Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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425 >wenn erß'jedermmnjeaen Morgen fdnI&nndien K&tlur iifiST hinkt, gtbis keine nermien Mmßmi mehr! jchen ReichZtagswahlen auch für die nächsten Parlamentswahlen in Oesterreich ganz erhöhte Bedeutung. Neben dem Anschluß an das „Dritte Reich*!laben sich die Arrangeure des Gautags natürich auch der a n t r s e m i t r s ch e n Sck-lag- Wörter bedient. uda verrecke!" war wohl der am lautesten und häufigsten wiederholte Schlachtruf in all ihren Kundgebungen, deren Redner, vornehmlich Streicher, zügellos die bewahrte judenfeindliche Walze spielen ließen. Und so war es kein Wunder, daß es auch da und dort zu arckijüdischen Demonstrationen kam. Es war gewiß kein Zufall, daß der Gautag gerade zur Zeit des jüdischen N e u j a h r s f e st e s stattfand. Die Befürchtungen, die in der Wiener Judenschaft wegen dieses Zusammentreffens bestanden, haben sich glücklicherweise im ganzen Umfange als gegenstandslos erwiesen. Die von zuständiger Seite rechtzeitig aufmerksam gemachte Polizei Lat ihre Pflicht, und auch der vor kurzem gegründete „B und jüdischer Frontsoldaten Oe st erreich s", der heute schon eine kraftvolle Organisation darstellt, hat umsichtig für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in und bei den Bet- Häusern, namentlich der Leopoldftadt, gesorgt. Dennoch tarn es tun zweiten Nenjahrstage zu einem wüsten Ex.zetz rund um ein Heiertaesbet h a ns dieses Bezietes. Der Qrrrrrd des Zusammenstoßes tft noch nicht gnnz klargrfreM, jedenfalls ist die lügenhafte Betzarrptung der HaEenkrerrzler, datz ihre „EmpörungE infolge mehrerer Nevolverschüffe aus dein Bethause geweckt worden - Ware, vollkommen widersinnig, denn welche Besucher eines Gottesdienstes, noch dazu, wie in diesem Falle, Persorren höheren und höchsten Alters, begeben sich Wohl mit Revolvern in die Andachtsstatte. Der „Empörung" der Arrtiseuriten siel fast das ganze Mobiliar zum Opfer, und bei der Straßenschlacht gab es eine stattliche Reihe mehr oder minder schwer Verletzter. Der Vorfall selbst hat überall, auch bei der katholischen Bevölkerung, berechtigten Abscherr auögclöst. Zufam\nenfastend muß gesagt werden, daß das Vorhaben der Hakenkreuzler, auf demonstrative Weise die Aufmerksamkeit aus ihre Bewegung zu lenken, so ziemlich gelungen ist. Wohl wird in vielen Fällen diese Aufmerksamkeit eineden Nazis unliebsame, nämlich eine recht kritische gewesen sein, im allgemeinen aber dürste der Gautag ihnen schon einigen Zulauf gebracht und sie zu neuen Aktionen ermuntert haben. Nun verkünden sie emphatisch: JSet Kampf geht weiter!", und wir wigen, dieser Kamps gilt vor allem den Juden .. . » LNMr'MLrrMMM" S i n Hindenburg-Wort. Ter Reich sbundjüdischerFrontsoldaten hatte dem Reichspräsidenten zu dessen 85. Geburtstage Glückwünsche übersandt und ihm das erste Exemplar des C> denkbuchs für die gefallenen deutschjüdischen Soldaten übermittelt. Der Neichsprüsident hat dem Neichsbunde jüdischer Frontsoldaten daraufhin das folgende Schreiben übersandt: .Lern Reichsbund jüdischer Frontsoldaten spreche ich für seine Glückwünsche zu meinem 85. Geburtstage sowie für die schöne Blumenspende und das Sedenkbuch meinen herzlichen Dank aus. Irr ehrfurchtsvoller Erinnenurg mi die auch aus Ihren Reihen für das Vaterland gefallenen Kameraden nehme ich das Buch entgegen rrnd werde es meiner Kriegsbücherei eirwerleiöerr. Mit kameradschaftlichem Gruß! von Hindenburg." Ter R. j. F. hat seine Aufklärungsarbeit vor christlichen Kriegs-kanreiLdrn wieder ausgenommen. De. Ludwig Freud hielt in R e g e n s d u r q, Fürth. Nürnberg, Krtzingen rrnd Würzburg Aufilärungsversammlungen ab. Den Koburger Juden wird Der Vctsaal gekündigt ... Tie nationalwstalistifche Stadtverwaltung in Lkvburg hat kürzlich den Beschluß gefaßt, der dortigen jüdischen Gemeinde den Bctsaa!, für den seit über 50 Jahren eine nicht benutzte frühere evangelische Kapelle kotzenlos zur Verfügung stcht, zu kündigen. Als Grund dieser Maßnahme wurde angegeben, man mü''e die Kapelle einem eingcmeindcten Torf für die Zwecke des Gottesdienstes zur Verfügung stellen. Tie Kündigungsfrist ist außerordentlich kurz bemessen. bin Antrag der Leurschnationalen inr Kodurger Stadtparlament aus Verlängerung der Kündigungsfrist wurde von der nationa'rsozialistischen Mehrheit adgelelmt. bs ist ausfallend, daß die rasche Kündigung ohne Rücksicht auf die ^chwllrrgkeit d-er Beschaffung eines anderen geeigneten Bel'aals erfolgte. Tas rigorose Vorgehen der Stadtverwaltung wird sicher auch bei dem nichtjüdischen Teil der Koburger Bevölkerung erhebliches Aussehen erregen. «N lüfßa tzA BtCsaf. Betrachtmrg Zum Ssubljüttenfeft von Rabbiner Tr. Schor sch (Hamwver). Bilder. Zeichen. Symbole sagen mehr als Worte. Sie stehen vor dem Auge als stumme Forderung und verlangen zu ihrem Verständnis die Einfühlung des ganzen Menschen. Sie tragen Sinn und Bedeutung in sich gleichsarn verkapselt. Wenn aber ein Mensch mit der ZauberruLe der Erfahrung urid des Erlebens anschlägt, dann werfen sie vor dem geschärften Blick Hülle um Hülle ab, bis ihre innerste Bedeutung zuletzt rein und wunderbar erstrahlt. Zeichen solcher Art birgt Las Judentum Ln großer Zahl. Sie sind eine Sprache ohn? Worte und offenbaren ihre tragende und belebende Kraft nur der Hingabe des liebenden Herzens. Gar manche scheinen vertrocknet und bedeutungslos. Ta wenden sich die Zeiten, der Himmel überzieht sich mit Wollen, und mit einem Male gewinnt das vergessene Zeichen seltsame und leuchtende Bedeutung, die bisher nur dem vom Glanz des Glückes verblendeten Auge verborgen war. Ein solches Zeichen ist auch die Vorschrift des Sukkaussestes: „In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage, jeder Einheimische in Israel soll in Hütten wohnen", und es soll hier ein dreifacher, die heutige Zeit berührender Sinn aufgezcigt werden. Ein erster, unmittelbar naheliegender Sinn ist die schon manchmal im Verlauf der Menschheitsgeschichte ausgestellte Forderung: .Zurück zur Natur! Gewiß ist die Forderung falsch, wenn sie überspannt wird; aber ebenso gewiß herrscht Gefahr für den Bestand der Gesellschaft, wenn diese, überzwilisiert, jede echte Verbindung mit der Natur verliert. Erstarrung und Vergiftung ihres natürlichen, stromenden Lebens kann nicht ausoleiben. Diese Erkenntnis ist auch in Zeiten höchster Verfeinerung des äußeren Lebens nie ausgeftorben. Immer sind wieder Propheten eines Naturlebens Lufgestanden, und ihre Worte haben Verständnis und Widerhall gefunden. Oft waren es eindringliche, glühende Worte, deren Leidenschaftlichkeit notwendigerweise einmal versiegen wußte: aber nie waren sie von solch steter Weisheit erfüllt wie die einfache Vorschrift des Eukkausfestes: In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage! Wenn auch das rauhe Klima unserer Zone die ganze Erfüllung dieses Eebotes verhindert, so ist an der Bedeutung doch nicht Zu zweifeln: Ter an den Schutz von Steinhäusern gewöhnte Mensch soll einmal wenigstens für kurze Zeit bei Tag und Nacht auf den Komfort seiner Zeit verzichten und lernen, wieder einmal ganz einfach, unmittelbar anr Pulsschlag der Natur, zu wachen und zu schlafen. Seit Jahrtausenden kommt diese Forderung "1 3 y| U 'J liü-„JiJ Li & Ww J vü; Für Herz-, Nerven-, Magen-, Darm¬ und StoHwüehsalkr2,nl:3, Modernste KnnnitteL Traubenkur. AcrzÜidie Leitung Dr. M. und Dr. J„ Bemann Auskunft criolitGracfenfaerg,Berlin, vVeimarerStr.50 p„ K . -n r königstein u tauwus ücizi OLiMifisagiiiann. Kervsnu. innere Erkrgn kus/jsa / ßiäinUren. Dr. B. Spinat :ufM- ... ta der C.Y.-Zeitung g-utca Erfo’j. — Ucher tiie Beilo^ebcdlngTLn^en gibt dl« Aaselgenverwalteng der »C.V.-Zcitmi^EerllaSVieO, aaverbLr;di 1 die und kostenfreie Auskunft. n JZ3S :J - 10 Irr &!!ea Äbsehnit’ea r osd rek^esr Ksxuiueruics»*aäl zur 1. Klasse am 21. u, 22. Oktober empfiealo nnd versendet PcIqCjG'DClü ü-ü u y Ö Q D3 Berlin SW 19 zvrischeaLeipzigeTSir. a. Hausvogreiplatz Tefephon: Merker 2254