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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-21 · 43 (21.10.1932) · p. Seite 430

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
43 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
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430 Schristkeitrmg.) Tie Gegenüberstellung Tcut'-chr und Juden geigt deutlirst den Grund der Ausschließung. Leit wir in den Augen " .'rer. die für bizhv. Atzsiw stimm w-n. r:': 2:::'/': sind wir nicht würdig der st.u.'ll'- nationalen Bvichparrei zu werben. Wir wissen genau, gewisse Kreise der Tmckcknationalen stehen heute weder zu--'. 2211*2*;:::^ Absatz noch gar Zum grundsätzlichen Ausschluß der Juden. Ja, sie sind überrascht, erfahren sie, daß Juden nicht einmal Mitglieder der TRBP. werden können. Es ist jetzt eine der wichtigsten Aufgaben des Centralvereins, durch unablässige Aufklärungsarbeit in Besuch, Der« sammlimg und Schrift stärker noch als bisher gerade rechtsstehende nichtjüdische Volksgenossen über die Ungerechtigkeit einer zügellosen Judenhetze und über die Gefahren, die darin für das Vaterland liegen, aufzutlären, um die Zahl derer, die dem Judentum gerecht gegenüberstehen, in der DRVP. allmählich zu vermehren. Haben wir aber das Recht oder können wir die Verantwortung tragen, die Absätze 13 und besonders 11 als nicht vorhanden Zu betrachten? Wären im Preußischen Landtag, nickst minder wie im Anhaltischen und Braunschweigischen und sonstwo die uns so rrünkevchemmd auf unseren wirtschaftlichen Niederbruch abzielenden judenfeindlichen Antrags der Nationalsozialisten durchgegangen, wenn nicht bis in die letzten Wochen hinein die Hugenberg-Anhänger mit den Hitler-Leuten in treuer Waffenbrüderschaft für sie gestimmt hatten? Was nun? Wen sollen wir wählen? Ra" uns. C. D.l Welche Parteifahnen für den Teil deutsch-jüdischer Wähler und Wählerinnen, von denen soeben die Redc war, zuständig sind, haben wir eingangs erwähnt. Will jemand unbedingt für die Reichsregierung stimmen, so wird er sich auch dieses Hinweises bedienen können. Wir haben nicht das Recht, ja es würde die überlieferte Vereinsneutralität bedrohen, würden wir irgendeine bestimmte Partei emvschkem Ein Wort noch ist über die Kommunistische Partei zu sagen. Wir beobachten überall, daß wirtschaftliche Sorgen schwer auf unseren Zeitgenossen lasten, so schwer, daß dadurch oft die gesunde Einstellung für die politischen Ideale verwischt wird. Das gilt für Juden und für Nichtjuden. So kommt es auch, daß jüdische — vor allem junge jüdische — Menschen aus wirtschaftlicher Verzweiflung und gewiß hier und da auch aus Idealismus für die Kommunistische Partei sich entscheiden. Von unseren Gegnern werden sie gern mit einem parken Vergrößerungsglas betrachtet. Prozentual gesehen sind es ganz unbeträchtliche Teile des deutschen Judentums. Wer heute aus Idealismus sich der Kommunistischeu Partei verschreibt, den zu belehren ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Stellungnahme zum Kommunismus ist entscheidend oeiusluht durch die Vorgänge, die sich vor den Augen der gesamten religiösen Welt in Rußland abspielen. Die Kampfstellung des Kommunismus gegen jede Religion weist uns als Juden den Weg. Hinzu kommt, daß wir jeden polit sichen Terror, jede blutige Gewaltanwendung energisch bekämpfen, gleichgültig aus welchem Lager sie herrührt. Wir wählen als Deutsche. Eben deshalb dürfen wir nicht übersehen, wie die einzelnen Parteien sich zum Judentum verhalten. Tie Echtheit des Deutschtums ist für uns mit crkermbar in der gerechten Stellung zur Judenjrage. Mögen uns unsere eigene Haltung und die Wahl am 6. November darin einen Schritt vorwärts bringen. Br. Alfred Wieuer* r V' ■ stach' er v v : . .-V' mi i"? chckch chräsiderch vav ow.w Pnrlanwwt Als vor wenigen Wochen die durch den Rücktritt des LA-herigen ^lini-Arpräsidenten Graf Karolyi entstandene Regierungskrise in Ungarn dadurch gelöst wurde, daß dem bisherigen Kriegsminister Gomöös das Amt des Ministerpräsidenten übertragen wurde, herrschte in weiten Kreisen der ungarischen Judenheit Unsicherheit und Sorge über den unter dem neuen Regime zu erwartenden innerpolitischen Kurs, wiese <rorge war wohl berechtigt, wenn man sich erinnert, daß ©5m* bös seine politische Lausbahn vor zwölf Jahren als sogenannter „Rassenschützler" begann, der der Gruppe der „Erwachenden Ungarn" und ihrem judenseinlichen Treiben zum mindesten nahestand. Wenn man auch eine Wiederholung der damaligen Ausschreitungen infolge der inzwischen eingetretenen Beruhigung des öffentlichen Lebens' nicht befürchten'/ so war man doch der Meinung, daß auf dem Weg der Gesetzgebung und Verwaltung Maßnahmen zu erwarten seien, die noch mehr Juden dem wirtschastlichen Ruin ausliesern würden. Um so mehr müssen die Worte Beachtung finden, die der neue Ministerpräsident anläßlich seiner ersten Rede vor dem ungarischen Parlament gebraucht hat. Er sagte: „Ich liebe es. offen und klar zu sprechen. Zwischen den christlichen Konscsüonen wünsche ich als Protestant ans tiefstem Herzen das Einvernehmen. Ich wünsche aber auch das Einvernehmen mit den Juden. Ich habe den Juden zu sagen, daß fd; meinen Standpunkt revidiert habe. Jenen Teil der Juden, welcher die Schicksalsgememschast mit der Nation empfindet, erkenne ich ebenso als Brüder an wie meine magyarischen Brüder. Ich sah im Kriegs jüdische H e l d e n , die die Magyaren heldenhaft geführt haben. Ich kenne Führer des Judentums. die zusammen mit mir für das ungarische Schicksal beten. Nur fenei^ Teil der Juden, der sich in die ungarische ^chicksalsgemeinschaft nicht einfügen will und kann — diesen muß ich ausschließenck Diese Erklärung ehrt den neuen Ministerpräsidenten und beweist, welch tiefen Eindruck die patriotische Haltung der Juden auf die öfsenrlick^e Meinung ihres Vaterlandes gemacht hat. Br. 0. (Aüneven). 2, hü M IcM V si'-iv Kol-Nidre-Ahend in Vcnchcrr, Im Gotteshaus ist die Gemeinde versammelt, aber vor dem Synagogeutor sammeln sich kleine Schulkinder und singen das Lied „Köpfe rollen, Juden heulen". Eine ganze Weile dauert es, bis die Ruhestörer zum Schweigen gebracht sind. Ermahnungen von Passanten nützen nichts, die Polizei muß erst, wenn auch spät, eingreisen. Ungefähr um die gleiche Zeit liest man, daß der Erlaß des preußischen Kultusministers,. durch den die Zugehörigkeit zum Nationalsozialistischen Schüllrbund (R.S. c.) verboten wurde, aufgehoben worden ist. Sicherlich hat der Herr geschästssü streu de Staatssekretär des Ministeriums Samuicr«, der die Aufhebung Unterzeichnete, den Beuthener Vorfall nicht gelaunt. Er hat rhu aber indirekt gebilligt; denn was die unreifen Kinder in Veutsteu sangen, das entspricht nationalsozialistischen Gedankeugängen, und diele dürfen von mm an ungestört in den preußischen Schulen propagiert werden. Ter Begriff der Autorität wird heute in der öffentlichen Auseinandersetzung viel gebraucht, mitunter mißbraucht. Es n^re nicht unangebracht, wenn sie in aeciom'»'.:!; Weife jungen Menschen gegenüber zur Anwendung gebracht würde — ganz ohne prmzipielle Stellungnahme. nur um des Anstanwst willen. In CtzrFckmrg (OstPreu'wm wurden unlängst in der Synagoge wä st.T der Abendandacht Fcn'tcricheibrn einer.rorsin. Auch hier wurden ha.bwüchsige Burschen, als Täter ermittelt. l. •*v st S Mick t:3 Cl: j .... ,%u WM» In Locarno ist soeben der Italiener Luigi Eecchini zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er seine Frau Eva. die Tochter des Berliner Syndikus Dr. Koppel, in Ascona erschossen hatte. Tie einzigen Augenzeugen dieser furchtbaren Bluttat waren ein deutsches Ingenieur-Ehepaar Tr. Betz. Aus der Tagespreis ist bekannt, daß dieses Ehepaar vom Kriminakgerichr in Locarno, vor dem der Prozeß verhandelt wurde, lange Zeit gesucht und erst nach Prozesib-eginn durch entsprechw-de Notizen in deutschen Zeitungen in Nlülichen ermittelt wurde. Aus ein Angebot des Gerichis in Locarno. bei Ersatz der Reisekosten 2. Klage und 200 Schweizer Franken Entschädigung als Zeuge zu dem Lokaltermin in Asccna zu erscheinen, antwortete Tr. Beh ablehnend. Er richtete an den Kriminalgerichts- Präsidenten in Locarno einen Brief, der bei der Verhandlung in italienischer Sprache verlesen wurde. Zwei Sätze aus dem Schreiben werfen ein merkwürdiges Bild auf den Verfasier: „Aus das heutige Telegramm erwidere ich, daß ich es ablehne, mir im Interesse der mehrfachen Millionärsfamilie Koppel (obendrein Inden) KoAen zu machen ... Tie Familie Koppel hat bis heute nicht einmal ein Wort des Tankes an uns gehabt. die wir uns allein um ihre Tochter gekümmert haben, als die intimsten Bekannten und Glaubens- (vielmehr A a s s e -) g e n 0 s s e n der Familie Koppel feig gekniffen haben. . . W Es ist hier nicht der Platz, auf die Behauptungen und Vorwürfe des Herrn Betz einzuaehen. Daß in diesem traurigen Prozeß zeder Mensch von normalem Empfinden warmes Mitgefühl mit den Eltern der ermordeten jungen Frau haben muß, ist selbstverständlich. Hm so beschämender muß ein so gehässiger Brief wirken. Glaubt der „deutsche" Herr Tr. Betz damit das Ansehen Deutschlands in der Welt zu heben? Jrn Eerichtssaal von Locarno war man jedenfalls erheblich ariderer Ansicht. Nrach irr ör§ GemelNö§ratssitzm:Z kn H§klLrorm In Hellbraun fand am 13. Lktober die Einführm-.z des der Staatspartct angchorigen RechtsauwalckZ Tr. G u rn b e l in den Semeir.derat statt. Einer der drei nationalsozialistischen Gerneinderllte gab der Ausiasfrmg Ausdruck, daß Tr- Gumbel als Angck'.briger einer fremden (Mi'chcn) Raste ein önentlich-rcchtliches Amt in Temschland nicht bekleiden könne. Er wurde vom Vorsitzenden zur Lrdnung gerufen, auch Stadtrat Türr wies die Erklärung mit Entrüstung zurück. Im späteren Vcrlauü Sitzung bat ein anderer Nationalsozialist um Zurücknahme des Lrdnunasru's, was der Vorfibende zurückwies. Tr. Gumbel benutzte die Gelegenbeit. als er zum Worte tarn, zu der Erklärung, daß er 'einem Gefühl nach Teuckcher sei. Seine Vorfahren Hünen seit Jahrhundeckcn in Teulschland gelebt und seien auch da begraben. Erbesitze das württembergistüc und das deutsche Staatsbürgcrrecht, das deun'cke Schicksal sei sein Schicksal, und er übe einen Berrck zur Wahrung deuckchen ZicchteZ aus. Wenn chm in diesem Saals cntgcgengehalkcn werde, daß er nicht würdig und fähig fei, im Gomeinderat zu sitzen, regehe die? nicht v.\:x gegen seine Ehre, sondern auch gazen die seiner Wühler, die ihm die Ehre erwiesen stücken, tim zu wühlen.

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