Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 40 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme zu verbreiten. Ebenso wichtig wie die Sicherheit des Lebens ist die Erhaltung und Sicherung der dauernden und tatsächlichen Gleichberechtigung der deutschen Juden. Ausführlich wurde die Stellung des jüdischeu Wählers zu den einzelnen Parteien besprachen und kein Anlaß gefunden, die Wahlparole. die der C. V. zu früheren Mahlen gegeben hat, zu ändern. Es ist selbstverständlich, daß jeder jüdische Wähler „deutsch' wühlt, wie jeder andere Deutsche, aber §Z ist unwürdig für einen Juden, einer Partei die Stimme zu geben, die den Juden als minderwertig oder gar als nichtdeutsch betrachtet. So wurde darauf hingewlesen, daß die Deutschnationale Volkspartei — ganz abgesehen von dem § 11 ihres Parteiprogramms vom Jahre 1928 — Juden bejchlußmäßig nicht als Mitglieder aufnimmr. Ter Arbeitsausschuß faßte den Beschluß, die Nuftlärungsarbeit der Zentrale innerhalb des Betriebes stärker zu zentralisieren und alle beamteten und ehrenamtlichen Kräfte dafür einzusetzen, um durch Wort und Schrift das wahre Bild der Juden in nichtjüdischen Kreisen Zu verbreiten. * Anläßlich eines Bierabends im Hause des Stellvertreters des Vorsitzenden des Central- Vereins, Rechtsanwalts Tr. Bruno Weil, hielt Unwersiiärspreftsior Dr. Hermann Heller (Frankfurt a. Main) einen Vortrag „Autoritärer cöer totaler Staat'. Dieser Abend war ein wertvoller Auftakt für die am folgenden Tag stattfindende Sitzung des ArbeiLausschusies. Ter Centraworein, der seit langem mit Aufmerksamkeit die grundlegenden Veränderungen in der deutschen Auffassung vom Staat verfolgt, hatte den lebhaften Wunsch, aus berufenem Munde den Ablauf dieser Entwicklung, ihre Gründe und Ziele, besonders auch die Gesichtspunkte, die für eine Entscheidung vom jüdischen 0fcmhhim£* Hey*t sind, därgestelit zu sehen. Unseren Mitgliedern steht ein ausführliches Protokoll des Vortrages auf Wunsch bereitwilligst zur Verfügung. Anforderungen unter Beifügung von Rückporto an den Centralverein, Berlin W 15, Emser Straße 42. der Oeftlichen Ha/enstraße, im belebtesten Gefchäfisviertel der Stadt, eine riesige hellblaue Zahne mit gelber Swastika'; hier kam'es eine Zeitlang dauernd vor, daß Schüler ihren jüdischen Kameraden Hakenkreuze auf die Danke MLbton oder in die Hefte kritzelten teelln Verhör ^gestanden sie dann, dafür bezahlt worden zu sein, und die Horrnn^re — aus deutschen Quellen). Hier triist man, ganz wie bei uns, in den Straßen uniformierte Fnruoürd-Jünglinge, die ihrem Berliner oder Äüncherrer Sesinn!mßsgenösse» in Tracht und Antreten gleichen wie ein Ci dem andern; hier wurde während der Wahl reit 'rr nationalsozialistischen Versammlungen genau derselbe Tamzc::i entfaltet wie bei Fahnen, Uniformen, llllusik, Heilrufe — nur daß es diesmal nicht „Heil Hitler', sondern ^Heil Furugärd“ hieß. Herr Birger Frrrugürd, ein Veterinär aus Teje, ist uämlich der schwedische Leiter'. Seine Tiraden richteten sich geben die „Systemrnc fyryytrtTom jüdischst» Finanzpolhpen', den Marxismus usw. Tie Versammlung im Zirkus war überfüllt. Freilich erhellt aus dem Wahlresultat, daß die Manen, die Herrn Furugürd n.ud die Seinen sehen und hören wollten, keineswegs . nationalsozialistisch gesinnt warew 2k gingen nur hin, weil sie das Ganze ulkig fanden. Aber auch wer es versäumte, solche Dersammlungen zu besuchen, konnte unmöglich an der Existenz der neuen Partei Vorbeigehen, tod es ist geradezu ein Wunder, daß bei der Biesenpropaganda (wer bezahlte sie?) ihr Erfolg nicht noch viel größer geworden ist. Es gab keinen LaLernenpsahl. an dem nicht kleine hakenkreuzgeschmückte Plakate hingen: „Schweden den wchrveden! Wählt Nationalsozialisten!' oder: .Lerbrecht die marxistisches Ketten! Wählt Nationalsozialisten^ oder: „Schweden! Wenn ihr nicht wollt, daß das internationale Finanzkapital . . / usw. Aber auch direkt zudmcheindliche Maueranschläge fanden sich in Massen. So sah man eine scheußliche Karikatur: drei abstoßend widerliche „Iudentypen" in einer erregten Mauschelei begriffen, darunter die Worte: „Schweden! Wollt ihr, daß diese Leute Schweden regieren? Wenn nicht, wählt Natt ona ls ozia listerck' wölbst der Krenger- Krach mußte für das antisemitische Arsenal Waffen liefern. ,stLefreir euch vom jüdischen Kapitalismus!^ heißt es da. „Denkt an den Juden - Strohmann (juckedulvanon) Kreuger!' Daneben wurden auch große Platäte angeklebr, welche die vom letzten Wahlkampf bekannten O r i g i n a l k l i s ch e e s der deutschen NaLionalsozialiften (natürlich mit schwedischem Text) aufwieftn. Tem Unkrmdigcn, der es noch nicht wußte, wurde dadurch die völlige geistige' Abhängigkeit — die finanzielle bleibe ununtersuchr — der schwedischen Nationalsozialisten von den großen Brüdern offenbar. Es langte rächt einmal zur Erfindung eigener Wahlparolen, geschweige deml inspirierte die Bewegung einen schwedischen Künstler zu Zeichnungen und Schaub ildsrn, wie sie die anderen Parteien überaus wirkungsvoll verwandten. Arwh die Uniformen sind getreue Abbilder der den:scheu, wenn nicht gar macke In Germany; das einzig? Originale find die Armbinden, die iucher den schwedischen Rationalsarben und dem Hakenkreuz auch das sozialistische Röt und die heilige Münchener Couleur aufweisen. Tem Beschauer wird ganz braun und blau vor An gen . . . Es ist nicht zu leugnen: die Plakate der Nationalsozialisten beherrschen rm Wahlkampf das Straßenbild. (Immer von Göteborg gesprcchen.) Daß sie es konnten, rührt daher, daß so viele Göteborger heimlich oder offen antisemitisch find, auch werm sie es rmt Entrüstung von sich wiesen, m irgendeine Verbindung zu den Nationalsozialisten gebracht zu werden. Göteborg ist eine Handelsstadt; aber weit davon entfernt, durch die internationalen Verbindungen eine gewisse Großzügigkeit und Vorurteilslosigkeit zu erwerben, wie sie etwa die Hamburger besitzen, haben weite Kreise sich hochmütig-ab!ehncnd gegen alles t fr S; /tHtl 7 Tf A’Vj?* t! I 1 . i A. i! I l * H \S^ /* ■ \ f. Y^\ /) "tt- J 'kl Mißerfolg bei den schNedifchen Michstagswahlen Aus der Tagespresie haben die Leser dieses Blattes schon erfahren, daß m einer Zeit des allgemeinen Rechtsrucks die Wahlen zur Zweiten schwedischen Kammer mit einem ganz unerwartet Hohen Sieg der Sozialdemokratie geendet haben. Mit 104' von 220 Sitzen werden „Per Albins" Leute die stärkste Partei in der neuen Kammer sein. Zweiter unbestrittener Sieger war der Bauernbund, der seinen Bestand von 27 auf 36 Mandate steigern konnte. Die Rechte hat 15, die Freisinnigen haben 9 Mandate eingebüßt. Die AbspaltunA der „Sillen-Kommunisteu', die Moskauhörig sind, kostete die unter Kilbom vereinten „schwedischen' Kommunisten zwei Mmndate; immerhin bleiben diese also gewissermaßen in der Familie. Die Liberalen konnten ihre vier Sitze, wenn auch unter Schnürigkeiten, behaupten. tot das Ergebnis richtig würdigen zu können, muß man wissen, daß der schwedische Reichstag aus zwei Kammern besteht, der aus mittelbarer Elektorenwahl hervorgegangenen Ersten mit 159 und der durch direkte Wahl zusammengernsenen Zrveiten mck 230 Sitzen. Die Wahlen zur Ersten Kammer finden alle acht Jahre statt, jedoch mit der Dtatzaabe, daß jedes Jahr ungefähr ein Achtel der Lllitglieder neu fwählt wird, da die Wahlkreis? in acht ruppen geteilt find, von denen in jedem Jahre einer wählt. Die Wahlen zur Zweiten Kammer erfolgen alle vier Jahre bu September. Maßgebend für die Zahl der Mandate ist nicht die Zahl der erzielten Stimmen, sondern die Bevölkerungsstärte jedes Wahlkreises. Auf diese Weise ist es möglich, dcrß Parteien, die eine große Stimmenzahl aufgebracht haben, doch nur wenige Mandate erhalten, weil die Stimmen sch!eä)t verteilt waren. Anderseits kann eine Partei trotz großen Stimmverlustes mit einem blauen Auge davonkom.men, weil sie sich in gewr^en Bezirken gut gehalten hat. Oft reichen aber auch ganz wenig? Stimmen aus, mn ein Mandat zu retten oder zu verlieren. Es hätten immerhin nur etwa 3400 Stimmen gefehlt, um den — Natronalsozralisten, die bei dieser Wahl erstmalig auftraten, eine Bertretrrng im Reichstag zu sicher n. 3400 Stimmen sind viel, wenn man bedenkt, daß bk Nazis m Göteborg nur €049 Stirn men erhielten; es sind wenig, wenn man bedenkt, daß sie dieses Resultat beim ersten Anhieb erreichten. Es find immerhin 514 v. H. aller abgegebenen Stimmen, und wäre dieser Prozentsatz für Sckpveden symptomatisch, so hätten die Nationalsozialisten rund 125 000 Stimmen erzielen müssen, also dreimal so viel wie dir Liberalen, und bei gleich günstiger Verteilung 12 Mandate. Sie erhielten aber war 14 345 Stimmen und kein M a n d a t. Wie erklärt sich dieses Ergebnis? Daraus, daß dir nationalsozialistisch? ^Bewegung' in Schlveden sich im wesentlichen auf zwei Gebiete beschränkt: auf Göteborg und auf Vär mland. In 15 von 24 Provinzen erhielten die Nationalsozialisten keine emzige Stimme, in zrvei weiteren je 2, selbst in Stockholm nur 1930, in Därmland aber 30 8 7 und in Göteborg und Bohuslün zusammen an die 7 0 00 Etiunnen. Wie bei uns, so sind auch in Schweden die Nationalsozialisten äußerst wendig. Nach dem Grundsatz: ,tzlver vieles bringt, wird jedem etwas bringen' sehen sie sich ihre Leute an und ziehen sie ihre Agitation cu:f. Sie versuchen, wie E. W. Olson in einem ausgezeichneten Artikel in „Sven3fca Dagbladet“ zusammenfaßt, ^zn gleicher Zeit exklusiv national zu sein und — nahe verbunden mit auZländischen Bewegungen derselben Art. Sie treten gleichzeitig für Sozialisierung und Schutz des Privateigeutunis ein; ihre Oiasienschwärmerei stellt einen in absurdum getriebenen Konservativismu3 dar — und gleichzeitig wollen sie als extreur radikal - gelten". In Göteborg wird mehr dis antisemitrsch-nationale. in Vatmlnnb die antikapita- Listisch-soziale Walze gespielt. Göteborg hat leider, zum Teil vielleicht infolge der größeren Nähe zu Deutschland, so cüvas wie eine antisemitische ^Tradition". Hier erschien schon vor mehr als einem Jahrzehnt das berüchtigte judenseindliche Skandalblatt „Vicklltz hier finden heute die beiden nationalsozialistischen Blättchen „Var Lamp" („Unser Kanrpf') und „blationen“ ihre eifrigsten Leser; hier sind der „Völkische Beobachter^ und der „Angriff', der ,L. L." und sogar der „Stürmer" an nur allzuvielen Zeitungsständen zu laufen; hier weht in