Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-10-21 · 43 (21.10.1932) · p. Seite 432

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
43 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
Seite 432 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277982--07600-2288522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

432 1 Landesverband Hessen- Nassau und Hessen Samstag, 29. Ok tobe r , abends: Fulda, Gemeindeversammlung. Vortrag: Dr. Alfred Wiener t Berlin). Sonntag, 39. Oktober, mittags 2}£Uhr: Bebra, Landesverbandstagung. Vortrag: Dr. Alfred Wiener (Berlin). Sonntag, 30. Oktober, abends 8K Uhr: Eschwege, Gemeindeversammlung. Vortrag: Dr. Alfred Wiener (Berlin). Montag, 31. Oktober, abends: Frankfurt a. BL, Mitgliederversammlung. Vortrag: Dr. Ludwig Tietz (Berlin). der im III. Buch Mose unb im Neuen Testanieiu steht, dem Sinns nach kommentiert: „Und will du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein". Wer sich dre Nächstenliebe so bequem macht, bei dem wird sie vor krachenden Schädeln wenig hörbar bleiben. Es muß ein klein wenig prinzipielle Gesinnung anerkannt werden, wenn man sich aus Gebiete der Ethik und Religion begibt. Tie Kivchmwahlen haben eine lebhafte Kontroverse innerhalb der evangelischen Geistlichkeit und seitenZ der Kirchenbehörden hcrvorgerufen. was \a sehr natürlich ist. In Württemberg hat der evangelische Oberkirchenrat der Geistlichkeit jede Stellungnahme zu den Wahlen verboten. Generalsuperintendent Tr. O. T i b e l i u s fordert, daß die Kirche in diesen Kämpfen immer Kirche bleibe. Domprediger D. Toehring spricht in einer der Oefsintlichkeit übergebenen Predigt davon, daß die Gegenwart den Zusammenbruch einer Weltanschauung zeige, die sich auf die rassenhaft reine Geburt, statt aus die Wiedergeburt aus dem heiligen Geiste Gottes gegründet habe. Und ähnliche Stimmen in Fülle. Es darf wohl an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß die Wahlen ein Ergebnis bringen, das dein Wohle der Evangelischen Kirche ebenso dient wie dem des deutschen V a terlandes insgesamt, und das den inneren Frieden erhöht und fordert. '^7.2 V V- Vs?1» V V San Ktfewntac MLürö Asm Im Anschluß an den interessanten Bericht von Dr. Heinz Caspari in Nr. 40 der „C. V.- Zeitung" über den „Nationalsozialismus in Schweden" ist es aufschlußreich, auch an einem anderen Beispiel feftzustellen, wie der deutsche Nationalsozialismus aus dem Wege ist, ein Exportgeschäft nach allen rein germanisch oder überwiegend germanisch orientierten. Ländern zu wehren. So gibt es feit kurzem eine nationalsozialistisck)e Partei in Dänemark, sie hat eine scharfe Spitze gegen Deutschland. Ein Beispiel mehr dafür, daß. sowie die beiderseitigen Interessen auf dem Spiele stehen, der „nationale" Teil des Zwitterprogramms zur Front gegen den ideologisch verwandten Nachbar zwingt. Verhältnismäßig unbekannt ist, daß^ neben dieser Entwicklung im Norden auch in Flandern eine Filiale der Hitler-Partei besteht. Dabei ist Flandern nicht als Teil Belgiens, sondern als Zentrum der flämischen Unabhängigkeitsbervegung zu verstehen, und es ist nötig, ein paar Worte über diese Bewegung zu sogen. Die Flamen find ein germanisches Volk, 8)re Sprache ein holländischer Dialekt, wie sie denn auch bis zum Jahre 1830 zu den Niederlanden gehörten. Tie heutige flämische Unaöhängiqkeitsöewegung will die Revolution von 1830 wreder rückgängig machen. erstrebt Trennung von der einseitig französisch eingestellten Regierung der Wallonen, die das flämische Bvlk kulturell ahzutoten suchte. Die ganze flämische Bewegung ist unlöslich verbunden mit antimilitaristisckM Gedanken. Dieses Volk hat den Krieg in'seinem Lande kennengelernt wie kaum ein anderes, und die Flamen, die 80 v. H. der belgischen Soldaten und Gefallenen im Weltkrieg stellten, erhofften die Selbständigkeit der Verwaltung und das SÄbstbestimmungsrecht über ihre Kulturbedürsniffe sozusagen als K'riegslehn. Sie wurden enttäuscht. Nach dem Kriege setzten in ganz Belgien Flamenverfolgungen von geradezu brutaler Härte ein. Heute kann die 'Regierung über diese Bewegung nicht mehr hinwegsehen. Alljährlich im August sammelt sich das flämische Volk zur Izerbeaevaart, zur Wallfahrt nach Tixmuiden, wo an der Jzer das Kriegsdenkmal des flämischen Volkes steht (cs trägt auf seinen vier Seiten auf Flämisch, Deutsch, Englisch und Französisch die Inschrift: „Nie wieder Krieg!'). 250 000 Menschen waren irr diesem Jahr in Dixmuiden. In Deutschland . schreit die nationalsozialistische Presse: Volkscrheöungl. wenn mit allen Mitteln moderner Propaganda aus dem ganzen Lande 100 000 oder 150 000 Menschen zusanunengetrommelt werden. 106 000 von 65 Millionen. Hier standen 250 000 von vier Millionen! Gewiß, euch in diesem Volke spiegelt sich die Mannigfaltigkeit politischer Weltanschauungen, aber das große Ziel der nationalen Befreiung ist ein eisernes Band, das alle zusammenhält. Nur eine kleine Gruppe wirkt mit viel Geschrei und dem Hakenkreuz in der Flagge hier störend. Das sind Vor Tinasos „Nationalsolidaristen" .Der D i n a s o heißt hier der Heilsapostel und Vertreter Hitlers, und unter dem Namen „Nationalsolidaristen" ist das gleiche zu verstehen wie bei uns unter Nationalsozialisten, nur daß man hier schüchternerweife „Solidaristen" statt „Sozialisten" setzt, weil das flämische Volk feinem ganzen Charakter nach das Vorbild des Individualisten ist. Sie sind getreue Nachahmer der deutschen Nationalsozialisten, und Der Tinaso fährt jedes Jahr einmal nach München, um sich Rat vom Braunen Hause zu holen. In der breiten Masse des flämischen Volkes findet diese Gruppe keinen Widerhall. Tie flämische Bewegung ist zu sehr mit dem Erleben des Krieges, mit dem Gedanken, nie wieder als Pufferstaat imperialistischer Mächte zum Kriegsschauplatz zu werden, verbunden. In j^em „Vlaamsch Huis" (das sind die lokalen Zentren der Unabhängigkeitsbewegung) hängen riesige Plakate gegen den Krieg, und der Turm von Dixmuiden selbst ist das einzige internationale Kriegsdenkmal, mehr ein Friedensmal als ein Kriegsdenkmal. Zwei Einzelheiten mögen diese Einstellung des flämischen Volkes kennzeichnen. Im Vorjahr war es den Ber-Dinasos gelungen, eine Gruppe deutscher Narionalwzialrsten während der feierlichen Friedensmesse (!), die stets den Mittelpunkt der Jzerwall fahrt bildet, auf der Ehrentribüne aufzustellen. Die deutschen Nationalsozialisten benahmen sich nicht weiter auffällig,-aber als ihre Anwesenheit auf der Ehrentribüne bekannt wurde, gab es in der riesigen Versammlung nicht eher Ruhe, als bis sie die Tr'büne verlaßen hatten. In diesem Jahre kündigten sie für den Vorabend der Mesie eine Massenkundgebung in Dixmuiden an: sie wurde im letzten Augenblick abgesagt, vermutlich weil keiner von den paar Ver-Dinasos, die hier in Dixmuiden. ihrem Hochgobiet, zusammengezogen waren, mit heilen ^Knochen davongekommen wäre. Es hat sich also an der grundsätzlichen Einstellung des flämischen Volkes erfreulickjerweise noch nichts geändert. Dieser bisherige Mißerfolg der Nationalsolidaristen in Flandern (sie sind im Parlament noch nicht vertreten) hat seinen Hauptgrund darin, daß der flämische Mensch viel zu ruhig und „normal" denkt, um sich ohne weiteres von derartigen Bewegungen mitreißen zustapen. Außerdem ist das Land zum großen Teil Agrarland, und die flämischen Bauern, die noch niemals einen Juden gesehen haben, sind mit AntiscmitismuZ germ.u so wenig zu in ständigem Gebrauch — gibt und erhält dem Teint die Gesundheif.Rsinneif u. Frische für eile Zeiten? Parfümiert urvd wnparfümiert übereil erhälttidu sangen wie der schwedische Bauer. Die nationale Befreiung aber wird von den anderen Parteien, vor allem auch von der Kirche — und Flandern gehört zu den kirchenfrömmsten Ländern, die ei heute noch in Europa gibt — gefordert. Die katholische Kirche ha! mit großem Geschick die Nnabhänchgkeitsbewegung ausgegriffen, und es ist kennzeichnend, daß im Mittelpunkt der Jzerwallfahrk, die letzten Endes nur eine Niestndemonstration für die Unabhängigkeit darstellt, eine feierliche Mepe steht. An der Kirche wird der Nationalsozialismus in Flandern wahrscheinlich scheitern. Aber trotzdem tut man gut daran, auch hier ein wachsames Auge auf die Entwicklung zu haben. Ävnst kann es sein, daß bei günstiger Situation — und eine solche kann bei der heutigen politischen und wirtschaftlichen Lage täglich eintreten — das flämische Volk der gleichen Vergiftung anheimfällt wie das deutsche. Wir Mütter wehren uns... Zu dem Ausiah „Ter Weiß-Prozeß'. ein Beitrag;um 8bfLvm* in 51t. 42 der „C. L.- Zeituna' vom 14. Lttcdcr wird uns von einer chrisiüchen Leserin unserer Zeitung geschrieben: Dieser Tage wurden zwei verantwortliche Redakteure des „Angriff", Dr. L i p p e r t imd Krause, wegen verleumderischer Beleidigung des zurzeit beurlauöten Polizewizepräsrdenten von Berlin, Dr. Weiß, zu Gefängnisstrafen von drei und fünf Monaten verurteilt. Ich habe die Verhandlungen des langwierigen Prozeßes deshalb persönlich mitangebärt. um mir ein eigenes Urteil über nationalsozialistische Kampfmethoden gegen jüdische Volksgenogen zu bilden. Die große Anzahl der Zeugenvernehmungen bewies, daß eine gründliche Klärung des Falles erfolgen sollte. — Und diese gründliche Klärung ist auch erfolgt. — Das oben angeführte Urteil erweist, daß die beiden Verurteilten in leichtfertigster, um nicht zu sagen verbrecherischer Weise nicht nur die Beamtenehre, sondern auch die persönliche Ehre eines Mannes in den schmutz gezogen haben. Und warum: Weil Dr. 'Weiß Jude ist! Das Ergebnis für die beiden Verurteilten ist zwar ein vernichtendes, aber wenn man sich ihr Gebaren vor Gericht ins Gedächtnis zurückruft, so wird man kaum hoffen dürfen, daß die verhängte Strafe zu ihrer Einkehr beitragen wird. Die durch nichts zu überbietende Roheit, mit der die beiden jungen Männer trotz aller Zeugenaufklärungen bei ihren Verleumdungen blieben, mußte bei unbefangenen Zuhörern tiefstes Erschrecken arslosen. Unll) diese Menschen wagen es, in ihrer Zeitung von Erziehung zu reinen Sitten, zur Sauberkeit, zu deutscher Ritterlichkeit zu reden!! Ich selbst bin Christin und habe also kein BekennLniöinteresse am Judentum. Ich habe aber als anständiger Mensch die Pflicht, auch die Ehre Andersgläubiger schützen zu helfen. Und als M u t L e r habe ich die besondere Pflicht, mein Kind vor verderblichen Einflüssen zu bewahren. Ich hoffe hier im Namen aller ihre Verantwortung ernst nehmenden Mütter zu sprechen, wenn ich als Zusammen fasiung der aus dem Prozeß gewonnenen Eindrücke sage: Wir deutschen Mütter, gleichviel welcher Konfession, verbitten uns eine Beeinflussung unserer Jugend durch derartige nationalsoziariftische Metbo-den, wie sie der Prozeß gegen Dr. Lippert—Krause zutage förderte, aus das entschiedenste. Magdalene Beleites.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.