Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 40 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Die „Germania" über „Nasse Die kulturelle Verlags der „Germania" vorn 31. August d- Iist den Problemen „Rane — Eugenik — Judentum" gewidmet. In richtiger Erkenntnis der Vielfalt des hier angeschnittenen Fragenkreises betont die Redaktion m ihrem Vorwort die Unmöglichkeit erschöpfender Behandlung auf vier Zeitungsseiten und bee fich mit „prinzipieller Betrachtung in ischer Schau" und „Anregung zu weiterem individuellen Durchdenken und Nachdenken". Neben den aufschlußreichen Artikeln und Auszügen aus Werken, die das uns hier interessierende Gebiet nicht rDer doch nur an der Peripherie berühren, sind es vor allem ein Aufvon Tr. Knecht.. Ausführungen von Profe ssorP. W. SchmiLt und die Zitierung des Römerbriefes des Apostels Paulus, die uns angehen. Tr. Knecht macht m seinem Aufsatz „Die ersten Juden in Le u rsch l a n er Anmerkungen über das erste Auftreten unserer Gemeinschaft in unserem Vaterlande, insbesondere in Trier. Ein Dekret des Kaisers Konstantin, die Juden zur städtischen Verwaltung zuzuziehen, bezog sich vermutlich auf Liese Stadt. Bereits int Joch re 275 bestand dort eine jüdische Gemeinde. Die Bemerkung des Versagers, daß es auch schon damals Antisemitismus gab, ist wenig geeignet, Jubel bei den heutigen Judenhafsern etwa über die vermeintliche Kontinuität ihrer Gesinnung hervorzurufen, da Dr. Knecht seinen- Ursprung in der G e s ch ä f L § k o n k u r - r e n z erblickt, in einem Motiv also, das uns als ^wußter oder unbewußter Urgrund heutiger Judenfemdschast nicht gerade fremd ist. Tie der „Schöneren ZunkunfL" entnommenen Ausführungen Schmidts über .Das Rassen- Prinzip des Nationalsozialismus" suchen nachzuweisen, daß der Rassegedanke des Nationalsozialismus ebenso wie gegen die Juden gegen die Katholiken gerichtet sei. Die „ostische" Raffe werde gegenüber der „nordischen" als minderwertig hingestellt, weil ihr Verbreitungsgebiet wesentlich mit dem vorwie-!lend katholischen Telle Deutschlands zusammenalle. Beifällig wurde von Günther der Satz zitiert: ,Don Religion ist der Ostmensch am ehesten Katholik." Don besonderer Bedeutung für die Stellung des katholischen Volksteiles zu uns jüdischer, Deutschen scheint uns aber dis Herausstellung des Paulinischen Römerb r i e s e s zu sein, der nach der Vorbemerkung der Redaktion die Grundlage der katholischen Einstellung bildet. Er enthält die ^vorte: „Jch^frage nun: Hat Gott etwa sein Volk fcetftoHen? Nimmermehr. Ich bin doch auch ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams, aus dem Stamme Benjamin." Tie Einstellung des gläubigen Katholiken zum Judentum ist t h e o l o g i s ch, nicht biologisch beftinunL. In diesen Rahmen fügt sich auch ein, was Dr. Her m a n n Josef W ehr!e in seinem Aufsatz „Die Stellung des gläubigen Katholiken 3 u r Judenfrage" in der in dieser Zeitung bereits besprochenen Sammlung „Der Jud ist schuld" ausführt: „Eine Auffassung, die grundsätzlich eine Raffe höher bewertet als die andere, steht in schreiendem Widerspruch zu der Erlösungstatsache Christi, einem der Crunddogmen alles Christentums ... Tie Trennungslinie ist ja heute schon fast nicht mehr Christ oder Nichtchrist, sondern religiös denkend oder nicht." Wenn wir uns stets gegen den Rassenwahn gewandt haben, so geschah es niemals aus dem Gefühl der Unsicherheit heraus, sondern getrie--. ben von Widerwillen gegen eine grob materialistische Betrachtungsweise, die glaubt, dre Buntheit volklichen Lebens mit animalischen Formeln bewältigen zu können. Unsere Sonderart — über das Konfessionelle hinaus — haben wir nicht geleugnet, sondern frei bekannt, wohl wissend, daß unsere Einfügung in das Doltsganze Hingabe, nicht Preisgabe bedeutet. Ernst Plant. 823 LLÄ? föJSffiSf WÄ! E2j »A SSSkÄÄ» Ter LLNd-rZv-röand M:tteldeutsä:!and des CrntrarvcreiNL deutscher SLaaLöbürgcr jü- -Lschcn Glaubens übersendet uns nachstehende Erklärung: Zwischen dem Landesverband Mitteldeutschland des Centralvereins dcuffcher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem Leipziger Mrjseamt haben Verhandlungen geschwebt, welche die Unterlassung der Forderung nach Konsessionsangabe bei der Arbeitsvermittlung des Leipziger Messeamts im Auge hatten. Die Verhandlungen sind gescheitert. Zwar haben wir uns in den Unterhaltungen davon überzeugt, daß das Messeamt intern gutgläubig ist, als der Ursprung dieser anfälligen Maßnahme nicht in antisemitischen Seinnungen zu suchen ist. Man hat, so seltsam es Unat, tatsächlich geglaubt, daß die Konsesfionsangabe eine Erleichterung in der Arbeitsvermittlung bedeutet, und hat nicht daran gedacht, daß die Konsessionsangabe heutzutage in wirtschaftlichen Angelegenheiten lediglich eine Ausschaltung von Jiwen bewirkt. Es ist sestgestellt worden, daß das Messeamt dem Arbeitgeber dann eine Angabe über die Konfession des Bewerbers macht, wenn dieser sie verlangt. Ter Nachweis, daß jüdische Firmen die Einstellung von jüdischen Bewerbern verlangt härten, und daß dadurch das Vorgehen des Megeamts gerechtfertigt war. ist nicht geführt worden. Es sollen einmal Anfragen aus Palättina und Polen gekommen sein, in denen als Angestellte Juden verlangt wurden. Darüber, wann es geschehen ist und ob es vielleicht Firmen waren, die mit jüdischen Ritualien handelten, konnte nichts festgestellt werden, da das Messeamt sich lediglich aus die Mitteilung der Tatsachen beschränkt hat, ohne nähere Unterlagen zu geben. LLwohl das Messeamt aber aus den Verhandlungen entnehmen mußte, daß maßgebende Kreise des Judentums an, biefer KonfesfiouSarrgabe in einer rein wirtschasrlichen Angelegenheit ernsten Anstoß nehmen. und daß sie darin, wenn auch keine antisemitische Absicht, so doch aber antisemitische Auswirkungen erblicken, hat der Vorsitzende des Messeamtes. Herr L r. Raimund Köhler. sjch mit aller Entschiedenheit geweigert, in Zukunft die Frage nach der Konfession zu unterlassen. Es umß demnach nochmals festgestellt werden, daß das Leipziger M e s s e a m t, eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes, bei der Arbeitsvermittlung nach wie vor die Konfessionsangabe verlangt und dadurch jenen Bestrebungen Vorschub lei st et, die die Juden aus dem Wirtschaftsleben aussch alten wollen. Wir können nichts anderes tun. als daß wir diese bedauerliche Tatsache noch einmal sestftellen." über 25 Hahrs tfiUtothtM* ^— 4 \ \ Hau 2« «r:b CinretöcmüM b?i w \ Rheuma, Ischls, 5Lopf-, i, tzverven«.ErkäUrrngSschmerzen ' j ErrnllLun.g» <5tzSport. / ArrmsMergelsi. Irr allru und DcoLerlsn. „Staatssslk" Zur^ufklärung eines Mißvrrftänöniffes Dr« Paul Fechter, der lm Juli dieses JahreS auf unsere Sitte hin in dieser Zeitung zu den kuuftfcindlrchen Anträge« der §rationcUsoLiariftcn im Preußischen Landtag Stellung nahm, schreibt rmsr verzeihen Sie, wenn ich sehr verspätet noch einmal nns hip Diskussion zurückkomme, die sich in Ihrem Juli-Heft" Rr."29 zwischen Fritz Engel und mir abgespielt hat. ^Jch habe seinerzeit darauf verzichtet, Herrn tLnge! zu antworten, und nur privatim kurz die Angelegenheit mit ihm berührt; ich muß jetzt aber noch einmal darauf zurückkommcn. Ein Gespräch mit meinem Freunde Monty Jacobs, das. infolge der Sommerreisen erst kürzlich stattfand, hat mir gezeigt, daß in meinem Schreiben an Sie ein Begriff offenbar schwer mißverstanden worden ist — der Begriff vom staatsvolk nämlich. Diese Formel ist für uns, die wir uns ständig mit den Minderheitsfragen und dem Schicksal der Ausländsdeutschen beschäftigen, eine absolut geläufige ohne den leisesten Beigeschmack von Wertung. In Polen zum Beispiel sind die Polen das Staatsvolk, die Deutschen, die Juden, die Ukrainer, was ich Ihnen ja wohl kaum zu sagen brauche, die Minderheit. So ist es überall, und diese Formel vom Staatsvolk gibt die Möglichkeit, diese Berhältniqe rasch und schnell darzustellen. Ich habe trotzdem, als ich Ihnen meinen Brief schrieb, geschwankt, ob ich den Ausdruck gebrauchen sollte, weil ich weiß, daß die Diskussion der Frage, ob man das jüdische Element auch in Deutschland als Minderheit rechnen darf, gerade bei den Besten unter ihnen auf scharfen Widerstand stößt. Ich habe ihn schließlich doch gebraucht, eben wer! er sich auf ein rein zahlenmäßiges Verhältnis bezieht und in diesem Sinne überall im außerdeutschen Gebiet selbstverständlich auch auf uns, die Deutschen, angewandt wird. In keinem Fall lag irgendeine Absicht einer Wertung vor. Nun macht mich Monty Jacobs darauf aufmerksam, daß der Begriff Staatsvolk. wie wir ihn bei unserer Beschäftigung mit der Minderheitenpolitik dauernd gebrauchen, keineswegs so allgemein bekannt ist. wie ich es vorausgesetzt habe, und in den Kreisen Ihrer Mitglieder zu schweren Mißverständnissen geführt hat, weil man ihn qualitativ gefaßt hat. Obwohl mir eine solche Auffassung so fern liegt, daß ich ihre Möglichkeit nicht einmal recht einsehon kann, möchte ich Sie doch im Sinne einer sachlichen Atmosphäre bei den heutigen Diskussionen des jüdischen Problems darum bitten* in Ihrem Organ^ freundlichst sestzustellen, daß dieser Begriff Staatsvolk von mir Lediglich quantitativ und in keiner Weise qualitativ gemeint gewesen ist/ derTÄLMUD fürjedermann Llllgemeinverstandliche Auswahl fn deutscher (leberiroZung von Fromer. — Ein begeisterter Freund-unserer Talmud-Ausgabe hat einen Fonds gestiftet, durchden es möglich ist, daö vielfarbig gedruckte, gwpangslegte, herrliche Monumenialwsr? in reichvergoldstem Ganzlemenband hsg auf weiteres statt 36 Mar? franko zu liefern (auch in zwei Monatsraten h 8,25 Mark). — Benutzen E-le diese einmalige Gelegenheit, für. ÄJtfO'iJ L Sie muffen den Talmud kennener gehört neben der Bibel Ln jedes jüdische Haus. Bestellungen nur an Eömund Metzer, Suchhandlung, Äeriin W50, Lamberger Straße 61, Postscheck sisos, gegr» LorelnsenLmig »L-r Nachnahme.