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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-14 · 42 (14.10.1932) · p. Seite 421

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
42 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
Seite 421 (sequence 1)
Language
German
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1110.1832 Berlin,?4.Gkisbee1-52 XL Fshrgang ♦ Nr. 42 x«53SlSS£nm» 20 Pfeuprlg x: ~x ' \' ii;* 'U Vy Slcrte(iadr3a&onner*ent 2.25 RM. (zuzilgl. SefieassZi). Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag und SchrlfLleiLurrg: Lralär ^15, EmferCtr.42. Fernsprecher: ^2 Oliva 5074. .:. Pcä'checkkonio: Berlin 304 72. .:. BartHonto: DrrsLner Dank, SDepofüenfaffe E2, - Verlin-Wilmersdorf 1, Hol-en-gX rnLanr rn 105. THrinigs DnZeigsnannahinr: A.r.nsncen.Expeditron Rudolf Glosse, Berlin SW ICO, uni isrcn Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 «#j£ für die IgesprILene Zeile nach Rudolf Dsffes Rorinalzsilenmeuer Nr. 4, Fauriärnanzeigsn uni Stellengrsuche (nicht Stellenangebote) für MugiiLbrr des Centralvereins 0,45 JtJt, dis 62 mm breite Reklamezeile 3,50 DZMMZ sd§T V§WMZ Das anhÄÜfche Staaksminisierlum hak am 1. September d. 3. cn die DirekÜonen der höheren Lehranstalten und dis Leitungen der Mittelvnd Volksschulen in Anhalt einen Erlaß zur „Pflege des völkischen Gedankens" gerichtet. Die Tendenz dieses Erlasses ist eindeutig anüzernitifch. Seitens der sozialdernokratischen Fraktion des anhaltifchen Landtags schureb! bereits gegen das anh-ltifche Skaatsministerlum wegen Verletzung des Artikels 148 der Reichsverfeijung. der den Schulunterricht „im Geiste des deutschen Volkstums und der Völkervsrjöhnvng" unter Rücksichtnahme auf „die Empfindungen Andersdenkender- 'vorichreibt. eine Klage beim Staalsgsrichishof. Dir veröffentlichen an dieser Stelle die grundsätzliche Stellungnahme einiger namhafter Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und politischen Lebens zu dem Erlaß. Der- NssssKforfcher Regie- Lungsrsr Friedrich Merkenfchlsgsr (BerUu-DahLeM): Die Sätze des Herrn anbaltischen Ministers für Volksbildung verraten eine Unkenntnis vom Werden und vom Wesensgchüge des deutschen Volkes, die Serge erregen muß. Das Wesent-!ü^ am deutschen Volk ist die Vielseitigkeit, ist die Komposition aus verschiedenen Grundraffen, und gerade die Reserven der Blutauffrischung sind es, die Rohmaterialien für Blutmischungen find es, welche dem deutschen Volke Dauer und Kraft verleihen. In dem Erlaß heißt es: „Ter völkische Gedanke lehrt dekhalb die Notwendigkeit, dieses gemeinsame Blut rein zu erhalten." Was soll dieser Satz? Tie „Völkisch: Rastenlehre" bestreitet doch das „gemeinsame Blut" der Temfchen, fie hat doch Hämolyse (BluLauslö sung) geübt. Ihr Dogma ist doch, daß das dorische Volk in sechs bis sieben Grundblutströme zerfällt („Alpine"', „Norden", „Dinarier", „Vorderasiaten", „Sudetische". „Ostbaltische"), und daß das deutsche Volk kern Organismus sei, sondern ein durch starke Einbrüche kolnscbm und slawischen Blutes getrübtes ZufallsgDSde. Was soll der Satz des anhaltischen Ministers für Volksbildung? Der Latz zeigt, daß der Herr Minister sich über die „grundlegend" Literatur der „völkischen Bewegung" nie orientiert hat. Wenn die Mitläufer des völkischen Gedankens auch nur eine vage Vorstellung roe: dem hätten, was gespielt wird, wenn die -Herren Minister, die diesen „Gedanken" in die Schule tragen wollen, sich auch nur ein Stündchen ernsthaft orientierenwollten über die Subüanz des völkischen Geistes, wie sie in den Rassebüchern von Günther, Darre, Harno Konopacki - Konopath in schauerlicher Weise enthüllt ist, wenn das deutsch? Volt nur einige Streiflichter davon ins Blickfeld bekäme, dann wäre der Spuk über Nacht verflogen. Was soll der Satz: ..Ter völkische Gedanke verlangt weiter die Bsleaaller deutschen Kulturgüter"? Die Rasten„l-Hren" verlangen doch, daß die Kulturgüter, welche die „ostische" (das heißt alpine) und dis ,Hinarische" Raffe dem Deutschtum geschenkt haben, verdunkelt werden. Noch nie in der deutschen Kulturgeschichte wurde das Kulturgut der Deutschen so geschändet wie im Zeichen des völkischen „Gedankens". Man bricht Gräber auf, um zu „forsche:!", ob Goethe denn doch nicht rassisch verdächtig ist, und findet dann vorderasiatische Symptome. Der „Rastenforscher" Günther läßt Beethoven zwar nach Adel suchen, aber nicht finden, weil er alpiner Raste war. (Nachzulefen bei Günther.) Man schmäht die Hochzuchten der Berge, man schmäht die Hochzuchten der Ebene („Wenden"), und wie mit dem jüdischen Antlitz umgegangen wird, weiß alle Welt. Man will ein indisches Kastenreich errichten. Nach dem Rezept des „Rastenforschers" Darre wird cs vier Kasten geben. Eine furchtbare Geisteskrankheit wütet über dem Land ähnlich den Verirrungen zur Zeit der Kinderkreuzzüge. Ter Herr anhaltischs Minister weiß nicht, wie weit die Zersetzung der geistigen und seelischen Substanz des deutschen Volkes schon gediehen ist. Sein Erlaß scheint sich, in Unkenntnis der völkischen Rasseliteratur, ausschließlich gegen den jüdischen Dolköteil zu richten. Dazu ist zu sagen, daß ein Erlaß an die Schulen zur Pflege der Wahrhaftigkeit und des Edelmutes bester und schöner wäre und dem wahren Deutschtum mehr zur Ehre gereichen würde. Schließlich gehören Lesung und sein „Nathan" auch zu den deutschen Kulturgütern, und schließlich haben sich an Spinoza die besten Köpfe deutscher Geschichte geschult. Die Lehrer sollen den Mut haben, den Schülern zu sagen, daß die Erfindung und Konstruktion der Gasmaske durch den jüdischen Gelehrten Richard Willst ä t t e r Hunderttausend::! deutscher Soldaten das Leben gerettet hat. Man soll auch, nicht verschweigen, daß ohne die Eeistesarr.it des Gelehrten Karl N e u b e r g (DInzerinher'tellung aus Zucker) die Verteidigung des Vaterlandes schon 'nach einigen Monaten hätte abgebrochen ' werden müssen, und daß durch die Geistesarbeit von Fritz Haber (Kalkstickstoff) die deutschen Ernten so hoch gehalten werden konnten, daß dem Hungertod weitere Opfer entzogen blieben. Man soll die Jugend zum Mut erziehen, zum Edelsinn, zur Gerechtigkeit. Man soll ihr helfen, daß fie später einmal die notwendige und fruchtbare Auseinandersetzung mit der jüdischen Welt auf einer höheren und besseren Stufe vornehmen kann, statt d<r Niederung des Haffes verhaftet zu bleiben, in die man fie knechten will. Wir warten mit Hoffnung und Ba ngen auf einen Schulerlaß, der die Mission des Deutschtums von einer höheren Warte aus sieht. Denn der „völkische Gedanke", wie er in Anhalt Formen annimmt, führt zur Flachheit, zur Hybris, zur Gedankenlosigkeit und nimmt dem Deutschtum den großen Glauben an die Verarbeitungssähigkeit deutschen Wesens für geistige Einflüsse. Dieser „völkische" oder gar „nordische" Gedanke zerschlägt das Volksgefühl, greift blindwütig in das Wesensgefüge des deutschen Volkes, de^en Substanz es gar nicht kennt, zerschlägt den Mythos der Nation, unterhöhlt das Fundament des Christentums, vernichtet die Grundlagen des Rechtsstaates, zerstört das Prinzip des Menschenwertes nach Leistung und Ehre und setzt an deren Stelle ein grauenvolles Nicht s. Es gehören Mut und ein großer Glaube an die Substanz des deutschen Volkes dazu, Wort und Haupt zu erheben gegen die Rastenzwietracht im deutschen Volk, gegen den Rastenwahnsinn und gegen die Nastenmystik. Wir warte:', mit Bangen und Hoffen auf den neuen Kleist und feinen Ruf: „Der deutschen Rastenzwietracht mitten ins Herz!" Der preutzischs KrrlSus- Minrftsr a. D. De. O. Dselitz: Leider ist es mir infolge starker Inanspruchnahme gegenwärtig nicht möglich, mich in längeren grundsätzlichen Ausführungen zu dem nur nütgcteilten Sch ul er laß des anhaltischen Staatsministeriums, Abteilung Volksbildung,

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