Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 40 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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405 >p!usZS'KeMRsArs Eine Beirachiung zum Epüroza-Kongreß im Haag (5. bis 10. September) Don Hans Hartmann „Spinoza ist tot": dies das Urteil vieler Fachphilosophen. Was sagt man v.i einem solckM Worte, wenn man den Spinoza-Kongreß im Haag miterlebt hat, den die Societas SpinozanaT die internationale Spino5a-Eesell sch a f t. veranstaltete? Im Haag waren alle bekannteren Spinoza. Forscher" versammelt. In Teuffchland ist der unermüdliche und gelehrte To. Gebhardt, der Leiter des Rhein-mainischm Verbands für Volksbildung, der Vorkämpfer der Spinoza. Bewegung, er war auch der geistige Führer auf dem Kongreß. Dann fiel der 58jährige Sir Frederit Pollock auf, der in England, dem Lande vieler freier Denker, wie Locke, Hurne und Hobres, Spinoza wieder erweckte. Das ist keine leichte Au^gabe,^denn die großen, weitausholenden Theorien Lpinozas liegen dem englischen menr aufs Praktische ' gerichteten Charakter nicht. Es war auch bezeichnend, daß gerade Pollock in den tiefgreifenden Änseinandercktain- §cn auf dem Kongreß über die richtige Aus- Legung der Lehre Spinozas betonte, |tc sei in erster Linie eine Lebenshaltung, eine innere „Einstellung"' zu den Fragen des Lebens, eine reine, unbeschwerte Anschauung der Tinge, aus der eine Harmonie^mit dem Schick« sul von selbst folge. "Andere Spinoza-Forscher legen - freilich Wert auf die Grundlinien seiner Lehre felöfr: es sind da zu nennen die Franzosen Brun f ch w i c g und Nivaud von der Loroonne und Bachelard aus Dijon, ferner Holländer, Polen. Amerikaner und der italie* nistsie Prvftssor Ravü aus Padua. Auch aus Kapstadt und Japan waren Gelehrte gekommen — immerhin ein Beweis, daß inan von der Spinoza-Bewegung allerhand erwartet, wenn von einer Wiedererweckung und größeren Lebensnahe der reinen Philosophie die Rede ist. Freilich wünschen auch Anhänger Spinozas die Sache pickst so, daß man die Gedanken und' Bcariffe Spinozas kritiklos übernehmen soll. Vieles an ihm ist durch die fritrzr? Betrachtung Kants und anderer überholt. Aber doch will innri_ feschalten qu der Lehre von der einen Suchranz, die in allem <oeiw ick. und die sich uns nur in zwei Formen offenbaren kann, in den ausgedehnten, sich bewegenden, mit physikalischen Eefehen erfaßbaren „Tingeoff (ob Spinoza einen deutlichen Begriff von Mage und Materie hat. ließen die gelehrten Vortragenden dahingestellt) und zweitens in dem nicht ..ausgedehnten". rein geistigen, dynami'ch wirffamen Denken. Es ist ganz klar. Ms man von diesen Begriffen aus auf die großen Fragen der heu. tigen Physik hingestchri wird: ob es eine Ursubstanz gibt, ob es einen notwendigen Verlauf der Tinge, eine strenge Kausalität gibt. Es sprc> chen einige Naturwissenschaftler, wie der erperimemelle Physiker von Amsterdam. Professor Clay. Sie entwickelten den gegenwärtigen S:and der physikalischen Tneooie. " Und man hielt etwa die Mitte zwischen dem Pestckvismus. der immer nur von der erpcrim.entellen. das heisst nachprüfbaren Erfahrung ansgeht, um pu einem Weltbilde .53 gelangen, und' der metaphysischen Haltung, die immer wieder zu neuen, ungelösten Problemen gelangt und damit die Frage nach Substanz und Srouckur der Welt, darüber hinaus die Frage tiaö dem Sinn der Welt immer wieder stellen muß. Im ganzen hat so der Kon-nreß, der das Thema „Pnysik und Metaphr ck" als erstes Hauptthema behandelte, eine wirklich philofophifche Halttrng bewahrt: er führt in die Richtung des menschlichen Denkens, wo man sich vor den Tatsachen, die die Wiüenschast erforscht, ehrsürchtig beugt, wo 'man sich aber nicht mit voreiligen Begriffen und Lösungen begnügt, sondern immer weiter fragt. Das, was Darwin oder Häckel, für ihre damalige Zeit sicher Pioniere des Denkens, an Resultaten gefunden hatten, genügt für das Wigen und Denken unserer Zeit nicht mehr. Es haben sich neue Perspektiven eröffnet. Und wir suchen wieder nach einem lebendigen Erfassen der Natur, wie es die Zeit Spinozas und dann später die Romantik besaß. In hochinterepamen Ausführungen har einer der bedeutendsten Spinoza-Forscher, de? Pater von Tunin-Borkowski, Spinoza in das physikalische Wissen und Fragen seiner Zeit hineingestellt. Besonders ist seine Abhängigkeit von feinem Zeitgenoyen Lambert van Belthuizen wichtig. Tiefer wieder hat unter Verwertung der Forschungen Galileis und anderer die gesamten ffragen der Bewegung, der Qualitätsveränderungen, des „Trägers" der Veräuderungen im physikalischen Geschehen, des Aethers behandelt, und Spinoza hatte genaue Kenntnis von allen diesen Trugen. Oft gewinnt man den Eindruck, als ob die damalige Zeit schon ganz deutlich die wichtigsten Fragen der Physik gesehen hat, nur daß ihr eben die exakte Anschauung fehlte, die die heutige Naturwissenschack liefert. Oder man kann auch sagen: die großen Grundfragen bleiben die gleichen, und jede Zeit löst sie mit den^ihr eigenen Mitteln. Spinoza nimmt keine Maye, keinen llrftoff (als ewiges, unveränderliches Atom) am sondern ein „raumbeherrschendes KraftquantunG. Man sieht also, daß schon ganz moderne Begriffe damals in der Luft lagen. Neben den Fragen der Physik wurden diejenigen der Religion in den Mittelpunkt gestellt. Zwar kam es da nicht zu theoretischen Auseinandersetzungen. Man' hätte erwarten können, daß der Pantheismus als solcher zur Diskussion gebracht würde, und damit die Begriffe'Gott. Welt, Glaube, wie sie gerade im Goethe-Jahr aktuell geworden waren. Acker wahrscheinlich war die Mehrheit der Kongreßredner und Teilnehmer der Meinung, daß man mit abstrakten Theorien aus diesem Wege nicht mehr weiter kommst, daß die historische Kritik schon so viel gearbeitet hat, daß kaum Neues zu sagen bleibt. So haben zwar auch Katholiken als Spinoza-Forscher sich beteiligt, und sie scheinen auch viele seiner Gedanken durchaus nicht abzulehnen (obwohl seine Zeitgenopsen ihn immer für einen Atheisten erklärten), aber Spinoza als Theologe wurde doch eigentlich nicht gewürdigt. Um so mehr aber kam die praktische Seite der Religion zur Sprache. Wir er sichren, daß Spinoza in dem Kreise der Kölle, ginnten verkehrte, der besonders weitherzig denkende Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen vereinigte. Damals wurde, nicht zum mindesten durch (Spinoza selbst, die Toleranzidee lebendig. Und damit in engstem Zusannnenhang die Frage nach Aufbau von menschlicher Gemeinschaft^ Staat, Politik. Es ist sehr bezeichnend, daß Spinoza außer fernem Hauptwerk, der Ethik, sowohl einen theologischpolitischen Trakmt, wie, kur; vor seinem Tode, einen politischen Traktat geschrieben hat. Man kann bei ihm alle Hauptfragen der politischen Stades Wassec schadet dem Sjätd und läßt ihn frühzeitig welk und schlaff erscheinen. Für eine gewissenhafte Hautpflege ist es darum notwendig, dem Wasser die schädliche Harte zu nehmen. Dies geschieht rasch und sicher durch den Zusatz van „Kaiser- Borar". Er gibt dem Wasser die bedingte Weichheit und Milde, wirkt anlisepkisch und reinigungskräftig und verleiht dem Teint auf natürliche Weife jugendliche, gesunde Frische. Beim Einkauf verlange man ausdrücklich: „Kaiser-Borax", der parsiümiert und unparfümierl in allen einschlägigen Geschäften erhältlich ist. — Heinrich Mack Bachs., Alm a. D. Philosophie abgehandolt finden. Diese Seite ist beim Kongreß zunächst noch zu kurz gekommen, wird aber aus späteren Kongressen sicher behandelt werden. Auch das Menschliche fehlte nicht. Durch die Besichtigung mehrerer Spinoza-Stätten in dem reizvollen Holland bekamen wir die lebhaftesten Eindrücke von der Bescheidenheit und inneren Größe, die unseren Philosophen auszeichnete und die ja, neben seinen großen Gedanken, ans viele andere Große so begeisternd und belebend wirkten: auf Leibniz und Lessing, Goethe und Schleiermacher, aus den englischen Dichter Shelley und immer wieder auf alle freien Geister, die auf die Kraft der Wahrheit und die Unbestechlichkeit - eines echten Denker- und Bekennermutes vertrauen. Aufklärung durch Run# - Vortragsabend von Meirrhart Maur irrr C. D. Grstz-Berlirr. Jüdische Kunst- oder Literaturabende sind nichts Neues im jüdisch-gLselligen Leben. Neuartig aber war trotzdem "die Veranstaltung, die der Landesverband Groß-Berlin des E. V. einem überfüllten Hause bot: eine künstlerische Aucklär ungsversammlung. Dokumente jüdischen Geistes von dev Bibel bis Zn Stefan Zweig zeigten den Hörern eindrucksvoller „das wahre Gesicht des Judentums" als mancher apologetische Vortrag. M e i n h a r d t M a u r wußte geschickt bte Jnsoiration. deutscher Dichter durch jüdisches Seistesgut darzustellen, und so stand in diesem außerordentlichen Programm etwa neben Hiob der Goethesche „Fausts-Prolog. Die politische Forderung nach gleichem Recht und gleicher Ächtung, die aus der Mitarbeit jüdischer Mensichen am Werden deutschen literarischen Gutes floß, kam in Dokumenten von besonders aktueller Wirkung Zum Ausdruck. Reden aus dem preußischen Landtag von 1cks7, Manifestationen einer leider entschwundenen Gcüunung, brachte Nt einhart Maur zu einer überraschenden künstlerischen und politischen Wirkung. Obwohl die Tendenz dieses Abends sich scharf und Lief jedem Hörer einprägte, blieb die künstlerische Kraft der Dokumente ungeschwächt. Ihr Interpret, Nt ein. Part Maur, gehört zu der kleinen Schar deutscher Künstler, die das Wort klug und in technischer Vollendung auszuschöpfen wissen. MH Rücksicht an! des grossen Erfolg des Abends wiederholt Melnfeart Maur das Programm am 2s. Oktober im Berliner Logenbaus, Kleist- Strapse. :; r f u E3 . n : : ,., y y LiL> © vs. eo n nn ncn ' L [£flejgs©sra°L©lAkM3J® Ziehung 1. IZlczzso 21. u. 22. Oktober / Lose Eottlneelnnehmem