Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 j Das GesusAifswasserl Fachinger Versands teile, Berlin SW 11 Schöneberger Strasse 16x Telefon: Lützovr: 82M.61 „Sein Kopf, Gesicht trägt die Merkmale eigenwilliger, selbstbewußter Persönlichkeit. Kühle, blitzend intelligente Augen unter den Brillengläsern. Ein Willensmenfch, ein Mensch mit bedeutender Energie. Dieser Chef der Berliner Kriminalpolizei/ Wenn das diffamierend wirken soll, versteht Herr Goebbels sein Handwerk schlecht. Aber eines Tages flattert eine Glückstaube in die Redaktion des „Angriff": „Laube Weiß". Wer ist das? Irgend jemand, der sich gegen das Strafgesetz vergangen hat. Taube Weiß wird natürlich sofort zu einer nahen Verwandten des Mannes ernannt, den man mit so großem Interesse verfolgt und der bisher noch immer nicht das gute, das stichhaltige, das handfeste „Material" geliefert hat. Im Berliner Adreßbuch finden sich ein paar hundert Leute namens Weiß, die ebensoviel mit dem Polizeipräsidenten zu tun haben wie diese „Taube". Es war also eine taube Nuß, auf die Herr Goebbels gebissen hatte. Wieder nichts! Jahre gehen dahin. Selbst in der NSDAP.- Führung wird dem einen oder anderen, der sich einen Rest von menschlichem Anstand bewahrt hat, der erfolglose und deshalb lächerlich wirkende Kampf gegen den korrekten Beamten zu bunt. Man stellt eines Tages den tüchtigen Propagandisten Goebbels: ,Was wollen Sie von diesem Mann? Er war Richter, er ist jetzt in der inneren Verwaltung tätig, er hat seine Soldatenpslicht erfüllt, er ist als Rittmeister mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse aus dem Kriege zurückgekehrt. Was soll dieser Kampf gegen einen Mann? Wir kämpfen doch nicht gegen Männer, sondern gegen das System. Wenn an seiner Stelle ein Herr von Sowieso säße, müßte er als pflichttreuer Beamter des Systems genau so handeln wie dieser Tr. Weiß." Aber Herr Dr. Goebbels beschwichtigt den Parteigenossen, der so naiv fragt und damit zu erkennen gibt, daß er die inneren Gesetze nationalsozialistischer Agitation noch nicht begriffen hat. Dieser Kampf hätte schon seinen Sinn und der Erfolg würde ihm. dein Dr. Goebbels, recht geben. Die Ereignisse der letzten Monate sind bekannt. Die NSDAP. wittert Morgenluft. Ihr Aufstieg soll durch Enthüllung von „Skandalen" beschleunigt werden, durch die das verhaßte Weimarer System ' als „korrupt" festgenagelt wurde. Männer mit reinen Händen und reinem Herzen sollten an die Stelle der „korrupten" inneren Verwaltung treten. Deshalb wurde Dr. Weiß zum Begünstiger von Spielhöllen", zum „bestochenen Beamten", zmn „Devisenschieber" gemacht; deshalb überschrie und überkreischte man sich so, daß diese Mißtöne selbst der Parteiführung zu grell klangen. Herr Kube muß von dem Antrag seiner Landtags-Fraktion, der die Gattin des Tr. Weiß beschimpft, abrücken, obwohl dieser Antrag seinen eigenen Namen trägt. Ter Moabiter Prozeß hat alle Vorwürfe in sich zusammendrechen lassen. Nichts, aber auch nichts ist geblieben, was den Ehrenschild des seit sechs Jahren verfolgten Mannes beflecken kann. Tie Beleidiger sollen ins Gefängnis wandern. Aber der, der dieses „Bubenstück, einen Mann zu verderben", ersonnen hat, hält sich wahrscheinlich noch heute für einen bedeutenden Politiker und einen Meister der Agitation. Ihm ging cs ja nicht um den „Mann"; er wollte das „System" beseitigen, und es galt ihm dabei gleich, ob seine Freunde die Ehre einer auch vom ernsten politischen Gegner geachteten Persönlichkeit und den Ruf einer makellosen Frau besudelten. Auch daß dieser Mann ein Jude war, war den Helden an sich gleich-gültig. Nur, daß dar jüdische republikanische Beamte sich so besonders gut als „Zielscheibe" eignete, daß man mit dem Ansturm gegen den „Juden Weiß" die verhaßte Weimarer Koalition als „jüdisch" charakterisierte, daß man so ein Symbol der „jüdischen Weltherrschaft" bei leichtgläubigen antisemitisch angekränkelten Massen schassen konnte, das war der Sinn des systematischen Kampfes gegen „Isidor". Mag sein, daß man auch an den alten Satz „semper aliquid fcaeret“ gedacht r,at; mag sein, daß man Genugtuung empfunden hätte, wäre einer der Träger des „Systems" gestürzt, weil man ihn persönlich unmöglich gemacht hatte. Dieser Erfolg ist nicht eingetreten. Acer vielleicht und hoffentlich ein anderer: Vielleicht wird etwas hängen bleiben! Erwas von jener Enthüllung des nationalsozialistischen Propaganda, systems, das der Moabiter Prozeß geboten hat. Vielleicht werden sich in sehr spater Stunde nach diesem Lehrspiel die anständigen Menschen in allen Parteien endlich zusammenfmden und jene politische Gewissenlosigkeit verurteilen, deren System allein „hängen bleibt" an Dr. Joseph Goebbels und seiner Partei. » -büpvü...... Bon Oskar Hrrschfeld Wien). Am zweiten Neujahrstagre kam es, wie 'die Tagespresne gemeldet hat, in Wien anlässlich de» iiaiionulUuzia.- lislisclien Cüaulag’es zn Ue^erfüilea auf Bethiluser. Zu den Yorg£ing>efift wird uns au« Wien geschrieben: Der Spuk ist vorüber. Vier Tage lang stand Wien unter dem Terror der Straße, die diesmal ein besonders farbeubuntes Bild trug. Denn den braunen Hemden der Hakenkreuzler hatten die Sozialdemokraten die blauen Blusen ihrer Schutzbündler und Arbeiterorganisationen entgegengesetzt, dem auffällig zur Schau getragenen Hakenkreuz boten die drei Pfeile, die sich nun auch bei uns eingebürgert haben, ein eindringliches Paroli. Ch cs zweckmäßig war, die Bedeutung des nationalsozialistischen Eautages durch solche demonstrative Gegen- Maßnahmen zu heben, bleibe ^dahingestellt; selbstverständlich überwogen die Symbole der Arbeiterpartei trotz aller Anstrengungen der Nationalsozialisten. Daniit JJt aber nicht gesagt, daß die zunehmende Liärke der Hakenkreuzler bei diesem seit langem vorbereiteten Gautag nicht sehr deutlich merkbar wurde. Frauenfeld und Genossen haben seit ihrem beinahe überraschend gekommenen Einzug in den Wiener Gemeinderat unverkennbar Fortschritte gemacht. Tie Wiener Ableger der Hakenkreuzler haben erkannt. welche gewaltige psychologische Wirkung der Aufstieg der deutschen Hrtlerianer in de in wirtschaftlich furchtbar verelendeten Wien auslösen muß. und ihre ganze Agitation ist denn auch auf die Ausnützung dieses suggestiven Vorgangs eingestellt. Auch der Wiener Gautag stand durchaus im Zeichen der Verbrüderung mit den deutschen Mannen Hitlers. Zuerst sollte dieser selbst nach Wien kommen: das bis vor kurzen: bestandene Einreiseverbot für ihn wurde klugerweise von der österreichischen Negierung aufgehoben, die dadurch ein den Hakenkreuzlern nur allzu willkommenes Politikum aus der Welt schaffte. Ta hieß es aber, daß die Zeit zu knapp sei, um den Führer würdig zu empfangen, und so marschierten an seiner Statt seine engsten Mitarbeiter auf, um dem nationalsozialistischen Wien ihre bekannten Weisheiten zu predigen. Goebbels, Göring, Rohm, Straffer, Streicher u. a. kamen und sprachen in recht gut besuchten Versammlungen und Kundgebungen. Wohl war es vor allem die Neugierde, die selbst Gegner zum Besuch dieser Veranstaltungen veranlaßte, hauptsächlich aber zog der Nimbus, den bei uns infolge einer geschickten — wieder in Deutschland erprobten — Reklamearbeit diese „Helden des deutschen Kriegsschauplatzes" genießen. Dieser- Nimbus muß verfliegen, wenn die Erfolge im Bruderreiche Nachlassen, und in diesem Sinne gewinnendiebevorstehendendeut- Ven ft i jcfaersorgen befreit MÜNCHEN!!« i? ist, wer Oesterreich i sc he Regie-Zigaretten raucht, Zigaretten von Wohlgeschmack und Rasse. Memphis III. Sorte Khedive 5 Pf. 6 Pf. 8 Pf. Sie werden unter diesen drei Sorten sicherlich die Ihrem Geschmack entsprechende finden