daß bei aller Schwierigkeit der Begriffsbestimmung die Bindung der deutschen zu den nichtdeutschen Juden auf religiösem Gebiete zu sehen sei, und daß dieser gemeinsame Glaube aller Juden an eine messirnisiche Zutuns: eine Mitarbeit an der deutschen Bowsgesamtheir nicht nur nicht ausschließe, sondern daß diese Mitarbeit geradezu eine selöstoew'eändliche Forderung ser. Käme es für die Juden heute darauf am sich auf die inneren Werte ihrer Gemeinschaft zu besinnen, so käme es \üz die Nickstjudeu darauf an, schlagwortartige und uttrichnge Kennzeichnungen wie „jüdischer Intellektualismus" abzustreisen und die Bereitschaft zu einem harmonischen Zusammenleben aufzubringen und zu entfalten. Die Auseinandersetzung zwischen Frobenius und Holländer ist deshalb vor allem wichtig, weil hier, losgelöst von Fragen des Prestiges und er Taktik, die Gedanken offen ausgesprochen werden und das Bemühen des gegenseitigen Verstehens zu fruchtbarer Klärung Das Heft enthält ferner eine aufschlußreiche Arbeit Jsmar Freunds über „Staatsangehorigkeit und Staatenlosigkeit", Aufsätze von Friedrich Hertz über „Herodot als den ersten Weltbürger" und iilar Eschelbacher über „Jüdische Geheimgesetze", sowie Essays von Bruno Italiener über den Remürandtsckm Segen Jakobs und von Herbert K lein über den Menschen und Atusiker Ernest Bloch. Buchbesprechungen bilden den Abschluß des Heftes, das wegen her Fülle des dargebrachten Wissensstoffes und wegen der Aktualität seiner Auseinanoerschungen besonders lesenswert ist. Tirirrirrr , c ' ’i ( o;i h - Z- V S-! | : P*: ir5Sfzt. üfi;€5':z5 ':z5:;£ ’rr''cnrnrrnrrr~rrr^.nrrrrri ^— - M- - l y - ’ 1; (o i'! » <sZ 0 .{ c st i 'i n f( Dis Zahnp?,Si3 von ..j Sparsam im Verbrauch. \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.