Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- Seite 422 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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422 zu äußern; auch kann ich aus dem Wortlaut des Erlasses Zu wenig erkermen. in welcher Weise her vom anhaltischen Staatsnnnisterium vertretene Sekante der Pflege von Nasse und Art in der Llldumcsarbeit der Schule AuZdnrck finderr full. La wenig ich nun auch geneigt bin, die Bande des- Muts und der erbaigerrtümlichen Art im Leben eines Dolles zu unterschätzen, und p wenig ich mich etwa da,zu der» stehen konnte, der Nassernischung als Prinzip das Wort zu reden, so sehr lehne ich — entgegen mancher heute wieder vertretenen Rassetheorie — die materialistische Ueber - wertungderrassischeu urrdphyfio- Logischen Elemente irr Gesicht und Wesen einer Nation ab. Eine Orientierung der Bildungsarbeit von rassischen oder intellektuell rekonstruierten rassischen Voraussetzungen und Grundsätzen aus erscheint mir unmöglich und einer geistigen und religiösen Auffassung des Nationalen und der in ihm wirksamen Kräfte, die mit Lenen der Raste nicht identifiziert worden können, nicht genmA. Tie Fragen der Erhaltung Volke-gener ihi und der Bewahrung eines Volles vor Einflüßen, die das nationale Leuen nicht zu befruchten, sondern mir Zu schwachen verwegen, werden davon freilich nicht berührt. Es sind dies aber Fragen, die nach meiner Anschauung mit dem Geltendmacherr rassischer Gesichtspunkte weder, erkannt noch gelöst, sondern allein von einem geistigen Begreifen der Geschichte und der Wesensentwicklung eines Dolles in ihrer gwnzeu. Tragweite erfaßt werden. Ich hoffe, daß Sie aus diesen Andeutungen meine Stellungnahme erkennen; gegen die ungekürzte Wiedergabe des Wortlauts meines Brieses würde ich nichts einzuwenden haben. Die &ulfetfpo!tütesm Dr. Maris SKssbeZH LLöers ,Ler völkische Gedanke verlangt die Pflege aller deutschen Kulturgüter, erzieht 311 deutscher Gesinnung und Gesittung und erweckt in unserem Volke einen mit ihm schicksalhaft verbundenen heldischen Geist.* „Das Ziel des völkischen Gedankens ist die Sammlung und Einigung, aller deutschen Volksgeuoflen. die innerhalb und außerhalb der Aeichsgrenzm leben." . Wir können nicht sehen, in welcher Beziehung diese Forderungen von denen anderer Parteien für die Erziehung der deutschen Jugend abweichen, sofern diese nicht^wie z. B. die Kommunisten — irrt Gegensatz zu den Nationalsozialisten — auch ihre Erz i ehungsgrundsätze in einen logisch?n Zusammenhang mit ihrer ganzen politisch negativen Auffassung bringen. — Die Pflege deutscher Kulturgüter, die Erziehung zu deutscher Gesinnung und Gesittung, die Sammlung aller deutschen Volksgenossen in ihrer kulturellen Beziehung zum deutschen Volke find Selbstverständlichkeiten, die — wie in allen anderen Nationen für ihr Volk — so auch in Deutschland die Erziehung der deutschen Jugend maßgeblich leiten. Auch die Pflege ,cheldischeu Geistes" — man möchte etwas bescheidener sogen —7 die Pflege der Ritterlichkeit, des moralischen Mutes und des Lpsersinns für das Ganze ist selbstverständlicher Bestandteil jeder veraruwortungsbewußten Erziehung. In alledem kann der neue Erlaß des anhaIt i s ch e n Staat? m int periumS, Abteilung Volksbildtmg, vom 2. September d. I., der Richtlinien für die Schulerziehung an die Direktionen aller Schulgattungeu gibt, keinerlei Arupruch aus irgendwelche Originalität erheben als Anleitung für ,H:e heilige göttliche Berufung des Lehrerstandes" (den allerdings der Nationalsozialistische Reichstagsaögeordnete M u t? ch m a n n als den „organisierten Müßiggang" bezeichnet), „bem siechen Volkskör per vorerst dis gesunde Seele zu geben, indem er blüteniprosiendeZ Wesen in Kinderherzen pflanzt". (Schneider, Plauen, in der „NationLlsoZialisti'chen Lehrerzertung".) Die Erfüllung dieser Aufgabe sieht der Erlaß in der „Verbreitung und Vertiefung des völkischen Gedankens", nach dem der .Deutsche Mensch in seinem Wesen von seinem Blnt, d. h. von den Erbanlagen, die ihm von fernen Ahnen überkommen sind, bestimnü wird". u:rd aus dem sich die „Nottoendi gleit ergibt. dieses gemeinfaule Blut rein zu erhalten, das Gefühl der Raffenzuaehörigkeit lebendig zu machen, das Leben nach erbgejundheitlichen Gefetzen zu gestatten, damit nicht das germanische Erbgut durch fremdrassige Blutvermischung verdorben wird". Von den Ereignissen der Jahre 375 bis 843, in denen sämtliche germanischen Stämme, wie Ost- und Westgoten, Vandalen-Sueben und Burgunder, Alemannen, beide Franken. Sachsen. Thüringer. Langobarden und Friesen mit den mongolischen Hunnen, mit Galliern, Spaniern, Römern, Avaren, Arabern usw. durcheinander gewirbelt wurden und in sämtlichen Himmelsrichtungen hin und her fluteten, scheint den Aposteln des Blutes und der Rassenzruzehorigkeit so wenig bekannt zu sein, daß sie. aus dem besten Wege sind, den größten Teil des deutschen Volkes, dessen unterscheidendes Merkmal bei dem endlichen Beginn einer Konsolidierung der germanischen und der romanischen Bevölkerung nicht die Raffe, sondern die Sprache war (die römische Gelehrten spräche und die volkstümliche deutsche Sprache), ans der deutschen Volksgemeinschaft auszuschlicßen. Ten wahren Sinn des Schulerlasses macht ein Kommentar des'„A ngrifs" vom 29. September d. I. klar- Darin heißt es, „der deutsche Schulmeister hat den Weltkrieg verloren', wodurch .stressend klargelegt ist, daß die deutsche Schule der Vorkriegszeit ihren wlkischen Aufgaben nicht gerecht geworden ist", weil „sie in ihrer Ichsucht den Blick und das Verständnis für das Volksganze vermissen ließ", denn „mit der Dörsenrevolte von 1931 glitt die Erziehung der deutschen Jugeird immer mehr in das Fahrwasser des jüdisch-marxistischen Internationalismus hinein". „Segen die hiermit einsetzende Auflösung der volkserhaltenden Kräfte, gegen die internationale Versudui'g und Berlumpung unseres Volkes lehnen sich unter der ziellwmnßten Führung Adolf Hi-lers die gesund gebliedenen Dolksteile auf im Ringen um eine neue, idealistische Weltanschauung, die Edleres kennt als nur die Befriedigung materieller Bedürfnisses Es bleibt Zwar dunkel, wie der Volkse schullehrer vor dem Weltkriege und vor der .stbörsenrevotte" im Völkischen und Nationalen derart versagen konnte, daß er gleich den ganzen „Weltkrieg verlor". M^er wir möchten uns nur an die Erziehung zu „ideali'tischer Weltnnschaurmgp zu „einer Erziehung, die sauber und aufrichtig ist" (Nfadel), die zu sittlicher Weltrmd Lobensausfasinng, zum ethischen Idealismus, zu religiöser Gesinnung und Tat führr" (Schemm) halten, weil sie uns selber am Herzen liegt. Legürnen. wir beim Christentum. Von ihm heißt es in der Deutschen Wochenschau.^: „Anbeiu-.g des Stoffes und Verlauf des Geistes das ist das Christentum." Oder der Studcnkenführrr von S ch i r a ch rühmt sich in der ,Ik a t i 0 n a l s 0 zi a l ist is ch e n Schülerzeitung": eure Kirchen bin ich nie gegangen, — ich hob noch nie wie ihr mit Bangen — zum Beten meine Händel In der vLtiLncllsoziQlistijchLu Studentenzeituug „Die Bewegung" wird zwischen der christlichen Ethik und der Parteiethik ein scharfer Strich gezogen, weil jene tjbc& Gute mn des Guten willen nicht kenntch und „weil der christliche Ccriesöegriff für uns ganz unmöglich istB Uno schließlich kursiert ein neues „Vater Unser" mit den Worten: „Adolf Hitler, Tu bist unser Füh. rer, — Tein Name mache die Femde erzittern — Tein Drittes Neich komme — Tein Wille sei allein Gesetz auf Erden — Laß uns täglich Deine Stimme hören — und befehle uns durch Deine Führer, denen wir gehorchen wollen unter Einsatz unseres eigenen Lebens — Das geloben wir — Heil, Hitler! Der Orient und Nom, keine fremde Nasse konnte einen knechtischeren Personenkult erdenken, als er sich in dieser erschreckenden Blasphemie als Ausdruck der Erziehung zu „religiöser Gesinnung und Tat" und zu „heldischem Geist" kund tut. Tie Erziehung zu Kutscher Gesinnung und Gesittung^, zu „schicksalhafter Verbundenheit*, „zu Sammlung und Einigung aller deutschen Volksgenossen" faßt Gregor Straffer in einem klaren Programm zusammen mit den Worten: .stlnd wenn wir bis an die Knöchel im Blut stehen müssen um TeirtschlarLs (!) -willen, so wie wir es haben wollen." Und noch brutaler kennzeichnet der Lehrer Mülkersin Neustadt bei Koburg „die heilige göttliche Berufung, dem siechen Volkskörper vorerst die gesunde Seele zu geben", mit den Worten: .FLenn wir Nationalsozialisten zur Macht gelangen, werden wir jeden, der sich uns enkgegenstellt, erschießen. Wir werden dabei — das Kind — in der — Wiege — nicht — schonen." . Dem ist nichts mehr hmzuzufügen. — Hier scheint das „deutsche Blut" derart verdorben, jeder Nest Deutscher Gesinnung und Gesittung* so vollkommen ausgerottet zu sein, jede volkliche Schi cksalsgemei ns cha ft so gewissenlos an sei na ndergerissen zu werden, daß über den feindseligen, gehässigen Sinn auch des cuchallr-chen Schuldekrets kein Zweifel sein kann. — Eine abgrundtiefere Heuchelei ist in deutscher Sprache über- Haupt nicht ausdenkbar, als sie in dem Gegensatz der Worte nationalsozialistischer Führer auch hier wieder zum Ausdruck kommt. — Wann endlich wird sich der ehrlichere Teil des deutschen Volkes wieder auf sich selber besinnen? ciiziiiziz^^ Gmp-!Bzdimz TlUcMeäes! m SUN HAÜ? LI All ü wiederholt wegen des grossen Erfoüges seinen Vortragsabend am Sonntag, dem 23. Oktober 1932, öbends8*/2Uhr, im LOGENHAUS, Klelshtr. 10 Karten zu 1 Mark im Vorverkauf an der Theaterkasse des KadeWe und an den Theaterkassen des Warenhauses Tiefz sowie im CWBOro, Emser Strasse 42 ■ Besonder« Er.lsdun^örv ergehen mcht