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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-14 · 42 (14.10.1932) · p. Seite 426

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
42 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
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42ö jedes Jcchv mit gleicher Eindringlichkeit und Klarheit. Wie ojt mag man ihren unmittelbaren Sinn vergaffen haben, wie oft mag sie schon Verirrungen und auch wieder Zurückfindungen erlebt haben! Zu den Bestätigungen gehört eine der besten und echten Früchte der neuzeitlichen Jugendbewegung: das Wandern und Leben in der Natur. Ist es nicht verwunderlich, daß in der Zeit gewaltig aus-gebauter, technischer Beherrschung des Lebens plötzlich eine Jugend ersteht, die dem komfortablen Leben ausweicht und die Strapazen eines natürlichen Lebens sucht? Zwar Hütten, hat sich diese Jugend selten gebaut, aber etwas Aehnliches: sie freut sich, ihre noch einfacheren Zelte in Wald und Feld aufzuschlagen; sie flieht, so oft sie kann, die Hauser der Stadt, damit diese, nicht zum Grab einer an Naturentfremdung zugrundegegangenen Gemeinschaft werde. Bon solchen Gesichtspunkten aus versteht man, wie so manche moderne Bestrebung in den Geist des Judentums hinempaßt, wie die Auflockerung der Großstädte, die Schaffung von Kleingarten vor den Toren der Stadt mit ihren „Hütten im Gurkenfelde" und so manches mehr nichts anderes darstellt als die moderne Verwirklichung ' einer Sinnbedeutung unseres Hüttengebotes. Mit urweisen Augen schaut es herab auf die Bestrebungen der Gegenwart, die uns lehren können, das Alte wieder zu verstehen. Mer hinter dem unmittelbaren Sinne des Hüttengebotes steigt eine zweite Bedeutung auf, die geboren ist aus der Not der Gegenwart. „In Hütten sollt ihr wohnen" bedeutet auch: In Hütten könnt ihr wohnen! Tie Erde birgt Güter in überreichem Maße. Es wäre nicht notwendig, daß die Menschen Not litten. Sie leiden nur an sich selber, an ihrem seelischen Unvermögen, jedem zu geben, wessen er bedarf. Wer diese Leidensursache ist. so hart und grausam wie ein Hagelwetter, das die Fruchtfelder zerstört,'oder ein Erdbeben, das die Wohnstätten vernichtet hat. Not und Derzweistung haben um sich gegriffen, und wir müffen sie lindern mit aller Kraft. Wer manche Not ist keine wirkliche Not, sondern besteht nur darin, daß die Menschen nicht mehr imstande sind, „in Hütten zu wohnen", d. h. sich mit einem einfacheren Leben, als sie es bisher gewohnt waren, zu bescheiden. Ter Krieg mit seiner Vernichtung von Millionen blühender Menschenleben war ein furchtbares Schicksal, das die Menschen selbst heraufbeschworen hatten, und nie mehr äwf es konunen! Wer so seltsam es klingen mag, so ist es doch wahr: Gar mancher ist auch gesund geworden durch das einfache und entbehrungsreiche Leben, das er zu führen gezwungen war. Wir haben aus dem Kriege die Erfahrung mitgenommen, daß der Mensch, wenn er frei ist von gesellschaftlicher Rücksichtnahme, erstaunlich einfach leben kann und wenig bedarf. Wer das Leben in Unterständen und Stollen kennen gelernt und in jedem Augenblick dem letzten Schicksal des Menschen gegenübergestanden hat. der' weiß auch,'daß die - Forderung unserer Thora, iw Hütten zu wohnen, nicht nur' leicht zu erfüllen ist,, sondern daß sie darüber hinaus die Kraft gibt, wie unsere Vorjahren Zeiten der Dürre zu ertragen und zu übersiehen, ohne gleich den Mut zu verlieren und dem Leben zu entfliehen. So stellt uns das Hüttengebot mit trotziger Widerstandskraft an die Grenzscheide des Lebens. Tie gesellschastliche Rücksichtnahme wird in ihren Nahmen verwiesen, und in den heutigen Trägern der jahrtausendealten Geschichte unserer Gemeinschaft könnte wieder wach werden jene wundersame Kra't, die unsere Vorfahren erhielt in -Zeiten unendlicher Not und Gefahr. Unter solchem Blick, nach solcher Einreihung in die uralte herrliche Bahn kann auch wieder erwachen der tiefste Sinn des Hüttengebotes. „In Hütten sollt ihr wohnen!" Das kann euch heißen: „In Hütten wohnt ihr!" Und der nach innen gekehrte Blick sieht, daß unser irdisches Leben nur ein vergängliches, leicht zerstörbares Hüttendasein ist. Und wenn wir auch Steinhäuser bauen gegen Wetter und Sturm und Frost, so sind sie doch nur ütmselige, leicht zerstörbare Hütten, wenn wir an die Ewigkeit denken! Vielleicht ist es das innerste Kennzeichen der heutigen Zeit, daß sie so tut, als gäbe es kemen Tod. Sie scheint den äußersten Pendelschlag der Kulturentwicklung darzustellen. Manche alten Völker dachten nicht nur an den Tod; der Tote lebte unmittelbar in schreckenerregenden Vorstellungen unter ihnen. Nach dem Bewußtsein der heutigen Zeit ist mit dem Tode alles aus. Man könnte sich sonst so manche, rücksichtslose, ganz der Erde zugewandte Bestrebung nicht erklären, die Verbreitung der. Abwendung vom religiösen Leben wäre nicht zu verstehen. Man hat zu sehr an die Seligwerdung durch Beherrschung der Naturkräfte geglaubt, als daß die Menschheit durch diesen Unglauben nicht hätte krank werden müsien. Aber auch die fortgeschrittenste Technik wird dem Zerbrechlichen Menschenkörper aus Erden kein ewiges Haus bauen können! Wir leben nur in Hütten! Und in Hütten ist man nur vorübergehend. Es ist gut, wenn man dies weiß. Man wird dann sein Leben so gestalten, daß man vor dem Wrus aus unserem Hüttendastin nicht erbeben wird. So erst verstehen wir das Hüttengebot ganz. Es lehrt uns die Vergänglichkeit alles Irdischen. Wer aus dieser Erkenntnis fließt keine Entmutigung, sondern nur die klare, unbeirrbare, uralte jüdische Einstellung zu allen Fragen des Lebens: Wir könnten nicht einen Augenblick auf dem schwankenden irdischen Boden und in der vergänglichen irdischen Hülle loben, wenn nicht hinter allem und in allem der lebendige Gott wirkte und N>alkle. - „In Hütten sollt ihr Das Angssialüsn^slsn des C. V. in »ler Mainzinstrasse brsteh: in November pfn ihr. Ti>ai:,-h finilpn 5UÜ1 ir.' ü s. 3hzi£. oft hundert, moi^t erwerbslose Auz.ri'.ke jcion Alters zur Unterhaltung uni ,-.Ursprache ein. Fd: einfache . .gor-g ^.ri gesorgt. Ausbau dirsrs Heims ist notwendig! Dazu brauchen wir Ihr? Hufe! Stellen Sie uns nach gut erhalten? Stuhle, gross? Tisch?, Bücherregale, Tischtüch?r, aber auch Brennmaterialien und Lebensmittel (Brat, Butter, Tee, Zucker)' zur Verfügung. Nähere Auskunft erteilt unter dem Stichwort „C. V.- Heim“ dis Büro des Centn! vor-- 'ns. Berlin W 15, Emser Strasse 42 (J 2 Oliva IjU). i : 1 j wohnen, denn ich habe die Kinder Israel in Hütten wohnen lassen bei ihrem Auszug aus Aegypten, ich, der Ewige, euer Gott!" Es ist im Letzten nur eine Einstellung im Leben, die unser würdig ist: das ist die religiöse! Nicht daß jeder nach der gleichen Form selig werden soll, nicht daß die Mannigfaltigkeit menschlicher Bestrebungen unnatürlicher Uniformität weichen soll. Jedoch in allem muß e i n Wissen aufleuchtsn: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, vergebens mühen sich die Bauleute!" So lehrt uns das Hüttengebot im tiefsten ein Gebot der Stunde, ein Gebot der Not: religiöse Vertiefung und Erneuerung! Wenn der Weg nach außen versperrt ist, dann muß man nach innen wandern und hinabsteigen in die Tiefen der Seele. Draußen wcht heute harte Notwendigkeit und bittere Not. Aber wenn wir unsere Lebenshüne dem Schuhe Gottes anvertrauen, dann wird uns als echten Nachkommen der alten Glaubenshelden aus solcher Tat die Kraft erwachsen, auch den Wüstenweg unserer Tage ungefährdet zu durchschreiten, i Mi8L Cfirsnl! .! Die langjährigen Freunde fce- D. Adolf und: Flora Bau in, Berlin, feiern er» 17. Oktober fcn»; Fest der Goldenen Hochzeit. — Das Ehrenmitglied der Ortsgruppe Dilinersdorf, PhUivp Loevy, der. seit Gründung des C. V. einer dessen treuer Mit- > fämpfer ist, oegirtg in besonderer Rüstigkeit seinen' 75. Geburtstag. Dir gratulieren diesem treuen Freunde des §. B. auch an dieser Stelle. Vir würdigen' nicht nur die Verdienste, die er sich als lang-ähriges Borstandsmitglied seiner Ortsgruppe ermorden bet, wir schützen rar allem in ihm die Persönlichkeit, die eine vorbildliche Derwirllichung der deutsLsiüdischrn Idee darstellt. — Der Vorsitzende der Ortsgruppe Guben des C. V., Dr. rned. Paul Cohn, stiert am 22. Oktober seinen 60. Geburtstag. — Am 18. Oktoder wird der Vorsitzende der Ortsgruppe Rastendura, stllisted Lewin, 50 Jahre dt. — Jakob Löwen thal und Frau. Ei;en, feiern in voller .Rüstigkeit bcs Fest der Goldenen Hochzeit. — Der Syndikus des Landesverbandes Ostwestftrlen.Lippe, Prediger Goldmann, Herford, stierte kürzlich das Fest der Silbernen Hochioit. — Hermann Seit« geinter, Oippenheim l Baden), kann auf das Lsiöhrige Bestehen seiner Firma zurückblicken. — Vir .gratulieren allen Freunden. Verlag: Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin TV 15, Emfer Str. 42. Tel.» Adr.: ..Centralglauben Berlin*. Postscheck: Berlin 52472. Hauptschriftleiter: i. V. Dr. Alfred Qiener. — Verantwortlich: D r. Margarete Edelheirn, Beide Berlin W15. — Unverlangt? Manuskripte werden nur zurückgefancht, wenn Freiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Hellrnut Cohn, Perlin-Schlachtensee. — Druck: Rudolf Masse, Berlin 85V 12). ■~v ) in r- > Ha.rns3.are und andere Abbaustoffe sind die Ursachen der meisten Krankheiten und führen leicht zu schwerer Arterienverkalkung, Magen-, Leber-, Gallen-, Nierenend schweren Nervenleiden, vorzeitigem Altern n. einem frühen, oft qualvolleaTod. J9r. Sanders Le&ens-Essss^s (geschmacklich angenehm), ein Produkt aus naturreinen Pflmzenrohsäiien and Extrakten nach Professor Bilrgfsehem Gesetz, scheidet die iCfanktseHserä’eoa^ rastlos ans und macht einen neuen Menschen aus Thnen! Einmal erprobt gc-1^2 Grosse Flasche M. 2.Ä5 zuzugL Porto. Kurpackung 8 Flaschen M.8,50 franko. In Apotheken erhdltl. 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M. 9-—csiraitarkj M. 2.tö und 1LC5. ln alle* ApoiheLen oad Drogrncn. £RÖHSTÜCK$-SB2UTeBTEB .Hermes“ Fabrik pb*rmazeu£. PcSpArst» München Güllära^« 7 .

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